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Donnerstag, 5. «Dfttober 1916. flbCttö'flUSgflbC. Nr. 480. . 64. Jahrgang.
Die LriegrfinanM bei nn$ und bei den Zeinden.
O Berlin, 4. Oktober.
Wenn diese Zeilen in den Druck gehen, wird das Ergebnis der neuen Anleihe in der Hauptsache schon feststehen. Wir unterlassen es deshalb, Vorhersagungen zu machen, haben aber die feste Zuversicht, daß die Anleihe nicht nur keine Enttäuschung, sondern eine freudige Überraschung bedeuten wird. Wie aber auch die Endziffern lauten mögen, dies jedenfalls steht fest, daß es unbedingt richtig zugehen wird. Unser finanzpolitischer Generalstab hat auch bisher schon die Kniffe und Pfiffe verschmäht, mit denen in den feindlichen Ländern jedesmal gearbeitet wurde, wenn die mühsam aufgebrachten Milliarden wieder einmal zu Ende waren. Wir haben es stets durchführen können, daß wir unsere Geldmittel auf dem Wege langfristiger Anleihen erzielten, während den 36y 2 Milliarden, die in unseren ersten vier Anleihen ausgenommen wurden, in England nur 18% Milliarden Mark gegenüberstehen, in Frankreich nur 10 Milliarden Mark. Von Rußland und Italien braucht man in diesem Zusammenhänge gar nicht erst zu sprechen. Beide Länder sind so gründlich bankerott, daß sie sich kaum um die Wahrung des Scheins bemühen, sie liegen dem reichen Verbündeten an der Themse auf der Tasche, und dies Verhältnis ist nicht einmal das schlimmste für sie; denn es geht hier wie so oft im Privatleben: der leistungsfähige Gläubiger muß Zuschüsse zahlen, um den Schuldner nicht ganz untergehen zu lassen und um so wenigstens die Hoffnung auf Rückzahlung zu behalten. Unsere Kriegskosten haben dis September, wie wir einer Zusammenstellung von Professor Julius Wolf entnehmen, 46 Milliarden betragen, wovon also nur 9y 2 Milliarden nicht durch langfristige Anleihen gedeckt worden sind. Und die'en Rest werden wir jetzt mit der fünften Kriegsanleihe ganz gewiß nachholen. In derselben Zeit waren die englischen Kriegskosten auf 58, die f r a n z ö s i s che n auf ungefähr 52 Milliarden Mark angewachsen. Gedeckt davon sind in England, wie schon gesagt, nur 18%, in Frank- reich nur rund 10 Milliarden. Mit anderen Worten, in beiden Ländern behilft man sich mit Schatzwechseln, mit kurzfristigen Anleihen, mit den Erzeugnissen der N 0 te n p r e s s e, Da es auf diesem Wege aber doch nicht ins Endlose weitecgehen kann, wird jetzt in Frankreich gleichfalls eine neue Kriegsanleihe aufgelegt. Beschämenderes für dies, einst an der Spitze der Kreditwürdigkeit stehende Land, als es die Bedingungen dieser Anleihe sind, kann nichts gedacht werden. Bei 5prozentiger Verzinsung beträgt, wie bekannt, der Subskriptionskurs 88% Prozent, in Wirklichkeit sogar noch % Prozent weniger, was denn also bedeutet, daß die Anleihe um volle 10 Prozent niedriger als die uns- cige ausgegeben werden soll. Ohne englische Hilfe wäre Frankreich längst schon tiefer in den finanziellen Abgrund hineingeraten. Diese Hilfe kann aber auch nicht immer gewährt werden, wer! England ebenfalls an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit angelangt ist, sie vielmehr schon überschritten hat. Alle Schönfärbereien unserer Feinde und alle noch so große Geneigtheit der Welt da draußen, den Lügen der Engländer und Franzosen zu glauben, werden nicht verhindern können, daß ein furchtbares Erwachen kommen wird. Wir Deutschen haben keine Veranlassung dazu, auf diese Verhältnisse genauer einzugehen, wir dürfen uns ruhig mit gelegentlichen Hauptfeststellungen begnügen und es