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Verlag Langgaffe 21

„Tigdlarihaue".

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Berliner Abteilung des Wiesbadener T-gblattS: Berlin W., Potsdamer Str.121 L Aernspr.: «»t Lützow 6202 u. 6203. WILN^'^^LiüLlKLL!!!!!!

Zreitag» 13. Oktober 1916.

Morgen-Ausgabe.

Nr. 494. . 64. Jahrgang.

Ränkespie! gegenüber unserem ll-öootskrieg.

„Das Unterhaus ist wieder zusammengetreten, es zeigte sich keine Spur einer politischen Erregung, und die Sitzung verlief ohne Zwischenfall." — Diese Reuter-Meldung ist ein klassisches Beispiel des engli­schen „oaut". Lord Grey in eigener Person konnte ihr Verfasser sein, weil die Wendung, daß sich beim Zu­sammentritt des Unterhauses keine politische Er­regung „zeigte", den Stempel seiner verschlagen-irre­führenden Ausdrucksweise trägt. Denn hat sich im Unterhause wirklich keinerlei Erregung „gezeigt", so haben seine ehrenwerten Mitglieder dabei eine ein­studierte Rolle gespielt. Das geht aus einer Lon­doner Meldung des italienischen „Secolo" hervor, der den „sehr schlimmen Eindruck" der S ch i f f s Versen­kungen an der amerikanischen Küste feststellt, die Lähmung des ganzen Ozeansverkehrs und die englische Furcht vor dem Beginn eines ausgedehn­ten U-Bootskrieges eingesteht und auch nicht verhehlt, daß von englischer Seite „alles" aufgeboten werde, die Regierung der Vereinigten Staaten gegen Deutschland scharf zu machen. Pech genug für den diplomatischen Hintermann Reuters, wenn seine Kreise von dem ententefrommen Mailänder Blatts so plump gestört werden!

Mit welchen Mitteln aber England in Amerika die Scharfmacherei gegen Deutschland be­trecht, veranschaulichen neben wetteren Reuter-Meldun­gen krasse Tendenzartikel der von London beeinflußten anglo-amerikanischen Presse und der englischen Zeitun­gen sechst. Spricht Reuter von einer Untersee­boot - „B l o ck a d e" der amerikanischen Küste durch Deutschland, so zetert der „New Dork Herald" über preußische Kriegführung in „amerikani­schen Gewässern" und dem „Journal of Com­merce" dünkt die Küste der Vereinigten Staaten eine „Basis" für deutsche Unterseeboote. In Wahrheit hat das deutsche Unterseeboot nicht einmal von dem ihm zustehenden Rechte der Versorgung mit Brennstoff und Lebensmitteln in einem amerikanischen Hafen Gebrauch gemacht, und anstatt um eine Blockade, die alle Schiffe beträfe, handelt es sich um den Kreuzerkcieg gegen feindliche und mit Bannware beladene neutrale Schiffe, der nicht in amerikanischen Hoheits­gewässern, sondern im offenen Meere geführt wird. Die Übereinstimmung dieses Kreuzerkrieges mit allen internationalen Regeln ist vom amerikanischen Marine- minister Daniels dem Präsidenten Wilson berichtet worden. Wenn trotzdem die anglo-amerikanische Entente­presse im Einklänge mit der Londoner „Westminster Gazette" jenen tendenziösen Standpunkt einnimmt, so beweist sie von deuem ihre Skrupellosigkeit, das inter­nationale Recht nach den jeweiligen Bedürfnissen Groß­britanniens zu kneten. Die richtige Kennzeichnung bat diesem Verfahren die New Iorker „World" ange­deihen lassen, als sie der englischen Flotte und nicht der amerikanischen Regierung die Aufgabe zuwies, sich mit korrekt verhaltenden deutschen Tauchbooten zu befassen.

