Verlag Langgaffe 21
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tn kurzen Zwnchenraumen entlprechender Nachlaß.
Samstag, 7. Oktober 1916.
Neue Niederlagen der Rumänen.
Feindlichk Stellungen im Görgöni- und im Sineaabfchnitt erstürmt,
heftiges weitertoben der Artillerieschlacht an der Somme.
Mn starker französischer Angriff blutig abgewiesen.
Zusammenbruch russischer Stürme. Der Tagesbericht vom 6. Oktober.
w - T.-B. ®tofieß Hauptquartier, 6. Okt. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz, kseeresgruppe Kronprinz Kupprecht.
Die Artillerieschlacht zwischen der Ancre und Somme geht heftig weiter. Im Anschluß an drei am Morgen gescheiterte englische Angriffe hart öst lich der Ancre entspannen sich lebhafte Hand granatenkämpfe, die bis in den Abend hinein dauerten. Zwischen Morval und Bouchavesnes schritten nachmittags starke französische Kräfte zum Angriff. Truppen der Generale v. Boehm und v. Garnier haben den Stoß — zwischen Fregievourt und -Bouchavesnes nach hartem Nahkampf — blutig abgcwiesen. Besonders zeichneten sich die Infanterie-Regimenter Nr. 155 und 186 aus.
Südlich der Ancre frischten die Feuerkämpfc zeit weise merklich auf.
Östlicher Kriegsschauplatz.
Krönt des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bauern.
An der Kampffront westlich von L u ck blieb der erschöpfte Gegner gestern ruhig. In den letzten Tagen wurden hier 6 Offiziere, 622 Mann gefangen genommen und 8 Maschinengewehre er beutet.
Zwischen den Bahnlinien von B r o d y und C o r o w nach Lemberg lebte die Gefechtstätigkeit auf. Dem starker Feuer folgten wiederholt heftige Angriffe, die bei Wysopo, Dubie und Zarkow bereits im Feuer zusammenbrachen, bei Batkow (am Sereth) durch frischen Gegenstoß deutscher Bataillone zurückgeschlagen wurden: 3 Offiziere, 120 Mann blieben gefangen in unserer Hand. An der Armec- front des Generals Grafen v. Bothmer haben die Russen beiderseits der Zlota-Lipa den Kampf wieder ausgenommen. Deutsche, österreichisch-ungarische und türkische Truppen haben an ihrem zähen Widerstand den oft wiederholten Sturm sich jedesmal brechen lassen. Der an einzelnen Stellen eingedrungene Feind wurde sofort zurückgeworfen, büßte neben seinen großen blutigen Verlusten 510 G e- f a n g e n e ein und verlor 8 Maschinengewehre. Die Stellung ist restlos behauptet.
Krönt des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.
In der Gegend von Bohorodczanv (an der Bistritza- Solotwinska) blieb ein schwächerer russischer Vorstoß ergebnislos.
Aus den Karpathen nichts Neues.
Kriegsschauplatz in Siebenbürgen.
Der Rumäne ist gestern erneut geschlagen.
Im Görgöni-Abschnitt Warfe» österreichisch-ungarische Truppen die Rumänen aus ihren Stellungen südwestlich von Libansalva, wiesen weiter südlich am Boekecz-Kvpf Augriffc ab und eroberten beiderseits der Magykros-Parazd die am 3. Oktober verlorene Stellung zurück. Über 200 Gefangene wurde» cingebracht.
Verbündete Truppen unter dem Oberbefehl des Generals v. Falkenhayn haben nach glücklichen Gefechten bei Reps (Koehalom) und Krihalma (Kiraly- halma) den Feind hinter den Homorod und Alt zu- rückgcdrängt. Die hartnäckig verteidigte Stellung im Sinea-Abschnitt ist erstürmt. ' Mehrere hundert Mann sind gefangen genommen, 2 schwere,
28 Feld- und 13 Infanteriegeschütze sind erbeutet. Der Rumäne ist im Rückzug durch den Geisterwald und wird verfolgt.
Balkan - Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen.
