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Sonntag. 1. Oktober 1916.
Morgen-Kusaabe.
Nr. 472. ♦ 64. Jahrgang.
Seneral v. Zattenhayn Oberbefehlshaber in Ziebenbürgen.
Wilde Flucht des geschlagenen Feindes. Starke englische Angriffe an der Somme wieder abgeschlagen.
W- T.-B. Großes Hauptquartier, 30. Sept. (Amtlich.)
Der Tagesbericht vom 3V. September.
Westlicher Kriegsschauplatz.
Zront des Seneralfeldmarscyalls Kronprinz Rupprecht von Bayern.
Wie am vorhergehenden Tage griffen die Engländer auch gestern mit starken Kräften zwischen l u c r e und Courcelette a«. Nach wechsetvollen cahkämpfen sind sie abgeschlagen. Sonst nur leine Teilvorstöße und Artillerickamps, der sich nörd- -l.ch der Somme und in einzelnen Abschnitten südlick des Flusses nachmittags verstärkte.
Östlicher Kriegsschauplatz, kseeresfront des Generalfeldmarfchalls Prinz Leopold von Bayern.
An der Stochodfront machte eine Kompagnie der polnische» Legion einen erfolgreichen Vor- stoß bei Sipowicze. Südwestlich von Wytoniec griffen die Russe» vergeblich an.
Bei einer gelungenen Unternehmung i» der Gegend von Hukalowre (nördlich von Zborow) in der Nacht vom 29. September nahmen wir 3 Offiziere, 78 Mann gefangen.
Heeresfront des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.
Südlich von Str. Klauzura (Ludowagebiet) und am K o m a n hatten wvhlvorbereitete Gegenangriffe von Truppen des Generalleutnants von Conpal vollen Erfolg. Bei Str. Klauzura sind 4 Offiziere, 533 Mann gefangen genommen und acht Maschinengewehre erbeutet. Im K t r l i b a b a - Abschnitt wurden russische Angriffe abgewicsen.
Kriegsschauplatz in Siebenbürgen.
An der Ostfrout sind die rumänische Nord- und zweite Armee im Goergenvgebirge aus der Linie Parajd-Oderhellen (Szekelv Udoarhellh) und vom Fogaras her zum Angriff übcrgegangen. Im Genrgenygebirge wurde der Feind abgewieseu, weiter südlich wichen die Sicherungstruppen aus. Deutsche Truppen fielen vorwärts des Haarbaches südlich von Hcnndorf (Hegel) eine der rumänischen Kolonnen mit Erfolg an, warfen sie zurück, nahmen 41 Ofsrziere, 591 Mann gefangen und erbeuteten 3 Maschinengewehre.
Die am 26. September eiugeleitere Umfassungsschlacht von Her,nannstadt (Nagy Szcben) ist gewonnen. Unter dem Oberbefehl des Generals v. Falkcnhayn haben deutsche und österreichisch ungarische Truppen starke Teile der ersten rumänischen Armee nach hartnäckigen Kämpfen vernichtend geschlagen. Nach schweren blutigen Verlusten lUicktete« die Reste der feindlichen Truppen in Auf- ö s n n g in das unwegsame Berglaad beider-
rits des von uns durch kühne Gebirgsmärschc ereits am 26. September früh im Rücken des Gegners esetztru Roten Turm-Passes. Hier wurden sie on dem verheerenden Feuer bäuerischer Truppen unter an Generalleutnant Krafft v. Delmensingen empsan- en. Der Entlastungsstoß der rumänischen zweiten rmee ist zu spät gekommen. Unsere Truppen .mosten mit größter Erbitterung, nachdem bekannt urde. daß die mit der Entente für die ,,durch Teutsch- nd bedrohte Kultur" kämpfende« habgierigen Runrä- « wehrlose Verwundete ermordet hatten, e Zahl der Gefangene« und die zum Teil im bergi- ■fl Waldgelände zerstreute sehr erhebliche Beute stehen h nicht fest.
Am Höbinger (.Hatszeger)-Gebirgc und im Mehedia- chnitt sind rumänische Angriffe ge- ; i t e r t.
Balkan - Kriegsschauplatz, leine Ereignisse von besonderer Bedeutung, lnsere FI u g z e u g g e s ch w a d e r haben mit Er- die Eiscnbahnbrücke von Cernavoda und feindliche rpenlager angegriffen.
Der erste Generalquartiermeister.
Ludendorff.
Die griechische Kriiis.
Die griechische Regierung einstweilen noch auf dem Neutralitätsstandpnnkt.
Rotterdam, 30. Sept, (Eig. Drahtbericht, zb.) Die heutigen „Daily News" melden aus Athen, der Premierminister habe dem König jetzt angeraten, an der Neutralität festzuhalten, so lange die Bedingungen für erne Beteiligung Griechenlands am Kriege nicht klar festgelegt sind.
Die Spaltung in der griechischen Armee.
