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Wiesbadener TsMit.

9aAm tS^S »^ 21 XDÖdJcntltd) 13 Ausgaben. ,^«.ffS.«5o.53.

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hindenburg in japanischem Lichte.

Zum 69. Geburtstag Hindenburgs wird uns noch ge­schrieben: Am 2. Oktober feierte unser Generalfeld­marschall Hindenburg seinen 69. Geburtstag als Chef des Generalstabes und Führer unserer gesamten Armeen in Ost und West. In den zwei Kriegsjahren hat sich Hindenburg nicht nur die Liebe und Verehrung des deutschen Volkes erworben, sondern auch die Hoch­achtung unserer meisten Feinde. Zwar haben jüngst englische und französische Blätter aus Anlaß der Er­nennung Hindenburgs zum Chef des Generalstabes allerlei sauersüße Bemerkungen gemacht, die aber nur die stille Furcht verraten, welche auch die Engländer und Franzosen vor dem erfolgreichsten deutschen Heerführer haben. In jüngster Zeit bekannte sich dagegen der japanische Major Mamato frei und offen zu einem Geständnis von der Größe Hindenburgs. Mamato, der früher im Frieden bei der Berliner japani­schen Botschaft tätig war, spricht beinahe ein Bedauern darüber aus, daß japanische Offiziere nicht in Hinden­burgs Hauptquartier weilen und von ihm lernen kön­nen. Der japanische Major hebt zur Kennzeichnung der Größe und Genialität Hindenburgs. den er den b e- deutendsten Feldherrn dieses Weltkrieges nennt, besonders drei Punkte hervor:

1. Hindenburg ist stets Herr der Lage und steht über ihr. Es gibt für ihn keinen Zufall, sondern er zwingt die Kriegslage zu seinen Gunsten. Wie jeder echte Feldherr ist er von der Überschätzung des Feindes ebenso weit entfernt wie von seiner Unterschätzung. Er ist ein Mann der Tat, der im Gegensatz zu den Feld­herren der Engländer und Franzosen ein eigen­artiges Geständnis eines diesen Heerführern ver­bündeten japanischen Majors niemals große Worte macht, sondern stets die Tatsachen für sich sprechen läßt. Zwar spricht er oft von seiner Siegeszuversicht, aber ruhig und sachlich und im Bewußtsein einer gewissen überlegenen Kraft.

2. Hindenburg ist Beherrscher jeder Strategie, so­wohl der der Offensive wie der der Defensive. In der Offensive ist er darum furchtbar, weil es ihm stets ge­lingt. den Gegner an seiner verwundbarsten Stelle zu fassen. Er überstürzt nichts, sondern kundschaftet genau aus. Hat er aber diese Stelle entdeckt, dann stürzt er sich mit ungeheurer Kraft auf den Feind und ruht nicht, bis er sein Ziel erreicht hat. Seine unbarmherzige Verfolgung des geschlagenen Feindes hat ihn züm M e i st e r der Vernichtungs- st r a t e g i e gemacht. Wenn er die Defensive in An­betracht der militärischen Verhältnisse für wichtiger hält, dann ist er in gleicher Weise Herr der Lage. Vor seinen Linien ist bisher noch jeder Widerstand zer­brochen. Wenn Hindenburg aber einmal zurückgeht, dann holt er dabei zugleich zu einem neuen und schweren Schlage aus. Mamato erklärt, daß auch der Feind nicht umhin könne, diese imponierende Naturerscheinung restlos zu bewundern. Es gibt auch auf der gegneri­schen Seite, so sagt er. sehr tüchtige Feldherren, aber sie haben nicht die unfehlbare Sicherheit des Zufassens, sondern können in der Wahl ihrer Mittel auch oft das weniger Richtige wählen. Hindenburg allein hat bis­her gezeigt, daß er mit der größten Ruhe eine fast im- glaubliche Schnelligkeit des Handelns und des Zu­schlagens entwickeln kann.

3. Hindenburg ist überall der Stärkste. Nicht etwa, als ob er stets über die meisten Truppen verfügt, nein, er weiß es so einzurichten, daß er dort, wo er zufaßt, mit überwältigender Übermacht auftritt. Die Russen haben ihm gegenüber immer mehr Menschen gehabt, aber an den entscheidendsten Ltellen war Hindenburg immer der Stärkere. Darum setzt sein Angriff auch mit ungeheurer Macht ein, ohne daß ein einziger Sol- dat nutzlos geopfert wird. Jeder Mann steht schon lange vorher an seinem Platze und hat seine Weisungen, lo daß Unsicherheit oder Unordnung nirgends auf- kommt. Wenn Hindenburg dann den Befehl zum Los- schlaoen gibt, dann klappt alles wie beim Manöver. Man kann den Sieg geradezu vorher berechnen.

