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1916.

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Seite 55.

bat alt und krank ausgesehen. Französische ^oldat^t haben in der Abwesenheit Mutter- den Vater entdeckt und vor den König Ieronie gezerrt und erzählt, daß sie den Apotheker, der sich dem heere-befehl Napoleon-, mit der Armee zu Hilfeleistungen nach Nnßland zu gehen, entzogen -- endlich gefunden hätten.

Da aber ist meine Mutter vor Heroine hingetreten und hat gesagt:Jetzt, Sire, ist die Stunde gekommen, wo Sie Ihren königlichen Dank abtragen können. Ich erinnere Sie an Ihr verspreckfen, daß diese Kleinigkeit in Ihrer Macht steht. Dieser Man», den Ihre Solda.en in so unhöflicher weise hierher gebracht haben, ist mein Gatte, der Vater meiner beiden Kinder. So machen S>e denn diese Tat Ihrer Leute ungeschehen, Sire!"

Der König Ieronie soll eiiie weile mit sich gekämpft haben, denn er war ein Großsprecher und kleidete seine königliche Würde gern in -den Mantel der Gewalt Aber dann hat er meiiienl Vater die Hand gereicht und gesagt:Ich will, daß Sie, Monsieur, und Sie, Madame, riricl^ für einen Mann von Mort und Ehren halten. So soll denn diese trübe Stunde Ihres Lebens durch ineine Gunst ebenso froh werden, wie die Stundeil. die Madame Elisabeth uns durch ihren Gesang verschont hat." Dann wandte sich der König an seine Offiziere »nd befahl ihnen, die Ordnung herzustellen und Äuge zu

Nun singeii Sie uns Ihr Lied zu Ende, Madame , bat der König meine Mutter.Ich werde nicht so bald wieder so schönen Gesang hören." Die Gesellschaft ordnete sich wie vorher, und der Vater, dem Leben und Freiheit wiedergegeben war, innßte in emeni Sessel neben dem Besitzer des Hauses Platzeh.nen. Meine Mutter aber hat das Lied zu Ende gesungen.

Daini hat der König meiner Mutter die Hand ge­küßt und hat sie und Vater unter deni Schutz seiner Offiziere heiinbringen lassen.

Siehst Du, hannerle, soviel hat die alte, l^be Gitarre 'schon erlebt. Du hast eine stimme, so schon

und hell wie Urahne Elisabeth, meine Mutter. Lerne singen, sei fleißig! Dann sollst Du die alte Gttarre haben, und auf ihr spielen zum Andenken an Deine Urgroßmutter. Du sollst sie heilig halten, denn sie hat Leid »ind Freud wandeln helfen iit trüber Zeit.

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Seltsame Leuchtwesen der Tiessee.

f «sonders eigenartig hat uns Menschen, von zeher die

Fähigkeit gewisser Pflanzen und Tiere berührt, un Dunkeln zu leuchten. Während die merkwürdigen Licht- erscheinungen am Himmel durch Bestrahlung der Sonne oder elektrische Einwirkungen in der Atmosphäre erzeugt werden, existiert in der Natur eine ganze Anzahl niederer Lebewesen, die aus eigener Kraft und, wie die neuesten Forschungen gelehrt haben, ganz willkürlich einen Lichtschein an ihrem

Körper hervorzubringen imstande sind. Das gilt vor allem

von den Bewohnern der Tiefsee, deren Gewohnheiten erst in jüngster Zeit durch wiederholte wissenschaftliche Expeditionen und durch das Interesse namhafter Gelehrter naher bekannt geworden sind. In einer Tiefe von 5000 Meter, unter dem gewaltigen Druck einer Wassersäule von 800 Atmosphären, wo man Tod und ewige Finsternis vermutete, erschloß jich plötzlich den erstaunten Forschern ein« wundersame Märchen­welt in Fauna (Tierwelt) und Flora (Pflanzenwelt) w,e ge die kühnste Phantasie sich nicht hatte träumen lassen.

wunderliche Fische mit unförmigen Mäulern, Polypen mit Fangarmen von mehreren Metern Länge, Spinnen mtt - gigantenhaften Stelzbeinen, Korallen und Sträucher, die sich in jedem ihrer tausendfältigen Glieder bewegen, Seesterne in den sonderbarsten Formen, alles Wesen, deren Fort­kommen unter normalen Existenzbedingungen garnicht möglich wäre Und was das Merkwürdigste an ihnen ist: Fast alle

tragen ein regelrechtes Laternchen, teils hinter oder unter dem Auge, teils an einem langen Nervenstränge oder über den

ganzen Körper verteilt. _ .. . x-

wie die Mimikry durch ihre äußere Erscheinung, die ekelhaften Molche der Adelsberger Grotte durch die Seh­

