Verlag Langgafse 21
„TagblLtthauö"»
kckxlltrr'HLLe geöffnet «on 8 Uhr morgens bt» 7 Uhr «hendi.
wöchentlich
«ezugs-Preie für beite «uSgiben: Mk.I.- monatlich. Mk. 8-- viertcljährllch durch den Seriag Langgaffe 21, ohne Bringerlohn. MI. 4.05 rierteljährlich dnrch alle deutichen PsftauKalten. ausschließlich Bestellgeld. — Bezugs-Bestellungen nehmen antzerdem entgegen: in Wiesbaden die Zweigstelle Bis» maickring 19. sowie vie SluSgabestellen in allen Teilen der Stadt: in Biebrich: die dortig-n Ausgabestellen und in den benachbarten Landorten und im Rheingau die betreffenden Tagblatt» Träger.
15 Busgaben.
Fernruf:
„Tagblatthaus" Nr. 6650-53.
Bon 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer SormtagS.
An-eiaeu-Vrel- fto die Zeile: 15 Pfg. für örtliche Anzeigen im „Arbeitsmarkt" und „Kleiner Anzeiger" in einheitlicher Scktzform; 20 Pfg. in davon abweichender Satzausführung, sowie für alle übrigen örtlichen Anzeigen: 30 Pfg. für alle auswärtigen Anzeigen: 1 Mk. für örtliche Reklamen: 2 Mk. für auswärtige Reklamen. Ganze, halbe, drittel und viertel Seiten, durchlaufend, nach besonderer Berechnung. — Bei wiederholter Aufnahme unveränderter Anzeigen in kurzen Zwischenräumen entsprechender Nachlaß.
Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin W., Potsdamer Str.121 K. Fernspr.: Amt Liitzow 6202 «. 6203. mb mm “mirttÄnfffleroäörA'ÄmS
Freitag, 6. Oktober 1916,
Kbend-KusgabE.
Nr. 482. . 64. Jahrgang.
vie Schlacht im Osten.
(Don unserem militärischen Mitarbeiter.)
Mit dem Beginn des neuen Mounts haben die Russen auf unserer Ostfront von neuem ihre Angriffs- Tätigkeit ausgenommen. Die diesmalige Offensive unterscheidet sich insofern von den gewalffgen Stößen der Sommermonate, als es sich jetzt um eine Zerreißung unserer Kampflinie auf ä u ß e r st schmaler Front handelt. Das Kampfgelände der ersten Oktobertage ist das Gebiet westlich der Festung L u cf, der große Sack, welcher seit Ende Juli in unserer Front entstanden ist. Der russische Stoß zielt auf K o w e l im Norden, Lemberg im Süden und Wladimir- Wolinsky in der Mitte. Um hierher zu gelangen, setzte unser östlicher Feind Truppenmengen von unerhörter Stärke und von ausgesuchter Tüchtigkeit ein. Gegen Monatsende wuchs das Artilleriefeuer im Luck- bogen zu einer Heftigkeit an, wie wir sie nur vom westlichen Kriegsschauplatz kennen. Nach diesem Fernfeuer setzten sich die russischen Massen zunr Sturm in Bewegung, und wo sie es nicht taten, du half das eigene Artilleriefeuer mit schonungsloser Rücksichtslos i g k e r t nach. Dennoch erzielte der Feind auch in dieser Schlachtperiode keine Vorteile. In den Monaten August und September hatte sich die deuffche und österreichisch-ungarische Verteidigung derartig verbessert und miteinander verknüpft, daß der Durchbruch völlig mißlang. Der deuffche Tagesbericht der ersten Oktobertage nennt in rühmlicher Weise die Truppen des Generals von Linsingen und als Unterführer die Generale Schniidt von Knobelsdorf und von der Marwitz als diejenigen, welche die Oktoberstürme auszuhalten hatten. Unter rücksichtslosestem Menschenverbrauch stürmten die russischen Armeekorps in dem Raum westlich Luck, in einenl Kampfabschnitte von wenig mehr als 10 Kilometer zwölfmal hintereinander gegen unsere Linien an. Die beiden russischen Gardekorps versuchten das Kriegsglück sogar siebzehnmal. Alle diese Bemühungen waren jedoch vergebens. Was nicht von der rusiischen Artillerie, die eine feurige Wand in den Rücken der eigenen Truppen legte, vernichtet wurde, das zerstob unter unserem verheerenden Artillerie- und Jnfanterie- feuer. Nur an einzelnen Stellen brach der Feind in die völlig verschossenen Gräben ein, aber auch hier wurde er im Gegenstoß sofort wieder hinausgeworfen. Mit welcher Erbitterung in diesen Tagen gekämpft wurde, geht daraus hervor, daß der Gegner sich ebenso wie sein rumänischer Bundesgenosse nicht scheute, unsere ve/wundsten Soldaten meuchlings zu ermorden. Auch am 3. Oktober holte der Feind sich eine ebenso schwere wie blutige Niederlage. Die unerschrockene Verteidigung wies überall den Feind auf das blusigste ab.