Hindenburgs Geburtstag.

Die Ansprache deS Kaisers bei der Mittagstafel.

W. T.-B. Berlin, 2. Oft. (Amtlich.) Zur Feier des Ge­burtstages des Generalfeldmarschalls t>. Hindenburg fand bei dem Kaiser eine Mittagstafel statt, zu der die Militärbe­vollmächtigten der verbündeten Staaten, der Chef des Admiralstabes und der Abteilungschef des Generalstabes ge­laden waren. Seine Majestät der Kaiser hielt bei der Tafel folgende Ansprache:Mein lieber Generalfeldmarschall! Im Namen der gesamten Armee spreche ich Ihnen meinen herzlichen Glückwunsch zu . dem heutigen Tage aus. Durch das Vertrauen Ihres Allerhöchsten Kriegsherrn an die Spitze des Generalstabes berufen, sind Sie getragen von dem Ver­trauen des deutschen Volkes und ich darf wohl sagen aller verbündeten Völker. Möge Gott Ihnen

bescheren, den gewaltigen Weltkrieg zum endgültigen S i e g e zu führen, der unseren verbündeten Völkern die Frei­heit bringen soll, für die wir kämpfen. Gott möge Ihren Entschlüssen nabe stehen und uns Ihre Gesundheit erhalten. Ich erhebe mein GlaS mit dem Rufe: Seine Exzellenz, der Generalfeldmarschall v. Hindenburg, Hurra!" Anläßlich des Geburtstages des Generalfeldmarschalls hat Seine Majestät der Kaiser eine Reihe von Ordensauszeichnungen an Offiziere des General st abes verliehen.

Frau v. Hindenburg bei der Kaiserin.

W. T.-B. Neues Palais. 2. Okt. Zur Mittagstafel bei der Kaiserin war die Gemahlin des Generalfeldmarschalls v. Hindenbarg geladen.

Der feindliche und der deutsche heererbericht.

Von unterrichteter Seite wird derNordd. Allg. Ztg." geschrieben:

Ein Reuter-Telegramm, das in denBasler Nachrichten" vom 19. September veröffentlicht wurde, beschäftigt sich mit der Abfassung unserer Heeresberichte. Es wird behauptet, der deutsche Generalstob habe am 7. Septem­ber verkündet, daß er nur noch die wichtigeren Er­eignisse vom Kriegsschauplatz melden, solche von neben­sächlicher Bedeutung aber nicht mehr erwähnen werde. Ob­gleich eine solche Erklärung niemals abgegeben ist, also von Reuter der Welt vorgelogen wird, wie jeder sich durch Einsicht in unsere Bekanntmachungen überzeugen kann, so weiß Reuter für diese erlogenen Absichten der deut­schen Heeresleitung doch Gründe. Er behauptet, die Er­klärung sei gerade in dem Augenblick abgegeben worden, wo die Schlacht an der Somme eine für Deutschland sehr gefährliche Wendung genommen habe. Die deutsche Heeres­leitung wolle also unliebsame Dinge als belanglos verschwei­gen. Betrachten wir die Ereignisse in der diesem 7. Septem­ber vorhergehenden Woche. Sie hat den Engländern nur recht mäßige Erfolge eingebrocht. Auch die Erfolge der Franzosen waren durchaus nicht erschütternd. Was wir an Gelände verloren, wurde sofort gemeldet. Reuter bebauptet, wir hätten den Verlust von C l e r y verschwiegen. Man wird sich überzeugen, daß der Verlust, welcher am 5 September erfolgte, im Tagesbericht vom 6. September, welcher den Verlauf des 5. September meldet, gemeldet wurde. Die Gründe, warum der deutsche Heeresbericht im Gegensatz zu den feindlichen auf Einzelheiten im allgemeinen verzich­ten muß, sind leicht festzustellen.