Aus nachträglich eingelausencn Meldungen geht hervor, daß es nur einem Teil der bei R a h o v o über die Donau gegangenen rumänischen Truppen gelungen ist, sich auf das nördliche Stromuscr zu retten, während der Rest in östlicher Richtung fliehend ans die von Tutrakan anmarschierenden verbündeten Truppen stieß und vernichtend geschlagen wurde.
W., Potsdamer Str. 121 II. Feraspr.: «Mt Lützow 6203 ». 8203. die «umahme v°n Anzeigen an v°raejchrikb-n-n
_ _ Tagen und Platzen wird
^ 0 " ^1^-dlätzen roirdkeineMemäb r übernommen.
Nr. 483. . 64. Jahrgang.
Morgen-Kusgabe.
Die auch gestern wiederholte» feindlichen Angriffe ostlrch der Bahn Cara Orman-Cobadino sind abermals gescheitert.
Luftschiffe und Flieger griffen Bahnanlagen und Truppenlager nördlich der Donau nrit Bomben an Mazedonische Krönt.
Die am linken Strumaufer stehenden bulgarischen Truppen räumten in der Nacht zum 5. Oktober ohne feindliche Störung einige der am weitesten borge schobenen Orte.
Der erste Generalguartiermeister: Ludendorff.
Oie militärische Lage.
(Von unserer Berliner Abteilung.)
Berlin, 6. Okt. (Eig. Drahtbericht, zb.) Bon den
rumänischen Fronten treffen weitere erfreuliche Nachrichten ein. Es gibt heute keinen Kriegsschauplatz, der bei den Völkern des Bierbundes größeres Interesse fände, da hier eine Strafaktion vollzogen werden muß, die nicht gründlich genug ausfallen kann. Den Teil ihres siebenbürgifchen Raubes haben die Rumänen be reits wieder herausgeben müssen. Österreichisch- vngarische Truppen haben am 3. Oktober verlorene Stellungen beiderseits der Straße von Fogaras zurückerobert. Östlich dieser Stadt haben deutsche und österreichische Truppen den Feind über den Abschnitt H o m o r o t und den A l t - Fluß zurückgeworfen. Ferner machten unsere Truppen an der S i e n d a k a, einem Nebenfluß, des Alt, einige hundert Gefangene und erbeuteten 4» Kanonen, eine für einen schon südlich Hermannstadt in den vorausgegangenen Kämpfen sehr geschwächten Gegner höchst bedenkliche Einbuße. Auf der rumänischen Südfront stellt sich der mißglückte Donauübergang bei R j a h o v o immer mehr als eine wahre Katastrophe für den Feind heraus. Der vorgestrige Heeresbericht hatte sich sehr zurückhaltend ausgedrückt, heute steht fest, daß die H a u p t k r ä s t e, die über den Strom gekommen waren, sich nicht zu retten vermochten, sondern von den Bulgaren zermalmt wurden. Die rnmäni- lcken Regimenter marschieren keck auf R u st s ch u k, wurden aber auf halbem Wege gestellt und zum Rückzug genötigt. Sie wandten sich darauf gegen Tutrakan, gegen das auch schon einige ihrer Abteilungen zogen. Dabei gerieten sie zwischen zwei Feuer. Das ganze Unternehmen bedeutet für das rumänische Heer nur einen neuen furchtbaren Ader- l a ß. Auch gestern versuchte der Feind wiederum einen Teilangriff auf die Dobrudschafront zwischen Orsova und Copadinu, wurde aber geworfen.
Von der mazedonischen Front wird gemeldet, daß die Bulgaren gestern einige vorgeschobene Posten am Tachyno- See zurückgenommen haben.
