Verlag Langgaffe 21
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Mittwoch, 11. Oktober 1916. Nr. 491. . 64. Jahrgang.
Unsere U-Voote an der amerikanischen ttüste.
(Bon unserer Berliner Abtellung.t
I-. Berlin, 11. Okt. (Eig. Drahtbericht. zb.) Reuter arbeitet mit Hochdruck, um an eine kritische deutsch-feindliche Stimmung in den Vereinigten Staaten glauben zu machen. Wenn wir auch der direkten Nachrichten recht sehr ermangeln, so sind doch genügend Anzeichen vorhanden, daß man in Washington nichts von der Handlungsweise der deutschen U-Bootskommcmdanten entdecken konnte, was den Abmachungen widersprach. Nicht ungeschickt wird allerdings darauf hingewiesen, daß die amerikanische Regierung jüngst die englische Regierung ersucht hatte, ihre Kriegsschiffe aus der Küstennähe der Vereinigten Staaten zu- rückzuziehen und sie folglich auch nicht geneigt wäre, nunmehr eine Blockade durch U-Boote zuzulassen. Man muß aber bedenken, daß man in Washington während langer Monate nichts dagegen sagte, daß englische Kreuzer beständig so nahe an der Strichlinie der amerikanischen Territorialge- iwäffer lagen, daß man sie vom New Yorker Wolkenkratzer immer gut sehen konnte. Dagegen haben di« deutschen U-Boote weit entfernt operiert, so daß sich nach den völkerrechtlichen Bestimmungen nichts einwenden ließ. Wenn chie Briten in letzter Zeit ihre Kreuzer etwas zurückzogen, nachdem sie bis vor wenigen Wochen dicht vor Nelv York alle Handelsschiffe der strengsten Untersuchung unterzogen, so konnten sie das, weil sie neuerdings in den Gewässern Schottlands diese Kontrolle mit großier Rücksichtslosigkeit ausübten. Man wird in Deuffchland mit größter Ruhe diese amerikanischen Vorstellungen anhören, weil man sich in gutem Recht weiß. Daß bei den Munitionslieferanten und der sHetzpresse drüben Auffegung herrscht, wollen wir als Zeichen ldafür ansehen, daß der erste Erfolg unserer transatlantischen U-Bootskampagne ausgezeichnet war. Die Aktien der Munitionsfabriken fielen, die Versichern n g s p r ä m i e n st i e g e n, die Riesenschiffe der englischen Reedereien werden in den Häfen zurückgehalten: damit sind wir zufrieden und wir hoffen, daß es so weiter geht.
Das einwandfreie Verfahren unserer U - Boote.
W. T.-B. Berlin, 11. Okt. (Dcahtbericht.) In der feindlichen Presse sind über die deutschen Unterseebootserfolge an der Küste der Vereinigten Staaten verschiedene Angaben und Betrachtungen angestellt worden, die nicht unwidersprochen bleiben dürfen. Der funkentelegraphische englische Zeitungsdienst von Poldhu voni 10. Okt. meldet, daß
53 " sechs Schiffe torpedierte und in einigen Fällen versenkt habe. Hierzu wird uns von zuständiger Stelle jmitgeteilt, daß der Handelskrieg an der Küste der Vereinigten Staaten nach den Regeln der deutschen Prisenordnung geführt wird, welche bestimmt, daß ein Handels- jschssf angehalten und nach einer Untersuchung — und nachdem seine Besatzung und die Fahrgäste sich in Sicherheit gebracht haben — unter gewissen Voraussetzungen versenkt werden darf. Diese Voraussetzungen sind zum Beispiel, dak es sich um einen feindlichen Dampfer handelt, oder um einen neutralen Dampfer, welcher Bannware befördert, und diß die ^militärische Lage es ansschließt, den als Prise aufgebrachten Dampfer in einen Hafen zu bringen. Es handelt sich also keineswegs darum, daß die Handelsdampfec etwa ohne vorherige Warnung durch Torpedoschuß versenkt worden sind. Das Reuterfche Bureau meldet ferner aus Washington, daß die amerikanischen Behörden das Enfftehen sehr komplizierter Neutralitätsfragen be- mrcbten, wenn Unterseeboote so nahe an der amerikanischen Kiiite operierten, daß dies einer Blockade gleichkäme. Hierzu wrrd betont, daß deutsche Seestreitkräite das Recht haben, den