der späteren Entwicklung anheimgeben, für sich selber zu zeugen. _ Uns schadet es ja nichts, wenn die Feinde sich e i n b i l d e n, wir seien wirtschaftlich und finanziell ausgesogen. die Zeit wird lehren, wo die Fülle des Lebens und wo die Blutarmut ist. Zulejt freilich müssen wir unsere nüchterne Besonnenheit auch für die Würdigung des Tatbestandes bewahren, daß unser Krieg durch finanzielle Erschöpfung eines unserer Feinde nicht zu Ende gehen wird; er wird vielmehr einzig auf den Schlachtfeldern entschieden werden. Papiergeld kann man ja immer machen, und was nachher sein wird, das kümmert die feindlichen Staatslenker nicht, braucht sie auch nicht zu kümmern, wie wir offen zugeben wollen. Die schlimmen Folgen einer schlechten Kriegsbereitschaft werden sich überall erst im Frieden zeigen, sobald die Notwendigkeit da ist, die auf kurz« Frist geliehenen Milliarden abzutragen oder in feste lang- fristige Anleihen umzuwandeln. Am schlimm- sten steht es ersichtlich mit Rußland, wo schon etwas wie eine galgenhumoristische Sftmmung aufgtzkommen zu sein scheint. Diesen Eindruck hat z. B. auch ein so guter Kenner der dorttgen Verhältnisse wie Professor Otto H 0 etzsch, wenn er meint, daß alle in Rußland, die etwas von Finanzen verstehen, der gegenwärtigen hoffnungslosen Entwertung des Papiergeldes fata
listisch zusehen, und daß man in Rußland die Finanz- frage überhaupt nicht mehr ernst zu nehmen scheint. Man monopolisiert die Verwertung ausländischer Valuten, man hat die Ausfuhr von Papiergeld nach neutralen Ländern verboten, man will die Privatbanken unter strenge Staatskontrolle stellen, man redet von Steuern und Monopolen, man borgt in Amerika und in Japan, aber alles das hält nur die Fiktion einer russischen Finanzwirtschast aufrecht. Tatsächlich gibt es eine solche nicht mehr, Rußland lebt vom Kredit Englands und beweist im übrigen, daß man schließlich auch ohne Geld Krieg führen kann. Diesen Zustand also haben wir als gegeben gelten zu lassen, er verhindert, wie man sieht, das Zarenreich keineswegs an der Aufbietung immer neuer Anstrengungen. Wir wollen demgemäß, wie gesagt, auf den schon einge- tretenen finanziellen Zusammenbruch Rußlands keine Erwartungen setzen, auch nicht aui die wachsenden Schwierigkeiten Englands und Frankreichs. Wir scheuen uns auch nicht, zu sagen, daß, wenn sich wider Hoffen und Erwarten unsere eigene Finanzkraft einmal abschwächen sollte, dies für uns ebensowenig ein Grund wäre, den Krieg mit ungebeugter Kraft fortzuführen. Zum Glück aber ist uns diese iveniger günstige Lage bisher erspart geblieben, sie wird es auch ferner sein. _
Die Vernichtung der über die Donau gegangenen 15 rumänischen Bataillone.
Oer amtliche bulgarische Bericht.
W. T.-B. Sofia, 4. Okt. Bericht des Generalstabes vom 4. Oktober:
Mazedonische Front: Zwischen dem Prefpa- S e e und dem W a r d a r lebhafte Tätigkeit der Artillerie und der Infanterie. Wir brachten Versuche des Gegners, nördlich der Linie, welche »tm den Dörfern Strupino und Bahowo gebildet wird, vorzugehen, schon im Entstehen zum Scheitern. Östlich vom Wardar bis zum Doiran-See schwaches Geschützfeuer. Unsere Artillerie hat zwei feindliche Kompagnien, die südöstlich vom Dorfe Doldecheli am Fuße der Belasica-Planina schanzten, z e r st r e u t.
An der Struma-Front Ruhe. Erbitterte Kämpfe um die Dörfer Karadschakioeg, Jemikoeij und Kodrich. Feindliche Infanterie, welche sich am Morgen dem brennendes Dorfe Jenikoeij hatte nähern können, wurde angegriffen und in ihre alten Stellungen zurückgeworfen.
