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Verlag Lasggaffe 21

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Montag, 2. Gktobev 1916.

kwend-klusgabe.

Nr. 474. . 64. Jahrgang.

Der Sieg in Siebenbürgen.

(Von unserem militärischen Mitarbeiter.)

Nachdem am 23. September die Kämpfe in der Do- brudscha als beendet anzusehen waren, und der rumä- nische Kriegsplan, der Durchbruch über Bulgarien nach dem südlichen Balkan damit geicheitert war, erwachte, unseren Gegnern völlig überraschend, mit dem 24. Sep­tember eine erhöhte Kampftätigkeit auf der Front in Siebenbürgen. In den ersten Kriegstagen war es dem Feinde gelungen, mit drei Heeresgruppen in das be­nachbarte Ungarn einzudringen, etwa 50 Kilometer tief mit seiner Nordarmee über das Görgeny-Gebirge in das Talbett des Marosflusses, mit einer mittleren aind 20 Kilometer nach Ungarn hinein über den Roten Turmpaß und über den südlichen Vulkanpaß, während der äußerste Südflügel an der Donau nur auf geringe Entfernung in das Nachbarland einbrach. Die für die deutschen und österreichisch-ungarischen Waffen erfolg­reichen Kämpfe setzten am 26. September in der Gegend von Hermannstadt ein. Sie zielten gegen die gegnerischen Stellungen am Roten Turmpaß, welche stark ausqebaut und zäh verteidigt wurden. Alle feind­lichen Vorstöße zwischen diesem und der 25 Kilometer nördlich gelegenenStadtHermannstadt waren reooch auf die Dauer nicht erfolgreich. Schon am 27. September meldete der deutsche Tagesbericht, daß die Kämpfe bei Hermannstadt zu unseren Gunsten sich entwickelten. Am nächsten Tage, dem 28. September, scheint der Gegner neue Verstärkungen in diese gefährliche Stelle in seiner Mitte geworfen zu haben. Am letzten Freitag stellte der deutsche Heeresbericht dann bereits ein Er l a h m e n der feindlichen Widerstandskraft fest. Am 29. und 30. September aber wurde der Gegner gegen den Roten Turmpaß, seine inzwischen jedoch von uns bereits be­setzte einzige Übergangsstelle, über das Gebirge in die­sem Gefechtsabschnitt zurückgeworfen. Diese frühzeitige Besetzung durch die Bayern am 26. September hatte zur Folge, daß dem Feinde diese einzige Rückmarsch­möglichkeit bereit? m dem Augenblick unterbunden war, als seine vordersten Staffeln noch in hartnäckigem Kampfe 30 Kilometer nördlich standen. Trotz eines unwegsamen Berglandes von durchschnittlich über 2000 Meter Höhe, dessen Überwindung an unsere Truppen die denkbar größten Anstrengungen stellte, glückte dieses geschickt angelegte Umfassungsmanöver. Die frühzeitige Gewinnung der Rückzugslinie des Feindes durch die wackeren bayerischen Truppen berechtigt vollkommen die Angabe unserer Heeresleitung, daß es sich hier um eine Umfassungsschlacht handelt, wie wir sie seit den unvergleichlichen Erfolgen Hindenburgs in Ost­preußen und an den Masurischen Seen nicht mehr er­lebt haben. So atmet dieser neue Erfolg die unvergeß­lichen Merkmale Hindenburgischer Strategie, die alles daran setzt, den Gegner vernichtend zu schlagen. Der rumänische Mißerfolg hot mit einer gänzlichen Niederlage der zweiten rumänischen Armee geendet. Die blutigen Verluste dieser Heeresgruppe sind in erster Linie der geschickten Führung des Generals von Falkenhayn zu danken, der hier seine ersten Kriegs- lobeeren als siegreicher Truppenführer feiern kann, nachdem er zwei s^ahre lang in stiller Arbeit so erfolg­reich seine Tätigkeit als Generalstabschef ausübte. Wiederum zeigte sich, daß hier der rechte Mann auf den rechten Platz gestellt wurde, und daß die Offensive geaen Rumänien in diesem Frontabschnitte in vortreff­lichen Händen liegt.