Die Kampffront der Engländer in Frankreich beträgt 135 Kilometer, die der Franzosen 6üv, die der Russen 1109, die deutsche Westftont 700, die Ostfront 1100 Kilo­meter, von denen etwa 400 Kilometer den österreichisch-unga­rischen Truppen zufallen. Die deutsche Front l st also 1700 Kilometer lang. Die unseres österreichisch-un­garischen Bundesgenossen hat unter Hinzurechnung der Kampfftont gegen Italien eine Ausdehnung von etwa 900 Kilometer. Bei dieser Berechnung lassen wir die rumä­nische und die mazedonische Kampffront außer Be­tracht, weil über ihnen noch der 'Schleier des Geheimnisses in bezug auf die Kräfteverteilung im einzelnen liegt. Die an­gegebenen Zahlen beziehen sich also nur auf das Kampfgebiet gegen Frankreich, gegen Rußland und gegen Italien. Wie kümmerlich nehmen sich die 135 Kilometer der Engländer gegen die 1700 Kilometer deutsche Frontbreite aus! Auch un­ser österreichisch-ungarischer Verbündeter, dem man die Kampfkraft so gern absprecheu möchte, übertrisft mit seiner 900 Kilometer langen Kampffront selbst die deS französi­schen Heeres um ein ganz Erhelliches. Wollten wir die dcuffchen Heeresberichte nach Reuterschem Wunsch abfassen, so würden täglich für den Heeresbericht ganze Zeitungs­seiten beansprucht werden, um jede Gefechtshandlung zu erwähnen. Wie gern täten wir es, wie gern verkündeten wir der Welt, der Heimat und unseren Truppen von jedem der täglichen Heldenkämpfe unserer Truppen in dem ausgedehn­ten deutschen Kampfgebiet! Es ist klar, daß eS nicht geht. Der englische Heeresbericht, der nur über eine Frvntbreite von 135 Kilometer zu melden hat, kann es sich gestatten, jeden kleinen Kampf zu erwähnen. Dazu erscheint er auch mehrmals am Tage, der deutsche Heeresbericht aber nur einmal. Was der deutsche Heeresbericht kurz zusammen- faßt, das zieht der englische, der französische, der russische Heeresbericht jeder für sich an seiner Stelle in die Breite, und auch der belgische bolt sich zuweilen mühsam einen Brocken heraus.

Man kann also nicht verlangen, daß unser Heeres­bericht die Einzelheiten der feiMichen bringt. Wer das Wesentliche wissen und sich durch kleine Ereignisse nicht den Blick für die entscheidenden Verhältnisse trüben lassen will, dem empfehlen wir, schon der Zeitersparnis wegen, den deutschen Heeresbericht. Wir wollen die englischen Heeresberichte nicht allgemein als unglaubwürdig hinstellen; notwendig ist es aber, wenn man sie mit dem deutschen Heeresbericht vergleicht, darauf hinzuweisen, daß sie auch den k l e i n st e n Erfolg verzeichnen. Denn das erfordert an­geblich ihre Genauigkeit. Gebt der Erfolg wieder ver­loren, oder wird ein entsprechender kleiner Mißerfolg er­

litten, so geht man darüber hinweg. Entweder, um sich mit solchen Kleinigkeiten nicht zum zweitenmal zu be­schäftigen, oder weil es dann die Grcßzügigkeit so fordert.

Eine Eigenart der feindlichen Heeresberichte sind auch die zahlreichen Ortsnamen, Orte, von denen kein Mensch bisher etwas wußte, die niemand auf der Karte findet. die auch keinen Menschen interessieren, weil sie gänzlich neben­sächlich sind.

Aber wie gut wirken sie und wie stützen sie die Behaup­tung größter Genauigkeit und Zuverlässigkeit! Wir Deutschen sind auch in dieser Beziehung plump und grob. Wir er­wähnen nur wenige von den vielen Ortschaften, Gehöften und Wäldern, um die gekämpft wird, und haben monatelang nur immer so große Städte genannt wie Lüttich, Brüssel, Ant­werpen, Lille, Maubeuge, Warschau, Modlin, Wrlna, Kowno, Brest-Litowsk, Belgrad, Risch, Siltstria, Tutrakan. Mau mutz den feindlichen Heeresberichten und Reuter allerdings zugute halten, daß solche allbekannten, als Festungen einigermaßen bedeutungsvollen Orte ihren Berichten liicht zur Ver- f ü g u n g st a n d e n. Was hätten sie d a r a u s" gemacht! Sie müssen eben aus kleinem viel machen.

