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Verlag Langgaffe 21

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Donnerstag, 23. September 1916 .

Kbend-Kusgabe.

Nr. 467. . 64. Jahrgang.

Reue stärkste Angriffe an der Somme gescheitert.

Der Tagesbericht vom 28. September«

Ein erfolgreicher Gegenstoß bei Uoritnqca. iiber 2300 Russen gefangen! Erfolgreiche weitere Kämpfe bei Herinannstadt.

W. T.-B. Großes Hauptquartier. 28. Sept.

(Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Hront des Generalfeldmarfryalls Kronprinz Kupprecht von Bayern.

Zwischen A n c r e und Somme haben die Engländer und Franzosen nach einem die bisherigen Erfahrungen noch über st eiaenden Borbereitungs feuer ihre starken Angriffe erneuert. Auf dem größten Teil der Schlachtfront hat unsere durch die Artillerie und Flieger wirksam unterstützte unerschütterliche Jnsanterid unter den Befehlen der Generale Sixt von Arnim, von H u e g e l und von S ch e n ck den Feind siegreich abge­schlagen. Bei T h i e p v a l und ö st l i ch von E a » c o u r t- L'A b b a y e ist der erbitterte Kampf noch nicht zum Ab­schluß gekommen. Besonders heftig waren die auf der Linie Morval-Bouchavesnes vorgetragenen Angriffe, die der Gegner ohne Rücksicht auf die bei einem ersten gänz­lich gescheiterten Sturm erlittenen blutigen Verluste gegen Abend wiederholte; eingedrnngene Abteilungen wurden so­fort aus unserer Linie zn rückgeworfen, in kleinen Stellungsteilen nordwestlich von Rancourt und östlich von Bouchavesnes vermochte sich der Gegner zu halten.

Unsere Flieger haben gestern 7 Flugzeuge, darunter 4 im Sommegebiet, abgeschossen.

Ein kleines, über holländisches Gebiet gekommenes und ebenso zurückgekehrtes feindliches Geschwader griff Alost er­folglos an. Bei einem englischen Bombenangriff auf Brüssel wurden 15 Häuser zerstört, 3 Belgier getötet und 2v ver­wundet.

Östlicher .Kriegsschauplatz.

Heeresfront Ves Generalfeidmars is Prinz Leopold von Bayern.

Schwächere russische Vorstöße an der A a (westlich von Riga) sowie zwischen Miadziol- und Rarocz-See wurden leicht abgewiesen.

Die im Tagesericht vom 22. September erwähnten ver-t loren gegangenen Teile unserer Stellung bei Koritnhca sind gestern durch einen vollgelungenen Gegenangriff der Truppen des Generals von der Marwitz nach schwerem Kampfe wieder erobert und darüber hinaus noch Vorteile errungen. Alle Versuche des Feindes, uns wieder zurückzuwerfen, sind gescheitert. Das russische vierte sibirische Armeekorps hat nach den Meldungen unserer Trup­pen Verluste erlitten, die einer Vernichtung des Korps nahe kommen; 41 Offiziere, 280» Mann sind gefangen in unsere, Hand gefallen, 1 Geschütz und 17 Maschinengewehre wurden erbeutet.

Heeresfront des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.

Zur Verbesserung der Stellung schoben wir westlich von Folw-Krasnolesie (zwischen Zlota-Lipa und Nara- jowka) unsere Linie vor, nahmen 13» Ruffen gefangen und erbeuteten 4 Maschinengewehre. Gegenstöße blieben er­folglos.

In den Karpathen griff der Feind an verschiedenen Stellen an und ist zum Teil erst nach Nahkämpfen zurückge­schlagen. Nordöstlich von Kirlibaba sind Gegenangriffe noch im Gange. ,

Kriegsschauplatz in Siebenbürgen.

Bei Hermannstadt wird erfolgreich und hart­näckig gekämpft.

Balkan - Kriegsschauplatz.

An den Fronten keine Ereigniffe von besonderer Be­deutung.

Unsere Flieger warfen auf das von den letzten Angriffen noch an mehreren Stellen brennende Bukarest erneut eine große Zahl Bomben.

Der erste Generalquartiermeister.

Lndendorff.

war nnr not tnt.

Eine schwerere Verantwortung vor der Nation und vor der Geschichte als in diesen Stunden, wo er zu Beginn der neunten Kriegstagung zum Reichstage sprechen wird, hat der Reichskanzler noch nie seit dem 4. August 1914 getragen. Diel wird ixibon abhängen, wie er seine Aufgabe zu lösen vermag.