Vergeblich machten im Norden die rumänischen Heeresgruppen im Tale des Maros, sowie südlich, west­lich von Kronstadt, Anstrengungen, den vernichtenden Schlag aufzubalten oder abzuwenden. Sie kamen zu spät. Die zweite rumänische Armee konnte ihrem Schick­sal nicht entgehen. Die Erbitterung unserer Truppen, doppelt angefacht dadurch, daß die Rumänen selbst un­sere wehrlosen Verwundeten nicht schonten, mag dazu beigetragen hoben, daß die zahlenmäßige Gefangenen­beute mit den bisher gemeldeten einigen Tausenden keine übermäßig hohe ist.

. Der strategische Gewinn dieser dreitägigen sieg- rerchen Umfassungsschlacht besteht darin, daß eine starke Heeresgruppe ebenso bei der Verteidigung Rumäniens ausfällt wie jene andere, welche Mackensen in der Dobrudscha schlug, daß der W e g nach dem w e st I i ch e n Rumänien nunmehr zum Ginbruch frei und offen liegt, und daß auch die anderen feindlichen Armeen nicht länger im östlichen Ungarn sich aufhalten können, während die Truppen Falkenhayns ihren Rücken zu bedrohen sich anschicken.

. In moralischer Hinsicht zeugt der siebenbürgische Sieg für dre Unbesiegbarkeit und ungebrochene Kraft der verbündeten Waffen. Er wird auf dem Balkan, vornehmlich in Griechenland nicht geringe Beachtung finden und spricht dafür, wie recht unser Kanzler hatte, wenn er die gesamten Balkanpläne der Entente schon am 28. September als gescheitert ansah. Rumä­

niens wohlverdientes Schicksal erfüllt sich auch an seiner Westfront, nachdem die Stützpfeiler im Osten an der Donau durch Mackensen zertrümmert sind. N.

Die Glückssiirnmung in dem befreiten Hermann stadt.

Nr. Berlin, 2. Olt. (Eig. Drahtbericht, zb.) Karl Rosner drahtet derVoss. Ztg." dom siebenbürgischen Kriegsschauplatz unter dem 1. Olt.: Auf den Wegen unserer siegreichen

Truppen bin ich in diesen Tagen in dem befreiten H e r - mannstadt und auf dem Roten Turm patz gewesen. Hermannstadt, das von dem Reste seiner Einwohner, die die Einschließung standhaft überdauerten, festlich mit Fahnen geschmückt ist, war in einer tiefen Glücks st immun g; alles jubelte den deutschen Soldaten zu. Der Bürgermeister sagte mir:Die Deutschen sind unsere Retter gewesen!" Er konnte nickt genug Worte der Bewunderung für die deutsche Organisation finden, der es gelungen war, das gewaltige Unternehmen der Umgebungsschlacht derart geräusch­los durchzuführen, daß nicht nur die Rumänen völlig über­rascht wurden, sondern auch die deutschen Einwohner im be­setzten Land, denen die plötzliche Befreiung wie ein herrliches, noch nicht erwartetes Geschenk zufiel. Eine Tour nach dem Roten Turmpaß führte mich mitten hinein in den frischen Siegerjubel der Mannschaften, die hier auf der österreichisch-ungarischen Grenze Siebenbürgens die letzten Rumänen versprengt und ihnen ungeheure Mengen an Material und Vieh als Beute abgenommen haben. Ich bin über die Grenzsteine weg nach Rumänien hinübergegangen. Das Land ist auch hier von Toten besät. Die geflüchteten Siebenbürger-Sachsen beginnen in ihre Wohnstätten in dem befreiten Gebiet zurückzulehren. DerBoss. Ztg." wird weiter gedrahtet: Die Anlage der ganzen Operation ging vom Feinde völlig unbemerkt vor sich. Am 2 . Sept. setzte sich das bayerische Alpenlorps Krafft von Süden her auf Gebirgswegen in Bewegung und erreichte unter großen Mühen die vom Roten Turmpaß führende Straße, wo es beiderseits der Straße Aufstellung nahm und eine doppelte Front nach Norden und mit einem Teil nach Süden bezog. Während der südwärts gewendete Teile heftige rumänische Angriffe zurückstieß, erwartete der nordwärts gerichtete die Rumänen, die frontal von verbündeten Truppen des Generals Staabs angegangen wurden und im Osten von K. und K. Kavallerie flankiert, keinen anderen Ausweg hatten, als sich nach Süden direkt vor die Gewehrmündungen der Bayern zurückzuziehen. _

Die griechische Ktifis.

