Verlag Langgaffe 21
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Dienstag, 3. Oktober 1916.
Morgen-Kusgabe.
Nr. 475. ♦ 64. Jahrgang.
ü Ml AlWllfs inf £ondon nnö den WWeU
Erfolgreicher Angriff mehrerer Marinelustfchiffe.
Lin Luftschiff leider über London abgestürzl.
W. T B- Berlin. 2 Oktober. (Amtlich. Drahtbcricht.) In der Nacht znm 2. Oktober haben mehrere Marincluftschiffe London und Industrieanlagen am Humber erfolgreich mit Bomben belegt. Die Luftschiffe find trotz heftiger Beschießung durch Brandgranaten und Fliegerangriffe unbeschädigt zurückgekehrt bis aus eines, das nach den Beobachtungen anderer Luftschiffe durch das Feuer der Ab - Wehrbatterien in Brand geschossen wurde und über London abgestürzt ist.
Der Etzes des Admiralstabs der Marine.
Die erfolgreiche Tätigkeit unserer Unterseeboote.
Wieder fünf feindliche Bannwarendampfer vermißt.
W. T.-B. London, 2. Oft. (Drahtbericht.) Lloyds meldet aus Falmouth: Die englischen Segelschiffe „William
George" (151 Tonnen) und „P e a r l" sowie das norwegische Segelschiff ,Emanuel" (246 Tonnen) wurden versenkt. Die Besatzung des „Pearl" wurde gelandet.
W. T.-B. Christiania, 2. Oft. (Drahtbericht.) Aus Nadsoe wird gemeldet: Die norwegischen Dampfer „Sinnen"
(1925 Tonnen) und „R a u m" (1260 Tonnen) wurden von einem deutschen Unterseeboot vor der Murman-Küste versenkt. Die Besatzungen wurden gelandet.
Oer Rrieg Rumäniens,
weiterer Rückzug der Rumänen?
Wechsel im Oberkommando.—Zurückziehung der russischen Truppen von der rumänischen Front?
(Drahtbericht unseres Z.-Sonderberichterstatters.)
8. Stockholm, 2. Oft. iEig- Drahtbericht, zb.) Der offiziöse Bukarester „Bittorul" bereitet in einem längeren amtlichen Kommentar die Bevölkerung auf schwere Mißerfolge in Transsylvanien vor. Da Rumänien gegenwärtig auf ausreichende Unterstützung von den Verbündeten nicht rechnen könne, werde dort eine u m - fangreiche au sw eichende Bewegung nötig. Man dürfe nicht den größten Teil der rumänischen Armee opfern, um die gegenwärtig st rategisch ungünstige Front -zu halten.«Die Bevölkerung der Hauptstadt müsse bevorstehende weniger günstige Nachrichten mit Ruhe oufnehmen. „Bittornl" ermahnt weiter, ebenso wie die Mißerfolge in der Dobrudscha, welche so lebhaft auf die Nerven der Bukarester Bevölkerung wirkten, stch als nur vorübergehend herausstellten, so werden auch die tranSshlvanischen Kämpfe nur vorübergehenden Charakter tragen. Wir appellieren an den hohen Opfermut des rumänischen Volkes, welches, um seine Existenzberechtigung zu erweisen, schwere Zeiten durchmachen müsse. Nach einer amtlichen Meldung hat ein Wechsel im Oberkommando stattgefun- dcn. Die Generale Iwanow und Seintschowski sind nach einer amtlichen rumänischen Meldung abberufen und durch den rumänischen General Averuscu ersetzt worden, welcher das Kommando über die rumänischen und russischen Truppen übernimmt. Nach einer Mitteilung des „Univer- sul" ist der Wechsel im Oberkommando eine Folge der russischen Weigerung, Truppen zur Verstärkung nach dem rumänischen Kriegsschauplatz zu entsenden. In rumänischen Militär kr eisen wird sogar erwartet, daß die bisher entsandten russischen Truppen zurückgezogen werden. General Iwanow wurde sofort nach seiner Rückkehr an der Dobrudschafront vom Zaren in Gegenwart des Generalstabs zu einer vierstündigen Audienz und zur Berichterstattung über die rumänischen Ereignisse empfangen. Man kolportiert in Bukarest Iwanows schmeichelhaffen Ausspruch: „Ehe nicht die Walachei von den Deuffchen znsammengequeffcht ist, werden die Rumänen keine brauchbaren Verbündete» werden."
Die runränischen Verluste.
Berlin, 2. Okt. Verschiedene Blätter beziffern die bisherigen Verluste der rumänischen Armee auf 71 000 Mann und 3200 Offiziere.
