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Donnerstag, 6. DKtober I9IS. IsiorgeN-KUSgtlbE»_ Nr. 479. ♦ 64. Jahrgang.
Zu den Beratungen im hauptaurschutz.
O Berlin, 3. Oktober.
Aus den Verhandlungen des Hauptausschusses des Reichstags erfährt man nichts. In den früheren Sessionsabschnitten während des Krieges wurde schon während der Beratungen ein fortlaufender, kurzgefaßter, jedoch in der Hauptsache aufschlußgebender Bericht veröffentlicht, diesmal hat man davon Abstand genommen, und mehrere Sitzungen des Ausschusses finden überdies unter besonders strenger Vertraulichkeit statt; nur die Mitglieder dürfen an ihnen teilnehmen, die anderen Abgeordneten finden die Türen des Beratungszimmers verschlossen, das sie sonst in dichten Scharen füllten. War schon die Frist zwischen der ersten Reichstagssitzung und der nächsten ungewöhnlich lang bemessen, volle acht Tage, so will es sehr beachtet sein, daß sie abermals um eine fast weitere Woche ausgedehnt worden ist. Man darf es als gewiß betrachten, daß in diesen außerordentlich langwierigen Beratungen des Hauptausschuffes, die denn also beinahe 14 Tage beanspruchen werden, äußerst wichtige Dinge Vorkommen. Wir ent- halten uns jedes Hinweises auf Einzelheiten,. wollen aber doch betonen, daß die Öffentlichkeit die, Pflicht hat, sich rechtzeitig klar darüber zu werden, daß die Vorgänge im Hauptausschuß von entscheidender Bedeutung für die auswärtige wie für die innere Politik sein werden. Demgemäß wird man den Verhandlungen im Reichstag selbst mit großen Erwartungen ent- gegenzusehen haben. Auch wenn es gelingen sollte, im Ausschuß die Stimmungen, die Abstchten und die Forderungen so in Einklang miteinander zu bringen, daß die Hauptverhandlung uns ein beruhigendes Bild zu geben vermag, wird es wohl nicht zu verhindern sein, daß manche bewegtere Auseinandersetzung, die zur Stunde stattfindet, in der Vollversammlung des Reichstags doch durchschimmert. Man braucht nicht eingeweiht zu sein (niemand ist es über einen bescheidenen Rahmen hinaus, und wer es doch sein mag, der hat sich unbedingt der Zurückhaltung zu befleißigen) und kann gleichwohl mit naheliegender Schlußfolgerung .aus längst bekannten Tatsachen wissen, daß sich jetzt wieder einmal die Gegensätze geaenüberstehen, die in der Frage der Unterseebootskriegführunq ihren weit- hin sichtbaren Ausdruck, zugleich auch ihren sachlichen Inhalt insofern finden, als es immer wieder auf das Problem ankommt, wie der Krieg durch die Führung des H a u p t st o ß e s gegen unseren englischen Erzfeind am schnellsten beendigt werden kann. Mit dieser Frage in unmittelbarem Zusammenhing steht die weitere, ob und wie nach der russischen Seite hin schon heute die Umrißlinien eines erträglichen Verhältnisses gezogen werden könnten. Die Kanzlerrede vom 28. Sevtember enthielt Momente, die darauf berechnet zu sein schienen, einer Erörterung dieser Fragen greifbare Unterlagen zu geben. Indem der Reichskanzler E n a l a n d als unseren hartnäckigsten Feind bezeicknete, ließ er durchblicken. daß mit den and e- ren Gegnern, zumal bei unserer günstigen Stellung auf den Kriegsschauplätzen, leichter abzurechnen sein würde, mit Frankreich, weil cs qeaen seine unentrinnbare Zersetzung nur noch mühsam ankämpst, mit Rußland, weil sich vielleicht Verständigunas- möglichkeiten darbieten. Das hat der verantwortliche Staatsmann so nicht sagen