Außer im Luckbogen setzte der Feind seine Sturmkolonnen im nördlichen Galizien an. An der Bahnlinie, welche von Brody nach Lemberg führt, ging der Gegner in dichten Sturmkolonnen zum Angriff über. An einzelnen Stellen wiederholte der Angreifer seine vergeblichen Bemühungen bis zu sieben Malen. Dennoch erzielte er auch hier kernen Erfolg. Der Weg nach Lemberg ist ihm auch diesmal rettungs- los vexsperrt. Auf dem Nordflügel der Armee des ErzherzogsKarl, auf dem östlichen Ufer der Z l o t a L i p a, gelang es den Russen vorübergehend Fuß zu fassen. Am 1. Oktober setzte der Gegenstoß ein mit dem Erfolge, daß der Gegner von deutschen, österreichisch-ungarischen und, türkischen Truppen aus der gewonnenen Linie wieder zurückgeworfen wurde.
Die drei ersten Schlachttage dieser neuen großen Offensive unseres östlichen Gegners haben dieUnmöglich k e i t eines feindlichen Durchbruches vollauf bewiesen. Die feindlichen Verluste müssen unter Berücksichtigung des schmalen Angriffsraumes ganz gewaltig sein. An keiner Stelle verloren wir einen Fußbreit Boden. Die Linien westlich Luck und östlich Lemberg sind völlig ungebrochen. Neben der erprobten Tapferkeit der hier kämpfenden drei verbündeten Heerestruppen danken wir diesen nicht unbedeu- wnden Erfolg der seit Anfang August eingetretenen Neuordnung unserer östlichen Front. Der Sieg im Listen ist auch ein solcher der von uns angestrebten und io glücklich erreichten Einheit unserer Kampflinie. Alle Waffengattungen haben Anteil an der neuen Niederlage Rußlands, aber Artillerie und Jn- santerie sind die Hauptträger dieses Erfolges. Ihrem dorbildlichen Zusammenwirken danken wir in erster Linie die Abwehr des Feindes. Nebenbei wirkten auch unsere Flieger an dem Werke erfolgreich mit. Die Unterbrechung der für Rußland so wichtigen Bahnlinie von R o w n o nach Brody durch den Oberleutnant v. C o s s e l in 21stündiger, vom Feinde ungestörter Arbeit ist ein einzig dastehendes Helden- m. Aus die Wachsamkeit des gegnerischen Bahn
schutzes wirft das Gelingen der kühnen Tat kein gutes Licht. Solange die Witterung in den Herbsttagen noch günstig ist, ist mit weiteren Bemühungen des Feindes, mittels frischer Truppen doch noch das Ziel zu erreichen, fraglos zu rechnen. Die guten Erfolge der drei ersten Kampftage geben uns aber die Gewißheit, daß an der Umsicht unserer Führer und der Tapferkeit der ihnen unterstellten Truppen auch alle späteren Stürme sich brechen werden. _ M.
vie rlanzlersronde.
O Berlin, 5. Oktober.