Unbekümmert um solche einwandfreie Auffassung, me einer wahrhaft neuttalen Denkweise entspricht, hat der Pariser „Temps" auf Grund von Neuttalttäts- Pflichten, wie der Vierverband sie sich zurecht legt, Amerika zum nachdrücklichsten „Protest" gegen das deutsche Vorgehen aufgefordert. Da sich der ,,Temps" hierbei ausdrücklich auf die Neutralitätsbedingungen beruft, die von den Ententemächten den neutralen Staaten jüngst auferlegt werden sollten, ist es nicht gleichgültig, daß die Vereinigten Staaten laut einer Erklärung des Rates im Staatsdepartement P o l k den Standpunkt der Entente, keinem Tauchboot dre Benutzung von Häfen zu gestatten, abgelehnt haben. Nach dieser. amerikanischen Stellungnahme rottö öte bodenlose britische Selbstsucht doppelt durch ow Forderung der „Pall Mall Gazette" gekennzeichnet, es solle für den westlichen Atlantik ein „Gegen- vatrouillendienst" eingerichtet werden, der die Vernich­tung von U-Booten durch Kriegs- und Handelsschisfe (!) ohne Rücksichtnahme auf die Feststellung ihrer Ratio- nasitat bezweckt. Da die „Pall Mall Gazette" ausdrück-

damit rechnet, daß auf diese Weise auch amerika- m>che U-Boote vernichtet werden, glaubt sie offenbar, ^n Anglo-Amerikanern ^ ec ^ n ^lles bieten zu

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Die Bearbeitung Wilsons.

W. T.-B. Washington, 12. Okt. (Eig. Drahtbericht. Reuter.) Staatssekretär L a u s i n g erklärte nach seiner Rückkehr von der Inferenz mit W i l s o n in Lang Branch, daß vorläusig noch keine Wttscheidung über die Haltung der Bereinigten Staaten gegenüber der neuen U-Bootskampagne im Westatlantischen Ozean artrosjen wurde. Die Untersuchung der ganzen Frage dauere noch

fort. Aus anderer Quelle verlautet, Wilson habe zahlreiche Tele­gramme erholten, in denen eine Aktion verlangt wird, um eine Wiederholung der Angriffe zu verhindern.

Wilson glaubt kein Recht zu haben, die Loyalität Deutschlands zu bezweiseln.

W. T.-B. Lang Branch (New Jersey), 12. Okt. (Draht- kericht. Funkspruch des Vertreters des W. T.-B. Verspätet eingetroffen.) Infolge der Tätigkeit deutscher Unterseeboote an der amerikanischen Küste hat Wilson folgende Mittei­lung ausgesprochen: Die Regierung wird sich selbstverständlich zunächst Gewißheit über alle Tatsachen verschaffen, damit über sie keine Zweifel oder Fehler unterlaufen. Das Land kann versichert sein, daß die deutsche Regierung zur E r - s ü l l u n g ihrer der Regierung der Vereinigten Staaten ge­gebenen Versprechen angehalten wird. Ich habe kein Recht, ihre Bereitwilligkeit zu deren Erfüllung in Zweifel zu z'ehen. — Graf Bernstorff äußerte den Aussragern gegenüber: „Deutschland versprach, seinen Unterseebootskrieg in Überein st im mung mit den Regeln des Krenzerkrieges zu führen. Deutschland hält seine Ver­sprechen stets."

Fernhaltung der britischen Kriegsschifse von den amerikanischen Gewässern.

W. T.-B. London, 12. Okt. (Drahtbericht. Reuter.) Im Hinblick auf die amerikanifche Antwort auf die Note der Alliierten vom August 1816 über die An­wesenheit von Unterseebooten in neutralen Ge - wässern fanden seit dieser Zeit mündliche Erörterungen hierüber in Washington mit dem Staatsdepartement statt. Der dabei zu berücksichtigende wichtige Punkt ist, daß im Ein­klang mit den Wünfchen der Vereinigten Staaten die briti­schen Kriegsschiffe in einige Entfernung von den ame­rikanischen Hoheitsgewässern zurückgenommen wurden und sich von diesen Gewässern, in denen jetzt die feikidlichen Un­terseeboote ihr Unwesen treiben, fernhalten.

der neue Gewattstreich der Entente gegen Griechenland.

Das Ultimatum und seine Bewilligung.

Bi- Berlin, 12. Okt. (Eig. Drahtbericht, zb.) Über das Ultimatum, das die Entente der griechischen Regierung überreichen ließ, meldet ein Telegramm des „L.-A." aus Rotterdam: Das Ultimatum führt aus, daß die Absendung von Artillerie und Munition von der griechischen Flotte nach dem Inland, die Bewegung der griechischen Kriegsschiffe und 'fortgesetzte Tätigkeit der Reservistenver­bände Besorgnisse für Ruhestörungen erregten in Orten, wo die Flotte der Alliierten Anker geworfen habe. Dadurch würde auch die Sicherheit der Truppen der Alliierten auf dem Balkan gefährdet werden. Außer der Abrüstung der drei genannten Schisse verlangte der Admiral E n t f e st i - gung der Forts und Küstenverteidignngs- werke, die Auslieferung von zwei Forts, die die Ankerplätze der Cntenteflotte beherrschen, die Kontrolle über verschiedene Bezirke. Nach einer Renterdepesche von gestern abend 11 Uhr 40 Min. aus Athen erklärte der griechische Marrneminister, daß das Ultimatum vor der darin festgesetz- ien Frist bis 1 Uhr nachmittags von der Regierung be­willigt worden ist, und damit die griechische Flotte auf­gelöst wurde.