können, aber es ist erlaubt, seine Andeutungen so zu verstehen. Freilich würden die Schwierigkeiten, ans Ziel zu kommen, auch nach jener Seite hin riesengroß sein, jedoch wollen wir nicht daran Vorbeigehen, daß der russische Ministerpräsident Stürmer immer wieder als ein Mann bezeichnet wird, der einen Ausweg aus der Not seines Landes sucht und der gerade deshalb in einem gewiffen Reibungszustande England gegenüber sieben soll. Wes England betritt, so sollt? man es nach den Erklärungen des Reichskanzlers nicht mehr für möglich halten, daß noch irgendwo die Meinung bestehen kann, diesem Feinde gegenüber werde nicht das Ä u ß e r st e an Kraft Aufgeboten werden, das uns zur Verfügung steht. Aber es scheint, als ob mit Enaels- zunaen geredet werden könnte, ohne daß hartnäckige Voreingenommenheiten zum Schweigen zu bringen sind. Was sind das für sonderbare Begriffsverwirrungen, unter denen z. B. der Münchener „Volksausschuß zur raschem Niederkönrpfung Englands" leidetl Tn eter Ausschuß versendet an Reick>staasmitglieder ein Rundschreiben. worin sich die merkwürdige Frage vorfindet: „Sind Sie bereit, im Plenum des Reichstags lediglich dm Sach? unseres Volkes zu führen?" Man weiß nicht wehr, was man zu einer solchen Verirrung sagen soll. Dre stillschweigende oder vielmehr ganz offene Voraussetzung. daß ein in solch ungehöriger Art zum Reden gestellter Abgeordneter etwa nicht die Sache unseres Volkes, und zwar „lediglich" vertreten möchte, ist be- brerts eine grobe Beleidigung. Die anstößige Fräse
hat denn auch verschiedentlich, so durch den Abgeordneten Konrad Haußmann, eine derbe Abfertigung erfcchren. Aber damit ist nicht aus der Welt geschafft, daß eine Gruppe von Männern, deren vaterländisches Gefühl selbstverständlich echt und tief ist, in eine Geistesverfassung geraten ist, für die wir in unserer politischen Geschichte kein Beispiel ausfindig machen können. Dieser Zustand ist unerträglich, und doch muß er ertragen werden, so schwer auch die Belastung unserer nationalen Gemeinschaft dadurch wird.
Wenn man ihm etwas Gutes allenfalls abgewinnen will, so mag es darin zu suchen sein, daß England erfährt, wie unbedingt entschlossen unser Volk ist, den gegen uns geführten Vernichtungskampf nicht bloß abzuwehren, sondern mit dem unerschütterlichen Willen zum zerschmetternden Siege zu Ende zu führen. Das zweite Gute aber ist und bleibt es, daß der Reichskanzler die Zuversicht haben kann, alle wahrhaft entscheidenden Stellen im Reiche bis hoch hinauf an seiner Seite zu sehen, und dabei wird es auch bleiben, so hart der Ansturm der Kanzlerfeinde aus Gründen, dis zu einem wesentlichen Teile weitab von der Kriegszielfrage liegen, noch werden nrag.
W. T.-B. Berlin, 4. Okt. Der Hauptausschuß des Reichstags führte heute die streng vertraulichen Verhandlungen im engeren Kreise mit der Regierung fort. Inzwischen sind diese Beratungen, zu welchen bekanntlich die Reichstagsmitglieder als Zuhörer keinen Zutritt haben, so gefördert, dag sie voraussichtlich heute zum Abschluß kommen werden. Dann wird, wie gestern angekündigt, dec Hauptausschuß morgen die am Samstag abgebrochenen Beratungen wieder aufnehmen, die zwar ebenfalls vertraulicher Natur, zu denen aber Abgeordnete als Zuhörer wieder zugelassen sind.
Die wirren in Griechenland.
Die Peitsche der Entente.
Angebliche Absendung eines befristeten Ultimatums an König Konstantin.