Kreuzerkcieg im offenen Meere überall zu führen und daß me H o h e i t S g r e n z e n neutraler Staaten dabei p e i n - loch beobachtet werden. Von einer Blockade kann selbstverständlich keine Rede sein, da nur feindliche oder mit Bannware beladene neutrale Schiffe aufgebracht wurden, das Wesen der Blockade aber ui der Aufbringung aller Schiffe die blockierte feindliche Küste ansteuern oder vcr- >msen, ohne Rücksicht auf Klasse und Ladung. Auch die Frage tes amerikanischen „Journal of Commerce": „Muß unsere on>ste die Basis für deutsche Unterseeboote sein?", ist über- lvmg angesichts der Trtsache, daß beini Anlaufen von Newport durch „bl 53" von dem allen Kriegsschiffen zustehenden »VW Ergänzung von Brennstoffen, Lebensmitteln usw. >cht einmal Gebrauch gemacht worden ist. Daß an der Küste ^er Vereinigten Staaten von Amerika betmliche Per- '"Lvngs stellen fiir deutsche Unterseeboote eingerichtet könnten, wird kein einsichtiger amerikanischer Staatsbürger glauben. In auffallendem Ge g e n s a tz zu diesen l"^n Klagen steht die Tatsache, daß seit Kriegsbeginn eng- i He Kreuzer amerikanische Häfen bewachen und or New York z B. so nahe an die Küste herankomnien, dag ma , n ..von den Dächern der hohen Häuser der Stadt mit unoewaffneten Augen sehen kann.
a U-Boote in Nähe der amerikanischen Küste?
Die Besorgnisse hinsichtlich der Schiffe iu der gefährdeten Zone.
B *- Rotterdam, 11. Okt. (Eig. Drahtbericht, zv.j Eine frivate Reuter-Depesche aus New Jork meldet, es gehe aus
etnlaufenden Berichten hervor, daß an den Operationen fünf Unterseeboote beteiligt sein müssen. Die „Times" meldet: Rund 20 Schiffe befinden sich in der Nähe der gefährdeten Zone. Man ist sehr besorgt um das Schicksal der „C a m e r o n i a" der Anchor-Linie und des französischen Postdampfers „Estarge". Beide sollten heute in New York Eintreffen. Das erste Schiff hat 000, das zweite etwa 5t» Passagiere an Bord. Ungeachtet der Gefahr fuhr der italienische Passagierdampfer „Dante Alighieri" gestern von New York mit 400 Passagieren ab. Das Schiff ist mit zwei dreizölligen Geschützen an Deck bewaffnet. Die Artilleristen waren bei der Abfahrt auf ihrem Posten.
Allerhand Gerüchte.
W. T.-B. London, 10. Okt. „Morning Post" meldet aus Washington: Der Kapitän des Dampfers „Strathdene", der an Bord eines Frachtdampfers in New York angekommen ist, berichtet, daß er die Anwesenheit des Unterseeboots erst bemerkte, als morgens gegen 6 Uhr die Geschosse in der Nähe seines Damvfers niedersielen. Der Besatzung wurde genügend Zeit gelassen, um in die Boote zu gehen. Der Kapitän erzählte weiter, daß er Zeuge der Versenkung des englischen Dampfers „Kingstonian" gewesen sei. Auch die Besatzung dieses Schiffes erhielt genügend Zeit, um in die Boote zu gehen. — „Kingstonian" ist offenbar der Dampfer, der unter dem Namen „Kingston" gemeldet wurde. — Aus den Erzählungen der Geretteten geht hervor, daß mindestens zwei Unterseeboote an den Angriffen beteiligt waren. Einige schäi'-n die Zahl der an der amerikanischen Küste tätigen Unterseeboote sogar aus fünf. Die Besatzung des Dampfers „Kansas", der in Boston eingetroffen ist, erklärt, daß das Unterseeboot, das den Dampfer anhielt, nicht „U 53" war. Von den torpedierten Dampfern wurden, so weit bisher bekannt, 220 Personen, darunter 33 Frauen und 10 Kinder, gerettet. Es laufen Gerüchte um, daß die Bestandteile der Unterseeboote in Amerika hergestellt und an einer geheimen Basis für die Unterseeboote zusammengesetzt worden seien. Ein Mann der Besatzung eines südamerikanischen Zerstörers sagte aus, daß er bei einem Unterseeboot ein Vorrats schiff gesehen habe. Die Seeversicherungsprämie für die Fahrt nach britischen Häfen ist von e i n Prozent aus fünf Prozent erhöht worden.
