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Verlag Langgaffe 21

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Mittwoch, 27. September 1916.

Morgen-Kusgabe.

Nr. 464. . 64. Jahrgang.

Gn neuer Luftangriff aus England.

die Ankunst -erBremen" in Amerika.

Unsere Luftschiffe wieder über England.

W. T B. Berlin, 26. Sept. (Drahtbericht.) In der Nacht vom 25. zum 26. Seht, hat ern Teil unserer Marineluftschifse den eng­lischen Kriegshafen Portsmouth, befestigte Plätze an der Themsemündung sowie mili­tärisch wichtige Industrie- und Bahnanlagen Mittelenglands, darunter Zork, Leeds, Lincoln- und Derby, ergiebig und mit stcht- barem Erfolg mit Spreng- und Brand­bomben belegt. Die Luftschiffe sind trotz starker Gegenwirkung unbeschädigt znrück- gekehrt.

. Der Chef des Admiralstabes der Marine.

Unser handek-ll-vootBremen" in sicherem Port.

w. T-B. London, 26. Sept. (Drahtbericht. Reuter.) Ein amerikanischer Schlepp­dampfer erhielt Befehl, nach der Nähe von Montauk Point zu fahren, um ein deutsches Handels - Unterseeboot nach Newlondon

(Connecticut) zu schleppen. v ,

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Zum zweiten Male ist es während des Krieges gelungen, eine direkte Verbindung zwischen Deutschland Und Amerika trotz der englischen Blockade herzustellen. Nach derDeutschland", die, unbehelligt von den briti­schen Wachtschisfen, die Fahrt nach Baltimore und von dort zurück nach Bremen zurückgelegt hatte, hat nun­mehr auch das zweite deutsche Handels-Unterseeboot, dieBremen", die englische Blockade durchbrochen und wohlbehalten ihren Bestimmungsort erreicht. Deut­scher U n t e r n e h m u n g s g e i st, die K u n st der deutschen Schifsbauer und die Kühnheit und Umsicht deutscher Seefahrer können abermals einen stolzen Sieg feiern.

DieBremen", die nunmehr ihre erste Reise über das Weltmeer zuriickgelegt hat, ist kurz vor der An­kunft derDeutschland" in Bremen aus der Weser ausgelaufen. Sie ist ein Schwesterschiff derDeutsch- land", der sie in allen Teilen gleicht. Wie dieDeutsch- land", ist sie 65 Meter lang und 8,9 Meter breit. Der Tiefgang beträgt etwa 4% Meter, die Wasserverdrän­gung, wenn das Schiff eingetaucht ist, 1900 Tonnen. Wie dieDeutschland", wurde auch dieBremen" auf der Kruppschen Germaniawerft in Kiel gebaut, die die Herstellung des Schiffskörpers der Flensburger Schiffsbaugesellschaft in Flensburg über­trug, während sie selbst die maschinellen Einrichtungen schuf und in den Schiffskörper einbaute. Nach Beendi­gung der Probefahrten und der Tauchversuche, die die Seetüchtigkeit derBremen" aufs glänzendste erwiesen, wurde die Ladung übergenommen, die wiederum, wie bei derDeutschland", hauptsächlich aus hochwerti- gen Far bst offen und Arzneimitteln besteht, an denen Amerika bekanntlich großen Mangel hat. Dann trat das Schiff um den 20. August herum die Ausfahrt an.

Führer derBremen" ist der Kapitän Karl Schwartzkopff, der, ebenso wie Kapitän König, bis zu seinem Übertritt in die Dienste der Deutschen Ozean- Reederei Schiffe des Norddeutschen Lloyds führte. Schwartzkopff, der am 30. Juli 1875 geboren ist, ent­stammt einer alteingesessenen Lübecker Familie. Er besuchte das Gymnasium Katharineum seiner Vaterstadt und wandte sich in seinem 17. Lebensjahre trotz des Widerstrebens seiner Eltern der Seefahrt zu,' zu der er sich schon in früher Jugend hingezogen fühlte. Dazu mag auch beigetragen haben, daß Verwandte seiner Mutter Seeleute waren. Zuerst fuhr er auf der schnellsegelnden Hamburger BarkSelene" der Reederei Wachsmann und Krogmann in Haniburg. 1897 machte er sein Steuermannsexamen und trat 1899 als vierter Offizier in die Dienste des Norddeutschen Lloyd, bei dem er Mnächst zwei Jahre hang ecaj bem damals

schnellsten Schiff der Welt, dem SchnelldampferKaiser Wilhelm der Große", Dienste tat. Bei dem Pierbrand in Hoboken im Jahre 1900, bei dem sein Dampfer in ernster Gefahr war, zeichnete sich Schwartzkopff bei den Rettungsarbeiten hervorragend aus. 1901 bestand er seine Kapitänsprüfung und fuhr seitdem auf verschie­denen Schiffen des Norddeuffchen Lloyd, zuletzt auf den DampfernGroßer Kurfürst" undPrinz Friedrich Wilhelm". An Bord desGroßen Kurfürsten" machte er die große und erfolgreiche Fahrt des Flottenvereins nach Petersburg, Wiborg und Stockholm mit. Als der Krieg ausbrach, war er erster Offizier auf dem DampferPrinz Friedrich Wilhelm".