Er soll uns die Gewißheit geben, daß in dem Kampfe gegen unseren Hauptfeind die äußerste Kraft bis zum letzten eingesetzt werden wird, und er wird sie uns geben. Aber dies soll und muß so geschehen, daß die von jeder Rücksicht auf die verhängnisvollen Wirkungen sich freimachenden Wühler und Hetzer, die ihre maßlose Feindschaft gegen den Kanzler auf jede Gefahr für Reich und Volk hin betätigen, gründlich erfahren, daß das Matz der Geduld ihnen gegenüber voll ist. Es muß durchgegriffen werden, und ob diese Seite der dem Reichskanzler gestellten Auf­gabe erfüllt werden wird, das wissen wir nicht, das wird sich erst zu zeigen haben. Mit Fug und Recht ist ge­sagt worden, daß die Hemmungen, unter denen die Parteien und ihre Blätter leiden, ebenso, vielleicht so­gar mehr noch, für die Regierung gelten. Auch die ver­antwortlichen Männer können nicht alles so aussprechen wie im Frieden, auch sie müssen vielfach um die Dinge herumreden und es den Hörern überlasten, zwischen den Worten zu verstehen, was die Worte selbst nicht klar ausdrücken dürfen. Diese Kunst ist nicht immer mit der erforderlichen Geschicklichkeit geübt worden, in den unmittelbaren Preßorganen der Regierung schon gar- nicht. Das trifft auf die Methode zu, mit der sich der Reichskanzler gegen seine inneren Feinde wehrt;. stets hat sich die Reichsleitung hier auf die V e r t e i d i - gungsstellung beschränkt, nie ist sie, wie es ihr Recht und auch ihre Pflicht war, zum Angriff übergegangen. Es steht aber auch mit der Behandlung der auswärtigen Fragen nicht viel anders. Aus der schönen Wirkung, die vor kurzem mit der scharfen Antwort der „N. A. Z." auf die von der „National Review" ausgestellten .Kriegsziele erreicht wurde, mögen die verantwortlichen Stellen entnehmen, daß sie diese Ausnahme gar nicht schnell genug zur beherrschenden Regel machen könnten Wir wollen die gröbsten Keile auf die groben Klötze der Feinde gesetzt wissen. Wir zweifeln ja nicht daran, daß unsere Heeres­leitung es in dieser Beziehung nickt an sich fehlen läßt, aber das Wort soll jederzeit nachhelfen, und das Wort hat die Regierung zu sprechen. Die Welt draußen, die neutrale wie die feindliche, weiß ja gar nicht, welche stählerne Energie, welche uner­schöpfliche Kraft in unserem Kampf- und Siegeswillen steckt, die Welt hört immer nur, daß wir uns verbluten, daß unser Pulsschlag matter und matter wird, und unser vielleicht vornehmes, aber darum nicht weniger schädliches Schweigen trägt mit dazu bei, daß überall schiefe Vorstellungen von unseren Zuständen aufkommen. So wäre z. B. die Frage, ob man in den skandinavischen Völkern ein hin­reichend deutliches Bewußtsein davon hat, bis zu wel­chem Grade der Entschlossenheit wir belohnend wie strafend (jawohl, wir brauchen unbeküinmert diese starken Worte) gewillt sind, gegen freche Zu­mutungen Englands an die nordischen Reiche Schutz zu gewähren, übeltäterische Hinneigungen zu Groß­britannien aber gebührend zu ahnden. Es wäre heilsam, wenn man darüber namentlich in Christiania mit angemessener Bestimmtheit Be­scheid erhielte. Wir sind viel zu sehr auf Schonung eingestellt-, ganz richtig wurde neulich einmal bemerkt, wie wenig angemessen es gewesen sei, wenn gegenüber dem von England auf die skandinavi» scheu Staaten ausgeübten Druck bei uns immer nur be­merkt wurde, es sei jetzt Sache dieser neutralen Staaten, sich zu wahren und zu wehren. Gewiß ist das ihre Sache zunächst, aber die u n s r i g e ist es doch auch, ihnen den Rücken zu steifen, zunial wir ja nicht mit Lammsgeduld nur abwarten wollen, was dort oben beschlossen wird, um uns in die vielleicht gegen uns ausfallenden Beschlüsse einfach zu fügen. Nein, wir müssen Mitwirken, und dazu gehört auch e i n kräftiges Wort, gleichgültig ob heimliche und offene Freunde des Vierverbands in Christiania dar­über empört sein mögen. Ein weiteres Beispiel dafür, daß kräftiges Auftreten besser als zurückhaltende Schweigsamkeit sein würde, bietet sich in der Frage der aus Athen geforderten Zurücksendung des zu uns übergetretenen griechischen Armeekorps dar. Jene Forderung war selbstverständlich von England und Frankreich erpreßt, und wir dürfen sie der in Gefangenschaft lebenden griechischen Regierung nicht übelnehmen. Aber gerade deshalb, weil König Kon­stantin nicht frei ist, brauchten wir keine Rücksicht zu üben, es sollte vielmehr mit aller Deutlichkeit gesagt werden, daß die Zumutung ja eine förmliche Ver­höhnung ist, und daß wir in dieser Sache tun wer­den, was uns und uns allen nutzt, nichts anderes. Wir möchten wohl wissen, was, wenn der Fall umgekehrt läge, in London erklärt werden würde. Nun aber wer­den wir ja heute den Reichskanzler hören, und das ganze deutsche Volk hofft sehnlich, daß er so stark sein wird, wie es unser aller Wille zur Nie- derzwingung unserer Feind ist. Daß wir uns die Sentimentalität abgewöhnt haben, das darf kein bloßes

Wort sein, es muß auch betätigt werden) überall muß das geschehen, nicht bloß im Kumpfe mit unseren Geg­nern an allen Fronten, sondern ebenso in der ent­schiedensten Aussprache nach mancher neutralen Seite hin und nicht zuletzt in der allerstärksten Be­kämpfung der Gruppen, die innerhalb unserer eigenen Grenzen ihr Unwesen treiben, indem sie die Grund­lagen unserer Einigkeit untergraben und Mißtrauen dort säen, wo wir freudiges Vertrauen zur ungebrochenen Gemeinschaft aller natio­nalen Kräfte bitter nötig haben.