Verständige Betrachter, die mit Entsetzen sehen, was alles bei uns jetzt infolge einer gewissenlosen Auf- wühlung unvernünftiger Leidenschaften in Scherben zu gehen droht, äußern in der Öffentlichkeit die Erwartung, diese Treibereien würden jetzt doch wohl auf- hören, und zwar vollständig, nachdem der Reichskanzler und der Staatssekretär Helfferich (nicht sie allein, aber sie besonders) im Hauptausschuß des Reichstags sehr wichttge Mitteilungen geniacht haben. Ob sich diese Erwartung erfüllen wird, das wird davon abhängen, welchen Grad von Einwirkung die Zuhörer der genannten Staatsmänner im Ausschuß auf die ihnen folgenden Gruppen und Schichten auszuüben imstande sind oder auch auszuüben willens sind. Beides ist natürlich nicht dasselbe. Man möchte es selbstverständlich als eine gar nicht zu umgehende Aufgabe der Männer, die wir hier im Sinne haben, bezeichnen, daß sie, nachdem ihnen »unwiderlegliche Aufschlüsse über-die Notwendigkeit der von der Reichsleitung eingeschlagenen Politik gegeben worden sind, ihren Einfluß dazu aufbieten, um die erregten Wogen einer geradezu verblendeten Leidenschaftlichkeit draußen im Lande zu glätten, aber wenn man sieht, woher die Erregung gespeist wird, wenn man beobachtet, wie die Blätter der betteftenden Richtungen nicht bloß die Bewegung machen, sondern sie führend bestimmen, dann senkt sich jede Hoffnung auf einen Tiefstand. Gewiß werden wir im Reichstag solche unverantwortlichen Ausbrüche, wie sie in herumgeschickten, verttaulichen Briefen und in offenen Aufforderungen an die Reichstagsmitglieder gewagt werden, darum nicht zu hören bekommen, weil schließlich auch der erbitterftte Kanzlecgegner und Tirpitzsreund, sobald er auf der Rednerttibüne steht, das Gebot der moralisch-politischen Verantwortlichkeit wird beherzigen müssen. Indessen nicht auf die Tonart, sondern auf die politische Absicht wird es ankommen, und von dieser letzteren haben wir anzunehmen, daß sie sich vielfach mit den Forderungen deckt, die in den Abscheulichkeiten der geheimen Flugschriften und der aufreizenden Briefe ihren Ausdruck gefunden haben. Man muß sich doch vergegenwärtigen, daß z. B. das vom Grafen Hoensbroech, von Emil Kirdorf, Admiral v. Knorr, Geheimrat Körting und Ernst H a e ck e l Unterzeichnete vertrauliche Schreiben an eine Reihe konservativer und nationalliberaler Abgeordneter, dessen Maßlosigkeit sich selber zur Wirkungslosigkeit verurteilen sollte, erst nach der Kanzlerrede vom 28. September versandt worden ist, daß also die Verfasser' und ihre Freunde offenbar überhaupt nicht belehrt sein wollen. Der Sturz des Herrn v. Bethmann-Hollweg ist ihr einziges Ziel, seine Ersetzung durch Herrn v. Tirpitz ist ihr heißester Wunsch. Dies alles brauchte freilich gar so viel nicht zu bedeuten, wenn nicht eine sichtbare Verankerung solcher Bestrebungen mit ernster zu nehmenden Richtungen im konservativen Lager vorhanden wäre, indessen nicht allein hier, sondern auch in anderen Parteien. Woraus mögen nun wohl diese Kanzlerfeinds ihre Hoffnung auf einen Erfolg ihrer Wühlereien und vor allem auf die Erfüllung ihrer Wünsche stützen, insoweit Herr v. Tirpitz deren Gegenstand ist? Wenn diese Leute unterrichtet sind, und man sollte meinen, daß sie es sein können, so müßten sie wissen, daß es gegenwärtig in der R e i ch s I e i t u n g schlechterdings keine Verschiedenheiten der Auffassung gibt, wie sie allerdings vorhanden waren, solange Herr v. Tirpitz noch im Amte war. Die Kanzlersronde müßte wissen und weiß vermutlich auch, wie zwischen dem Reichskanzler und Hindenburg volles Einvernehmen herrscht. Das aber sollten sie sich als zwei- fellos kluge Männer doch selber sagen, daß manche Mittel, mit denen die Feinde des Hexrn v. Bethmann- Hollweg zu arbeiten sich nicht scheuen, an der letzthin entscheidenden Stelle einen Eindruck machen müssen, der dies Treiben auch dann vergeblich erscheinen ließe, wenn etwa doch eine sachliche Prüfung der gegen die verantwortlichen Personen vorqebrachten Einwendungen nochmals für zweckmäßig befunden würde. Aus das Letztere hin angesehen, bleibt es dabei, daß der e n t- scheidendeGrund für die Hetzer von der konservativen Parteifarbe, den Minenkrieg gegen Herrn von Bethmann-Hollweg zu führen, immxr ixr Fragen der