Wie der erfolgreiche Führer derDeuffchland", Kapitän König, hat auch Kapitän Schwartzkopff den Beweis geliefert, daß deuffche Seeleute imstand sind, die Wachsamkeit der britischen Wachtschiffe zu täuschen, und daß die englische Blockade tatsächlich nuraufdem Papier besteht. Mit der alten Hansastadt Bremen, in der hanseatischer Unternehmungsgeist das Wagnis eines Handelsunterseebootverkehrs mit Amerika unter­nahm, hofft ganzDeutschland zuversichtlich, daß es Schwartzkopff, wie es ihm gelang, das zweite Handels- «nterseeboot trotz aller Fährmsse an seinen Bestim- mungsort zu bringen, auch glücken wird, ungefähr- det die Heimreise zu vollenden.

Die griechische Lrisir.

Demission des neuen griechischen Generalstabschess.

W. T.-B. Athen, 26. Sept. (Drahtbericht.) Der Gene­ralstabschef Moschopulos hat demissioniert.

Das itberhnndnehmen der revolutionären Strömung in Griechenland.

Br. Rotterdam, 26. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Englische Blätter melden aus Athen, daß 21 000 kretensische Reservisten und 18 000 Reservisten aus Milos, Samos und anderen Inseln in kleinen Dampffchiffen Saloniki zu er­reichen suchen. Man erwartet, daß Venizelos auf Kreta eine entscheidende Proklamation erlaffen wird. Die Behörden versuchten, den DampferMyra" im PiräuS anzuhalten, aber die bewaffneten Kreter an Bord zwangen den Kapitän, sich nicht um die Signale zu kümmern und die Reife fortzusehen. Bisher hat Venizelos sich dem König noch nicht feindlich gegenübergestellt, so daß dem König noch immer die Wahl bleibt, Venizelos als Führer der nationalisti­schen Bewegung abzurufen, indem er ihn als Ratgeber zu sich ruft. Reiche Griechen sollen die venizelistische Bewegung mit unbeschränkten Mitteln unterstützen.

Die Zuspitzung der Lage in Athen.

(Bon unserem tli.-Sonderberichterstatter.)

Ni. Wien, 26. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Nach hiesiger Ansicht hat sich der Druck der Entente­mächte auf die griechische Regierung so verstärkt, daß man mit der Möglichkeit rechnen muß, daß in Athen ein weiterer Widerstand gegen die Forderungen des Vierverbandes nicht geleistet wird. Jnfolgedeffen muß man auf jede Entwicklung der Dinge in Athen gefaßt sein. Man glaubt nicht, daß hierdurch die Kriegslage erheblich beeinflußt wer­den wird.

König Konstantin bleibt fest.

»i. Kopenhagen. 26. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) DieNational Tidende" meldet aus London: Man sei in Ententekveffen davon überzeugt, daß keine Wahrschein­lichkeit für den Anschluß des Königs an die Entente bestehe. Nach einem Londoner Telegramm aus Athen haben sich die Generale Kallaris und Janakisa vor­gestern beim König eine Audienz erbeten, in der sic das ein­dringliche Ersuchen an den Monarchen richteten, sich auf die Seite der Entente zu stellen und ihren Gegnern den Krieg zu erklären. Der König lehnte es auf das entschiedenste ab, dem Ersuchen nachzukommen und sprach seine größte Ver­wunderung darüber aus. dieses Ersuchen aus dem Munde zweier Offiziere zu hören, die früher erbitterte Gegner von Venizelos gewesen seien.

Die Note Griechenlands an Deutschland.

Ein Versuch des Königs, Zeit zu gewinnen?

»r. Rotterdam, 26. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Reuter meldet aus diplomatischen Kreisen, man glaube, daß die Note Griechenlands über die Abführungen der Garnisonen von Kawala und Florina erst im letzten Augen­blick von König Konstantin und stnne» Ratgeber« m Athen

abgeschickt wurde, hauptsächlich in der Absicht, Zeit zu ge­winnen und bei der Entente guten Eindruck zu machen. Man glaubt aber, daß der Versuch König Konstantins und seiner Umgebung in dieser Hinsicht sich als vergeblich Heraus­stellen wird.