Haag, 10. Okt. Reuter meldet aus New York: Die Besatzung des Dampfers „Casan" schätzt die Anzahl der Unterst eboote, die an der atlantischen Küste operieren, auf fünf. Es ist nicht wahrscheinlich, daß die amerikanischen Behörden die Nummern und sonstigen Bezeichnungen der Unterseeboote bekannt geben werden. Das Marinedepartement ist der Meinung, daß die Veröffentlichung derartiger Informationen mit der Neutralität in Widerspruch steht.
Unterseeische Vorratsschisse für unsere Unterseeboote?
W. T.-B. Amsterdam, 10. Okt. „Tijd" will von deutscher Seite erfahren haben (?), daß das Auftreten der deutschen Unterseeboote ans dem Seewege nach den amerikanischen Häfen darauf zurückzuführen sei, daß man jetzt über unterseeische Vorrats schiffe verfüge, die zu bestimmten Stunden an vorher vereinbarten Stellen mitten in der See die Kampsunterseeboote mit allem Nötigen versehen. Man könne deshalb außer den ganz neuen Unterseebooten, die Vorräte für wochenlange Reisen mitzunehmen imstande sind, auch ältere Unterseeboote fern von der deutschen Basis operieren lassen.
England befürchtet einen neuen ausgedehnten U-Bootskrieg.
Eingetretene Lahmlegung des Ozeanverkehrs.
Br. Lugano, 11. Okt. (Eig. Dcahtbericht. zb.) Noch einer Londoner Depesche des „Secolo" macht die Tätigkeit der deutschen Unterseeboote in den amerikanischen Gewässern bei den Engländern einen sehr schlimmen Eindruck. Der ganze Ozeanverkehr sei mindestens für Tage völlig lahmgelegt. Man fürchte den Beginn eines neuen ausgedehnten Unterseebootkrieges, wobei die neuen großen Unterseeboote dom Typ der „Deutschland" und „Bremen" den Kampfuntcc- seebooten Petroleum und Munition zuführen würden.
Die Wut in England.
Berlin, 11. Okt. Die Auslassungen der englischen Blätter verraten Wut und Entsetzen über das Neuaufleben des deutschen Unterseebootskriegs auf der für Großbritannien wichtigsten Schiffahrtslinie.
W. T.-B. Rotterdam, 10. Okt. „Nieuwe Rotterd. Courant" m ildet aus London: „Westminster Gazette" schreibt über das Alöstreten des „U 63": Obwohl es richtig zu sein scheint, daß da». U-Boot in Newport weder Heizmaterial noch Lebens- mitl l an Bord genommen hat, wird man doch nur schwer be- streimn können, daß es den Hafen als Basis benutzt hat. — „Pall Mall Gazette" schreibt: Wenn deutsche Kriegsschiffe vor den amerikanischen Häfen auftreten, so werden wir gegen sie unsererseits einen Patrouillendienst einrichten müssen. Auch werden unsere Handelsschiffe darauf ausgeheu müssen, die „Piraten" zu vernichten, wenn sich ihnen Gelegenheit dazu bietet. Aber bei dieser Art von Kriegführung bleibt wenig Zeit übrig, zu untersuchen, von welcher Nationalität die Unterseeboote sind, auf die Jagd gemacht wird. Es muß gegen sie aufgetreten werden, so bald
sie gesichtet werden. Es ist deshalb keineswegs ausgeschlossen, daß auch ein Unterseeboot der Vereinigten Staaten, wenn es sich in die gefährliche Zone verirrt, das Los ereilen könnte, das dem deutschen zugedacht war.
Das gewaltige Ansteigen der Versicherungsprämien.
W. T.-B. London, 10. Okt. Der „Daily Telegraph" erfährt, daß beschlossen wurde, die Versicherungsprämien für die Fahrt zwischen Europa und den Vereinigten Staaten zu verdoppeln und die Versicherungen für die Fahrt von den Vereinigten Staaten nach dem Panamakanal, Laplata und dem Kap der Guten Hoffnung um 20 Prozent zu erhöhen. Als die Nachricht eintraf, daß an der amerikanischen Küste drei deutsche U-Boote an der Arbeit seien, gingen die Versicherungsprämien noch mehr in die Höhe.
Die Erregung in amerikanischen Finanz- kreisen.