Wir wollen die feindlichen Heeresberichte und Reuter, in der ferneren Bekanntgabe von Einzelheiten nicht stören. Im Gegenteil. Wir empfehlen ihnen, Einzelheiten über den Er­folg unserer Luftangriffe auf England in dre Bericht­erstattung aufzunehmen, und erinnern daran, daß die Gegenrechnung gegen die Liste der von uns abgeschoffe- nen feindlichen Flugzeuge immer noch ans st ebt.

So hat diese Reutersche Meldung doch zu ganz interessan­ten Feststellungen geführt. Die Länge der Heeresberichte steht im umgekehrten Verhältnis zur Länge der F r o n- ten und zu den daraus sich ergebenden Leistungen.

Die Ereignisse auf dem Balkan.

Der amll chr bulgarische Bericht.

Der Donauüberqang der Rumänen zwischen Rustschuk und Tutrakan.

IV. T.-B. Sofia, 2. Okt. Bericht des Gcneralstabs vom 2. Oktober.

Mazedonische Front: Bom Prespa-See bis zu>

Höhe 1944 südlich des Kajmakcalan lebhafte Artillerie^ tätigkeit ohne Jnfanterieunternehmungen. Infolge des hef­tigen Feuers der Artillerie auf den Gipfel des Kajmak- r a l a n und auf die Höhe 2388 und um überflüssige Verluste zu vermeiden, erhielten unsere Truppen den Befehl, sich auf die Hauptstellung zurückzuziehen.

Im Mo gl enic a -T al heftiges beiderseitiges Artilleriefeuer. Westlich und östlich des W a r d a r schwaches Artilleriefeuer.

Am Fuß der B e l a s i c a Planina Pntrouillcngefechte nahe des Dorfes Poroy, die einen günstigen Ausgang für nnS nahmen. An der Strumafront gelang cs feindlichen Bataillonen, die unter dem Schutz eines orkanartigen Feuers verrückten, die Dörfer Karadschakoej, Jemkocj und Revolen zu besetzen. Durch Gegenangriffe verjagten wir den Feind aus den beiden letztgenannten Dörfern und warfen ihn wieder bis in feine früheren Stellungen zurück. Der Kampf bei Karadschakoej dauert an.

An der ägäifchen Küste beschoß die feindliche Flotte ohne Erfolg die Höhe nördlich des Dorfes O r f a n o.

Rumänische Front: An der Donau bei Rahova (zwi­schen Rustschuk und Tutrakan) brachte der Feind auf Fahrzeugen mehrere Bataillone auf unser Ufer. ES sind Maßnahmen getroffen worden, den Gegner anzugreifeir und ihn zu verjagen.

In der Dobrudscha versuchten zwei russische Divisionen zweimal, gegen unsere Truppen auf der Linie Bejchaul- Amzatscha-Topraisar vorzugehcn, wurden aber zum Rück­zug unter unserem Artillerie- und Jnfantcrtefcvcr ge­zwungen.

An de» Küsten des Schwarzen Meeres Ruhe.

DerTemps" zu unserem Siege bei Hermannstadt.

IV. T.-B: Bern, 2. Okt. Den Sieg bei Hermannstadt be­sprichtTemps" in folgender Weise: Wir wollen nicht leugnen, daß die Angelegenheit ärgerlich ist. Im Kriege ist kein Ereignis unwichtig, wo es sich auch abspielt. Der Sache kann jedoch abgeholfen werden, da die Rumänen h i n t c r dem Roten Turmpaß genügende Kräfte haben, um den Vormarsch des Feindes aufzuhalteu. Wer kann übrigens glauben, daß ein deutsch-österreichischer Sieg in Siebenbürgen oder ein bul­garischer an der Donau jemals britische, französische oder russische Truppen zwingen würde, die Waffen zu strecken. Was »orgefallen ist. wollen wir bedauern, die Folgen aber nicht übertreiben.

Die Niederlage der Rumänen bei Hermann- ftadt in englischem Urteil.

Amsterdam, 2. Okt. (zb.iDaily Chronicle" enthält einen Leitaufsatz überDeutschlands Angriff gegen Rumä­nien". Das Blatt findet, daß der Rückschlag, den die Rumänen bei Hermannstadt erlitten haben, sich ernstlich darstelle. Der genaue Umfang davon sei noch dunkel. Da Mackensen gleich­zeitig an der Südfront Rumäniens vorgehe, müsse man an-