W. T.-B. Amsterdam, 30. Sept. (Drahtbericht.) Die .Times" meldet aus Athen: General Danglis ist gestern in Begleitung von 5 Offizieren nach Saloniki adgereist. Der Kommandant von Berria, General Paraschschopulos, hat sich mit seinem Stabe ebenfalls der Bewegung angeschlossen. — Die ..Daily News" melden aus Athen: Die Falschmeldung, dah die allgemeine Mobilmachung angeordnet wurde, führte gestern in P a t r a s zu Unruhen. Als die Blätter Telegramme aus Athen verbreiteten, vaß die Mobilmachung 2er Armee angeordner sei, berief der lokale Reservistenbund eine P r o t e st v e r s a m m l u n g ein mit der Begründung, daß dem König dieser Beschluß abgezwungen worden sei. Nach Schluß der Versammlung wurden den Tageszeitungen die Fensterscheiben eingeworfen. Die Menge versammelte sich vor dem Hotel, in welchen: venizelistische Offiziere, die sich auf dem Wege nach Saloniki befinden, wohnen. Als später die Nachricht kam, daß keine Mobilmachung angeordnet wurde, ging die Menge wieder auseinander.
Ver Krieg gegen England«
Die LedensmittelKnapPtzrit in England.
W. T.-R London, 30. Sept. (Drahtbericht.) Der vonr Handelsamt eingesetzte Ausschuß zur Untersuchung der Lebensmittelpreise hat einen vorläufigen Bericht veröffentlicht. Wegen der Knappheit von Fleisch, Milch und Schinken empfiehlt er dei beschleunigten Bau von Handelsschiffen. Ferner soll die Einfuhr weniger notwendiger Gegenstände mehr beschränkt werden. Er fordert alle körperlich nicht Schwerarbeitenden auf, einen Tag in der Woche Lein Fleisch zu essen.
Die fortgesetzte Aufbringung von Lebensmitteldampfern nach Zeebrügge.
(Drahtbericht unseres On.-Sonderberichterstatters.)
Un. Haag, 30. Sept. (zb.) Das „Rotterdamsche Nieuwe Blaad" meldet, daß mit dem kürzlich angehaltenen, von Rotterdam nach London bestimmten norwegischen Dampfer .Robert Nea" den Deutschen 300 000 Kilogramm Kakao, Käse. Butter, Diagarine, Speck sowie 150 000 Kilogramm Stückgüter in die Hände fielen. In englischen Handelskreisen Rotterdams herrscht wegen bes fortgesetzten Ausbringens der Lebensmitteldampfer nach Zeebrügge völlige Kopflosigkeit.
Br. Rotterdam. 30. Sesit. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die holländischen Schleppdampfer „Zuidersee" und „Gouw- ze e" mit zwei holländischen und zwei belgischen Leichterschiffen, die nach London unterwegs waren, wurden nach Zeebrügge aufgebracht, wo sie am Donnerstag ankrmen.
Die Wirkung des letzten Luftschiffnngriffs uns England.
Chriftiania. 29. Sept. ^zb.i Ein norwegischer Augenzeuge des letzten Luftschifiangriffs auf London erzählt in „Bergens Ammncetidende", die Beschießung habe nachts um 11% Uhr begonnen und bis gegen 2 Uhr angedauert, als plötzlich die ganze Stadt hell erleuchtet worden sei und man den Rumpf eines großen Zeppelin habe abstürzen sehen. Er habe om Sonntagfrüh sich die angerichtete Verheerung angesehen, die viel größer sei, als die Engländer wahrhaben wollten. Ganze Häuser st recken seien zusammen- g e st ü r z t, sicher über 100 Gebäude mehr oder weniger stark beschädigt. Auch die Angaben der englischen Blätter, die Verluste betrügen nur 30 Tote und etwa 350 Verwundete, seien sicher viel z u niedrig, ba die zusammengestürzten Häuser sämtlich dicht bewohnt gewesen und gegen 80 Bomben in den dichtest bewohnten Stadtvierteln abgeworsen worden seien. Den Gesamtschaden müsse man niedrig st auf 3 000 00 0 Pfund veranschlagen.
Oie Westfront.
Die Mannschaftsderluste Frankreichs.
Brizons schauerliches Zahienbild.
Br. Genf, 30. Sevt. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der nun b,er vorliegende qusführlichc Bericht über die bereits in der Presse wiedergegebene Rede des Abgeordneten Brizon in der französischen Kammer enthält einige interessante Einzelheiten. Brizon. der in einer Awfstellur^ der Gejamikriegs-
kosten auch den Wert der verlorenen Arbeit zu berechnen sucht, stellt fest, daß sich in Frankreich jetzt 6% Millionen Männer unter den Fahnen befinden. Die blutigen Verluste des französischen Heeres berührt er. indem er annimmt, daß Frankreich bei einer Fortdauer des Krieges um ein weiteres Jahr beim Friedensschlutz IV, Million an Toten zu beklagen haben wird. Zum Schluß berechnet er den finanziellen Verlust auf 120 Milliarden Staatsschulden und ungefähr 200 Milliarden andere Verluste.
Eine neutrale Stimme zur Verpflanzung nordfranzösischee Einwohner.