Vor der heutigen Sitzung.

Kr. Berlin, 28. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bin.) Die „B. Z." schreibt: Der Reicbstag versammelt sich, wie angekündigt, heute nachmittag 6 Uhr zu seiner ersten Vollsitzung nach den Ferien. Der Kanzler wird sich ausschließlich mit der äußeren Politik beschäfti­gen und dabei wird, wie neuerdings gegenüber gestern verbreiteten Meldungen verlautet, die polnische Frage nicht berührt werden. Diese Ausscheidung der polnischen Frage hängt damit zusaminen, daß die Ver­handlungen zwischen den Beteiligten noch nicht zum Abschluß gelangt sind. An die Rede des Kanzlers sollen sich heute keine Erörterungen anknüpfen, sondern die Sitzung wird sofort geschlossen werden. Die Debatte über die äußere Politik im P l e n u m wird erst im Laufe der nächsten Woche stattsinden. Da­gegen wird der Haushaltsausschuß morgen so­fort mit diesem Thema beginnen. Die Aussprache hinter verschlossenen Türen wird sehr ausgiebig sein und auch alle mit der äußeren Politik zusammen­hängenden Fragen erschöpfen. Die äußere Debatte im Plenum wird im vaterländischen Interesse a il s ge­schieden bleiben müssen. Man darf auch zuverlässig erwarten, daß Gerüchte, wonach einige besonders heiß­blütige Gegner der Politik des- Reichskanzlers während dessen Rede störende 'Szenen Hervor­rufen würden, sich nicht bewahrheiten werden. Die Aussprache über die innere Politik im P l e u u m des Reichstags wird in der nächsten Woche nach der Debatte über die äußere Politik durchgefühlt werden. Ob der Reichskanzler in dieser Debatte das Wort er­greifen wird, steht noch nicht fest. Sicher ist nur, daß der Staatssekretär im Rcichsamt des Innern Dr. Helfferich diese Debatte durch eine Rede einleiten wird. Er wird sich aber nicht mit den reinpolitischen Fragen beschäftigen, sondern mit wirtschasts» politischen, die leider eine so große Aktualität be­sitzen. Die Empfänge der Fraktionsvorständc beim Staatssekretär Dr. Helfferich, die den Zweck hatten, eine Einigung mit der Regierung über den Arbeitsplan des Reichstags herbeizusühren, sind abgeschlossen. Nur der Vorstand der Zentrums fraltion. der bisher ver­hindert war, der Einladung zum Staatssekretär Folge zu leisten, ist heute vorniittag 10 Uhr im R '. ni u-;t des Innern erschienen. Uni 1 Uhr versaminelt sich der Ä l t e st c n a n s s ch u ß des Reichstags, um den G e- s ch ä s t s p l a n endgültig fcstzustellen. Nach der Rede des Kanzlers im Plenum werden alle Fraktionen Sitzungen halten, um zur Kanzlerrede Stellung zu nehmen.

Ereignisse zur §ee.

Die erfolgreiche Tätigkeit unserer U-Voote.

Wiederum 15 feindliche Schiffe vernichtet. Ein neuer Luftangriff auf Oesel.

W. T.-B. Berlin, 28. Sept. (Drahtbericht.) Eines unserer U-Boote hat am 23. September, vormittags, in der Nordsee 11 e n gl i s ch e F i s ch d a m p f c r mit zusammen 1606 Bruttorcqistcrtonncn, ein anderes U-Boot am Eingang vom Kanal 4 belgische See- leichter versenkt.

Eines unserer Marineluftschiffe griff am 27. September, morgens, die F l u g st a t i o n L e b a r a und die Abwehrbatterien auf Oesel mit gutem Eriolg an. Das Luftschiff ist trotz heftigster Beschießung wohlbehalten z u r ü ck g e k e h r t.

Deutfche Tauchboote im nördlichen Eismeer.

Br. Christiania, 28. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Das Erscheinen deutscher Tauchboote im nördlichen Eis­meer erregt hier das größte Aufsehen, da bisher dort nie Unterseeboote festgestellt worden sind. Dagegen legten deutsche Kriegsschiffe wiederholt auf dieser als Verbindung zwischen England und Nordrußland wichtigen Schiffsstraße Minen, die zahlreiche feindliche Schiffe zerstört haben. Die russische Behauptung, die Deutschen hätten unter norwegischer Flagge dort Minen gestreut, ist, wie amtlich bewiesen, un» wahr gewesen.