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Der Homai

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fe=- ■! Morgen.Veilage des Wiesbadener Tagblatls. >■-»>

Nr. 224. Sonntag, 24. September. 1916.

CL Fortsetz unLl

Die Lierbachs-MäLeln.

Münchner Roman von Emma Haushofer-Merk.

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Sie gab Max, der sich als Eindringling vor dem Moment des Vorgestelltwerdens gefürchtet hatte, mit grober Herzlichkeit die weiche rundliche Hand und sagte heiter mit bäuerlichem Knix:

„Freut mich, daß wir die Ehr' hab'n. Heut ist eine g'spassige G'sellschaft beieinander!"

„Machen S' nur keine Spruch!" brummte auch Lierbach, als Max sich entschuldigte, daß er eS ohne Einladung gewagt habe. „Heut bin ich der Wirt „Vom lustigen Winkel" und wer kommt, ist recht, wenn er nur vorlieb nehmen mag."

Das Vorzimmer des Ateliers war mit Tannen- bänmchen und blauweißen Tüchern als eine ländliche Gaststube herqerichtet worden. Im Hintergründe hatte man ein kleines Podium aufgeichlagen, das von einem grellbunten Vorhang abgeschlossen wurde. In großen Lettern prangte darüber ein Anschlag: Heute Gala­vorstellung der Gesellschaft Thespiskarren: „Der ver­

giftete Leberkäs." Eine grauenhafte Komödie in vier Akten.

Waldemar packte den Freund beim Arm und führte ihn mit pathetischer Bewegung vor einen untersetzten jungen Mann in einem schäbigen Samtrock, gelben Beinkleidern, einer rosafarbenen Krawatte und einem alten Zylinder und sprach mit rollendem R:

„Herr Direktor! Es ist mir gelungen, diesen noblen Herrn für unsere Gesellschaft zu gewinnen! Schaut er nicht unheimlich vornehm aus?"

Der Dicke mit dem lustigen, kugelrunden Gesicht flog wie ein Ball auf Max zu und umarmte ihn.

„O, Sie allein hoben meiner auserlesenen Truppe noch gefehlt! Seien Sie gegrüßt! Ich engagiere Ihren schönen Frack und Sie mit der höchsten Gage! Dieser Frack allein muß volle Häuser machen, wenn wir in Großhadern und Berg am Laim unser Gastspiel er­öffnen! Gestatten Sie, daß ich Sie nun mit den übri­gen Sternen des Thespiskarren bekannt mache!"

Wunderliche Namen schlugen an das Ohr des Gastes und Max fand sich schwer zurecht. Er mußte Walde­mar leise fraaen, wie all diese kostümierten Menschen denn im Zivilleben hießen.

„Also der Direktor unserer Schmiere, das ist der Tiermaler Gröbler, ein urfideles Haus! Und dort der Kleine mit dem ernsten Kopf, der in Schwarz, der heut den Intriganten vorstellt, das ist der liebe, stille Wolf Lüders, auch ein Lierbach-Schüler; die komische Alte mit den zerdrückten Rosen und der nickenden Feder, das ist die Frau des Malers Haubenschmid, des umfang­reichen Mannes, der als „bürgerlicher Hausvater" her­gerichtet ist. Die Naive im Backfischkleid und dem Rosenkränzchen — das ihr sehr schlecht steht übrigens —, das ist Anna Volders, eine Freundin der Li-erbachs- Mädeln — aber wo bleiben denn die?"

Waldemar flüsterte es in ungeduldiger Erwartung und schaute unverwand« auf den Vorhang hinter dem offenbar noch gearbeitet wurde.

Und nun kam ein strahlendes lachendes Geschöpf hereingetanzt in einem spanischen Kostüm. Waldemar­entzückte Augen ließen Max keinen Zweifel darüber, daß es Trudel war, die neueste Flamme seines verlieb­ten Freundes.

„Amanda Waldvogel, erste Liebhaberin", sagte sie lachend, mit einem Knix vor dem Theaterdirektor. Sie schaute mit glänzenden braunen Augen umher, begeg­nete bewundernden Blicken und rief übermütig:

„Bin ich nicht schön?"

Es klang so lustig und kindlich, daß die Frage gar nichts Lächerliches und AlberneS hatte. Sie war wirk­lich schön. Ein Büschel roter Nelken saß prachtvoll in den üppigen dunklen Haaren! weiß und schlank stand die feine Nase in dem reizenden Oval des Gesichts, und der geblümte Seidenschal war mit viel Geschmack und Anmut um die hohe Gestalt geschlungen.

„Wie ein Bild von Beyschlag schauen Sie aus! Man könnte Sie gleich auf eine Seifenschachtel umlen!" neckte ein blonder, junger Mensch, der Maler Willibald Kreuzer, der als der „jugendliche Liebhaber" in einem verwaschenen, sommerlichen Knabenanzug steckte.

„Sie wären froh, wenn Sie mich malen könnten!" antwortete Trudel schlagfertig. „Aber bei Ihnen langt's ja kaum zu einem toten Hasen!"

Waldemar klatschte lebhaft Beifall, erfreut, daß sie den Kollegen so schneidig abgetrumpft hatte. Kreuzer aber war gar nicht beleidigt, sondern sagte mit einem drolligen Zwinkern auf seinem blassen Bubengesicht: „Das wär' zu gefährlich! Wenn ich Sie malen würde, da müßten Sie sich gewiß in mich verlieben, und das will ich Ihnen gar nicht antun."

„O, Sie guter Mensch! Und doch haben Sie sich heut' so verführerisch hergerichtet I" lachte Trudel. „In diesem Matrosenanzügerl sind Sie schon unwider­stehlich,"

„Besonders die krummen Beine kommen so hübsch zur Geltung!" spottete Waldemar boshaft. Er >var ein wenig eifersüchtig auf Kreuzer, der gerade, weil er so jungenhaft und harmlos ausiah, sich bei den Mädchen allerlei kameradschaftliche Freiheiten herausnahm.

Trudel lachte hell, als Falk sich nun ivieder in Theaterpose versetzte und deklamrerte: „O Königin, das Leben ist doch schön!"

Max stand recht allein unter den übermütigen und war nur froh, daß seine Rolle ihm eine gewisse Steif­heit auferlegte. Er vermochte sich nicht in den lustigen Maskenton hineinzufinden und fand sie selbst lang­weilig und nüchtern. Schon bereute er, daß er sich in diese fremde Gesellschaft hatte mitschleppen lassen, denn sein Freund Waldemar bekümnrerte sich nun' auch nicht mehr um ihn.

Aber dann schlug eine ungemein sympathische Frauenstimme an sein Ohr und er konnte sich Grete Lierbach, der jüngeren Schwester, vorstellen lassen. Sie war heute die Heroin« und trug ein recht einfaches, aus