Nähere Angaben über den Raub.

Br. Berlin, 12. Okt. fEig. Drahtbericht, zb.) In der „Boss. Ztg." liest man folgende Angaben die zur Kennzeich­nung der Bievverbandsforderungen dienen: Die das thefsali- sche Gebiet Griechenlands von Süden nach Norden durch­querende Eisenbahn At,he n -Larissa ist neben der von Osten nach Westen lausenden Bahn Athen-Patras der wichtigste Verkehrsweg Griechenlands. Seine Bedeutung ist noch gestiegen durch den Anschluß, den er kürz­lich in Griechisch-Mazedonien nördlich von Larissa an das europäische Eisenbahnnetz erhalten hat. Seine Länge beträgt etwa 300 Kilometer. Die griechische Kriegsmarine besteht aus 23 größeren Fahrzeugen, wozu 10 bis 15 kleine Schiffe kommen. Die Besatzung zählt ungefähr 11 000 Köpfe. Die Schlachtschiffe „Lemnos" und „Kilkis" sowie die Kreuzer „Georgios" und „Averoff" sind die größten Kriegsschiffe, über die Griechenland verfügt. Die ersteren beiden haben je 29 400, die letzten 10180 Tonnen.

ver Krieg gegen England.

Ksquith über die Kriegslage.

Neuer englischer Kriegskredit. — Eine Erklärung gegen ei» Friedenskompromitz.

W. T.-B. London, 12. Okt. (Drahtbericht. Reuter.) Im Unterhaus brachte Asquith eine neue Kredifforderung im Betrage von 300 Millionen Pfund Sterling ein. Er erklärte dabei, dieser Kredit erhöhe den Gesamtbetrag für das laufende Finanzjahr auf 1350 Millionen und den Gesamtbetrag der seit Kriegsausbruch bewilligten Kredite auf 3132 Millionen. Die gegenwärtigen Kriegsausgaben beliefen sich ans