Die besonnene Haltung der griechischen Regierung.

Br. 2 . Oft. (Eig. Drahtbelicht, zb.) In Paris ist, wie man den heutigen französischen Blättern entnehmen kann, von dem angeblichen Entschluß der griechischen Regierung, an der Seite der Entente in den Krieg zu treten, amtlich nichts bekannt.

Das Spiel der Katze mit der Maus.

Bevorstehender Rücktritt der griechischen Regierung?

W.T.-B. Athen, 2. Olt. (Drahtbericht. Meldung des Reuterschen Bureaus.) Die Regierung ist noch in Un­kenntnis über die Absichten der Entente. Sie wird wahrscheinlich am Montag zurücktreten. Es scheint, daß die Entente entschlossen ist, sich eines Druckes auf Griechenland zu enthalten, um ihm nicht irgendeine Politik aufzudrängen. Es soll Griechenland gestattet werden, selbst über seinen Weg zu entscheiden.

Venizelos mutet dem König ein moralisches Harakiri zu.

Haag, 1. Olt. (zb.)Hei V.rderland" meldet aus Peters­burg: Venizelos hatte eine Unterredung mit dem Korrespon­denten desRußkoje Slowo" in Athen. Er sagte, daß er n u r dann an die Spitze der Regierung treten werde, wenn König Konstantin zugebe, zu der Einsicht gekommen zu sein, daß seine Ratgeber unfähig seien, ihre Aufgabe zu erfüllen, und daß Griechenland nur durch Befolgung des vcnizelistischen Programms gerettet werden könne. Wenn der König ihn nur infolge des Druckes der ausländischen Mächte zum Mit­regieren berufe, werde er entschieden ablehnen und statt dessen an die Spitze der revolutionären Bewegung treten.

Bürgerkrieg auf der Insel Kreta.

Br. Kopenhagen, 2. Okt. (Eig. Drahtbericht, zb.)Ber- lingske Tidende" erfährt aus Paris, daß auf Kreta eine Schlacht zwischen Venizelisten und Antivenizelisten entbrannt sei.

Das heuchlerische Amen.

Haag, 1. Okt. (zb.)Daily Telegraph" meldet aus Kanea: Die vorläufig eingesetzte Regierung erhält fortge­setzt Telegramme, worin ihr Unterstützung zugesagt wird. Auch die Insel T e n e d o s hat sich der provisorischen Regierung angeschlossen. Die bewaffneten Kretenser sind in ihre Woh­nungen zurückgekehrt. In allen Provinzen Kretas wurde die Ordnung wiederhergestellt. Stur in H c r a k l i o n, wo die türkischen und antivenizelistischen Elemente am stärksten ver­treten sind, wurden Maßnahme getroffen. In Heraklion herrschen noch Unruhen, döch sind die Behörden Herren der

Lage. Am Mittag fand in der Hauptkirche in Kanea ein Gottesdienst statt, um die Einweihung der neuen Verwaltung zu feiern. Sämtliche Honoratioren waren anwesend. Der Bischof von Kreta zelebrierte die Messe. Zum Schluß sprach er ein Gebebt für König Konstantin. Nur Venizelos und Kondoritis antworteten mitAm en", die übrige Ge» meinde schwieg.

Sonnino über die Lage in Griechenland.

W. T.-B. Bern, 1. Okt. (Drahtbericht.) In dem gestrigen italienischen Ministerrat berichtete Sonnino über die Lage in Griechenland und führte demSecolo" zufolge aus: Der diesbezügliche Gedankenaustausch der Ententemächte sei besonders in den letzten beiden Tagen sehr lebhaft ge­wesen. Griechenland werde, wenn es wolle, gegen Bulgarien cingreifen, um auf diese Weise die im zweiten Balkankriege offen gelassene Frage lösen zu können, wobei es die Unter­stützung des Biervecbandes finden werde. In dieser Hinsicht könne das griechische Eingreifen nicht abgelehnt werden.

Ein neuer miskftlüekter Fliegerangriff ans Sofia.