An der ägäischen Küste lebhafte Kreuzertätigkeit.
Rumänische Front: An der Donanfront waren die 15 oder 16 Bataillone ohne Artillerie zählenden feindlichen Truppen, welche die Donau bei Rjahovo überschritten hatten, vorgerückt und hatten die Dörfer Sliwopol, Kojamhle, Borissowo, Malkowranowo, Jolemow-Rovowo und Breschlion besetzt. Um sie zurückzuwerfen, führten wir zwei Kolonnen von R u st s ch u k und von Tutrakan gegen die feindlichen Truppen vor. Gestern, am 3. Oktober, griffe» die von Rustschuk vorrückenden Truppen den Feind au und zwangen ihn bald, feine Rettung in der Richtung auf die von der Monitorflottille zerstörte Brücke zu suchen. Das Schlachtfeld ist bedeckt mit den von den Fliehenden zurückge- laffenen Gefallenen. Gegen Abend besetzten wir die Dörfer Rjahovo und Bahowo. Die feindlichen Truppenteile gingen in Unordnung ostwärts zurück, wobei sie auf unsere von Tutrakan vorrückenden Truppen stießen. Der umfaßte Feind flieht in verschiedenen Richtungen und heute vollenden unsere Truppen feine Ber. n i ch t u n g.
Die rumänischen Truppen haben in den von ihnen besetzten Dörfern, ebenso wie auf ihrem Rückzug aus der Dobrndscha, schwere Grausamkeiten begangen. Biele Greise und Kinder wurden hingeschlachtet, vielen der Opfer sind die Augen ansgestochen und die Zunge abgeschnitten.
In der D o b r u d s ch a starke Tätigkeit von Artillerie und Infanterie auf der ganzen Front. Alle Versuche der feindlichen Infanterie, vorzudringen, wurden durch unser Feuer und glückliche Gegenangriffe erstickt.
Am Ufer des Schwarzen Meeres hat ein russisches Kriegsschiff die Höhen bei dem Dorfe Tatladschekiorj beschoffen. Unsere Wafferflugzeuge haben einen feindlichen Wafferflug- zeugschuppen am Toschnwlo-See, nördlich von Constantza, mit grotzemErfolg angegriffen.
(Gez.) Minister Radoslawow.
Ern Hilfegesuch des Heldenkönigs Ferdinand an den Zaren.
Berlin, 5. Okt. Der rumänische König soll sich laut „Deutscher Tagesztg." an den russischen Zaren mit der Bitte um dringende Unter st ü tz u n g Rußlands mit Truppen und Material gew indt haben.
Biele Opfer aus Bukarest bei der
Unrgehungsschlacht von Hermannstadt.
Berlin, 5. Okt. Bei den Verlusten in der Umzingelungsschlacht bei Hermannstadt wurden, wie der „B. L.-A." berichtet, ganz besonders die reichen B u k a r e st e r Familien schwer
betroffen. Die eingeschlossenen Regimenter gehörten aus» schließlich der Bukarester Garnison an und die Offiziere stammten ausnahmslos aus Bukarest. Die Rumänen kämpften angeblich mit wahrem Löwenmut, ihr Widerstand sei jedoch gegen die berggewohnten Bayern vollkommen aussichtslos gewesen.
Serbisches Kanonenfutter in der Dobrudscha.
(Drahtbericht unseres ^-Sonderberichterstatters.)
8. Stockholm, 5. Okt. (zb.) Die russischen Blätter melden aus Galatz: Die D o b r u d s ch a - K ä m p s e haben wieder
an Heftigkeit zugenommen. Die Rumänen kämpfen unter Einsetzung aller Kräfte. Serbische Truppenabtei- lwngen sollten einen Durchbruch durch die feindliche« Stellungen versuchen, stießen jedoch auf weit stärkeren Widerstand als erwartet wurde. Die serbischen Truppen fanden hier ein ruhmvolles Ende. Nur wenige wurden von den Feinden gefangen genommen, doch ist kaum ein Mann zu- rückgekehrt.
Constantza stark gefährdet.
(Drahtbericht unseres 8.-Sonderberichterstatters.)