inneren Politik zu suche" 'st. Diese Gruppe der Kanzlergegner wird sich selbstverständlich hüten, öffentlich zu sagen oder auch nur merken zu lassen, daß sie den Kriegspfad einzig darum beschreitct, weil die Reichsleitung eine Neuorientierung der inneren Verhältnisse anstrebt, und weil der Reichskanzler und preußische Ministerpräsident eine Reform des preußischen WahIrechts für unvermeidlich erklärt hat. Ohne ein solches Programm, das eine im Besitz befindliche Gesellschastsschicht aus deni Zentrum in die Peripherie des politischen Lebens zu drängen droht, würde der Reichskanzler mit den Konservativen wohl auch weiterhin, zwar nicht besonders gut, aber doch erträglich ausgekommen sein. Was sich an Gegnerschaft aus anderen Provinzen unseres politischen Gesamtbereichs zu diesen richtunggebenden feindlichen Tendenzen hinzugesellt hat, das verdient nicht den Argwohn, in demselben Gleis einer rückwärts gerichteten Politik gehen zu wollen, vielmehr sind es gewiß anerkennenswerte vaterländische Bedenken und Forderungen, die zu einer sonst schwer zu begreifenden Gemeinsamkeit geführt haben. Aber im Endergebnis wird durch die verschiedenen Gründe in den verschiedenen Lagern der Fronde nichts geändert. Nur wünschen kann man, ohne indessen viel Hoffnung auf Erfüllung zu haben, daß eine vernünftige Einsicht noch durchdringt, und dafür, daß dies geschieht, muß jetzt im Reichstag gesorgt werden. Wir denken, es wird vom nächsten Donnerstag ab sehr deutlich und offenherzig am Königsplatz gesprochen werden, nicht bloß aus dem Hause, sondern auch vom B u n d e s r a t s t i s ch. Die Dinge sind soweit gediehen, daß Behutsamkeit und Schonung ein arger Fehler wäre. Der Reichskanzler hat ja schon einmal gezeigt, daß er nicht der Mann ist, der ein Blatt vor den Mund nehmen möchte, wenn die Pflicht zur rücksichtslosen Aussprache auffordert. Die Gelegenheit zur zweckmäßigen Wiederholung wird ihm geboten werden, wenn nicht im Reichstag selbst, so durch alles das, was seit Monaten ringsum im Lande an Verdächtigungen und Beschimpfungen von gewissenlosen Wühlern aufgehänft worden ist.
»
Eine angebliche Denkschrift.
Mit welchen Mitteln die Kanzlerfronde arbeitet, das hat die Öffentlichkeit mit steigender Verwunderung erfahren. Jetzt wird ein neuer Schachzug bekannt: eine angebliche Denkschrift des Admiralstabes über den Unterseebootkrieg ist in vielen Exemplaren verbreitet worden. Sie soll beweisen, daß Herr v. Ticpitz recht und Herr v. Bethmann-Hollweg unrecht hat. Es stellt sich aber heraus, daß es sich hierbei gar nicht um eine Denkschrift des Admiralstabes, sondern lediglich um das wirtschaftliche Gutachten eines Hilfarbeiters handelt, und daß der Arbeit ein autoritativer Charakter nicht innewohnt. Gleichwohl sind Abzüge in großer Zahl herge- itellt und versandt worden, die den damit Begnadeten als Propagandamittel dienen. Ermittlungen nach den Verbreitern scheinen bisher zu einem sicheren Ergebnis nicht ge- fühtt zu haben.
.Eine Petition im sächsischen Landtag.
Dresden, 5. Okt. (zb.) Dem sächsischen Landtag ist soeben eine Petition zugegangen, die sich in schärffter Form gegen den Reichskanzler richtet. Unter den Unterzeichnern befinden sich die Mitglieder der nationaUiberalen und konservativen Fraktion der Zweiten Ständekammer sowie zahlreiche Staatsbeamte, Industrielle, Gelehrte usw. aus allen Teilen Sachsens. Die Petition gipfelt in folgender Bitte: „Die hohen Ständekammern wollen eine gemeinsame Deputation berufen und den Herrn Minister de» Innern und des Äußern ersuchen, vor dieser Deputation die Gründe zu entwickeln, aus denen heraus die sächsische Staatsregierung der Politik des Herrn Reichskanzlers zuftimmt. Alle Parteien der Zweiten Kammer haben am 5. April erklärt, daß der sächsische Landtag ein Recht auf solche Aus» kunstserteilung hat. Die hohen Ständekammern wollen ferner der Staatsregierung erklären, daß sie die bisherige auswärtige Politik des Reichskanzlers als den Interessen des Reiches schädlich erachten, und die Regierung auffordern, allem ihren verfassungsmäßigen Einfluß im Bundesrat, darüber hinaus aber auch ihren auf langjährige Freundschaft und Bündnisse gegründeten Einfluß bei den Regierungen der einzelnen Bundesstaaten aufzubieten, um unverzüglich sowohl die rücksichtsloseste Durchführung des Unterseeboots- und Luftkrieges gegen England zu beschließen, wie auch die Beschränkung der Zensur auf militärische Belänge unter Einhaltung des Burgfriedens und Erhaltung des Siegeswillens zu erreichen."
Oer Krieg gegen England.
Ein Eunard-Dampser von 18 500 Tonnen versenkt;
W. T.-B. London, 6. Okt. (Drahtbericht.) Reutet meldet: Es wirb amtlich bekanntgegeben, daß der von der Regier«»- erworbene Cunard-Dampfer „Franconia" <18 506 Tonne«) ' gestern von einem feindlichen Unterseeboot versenkt wor»