W. T.-B. Sofia, 30. Sept. (Meldung der Bulgarischen Telegraphen-Agentur.) Heute gegen 9 Uhr vormittags hat neuerlich ein feindliches Flugzeug Sofia überflogen. Es wurde von dem Feuer unserer Abwehrbatterien empfangen und durch unsere Kampfflieger angegriffen. Das feindliche Flugzeug vermochte nur eine einzige Bombe abzuwerfen, die nördlich der Stadt zu Boden fiel. Amtlich noch unbestätigten Meldungen zufolge wurde das feindliche Flugzeug etwa 30 Kilometer nördlich Sofia durch unsere Flieger abgeschossen.

W. T.-B. Sofia, 1. Okt. (Amtliche Meldung.) Es be­stätigt sich, daß das feindliche Flugzeug, welches morgens Sofia überflog, abgeschossen worden ist und in der Nähe der Ortschaft Cebian abstürzte. Es handelt sich um einen französischen Doppeldecker System Coudron, gesteuert von dem Franzosen Rohable. mit dem Serben Nounovitsch als Beobachter. Beide wurden unverletzt gefangen. Auf dem Flugzeug wurden über 120 Löcher festgestellt, die durck unsere Flugzeugabwehrgeschütze hervorgebracht toaren. Die Flieger und ihr Apparat, der vollständig zertrümmert ist, werden nach Sofia verbracht.

Der Krieg gegen Nutzland.

Die Hauptsache für die Russen.

Haag, 1. Okt. (zb.)Daily Telegraph" meldet aus Petersburg: Eine von dem russischen Generalstab inspirierte Betrachtung über die K r i e g s l a g e enthält die Behauptung, daß Erfolge der Verbündeten in nächster' Zeit wahrscheinlich seien, doch wird hinzugefügt, daß weder Peronne noch Lem­berg, noch Triest, noch Diarbekr von entscheidender Bedeutung seien. Nur das Abschneiden der Hauptschlagader der militärischen Organisation der Mittelmächte, nämlich der Weg Berlin-Kon st antinopel, würde eine endgültige Entscheidung bringen. So lange eine Verbindung, die die feindlichen Heere besonders mit Proviant versehe, noch un­versehrt sei, könne der Feind Widerstand bieten. Auf dem Balkan liegen somit unsere Hauptaufgaben, schließt die Darstellung.

Der russische Minisie rwcchsel.

I-. Berlin, 2. Okt. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die über» raschend kommende Ernennung des Vizepräsidenten der Duma Protopopoff zum Minister des Innern wird vermut­lich zu allerlei Kommentaren Anlaß geben, weil dieser libe­rale Parlamentarier auf seiner Rückkehr von London vor einer Reihe von Wochen in Stockholm eine vielbesprochene Unterredung mit deutschen Persönlichkeiten hatte und .dement­sprechend, wie unser Stockholmer 8.-Sonderberichterstatter wiederholt meldete, von den Kriegshetzern im Solde des englischen Botschafters Buchanan stark angefein- d e t wurde. Sie forderten u. a. den Provinzadel, dessen Marschall Protopopoff ist, auf, ihn abzusetzen. Taffache ist, daß Protopopoff, der in Stockholm keine deutschen offiziellen Per­sönlichkeiten, sondern nur angesehene Private sah, wiederholt rm Hauptquartier des Zaren weilte, wo er vielleicht über seine Besprechungen berichtete. Man hatte ihm wohl ein Bild vom Deutschlands Stärke entworfen, das keinen Zweffel über die Aussichten des weiteren Kriegsverlaufs ließ und das vielleicht nicht ohne Eindruck auf ihn blieb. Aber weitergehende Erwartungen an die jetzige Ernennung knüpfen zu wollen, wäre doch zu gewagt. DieTägl. Rundschau" er­hält folgendes Telegramm aus Stockholm: Die neueste Nach­richt über den Ministerwechsel in Petersburg bringt uns nicht, wie zu erwarten stand, denRücktrittStürmerS, sondern die Ernennung Protopopoffs zum Minister des Innern. Stürmers vielbesprochener Rückttiit scheint nach den heute eingelaufenen Nachrichten überhaupt in Frage gestellt zu sein. Eine andere Lesart geht dahin, daß Suwajeff Ministerpräsident werden soll. Dies wäre gleichbedeutend mit der Einführung einer Militärdikta- t u r. Als Minister des Auswärtigen werden in beiden Fällen Kokowzow und G i e r s oder C h w o st o w genannt. Letz- rever so lljedenfalls einen Ministerposten erhalten.