Mit Befriedigung erfährt man von der Ostfront das vollständige Scheitern der abermaligen russischen Angriffe. Im Südabschnitt westlich von Luck herrschte zwar im allgemeinen gestern Ruhe, aber die Bahn Brody-Lemberg griffen die Russen heftig an. Bei W i s c o c o - D u b i c, südwestlich von B r o d y, brachen ihre Angriffe zusammen. Bei Boczko am Sereth nahmen wir 3 Offiziere und 12» Mann gefangen. An der Zlota-Lipa bei der Armee Bothmer kam es ebenfalls zu neuen Kämpfen, An einigen Stellen in unsere Linie eingedrungene russische Abteilungen wurden wieder verjagt, so daß die Stellung lückenlos in uuserm Besitz blieb. Der Feind ließ uns 35» Gefangene zurück. Auch an der B i st r i tz a, 6» Kilometer westlich von K o l o m e a, scheiterte ein feindlicher großer Angriff. In den Karpatben er- eignete sich nichts von Bedeutung.
Aus dem W e st e n hören wir von wiederholten schweren Kämpfen zwischen Ancrebach und Somme, die sich jedoch im wesentlichen ans Handgranatenangriffe beschränken und nur im Abschnitt Morval—Bouchavesnes zu einem starken Angriff der Franzosen führten, der abgeschlagen wurde. Hier leisteten die tapferen Truppen der Generale von Böhm und von Darnier helfenhaften Widerstand.
Interessant ist eine ergänzende Mitteilung zu den englischen B e r l u st z i f f e r n aus dem „Daily Telegraph". Wenn die Briten zugeben, daß sie seit Beginn der Sommeoffensive rund 3»»v»v Mann verloren, so sagen sie damit nicht die vole Wahrheit. Diese Ziffer enthält nur die Verluste an weißen, nicht an farbigen Truppen, die nie in den Verlustlisten angeführt werden, abgesehen von den Namen einiger weißer Offiziere, welche die Führung hatten. Ferner vergehen bis zur Veröffentlichung in den Listen immer 8 bis 14 T a g e für Offiziere, 3 bis 4 Wochen für Mannschaften. Daraus heht hervor, daß, wenn die Engländer im Juli rund 5»»v», im August und September je etwa 125»»», zusammen iu den drei Monaten also rund 3»»»»» Mann verloren, zu dieser Ziffer noch etwa 5V- bis 8» »»» hinzuzufügen sein werden. Da die Farbigen, die bei der Sommeoffensive etwas weniger zahlreich von den Engländern eingesetzt wurden, immerhin doch auch ihr Kontingent in den Verlusten stellen, dürfte die englische Gesamtoerlustziffer von 3 Monaten Srmmeoffensive nicht weit hinter 4V»VV» zurückgeblieben sei».
Internationalismus.
fw^emofratifdje Internationale ist tot, die stE^ubeschauer tn allen Ländern sind in dieser Fest- etn - s W Ae Männer der sozialdemokratischen freilich glauben immer noch an ? 8e }J der Internationale, aber was nützt ihnen A ^"^demokratischen Parteien in den feind- s p"a ern Jafatt den Götzen ja längst zerschlagen, ImLr« lt Die Internationale war wohl
kb wswb sie war bestenfalls ein Debattier.