Br. Lugano, 4. Okt. (Eig. Drahtbericht, zb.) Wie die römische „Agencia Nationale" aus diplomatischen Kreisen erfahren haben will, haben die Ententemächte dem König Konstantin eine Note zugelhen lassen mit der Forderung, unverzüglich zur Befreiung des griechischen Bodens von den bulgarischen Truppen zu schreiten, w i dritz e n f a l l s sie in ganz Griechenland den Belagsrungszustand erklären und die Entwaffnung des griechischen Heeres und der Marine vornehmen werden. Die dem König gewährte Frist sei sehr kurz, da General S a r r a i l die Entscheidung abwarte, um zu einer Aktion in großem Stil zu schreiten. Die Entente habe bisher das Ministerium Kalogero pul os nicht anerkannt und werde auch die provisorische Regierung Venizelos erst anerkennen, wenn dieser Nachweisen könne, daß der König mit chm einig sei, oder daß er die Kraft habe, zu regieren und die Ordnung auftecht zu erhalten.
Eine neue kriegsfeindlirhe Partei in Griechenland.
(Drahtbericht unseres Kr.-SonderberichterftatterS.)
Kr. Genf, 4. Okt. (zb.) „Matin" meldet aus Achen, G u n a r i s bilde eine neue Partei gegen Venizelos, die vorläufig 28 Mitglieder zählt. ./Eclair" sagt, Vorsicht wäre nötig. Diese Partei wolle den Krieg verhindern, trotz chrer angeblichen Freundschaft für den Vierverband. „Gaulois" meldet aus Saloniki: Es finden jetzt in ganz
Griechenland Kundgebungen gegen die Politik Venizelos' statt, weshalb er nicht geringen Gefahren ausgefetzt erscheint. |
Die Entente noch keineswegs Herr der Lage in Griechenland.
Lugano, 3. Okt. (zb.) Aus den heute über die Lage in Griechenland vorliegenden Meldungen geht trotz aller von der Entente geübten Zensur hervor, daß die griechische Regierung daran festhält, die Geschicke des Landes selbst zu bestimmen, und daß der Verband dieser Lage der Dinge vorläufig wohl ober übel Rechnung tragen mutz. Inzwischen macht die Zwiespältigkeit im Volk weitere Fortschritte. Offen- sichtlich find aber die AnhängerdesKünigs so stark, daß den Berbandskreisen von einer noch schärferen Politik der Gewalt abgeraten wird.
Mytilene von Venizelos als „Regierungssitz" gewählt.
Sr. Genf» 4. Okt. (Eig. Drahtbericht, zb.) Veni» zelos bat nach Meldungen Pariser Blätter aus Saloniki Mytilene als neueu Regierungssitz gewählt. Das entente-freundliche Blatt „Nea Hellas" teilt mit, daß die Alliierten durch ihre Konsuln in Kanea Verhandlungen mit der neuen Regierung von Venizelos eingeleitet haben.
Die Lage auf dein mazedonischen Kriegsschauplatz.
Bei den Bulgaren die Oberhand.
(Drahtbericht unseres Ni.-Sonderberichterstatters.)
Ni. Sofia, 4. Okt. (zb.) Die Zeitung „Utro" stellt fest, daß es trotz aller Kraftanstrengungen der Entente nicht möglich sei, gegen Monastir vorzudringen. Die bulgarischen Truppen bei K a i m a k c a l a n sind von den Truppen Sarrails zwar zurückgedrängt worden, aber nur um neue, stark ausgebaute Stellungen zu beziehen. Die Bulgaren sind es, die die Linie Csecsewo-Larissa vollkommen beherrschen. Der Feind hatte aus dieser Linie, besonders bei Esecsewo, sehr große Verluste und wurde gezwungen, vor starken Angriffen derBulgaren vom Flusse Zselewa und gegen die Linie Lizsesin der ganzen Länge von 15 bis 18 Kilometer zurückzugehen. Infolge dieser Bewegung sind die Bulgaren absolut Herren des Abhanges von Zselewa und sämtlicher Wege nach der Linie Koresa-Larissa- Koszar. So lange es Sarrail nicht gelingt, hier die Oberhano zu gewinnen, kann er es wegen der Gefahr einer Flankierung seiner Truppen nicht wagen, seinen linken Flügel gegen Monastier vorzuschieben.
Der Krieg gegen Nrchland.
Die zusammengebrochenen russischen Massenstürme.