Die große Offensive der Zehnftsaten- bnnder.

Von General d. Inf. z. D. v. Blume.

III.')

Berlin, 24. September.

Den Verlauf, den die anfangs Juni d. I. erösfnete Offensive der Russen dis zum 10. August genom­men hat, habe ich bereits geschildert, erinnere daher nur an folgendes. Diese Offensive richtete sich von An- beginn gegen den vom Pripjetgebiet bis in die Buko­wina reichenden, rund 400 Kilometer langen Südteil der deutfch-österreichisch-unganschen Ostfront. Die Stärke der unter dem Oberbefehl des Generals B r u s s i l o w für sie eingesetzten, gnt ausgerüsteten, aber nur notdürftig geschulten Streitmacht dürste mit Wz Million -Streitern annähernd zutreffend berechnet sein. Dem nördlichen Teile unserer Ostfront standen zwei weitere russische Heeresgruppen zur Beobachtung und Beschäftigung durch Nebenangriffe gegenüber, welch' letztere sich zweimal, bei Baranowitschi, zu blutigen Schlachten steigerten, in denen die Armee- Abteilung v. W o y r s ch ihre Stellung gegen Über­macht siegreich behauptete. Brusfilows Plan ging augenscheinlich dahin, einerseits die Gegner aus Wol­hynien zu verdrängen und sich des für die Verbindung zwischen dem nördlichen und südlichen Abschnitt un­serer Ostfront wichtigen Eisenbahnknotenpunktes Kowel zu bemächtigen, andererseits die Bukowina aufs neue zu erobern, um sodann zugleich von dort und von der Ostgrenze Galiziens sich zur Hauptstadt letzteren Lan­des, Lemberg, Bahn zu brechen. In Wolhynien war es den Russen durch ihre Übermacht gelungen, die Gegner verhältnismäßig schnell etwa vierzig Kilo­meter über Luck westwärts zurückzuwersen. Als ihnen aber dort mit Hilfe eingetroffener deutscher Ver­stärkungen Halt geboten war, hatten sie mit heran­gezogenen frischen Kräften unternommen, den Über­gang über den Styr unterhalb Luck zu erzwingen, um von dort aus gegen Kowel vorzudringen. Nach langen vergeblichen Bemühungen hatten sie auf diesem Wege auch den Stochodabschnitt erreicht, aber alle An­strengungen, darüber hinaus Boden zu gewinnen, waren gescheitert. So standen die Sachen aus diesem Flügel am 10. August. Im Süden hatten die Russen inzwischen die Bukowina bis zu den Karpathen hin erobert und waren von dort unter schweren Kämpfen gegen Kolomea vorgerückt, von wo sie sich am 10. August im Vormarsch auf Stanislau befanden. Versuche, auch über die Karpathen vorzudringen, wurden jedoch durch österreichische und deutsche Truppen verhindert Zwi­schen beiden Flügeln hatte anfangs die Armee Graf Bothmer auf dem linken Ufer der Strypa gestanden, mit ihrem linken Flügel bis in dm Gegend von Tarno- pol reichend, Teile des rechten Flügels über den Dnjestr vorgeschoben, während links von ihr, bis in die Gegend von Rowno, die Armee Boehm-Ermolli stand. Die erstgenannte Armee hatte im letzten Drittel des Juni ihre Verteidigung bis auf das rechte User der Strypa verlegt, dort aber alle, oft sehr heftigen An­griffe der Russen siegreich zurückgewiesen. Auch an der Armee Boehm-Ermolli waren bis zum 15. Juli alle Angriffe abgeprallt. Dann aber hatte sie, von sehr überlegenen feindlichen Kräften hart bedrängt, all­mählich über Brody in die Gegend von Z a l o z c e zu­rückweichen müssen. Anfangs August war eine Neu­ordnung der Befehlsverhältniffe in Kraft getreten, wo­nach der Generalfeldmarjchall v. Hindenbnrg fortan den Oberbefehl über alle Truppen der Verbündeten von Riga bis zum rechten Flügel der Armee Boehm- Ermolli, der Erzherzog Karl den Oberbefehl über die weiter südlich gelegenen Teile der Ostfront zu führen hatte. Vorgreifend sei erwähnt, daß der Generalfeld­marschall v. Hindenbnrg am 29. August an Stelle des Generals v. Falkenhayn zum Chef des Generalstabes des Feldheeres ernannt und in seinem bisherigen Be-

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