-«r?^te für die Forderung der sozialdemokrati- S®<5 rt 111x0 Bedeutung als die pazi- ftstrschen Kongresse für die Erhaltung des Weltfriedens, diesem ungeheuren Kriege haben wir viele frcund- “Z I°1 e !“^ en J U verabschieden gehabt, darunter bim,™ Erlege durch internationale Verstän-
oigung auf der Grundlage gemeinsamer Kulturauf- ?er Welt geschafft werden könnten. Viel- solche Erwartungen nie ernstlich ge- & % 39% "ützlich zu sein, ihnen freie Mn zu lassem weil derartige Hoffnungen immerhin 5?s Gute haben konnten, daß sie die Spannungsgegen- satze milderten und daß aus der Vorstellung vom Segen einer konstruierten Rechtsordnung vielleicht mit der Zeit eine Milderung der Rivalitäten hervorgehen -Ete, ans denen der geschichtliche Prozeß des Völker- lebens den Zwang zn seiner Entwicklung in Freundschaften und Feindschaften entnimmt. Ungefähr nach
m.ch "^ GXXXX G§ "Ais hilft, w schadet es doch
auch nichts konnten toir Deutsche also berat)tat lene internationale Bewegung mitansehen und auch mit- machen, dre sich rm Haager Friedenskongreß ihren au«' guten Meinungen und verschämter Heuchelei zw sammengesetzten Apparat gebildet hatte. Vielleicht so- N x ans von Nutzen gewesen, wenn wir unsere
Ehrlichkeit etwas emgedämmt und das geradezu gigantische System gegenseitiger Täuschung, das im Haag ausgestaltet wurde, mit dem Scheine der Uber- zeugtheit verwertet hätten. Die Engländer verstanden sich gerade hierauf ausgezeichnet, und wir dürfen nicht leugnen, daß sie damit sehr ansehnliche Erfolge erzielt haben Die Meinung der Welt dadraußen ist ja aus ihrer Sette wir stehen vereinsamt da, wir sind für den größten Teil der Erdbewohner die Friedensbrecher di" Hunnen, die Barbaren, die alle auf dem Völkerrecht herumtrampeln, und wenn es einen Teufel gäbe, so
'ri 6 rl ff 1 ! über die ihn weit übertreffendc Meisterschaft der Engländer bersten, die als die wahren Friedensbrecher, als die wahren Verhöhner und Schän- der von Recht und Gesetz es doch fertig gebracht haben, uns m der Rolle erscheinen zu lassen, die sie selber spielen.
Auch Herr Wilson glaubt an die Wunderkraft des Internationalismus, wie er sich im pazifistischen Ge- wände darstellt, und sein oft ausgesprochenes Ziel ist es, diesen Krieg durch die Aufrichiung einer inter- nationalen Rechtsordnung zu beendigen, durch ein überstaatliches System der Verträge und ihrer Erzwingung durch Schiedsgerichte. Jetzt im Getöse der Schlachten haben wir nicht viel Zeit und noch weniger Lust, uns mit Absichten zu beschäftigen, die darauf hinauslaufen, daß uns ein Netz über den Kopf geworfen werden soll. Gleichwohl sollten wir die Zeit für eine rechtzeitige Betrachtnna dieser uns drohenden Gefahr aufbrmgen. Es ist nun doch einmal so, daß die Meinung der Welt eine ungeheure Macht darstellt, und ob es nun tausendmal gelogen ist, daß wir in der Barbarei stecken, so wird die Tatsache, daß diese abscheu- liche Verrücktheit von vielen Völkern geglaubt wird und die Politik ihrer Regierung bestimmt, als gleichgültig niemals gelten dürfen.
Was also wäre zu tun? Es muß immer wieder Aufklärung darüber verbreitet werden, daß keine einzige Macht, auch nicht die Vereinigten Staaten, über- Haupt keine, die Lebensinteressen zu vertreten hat, je- mals daran hat denken können, diese Interessen einer schiedsgerichtlichen Entscheidung zu unterwerfen. Auch die Vereinigten Staaten haben zur „Befreiung" Kubas und der Philivpinen einen Krieg geführt. Wie hätte jemals ein internationaler Gerichts- Hof die amerikanisch-spanische Frage entscheiden können, da es eine solche Frage rechtlich gar nicht gab, sondern nur als Machtfrage? Und hätte ein Gerichtshof doch einen Urteilsspruch gefällt, so wäre er gegen die Vereinigten Staaten ausgefallen. Hätte England seinen Gegensatz zu den B u r e n republiken vor ein internationales Gericht gebracht, so würde es unterlegen sein. Wie wäre es Frankreich ergangen, wenn es seinen Eroberungszua nach Marokko von der Entscheidung eines Weltschiedsgerichtshofs abhängig gemacht hätte? Wo stände Österreich-Ungarn, wenn sein Gegensatz zu Serbien schiedsgerichtlicher Beur- teilung zu unterwerfen gewesen wäre? Rußland strebt nach den Dardanellen: mit welchem Rechte könnte es wohl einen Schiedsgerichtshof bemühen, der ihm be-