Sr. Berlin. 4. Okt. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der Be- lichterstatter des „B. T." meldet aus dem K. und K. Kriegspressequartier über den Generalangriff gegen die Armee des Generalobersten Terszthanskh: Nach heftigen Artillerievorbereitungen, deren Stärke alles bisher Dagc- wesene an Heftigkeit übertraf, setzten die Ruffcn auf der ganzen Front zum Angriff ein. Wie ernst dieser Angriff gemeint war, ist daraus ersichtlich, daß außer den beiden russischen, wieder neu aufgefüllten Gardekorps auch noch eine ganze Anzahl besonders guter Divisionen hier zum Einsatz gebracht wurden. Gestern um 9 Uhr vormittags griff die Garde zum erstenmal mit anerkennenswerter Tapferkeit zwischen Bienenhof bei Korytnitza und W o j i n an. Gleichzeitig trafen auch die anderen Korps zum Angriff ein. Ein wahnsinniges, erbittertes Ringen begann. Vor den Hindernissen der mit wilder Entschlossenheit aushaltenden deutschen und ungarischen Truppen häuften sich die Leichen zu förmlichen Bergen. Die Maschinengewehre sprühten Tod und Verderben; die Läufe glühten. Unter der höchst gesteigerten Wirkung der vortrefflich zusammenarbeitenden Maschinengewehre und des Artillericfeuers fiel die Gar de reihenweise; aber siebzehnmal erneuerte sie mit verzweifelter Tapferkeit ibren Ansturm, während nördlich Wojin cndere Divisionen zwölfmal ebenso vergeblich anliesen. Als vm 3 Uhr nachmittags der erste große russische Ansturm abgeschlagen war, standen die Deutschen und Ungarn uner- sthüttert in ihren alten Stellungen, von denen auch nicht ein Zoll breit verloren gegangen war. Die russischen Verluste sind ungeheuer groß, und da die Garde bereits bei Kaszowka am Stochod schwer gelitten und am Blutstage von Vustonhty fürchterliche Opfer gebracht hat, so dürfte nach dem Tage tun Korvtnitza nicht mehr viel von der alten Garde de§ Zaren übrig sein.
Die Stimmung in England.
In den gegenwärtigen Tagen, in denen dos gewaltige Ringen an der Somme und gegen die englischen Heere anscheinend seinen Höhepunkt erreicht hat, ist es von vesonderem Interesse, ein Bild von der vorherrschenden Stimmung des englischen Volkes zu gewinnen, die — so weit die gegnerische Seite in Frage kommt — wohl mit ausschlaggebend für die Fortführung des Krieges sein dürfte. Ein Mitglied der Schriftleitung der „Leipz. N. N." hotte Gelegenheit, aus dem Munde eines vor wenig Tagen ausge- lieferten deutschen Kaufmanns, dessen Familie bis zur Abreise ftei in einem Londoner Vorort wohnte, folgendes zu erfahren:
Will man die Stimmung des englischen Volkes richtig beurteilen, muß man es unter dem Gesichtswinkel tun, aus dem heraus die b r e i t e Masse den Kr'eg betrachtet oder wenigstens bisher betrachtete. Der Durchschnitts-Engländer ist von einer für ein Weltvolk geradezu beschämenden Unwissenheit hinsichtlich der politischen, wirtschaftlichen und vor allem der kulturellen Zustände in anderen Ländern. Diese Unkenntnis wird gesteigert durch die echt britische Anmaßung, die in England die Macht sieht, die nach der göttlichen Weltordnung berufen ist, a l l c i n den Erdball zu beherrschen. So stand die Masse des englischen Volkes dem Weltkrieg von Anfang an nicht viel anders wie etwa dem Burenkrieg oder einem ärgeren der zahllosen Kolonialkriege gegenüber. Man sah in den Deutschen so eine Art von rebellisch gewordenen Kolonialen, die von denr englischen Söldnerheer gezüchtigt und zu Bcden geworfen werden mußten. Diese Grundanschauung besteht auch heute noch, nur ist die ursprüngliche Geringschätzung des Feindes in glühenden Haß nmgeschlogen, je mehr England den Krieg am e i g e n e n Leib zu spüren bekam. Dieser Hotz ist bei dem „Mann der Straße" — wie man in England