organe und die langstelzigen Spinnen in den feuchten Mannnut­höhlen Süd-Amerikas durch die Fortbewegnngswerkzeuge An­passung an ihre Umgebung suchen, so hat die Tiefsee ^ ihren Bewohnern eine neue Daseinsmöglichkeit geschaffen, die sie zur selbsttätigen Beleuchtung jurn Gebrauche ihrer Augen in der Dunkelheit der Tiefsee befähigt. Aus einer Tiefe pon 2500 Faden (f Faden = (,8288 Meter) hat man Garneelen, und Medusen gezogen, deren Körper von einer Milchstraße glitzernder Sternchen geradezu übersät war. Der Malakosteus, eine erst in jüngster Zeit neuentdeckte Fischart, trägt über jedem Auge ein Doppellicht, das er je nach Belieben in feuer­roten oder smaragdgrünen Farben entzüiiden kann. Sein Rivale, dem die Wissenschaft mit den Gattungsnamen stomias boa gegeben hat, übertrumpft ihn noch bei weitem an Schön­heit der Leuchtorgane. Nicht weniger als 3^0 glänzende Plätt­chen hat man an seinem Unterleibe gezählt, die in den ver­schiedensten Regenbogenfarben schillern. Alle versehen sic ge­meinsam die Funktionen eines äußerst feinen, komplizierten Organs, das gleichzeitig lichtspendend und lichtempfangend wirkt. Es leuchten ferner der sogenannte Echsenfisch, der Leucht­hai, Knoplotsntbis diadema, und zahlreiche Krebsarten. Die gZuallen, deren bedeutend kleinere Abarten den Besuchern unserer Seeküsten bekannt sind, erscheinen in allen detikbaren Farben, besonders in gelb, rot. und himmelblau. Ihr Körper scbwimmt wie eine große Leuchtkugel frei im Wasser. Das kunstvolle Röhrengeäst der Orgelkoralle leuchtet in all seinen Stockwerken. Die Bohrmuschel wie auch einige Nuscheln quetschen aus ihrem Körper eine schleimige Substanz, die sich auflöst und dadurch das Wasser für einige Zeit erhellt.

Der Körper der Feuerwalzen, ellipsenförmiger Manteltiere, scheint in geschmolzenes Eisen getaucht zu sein. Der Natur­forscher panceri hat an einer einzigen Feuerwalze von acht Zentimeter Länge und vier Zentimeter Durchmesser nicht weniger als 6400 leuchtende Sternchen gezählt.

Natürlich ist die Intensität (Stärke) der Leuchtkraft bei den einzelnen Lebewesen der Tiefsee sehr verschieden. Mährend der Argyropelcus nur ein bescheidenes Silberbändchen nach sich- zieht, hat der Zoologe Beer an einem von ihm bei

Neapel gefangenen Exemplare der gefräßigen Tiefseehaie

einen Lichtkreis festgestellt, der im Radius (Halbmesser) mehr als vier Meter betrug. Bei seinem Scheine war, ähnlich wte dies bei dem südamerikanischen Leuchtkäfer Tucujo der Fall ist, ein bequemes Lesen und Schreiben möglich.

Die Wunderwelt des Ozeans ist unerschöpflich. Alles leuchtet, alles muß leuchten, denn der Selbsterhaltungstrieb in der Einöde ewiger Finsternis erfordert solche Waffen. Jetzt ist es still und dunkel auf dem Meeresgründe. Eine Spinne nur stelzt gravitätisch mit langen Beinen umher und stößt plötzlich auf ein Fischungeheuer, einpelikanähnliches weitmaul", dessen Körper mit einem unserer im Haushalte gebrauchten Kochlöffel frappante (überraschende) Ähnlichkeit hat. Die Spinne erschrickt, steckt ihr Lichtlein an, um sich nach der Ursache der Störung umzusehen, doch verlöscht es schnell wieder, als sie eineit Feind entdeckt. Nun beginnt das weititiaul seiner­seits zu leuchten, um die Spinne nicht entwischen zu lassen. Eine wilde Jagd beginnt, in welcher das weitmaul sicher Sieger geblieben wäre, weitn sich nicht eiir riesiger Polyp unbemerkt herangeschlichen hätte. Kaum daß die Spinne und weitmaul in seinen Bannkreis gekomnien sind, was er att der Wellenbewegung des Wassers erkennt, entzündet er seine bunten Lichter, greift mit den weiten Fangarmen aus und läßt seine beiden Opfer in seinem Schluitde verschwniden. währenddessen flammt es plötzlich an allen Seiten zu gleicher Zeit auf, in Milliarden von winzigen Lichtlein, die alle hastig durcheinander stürzen. Jedes strahlt in seinem schönsten Glanze. Alle aber übertrifft die herrliche Phosphoreszenz (die Eigen­schaft Licht auszustrahlen) des Tintenfisches. Ein perlen- diadeni von wunderbarer Feinheit schlingt sich um seine Bauch­seite: die vorderen Glieder irisieren (schillern) wie Rubine,

die Hinteren wie klare Kristalle. Ein tiefblauer Diamant in der Mitte steht zu den übrigen Farben in seltsaniem Gegen­satz Unter den Augen sind mehrere Reiheir kleiner Kettchen anaebracht, die zum Teil in ultramarinblauem, zum großen Telle jedoch in perlmutterfarbigem Glanze strahlen.

Die Tiefsee mit ihren Lebewesen bietet ein uitendlich ergiebiaes Arbeitsfeld für die Wissenschaft. Ihre Erforschung ist ein'Ruhmesblatt in der Naturgeschichte der modernen Zeit.

Doch wie tief auch menschliche Werkzeuge schon gedrungen sind, immer wieder wird man im Laufe der Zeit noch tiefere, eigenartigere Stellen auf dem Meeresgründe entdecken, die vielleicht wieder gänzlich neue, seltsame Lebewesen bergen und die alte Wissenschaft über den Haufen stürzen.