8. Stockholm, 5. Okt. (zb.) Auf Veranlassung der Konsulate haben sämtliche englischen und russischen Familien Constantza verlassen. Sie sind größtenteils nach S u l i n übergesiedelt.
Die Lage in der rumänischen Hauptstadt.
W. T.-B. Bern, 4. Okt. Das Pariser „Journal" bringt eine Drahtung seines Bakarester Mitarbeiters über die Lage in der rumänischen Hauptstadt. Deutsche Luftschiffe und Flugzeuge hätten die Städte Constantza, Piatra, Neamtau und Bukarest bei Tag und bei Nacht mit Bomben beworfen, die viele Opfer gtftrdert hätten, da sich die Bevölkerung allen Anordnungen der Behörden zum Trotz während der Beweis rng auf den Straßen aufhalte, um das seltsame Schauspiel zu genießen. Auch die Schrapnellsplitter der rumänischen Abwehrkanonen hätten schon viele getötet. Erhebliche Belohnungen seien bereits für die Herabholung von Luftschiffen und Flugzeugen ausgesetzt worden.
In einem Bukarester Briefe des „Petit Parisien" heißt es, daß nach 9 Uhr abends jeder Verkehr unterbrochen ist. Nur mit besonderen Ausweistarten des Polizeipräfettcn dürfe man die Straße betreten. Alle Theater seien geschlossen, vorläufig auch die drei größten Cafes, darunter das berühmte Cafe Capsa, um der Verbreitung aufregender Nachrichten durch Pessimisten vorzubeugen. Acht Tage sei kein Eisenbahnzug gegangen. Post und Telephon arbeiteten nicht mehr.
Eine besondere Auszeichnung des bisherigen bulgnrischen Gesandten in Bukarest.
IV. T.-B. Sofia, 4. Okt. Der König hat dem ehemaligen Gesandten in Bukarest, R a d e w, den Orden des heiligen Alexander 2. Klasse mit Schwertern verliehen, der Zivilpersonen nur für Dienste, die unter außerordentlichen Verhältnissen geleistet wurden, erteilt wird.
Verwendung von Kriegsgefangenen „in großem Stil".
(Drähtbericht unseres ^-Sonderberichterstatters.)
8. Stockholm, 5. Okt. (zb.) Der rumänische Ministerrat nahm einen Gesetzesvorschlag an, der die Verwendung von Kriegsgefangenen zu Landarbeiten in großem Stil vorsieht.
Was die „Nowoje Wremfa" über die Abreiße Beldimanszusammenlügt.
Berlin, 5. Okt. In der „Voss. Ztg." liest man: Die
„Nowoje Wremja" schildert die Abreise des rumänischen Gesandten aus Berlin wi: folgt: Heute ist in Petersburg die Meldung eingetroffen, daß die Mitglieder der rumänischen Gesandtschaft endlich aus dem Feindesland Herausgelaffen worden sind, wo sie entgegen allen internationalen Gesetzen und Verträgen bisher zurückgehalten worden waren. In Deutschland haben die Behörden sich außerordentlich gemein gegenüber den rumänischen Diplomaten betragen. Nur nach scharfen Protesten und nach Einmischung der Ver- treter der neutralen Regierungen tonnten die rumänischen Diplomaten dieses wirklich feindliche und vor nichts zurück- schreckende Land verlassen. — Die „Voff. Ztg." bemerkt hierzu : Der Gesandte Herr B e l d i m a n, der auf dem Stettiner Bahnhof vor dem blumengeschmückten Salonwagen seines ihm zur Verfügung gestellten Extrazuges sich so freimd. lich, ja freundschaftlich von den ihn hinausbegleitenden Herren unseres Auswärtigen Amtes verabschiedete, befindet sich gegenwärtig in Petersburg und wird dort sehen, wie wahr- beitSliebend die „Nowoje Wremja" ist.
öimjelos’ Spiel verloren?
Griechenland erwartet ein neues Ultimatum der Entente — und diesmal soll es aufs Ganze gehen. Liest man die Pariser und die Londoner Zeitungen, dann sieht man, daß grimme Wut über den Widerstand der Athener Regierung herrscht, aber kein Einverständnis unter den Alliierten. Die Zensur strich unerbittlich jeden Versuch der Presse, etwas über die Forderungen des angekündigten
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