Furcht und Enttäuschung in Paris.
(Drahtbericht von unserem Kr.-Sonderberichterstarter.)
Kr. Genf, 2. Okt. (zb.) Die Niederlage der Rumänen am Roten Turmpaß versetzte die Pariser Presse in sichtliche Verlegenheit und erregt große Befürchtung. General Malleterre sagt im „Temps": Die Lage auf dem Balkan verdüstert die
Stimmung von ganz Frankreich. Man fürchtet Hin- denburg und seine Pläne auf dem südlichen Kriegsschauplatz. Die Rumänen enttäuschten die allerdings übertriebenen Hoffnungen, welche man in sie sttzte. General Malleterre fragt, ob ein Kriegsplan des Vierverbandes bestehe, und ob es wahr sei, daß man den Rumänen versprochen, sie brauchten nur Transsylvanien zu nehmen, den Rest besorgten die Russen im Verein mit General Sarrail. Es wäre das größte Verbrechen, falls dies der Wahrheit entspreche. Alle Pariser Blätter bringen gewundene Darstellungen von der rumänischen Niederlage. Sie sei betrübend, aber die russische Offensive habe begonnen, weshalb die Bukarester Panik wohl bald beschwichtigt sein werde.
Der Dunk von Hcrmannstadt an General Falken hatzn.
Sr. Budapest, 2. Okt. (Eig. Drahtbericht, zb.) Nach der siegreichen Schlacht erschien eine Abordnung der Bürgerschaft von Hermannstadt unter Führung des Bürgermeisters Dörr bei dem General Falkenhayn. Der Bürgermeister drückte den Dank der Bevölkerung aus. General Falkenhayn antwortete, er fühle sich glücklich, der Sache der Verbündeten einen Dienst geleistet zu haben. Die erste Sorge der Sieger war, die Wasserleitung der Stadt in Ordnung zu bringen. Seit Freitag gibt es wieder Leitungswaffer in Hermannstadt. \
Die griechische Rrifis.
Englisches Mißtrauen gegen König Konstantin.
Sr. Haag, 2. Okt. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der „Daily Telegraph" meldet aus Kanea: Vertrauliche Mitteilungen bestätigen die Vermutung, daß die Behauptung der deutsch- gesinnten Presse und die vorn Schlosse ausgegebenen Mitteilungen über einen bevorstehenden Entschluß König Konstantins, die Neutralität aufzugeben, nur ein Kunstkniff sind, um die Offiziere zurückzuhalten, sich den Aufständischen anzuschließen. Der Berichterstatter des Blattes sagt, daß man jede Hoffnung, daß König Konstantin noch jemals der Freund Englands werde, zu begraben habe. Die Reservistenverbände sind erneut sehr tätig.
Die Vorgänge auf Kreta.
Der Name des Königs Konstantin aus der Eidesformel gestrichen.
W. T.-B. London, 2. Okt. (Drahtbericht.) „Daily Telegraph" meldet aus Kanea vom 30. September: General T e n g l i s, der am Freitag in Kanea eintrof, ist zum dritten Mitglied der provisorischen Regierung ernannt worden. Die provisorische Regierung hat eine Verordnung erlassen, durch welche der Eid für Beamten und M i l i t ä r Personen abgeändert wird. Der Name des Königs wurde aus der Eidesformel gestrichen und an seine Stelle die provisorische Regierung gesetzt.
Zur Lage in Saloniki.
Br. Lugano, 2. Okt. (Eig. Drahtbericht, zb.) Eine Depesche des „Corriere della Sera" aus Saloniki gibt zu, daß die aufrührerische Bewegung noch nicht so weit fortgeschritten sei, daß die provisorische Regierung einen Einfluß auf das Volk ausüben könne. Die vom Wohlfahrtsausschuß verfügte Mobilmachung stößt auf die größten Schwierigkeiten, weil sich die Soldaten nicht stellen wollen und von den Gendarmen mit Gewalt aus ihren Schlupfwinkeln geholt werden müssen. Dasselbe Blatt meldet, daß die provisorische Regierung in Saloniki entgegen den phantastischen Nachrichten der übrigen Ententepresse nur über 6000 Mann verfüge, wozu eine große Anzahl von Offizieren komme. Durch Plünderung der Regierungskassen setzte sich das Komitee in den Besitz von 100 000 Drachmen.
Der geraubte Palazzo di Venezia als Museum.
Die Schwierigkeit der Geldbeschaffung für Venedig.