Basel, 10. Okt, Schweizerische Blätter melden aus New Dork: Die Nachricht von der Versenkung von neun Schiffen durch das Unterseeboot „17 53" hat in den amerikanischen Finanzkreisen größte Erregung hervocgerufen. An der New Yorker Börse sanken mehrere Werte um 5 bis 10 Punkte. Die an der Börse notierten Baumwollpreise sanken um 20, zum Teil bis 40 Punkte
Wiener Anerkennung für die Leistungsfähigkeit unserer U-Voote.
Wien, 10. Okt. Die Blätter würdigen fortgesetzt die seemännische Bedeutung des Erscheinens von deutschen Kriegsunterseebooten an der amerikanischen Küste. Die „Neue Fr. Pr." schreibt u. a.: Die Leistungsfähigkeit dieser Schiffe ist erstaunlich. Die Reise ÄeS „U 53" und seine Ankunft in Newport bedeutet eine Höchstleistung seemännischer Tüchtigkeit. — Die „Reichspost" schreibt: Man kann sich das Entsetzen in London, d?s trotz aller bösen Erfahrungen und Überraschungen im Weltkrieg noch immer fest an seine Seeherrschaft glaubt und sogar auf einen recht baldigen Erfolg seiner Aushungerungsblockade hoffte, vorstellen. Englands Verbindungen mit Amerika bedrohen, heißt, seinen Lebensnerv angreifen.
Der torpedierte holländische Dampfer „Blommersdyck".
W. T.-B. Amsterdam, 10. Okt. Die Blätter melden, daß nach den telegraphischen Nachrichten, die die Direktion der tzolland-Amerikalinie aus New York erhalten hat, die ganze Besatzung des „Blommersdyck" gerettet ist und in Newport gelandet wurde. Der Dampfer ist am Sonntagabend um i/ijS Uhr, 3 Meilen von Nantucket torpediert worden. Der Wert des Dampfers „Blommersdyck" wird auf 2 y 2l Millionen Gulden geschätzt.
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Weitere Opfer in andern Gewässern.
W. T.-B. London, 10. Okt. „Petit Parisien" meldet aus L o r i e n t : Der französische Dampfer „Blavel" (1110
Tonnen) wurde torpediert. Die Überlebenden sind in Lorient eingetroffen. Außer der „Blavel" haben deutsche Unterseeboote in den gleichen Gewässern den Dampfer „Irma" (844 Tonnen) und drei andere Dampfer, sowie den englischen bewaffneten Dampfer „Berdun" (4295 Tonnen) versenkt. Die Besatzung dieses Dampfers ist zum größten Teil umgekommen. — Aus La Rochelles meldet das gleiche Blatt die Versenkung des Kohlendampfers „Kap Maza- gan" (760 Tonnen). Die Besatzung wurde gerettet.
W. T.-B. Bern, 10. Okt. Nach einer Meldung des „Petit Journal" wurde der französische Dreimaster „Fraternite", von F e c a m p kommend, torpediert. Der Dampfer „Basse Jndre" wurde von zwei U-Booten angegriffen und beschösse«, konnte jedoch entfliehen.
Zur Torpedierung des französischen Truppentransportdampsers „Gallia".
W. T.-B. Bern, 10. Okt. 'Die am Marineministerium in Paris angeschlagene Zahl der Geretteten und Vermißten von der „Gallia" steht zu der gestern gemeldeten scheinbar in Widerspruch. Sie bezieht sich offenbar nur auf die Besatzung des Schiffes, nicht aber auf den an Bord befindlichen Truppentransport.
Die Geretteten des „Gallia".
Unter den Vermißten fast der ganze Stab.
W. T.-B. Paris, 10. Okt. (Meldung der Ageuce Hcwas.) Die Liste der bei dem Schiffbruch der „Gallia" geretteten Seeleute, die am Marineministerium angeschlagen ist, umfaßt 32 8 Namen, wodurch die Vermißtenzahl auf zwölf beschränkt wird; darunter befindet sich fast der ganze Stab. Nur der zweite Offizier wurde gerettet.
Italiens Schiffsverluste von Mai bis August
W. T.-B. Bern, 10. Okt, -»lach einer Statistik der „Jdea Nazionale" verlor Italien von Mai bis August 105 Schiffe mit über 150 000 Tonnen Gehalt. „Jdea Nazionale" betont, daß ein erheblicher Teil der für die italienische Kriegsindustrie bestimmten Rohstoffe sowie der dafür nötigen Handwerkszeuge und Maschinen auf dem Seeweg nach Italien gelan-