etwa fünf Millionen täglich. Die Ausgaben für das Heer wiesen nur eine geringe Verminderung auf, aber die Ausgabe für Munition sei erheblich gewachsen. Der Voran­schlag für den Budgettitel „Anleihen der Verbündeten und der Kolonien" sei überschritten worden, und wenn diese Anleihen in dem gegenwärtigen Maßstab zu wachsen fortfahren sollten, würden-die im Budget veranschlagten 450 Millionen sehr erheblich überschritten, aber kein Teil der Kriegsausgaben sei wichtiger für die Sache der Alliierten als dieser. England habe in dieser Beziehung keine selbstsüchtigen Jntereffen, und obwohl die Ausgaben iiber den Voranschlag hinansgingen, handle es sich hier um Ausgaben, die er nicht bedaure, und die das Haus der Regierung nicht kürzen werde. (Beifall.) Vom 1. April bis 24. September machte diese Anleihe der Alliierten und der Kolonien 157 Millionen ans. Seither wurden neuer­lich 96 Millionen Vorschüsse gegeben. Asquith gab sodann einen Überblick über die Kämpfe ans den verschie­denen Kriegsschauplätzen. Die letzten Berichte aus Meso­potamien zeigten, daß die Eisenbahnen und die Wasser­verbindungen ivesentlich verbessert worden seien. Ein wirk­samer Fortschritt wurde in der Überwindung der Schwierig­keiten gemacht, die bisher die Kämpfe in Ägypten hemmten. Die Niederlage der Türken bei der Oase Latia am 3. August mit einem Verlust von 3166 Gefangenen und 4 Geschützen nötigte den Feind, sich 20 Meilen weit zurückzuziehen- Co rückte die Gefahr eines Angriffes auf den Kanal in die Ferne und minderte das türkische Ansehen in Syrien und Arabien. An der We st front van Ägypten seien die Senussi zur Machtlosigkeit verurteilt. Die Tatsachen bereiten im Verein mit den Kämpfen in D a r f u r den türkisch-deutschen Ränken in Ägypten und Sudan wirksam ein Ende. In Saloniki erhielten die Streitkräfte beträchtliche russische und italie­nische Verstärkungen und sie ergriffen Anfang Septcnchcr die Offensive mit dem Ziel, ihre Tätigkeit mit der ddr russischen und rumänischen Truppen in Siebenbürgen und der Dobrudscha zu vereinigen. Diese Offensive hatte einen be­trächtlichen Erfolg. Auf dem rechten Flügel setzten sich die Briten auf denk linken Strumaufer fest, wo sie die bulgarischen Stellungen nahmen, wiedecholte Gegenangriffe abschlngen und dem Feinde schwere Verluste znfügten. Auf dem linken Flügel schlugen die Russen, Franzosen und Serben die Bul­garen, nahmen F l o r i n a und vertrieben den Feind von den Grenzhöhen. Sie befinden sich nun etwa 8 englische Meilen von der wichtigen Stadt Monastir entfernt. Die Operationen der Alliierten in dieser Gegend brachten nicht nur dem Feind schwere Verluste bei, sondern verhinderten ihn auch, Truppen von Mazedonien nach der Dobrudscha zu schaffen. Sie leisteten dadurch dem russischen und dem rumänischen Alliierten wertvolle Dienste. Zum Schluffe seines Überblickes über die militärische Lage sagte Asquith: Es darf nicht sein, daß dieser Krieg mit einem nicht von unserem Willen abhängigen entehrenden Kompromiß, mit einem Flickwerk, endet, das sich hinter der Maske eines sogenannten Friedens ver­birgt. (Laute Beifallsrufe.) Wir sind es denen, die ihr Leben dahingabrn, schuldig, daß sie das Opfer ihres Lebens nicht ver­geblich gebracht haben. Die Ziele der Alliierten sind wohl- bekannt. Es sind keine selbstsüchtigen Ziele, aber sie fordern eine angemessene Genugtuung für die Vergangenheit und Sicherheit für die Zukunft. (Erneuter Beifall.)

Lloyd George unterstreicht seine ablehnende Erklärung bezüglich derzeitiger Friedens­vermittelungsversuche.

Br. Rotterdam, 12. Okt. (Eig. Drahtbericht, zb.) Minister Lloyd George erklärte in Erwiderung ans eine Bemer­kung des liberalen Abgeordneten Holt, daß er in seiner be­kannten Unterredung mit einem amerikanischen Berichter­statter nur wiederholt habe, was schon Asquith betont habe. Lloyd George fügte hinzu, „Vermittlung in diesem Augenblick würde ein Triumph für Deutschland und eine Katastrophe für uns sein. Ich nehme nicht ein Tüpfelchen von meinen Erklärungen zurück. Es ist nicht nur der Ausdruck meiner eigenen Ansicht, sondern die des Kabi­netts, des Kriegsausschusses, der militärischen Ratgeber und sämtlicher Verbündeten, (Beifall.), daß es notwendig war, die Erklärung abzugeben, welche ich abgegeben habe."

Das Wiederausleben der irischen Geheimverbände.

Br. Haag, 12. Okt. (Eig. Drahtbericht. zb.) Ein Mit­arbeiter des „Daily Expreß" bestätigt aus Irland, daß die irischen G e h e i m v e r b ä n d e, die in der Zeit während der Homeruleverhandlnngen vor dem Aufstand allen Einfluß im Volk verloren hatten, jetzt wieder neugeboren sirid. Besonders der Hauptverband der sog. „Irischen Brüder" ent­faltet eine starke neue Wirksamkeit. Durch den wiederauf- geslammten Haß gegen England haben sich Hunderte von englandfeindlichen Vereinen in Irland gebildet. In Dublin und in Belfast, wo es vorher nicht mehr als 300 Sinnfeiner gab, zählt der „Irische Bruderbund" jetzt über 2000 Mitglieder.

Die englische Posträuberei.

W. T.-B. Amsterdam, 12. Okt. * (Drahtbericht.) Die Dampfer „Nieuwe Amsterdam" und „Rijndam" mußten ans der Fahrt nach New Dork ihre Post in England zurücklaffen. Auch die Post des Dampfers „Tecnato" (Ostindien-Rotterdam) und „Noordam" (Amerika-Rotterdam) mußte in.England ge­löscht werden.