Die Wahrheit über die Verschickung von Einwohnern der französischen Großstädte in Nordfrankreich a u fs Land wird gegenüber den Lügen und Anklagen der feindlichen Hetzpresse in helles Licht gerückt durch die Darstellung eines neutralen Berichterstatters in der „New Dark Times". Sein Eindruck war sehr günstig. Der Hauptgrund für die Maßnahme der deutschen Militärbehörde scheint ihm der zu sein, ländliche Arbeitskräfte zur Bergung der reichen Ernte in Nordfrankreich zu gewinnen und die durch die Arbeitslosigkeit in den Städten bedingten Mitzstände zu beseitigen. Die Fürsorge für die im Bezirk Sedan untergebrachten Männer, Frauen, Mädchen und Minderjährige ist einem alten Major anbertraut, der von dem Berichterstatter als e,n menschenfreundlicher Mann geschildert wird: er sorgt persönlich für das Wohlbefinden der ihm Anvertrauten; sie kommen mit allen Anliegen zu ihm und haben Vertrauen zu den deutschen Offizieren. Die Leute sind gut uniergebracht; auf die Moral wird sehr geachtet: Mädchen und junge Frauen ohne Angehörige find unter die Auffickt von Ehepaaren ge- stellü Die p e, n l i ch ft e Sauberkeit herrscht überall, und jeder Haushalt hat zwei Köche und einen Verwalter, die besonders dafür bezahlt werden Die Leute sahen gebräunt und gesund aus, waren gut genährt und schienen sich glücklich zu fühlen.
Die Reise der Herrn 3. w. Gerard.
Der amerikanische Botschafter in Berlin, Gerard, reiste nach einer dänischen Meldung dieser Tage nach Slew Vork, um den Präsidenten Wilson in der Vorbereitung seines Wahlfeldzuges zu unterstützen. Die Tatsache der Reffe stimmt, die Begründung stimmt nicht. Herr James Waffen Gerard ist zwar ein glänzender Wahlpolitiker seine Vaterlandes, war er doch vier Jahre lang Vorstand des dem rratischen Wahlausschusses im Staate New ?)ork und hat er sich doch bei den letzten Wahlen als Vernrittler Mischen Temmanh Hall und der Wilsonpartei sehr verdient gemacht Aber diesmal käme er zu solcher innerpolitischen Tätigkeit zu spät. Kaum, daß er nun in New Uork eintrifft, werden d,e Wahlen schon beginnen. Es ist also ein anderer Grund, der ihn (wie auch den amerikanischen Botschafter in Paris und London) auf kurze Zeit von seinem Posten abrufi. Es handelt sich, wie man in Berliner politischen Kreisen weih, um eine diplomatische Mission, um eine Botschafterkonferenz, die Wilson nach Washington zusammenberufen und für die sich auch Herr Gerard, wie wir erfahren, in den letzten Wochen durch eifrigen Besuch des Berliner Auswärtigen Amtes vorbereitet hat. Es dürfte wohl allgemein weniger bekannt oder in den Sorgen des Krieges wieder vergessen fern, daß Wilson Anfang dieses Jahres eine ähnliche, nicht so weit wie jetzt gehende Aktion einleitete. Er wies damals alle amerikanischen Vertretungen Europas an, ihm über die wirtschaftlichen Verhältnisse der Staaren, bei denen sie beglaubigt find, einen ganz eingehenden vertraulichen Bericht zu liefern. Der auf Deutschland bezügliche Bericht wurde von Herrn Gerard und dem Generalkonsul Hay ausgearbeitet. Der Präsident wollte nur Tatsachen wissen, aus denen er sich die Schlüsse selbst ziehen könne. Die Botschafter und Generalkonsuln in England, Frankreich, Rußland, Italien, Österreich-Ungarn und der Türkei sandten gleichfalls ihre Berichte ein. Präsident Wilson ließ nichts in seinen Anweisungen darüber verlauten, wozu er diese Informationen brauche. Man glaubt aber, daß er aus den Tatsachen feststellen wollte, wie viel Anforderungen die krieg- sühvenden Mächte noch an Amerika stellen würden, um sich ein Bild darüber zu macheii, ob im weiteren Verlauf diese wirtschaftlichen Verhältnisse die F r i e d e u s m ö g lichte it e n näher rücken. Es scheint nun. daß eine ähnliche Aktion zurzeit von Washington aus im Gange ist. Wohin sie aber führen soll, zu einer persönlichen Vermittlungstätigkest Mlsons oder zum Versuch etwa eines vorbereitenden Friedenskongresses. da? bleibt noch reichlich unklar. In jedem Falle darf gesagt werden, daß Deutschland und seine Verbündeten solchen Bemühungen nicht nur vallst ä n d i g fern st e h e n, sondern ihnen auch mit großer Kühle, um nicht zu sagen mit Mißtraueii, begegnen. Auf die amerikanische „Unparteilichkeit" in Blockade- und llntersee- bootsfragen braucht jetzt wohl nicht mehr zurückgegriffen zu werden. Es genügt, die eine kleine Tatsache zu erwähnen, daß im Staatsdepartement zu Washington immer noch 12-6 britische Untertanen beschäftigt smd. Bon einer