W. T.-B. Bern. 1. Okt. Der italienische Ministerrat hat beschlossen, im Palazzo Venezia ein nationales Museum für italienische Kunst und Geschichte einzurichten. — Wie dem „Corriere della Sera" zu entnebmen ist, begegnet die Flüssigmachung üer Geldmittel zur Unterstützung von «tadt und Provinz Schwierigkeiten, so daß auch in dem gestrigen Ministerrat noch keine endgültigen Beschlüsse gefaßt wurden.
Gesterrrichische Erfolge gegen die Rumänen.
Im Abschnitt von Orsova einige Höhen erobert. — Westlich von Petroseny der Berg Oboroea besetzt.
über 2300 Rnffen bei dem erfolgreichen Gegenstoß bei Brody gefangen.
Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.
W. T.-B. Wien, 2. Okt. (Drahtbericht.) Amtlich verlautet vom 2. Oktober, mittags:
Östlicher Kriegsschauplatz.
Krönt gegen Rumänien. .
Im Abschnitt Orsova haben unsere Truppen dem Feind einige Höhen entrisse«. Westlich von Petroseny nahmen sie den Berg Oboroea in Besitz. Rumänische Gegenangriffe wurden abgeschlagen. An der großen Kükülo (Kokol) mußten unsere Vortruppen ans Szekclh (Keressztür) zurückgehen.
Heeresfront des Generals der RavaAsrie Erzherzog K«rl.
In den Karpathen ruht der Kampf. Südöstlich von Brzezany wird um den Besitz einiger Grabenstücke gekämpft.
Heeressront des Generalfeldmarsthallr Prinz Leopold von Bayern.
An der von B r o d y nach Z l o c z o w führende« Straße haben deutsche und österreichisch-ungarische Truppen im Gegenangriff alles vorgestern verlorene Gelände zurückerobert, wobei 24 russische Offiziere, 2300 Mann und 11 Maschinengewehre eingebracht wurden. Auch an der Bahn Brody-Lemberg endeten russische Angriffe für den Gegner mit einem vollen Miß« erfolg. Er büßte 200 Gefangene ein. In Wolhynien stand gestern die Armee des Generalobersten v. T e r s z t y a n s k y den ganzen Taa unter dem schwersten Artilleriefeuer. Zeitweilig richtete der Feind seine G e s ch ü tz c auch gegen seine eigenen Gräben, um seine Infanterie zum An- griff vorzutreiben, was ihm aber nur stellenweise gelang. Diese Einzelangriffe wurden durch Feuer abgewiesen. Heute früh sandte der Gegner starke Kolonnen gegen die Stellungen nordöstlich Swiniuchy vor; er wnrde dnrch Gegenangriff zurückgeworfen.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Die feindliche Arfillerie entwickelte gegen die küstenländi.sch e Front eine rege Tätigkeit. Besonders heftig wurden unsere Stellungen auf der Karsthochfläche beschossen. In diesem Abschnitt hickt das Feuer auch die Nacht hindurch an.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Nichts von Belang.
Der Stellvertreter des Cbess des Geueralstab-: v. Höf er, Feldmarschalleutuant.
Oer Krieg gegen Nutzland.
Der Wechsel im russischen Kabinett.
Der neue Minister des Innern kein blinder Englandfreund.
Weitere bevorstehende Änderungen.
(Drahtbericht unseres 8.-Sondcrberichterstatters.)
8. Stockholm, 2. Okt. (zb.) Der hier in der letzten Woche wiederholt an gekündigte Wechsel im russischen Kabinett hat mit einer wenig bedeutenden Veränderung begonnen. Der Minister des Innern ist durch den Vizepräsidenten der Duma Protopopoff ersetzt worden. Als vor einem Vierteljahr der wenig bedeutende ffühere Justizminister das Reffort des Innern übernahm, wurde hier bereits auseinanderge-setzt, daß es sich nur um eine intrrimfftische Besetzung dieses Postens handle, Protopopoff dürfte sich auf diesem Posten länger halten. Er wurde wohl hauptsächlich deshalb gewählt, weil er am b e st e n i m- st a n d e sein dürfte, das Fiasko der Regierung in den Fragen der Lebensmittelversorgung gegen den bevorstehenden Ansturm in der Duma zu verteidigen. Daß jedoch Protopopoff gerade wegen den wirffchaftlichen Schwie- rrMiten die Notwendigkeit des Friedens für Rußland betont, und er künftig für die Versorgungsfrage verantwortlich ist, so hat man mit ihm gewiß keinen blinden Kriegsfreund in das Ministerium ausgenommen.
