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Donnerstag» 21. September 1916,
Norwegen soll Hungen«!
Der Brot- und Konservenkrieg.
Am Tage des Konferenzbeginnes von Christiania traf die Meldung aus London ein, daß England jetzt tatsächlich Norwegens gesamte Korn- und Mehlzufuhr abschneidet. Norwegen soll hungern! Das norwegische Volk soll Rindenbrot essen, wie schon einmal,, im Jahre 1968. auf Englands Geheiß. Man sage nicht, daß das Zusammentreffen der neuen Sperrmaßnahmen mit dem skandinavischen Kongreß Zufall sei. Man sage auch nicht, daß der neue Blockadepfeil ja im Grunde nur gegen Deutschland ziele. Nein, England hat ,ganz bestimmte Absichten auf Norwegen und sein Iistrger Schachzug ist auf das „dritte Malmö", auf die Konferenz von Christiania berechnet. Dort soll der Druck so unerträglich werden, daß inan nichts beschließt, was England unangenehm lern könnte. Benehmen sich dre Vertreter der Nordstaaten in Christiania brav und englandzahm, so kann die Getrcidesperre ja wieder,rn Gnaden aufgehoben werden. So ist es gemernt! Ern Bruder dieses Brotkrieges gegen Norwegen ist der „Konservenkrieg". Zum Export der Fischprodukte bedarf die norwegische Konservenindustrie Bleche und Ol. Der hierfür in Frage kommende Öllieferant ist das neutrale Spanien, und das neutrale Amerika ist der Blechlieferant. Aber sowohl sämtliche Ol- wie Blech- lieferungen, die den Wasserweg gehen, also an England vorbei müssen, werden von den englischen Behörden sert langem jedesmal kurzer Hand mit Beschlag belegt. England ist Herr der für alle Nationen freien atlan.i- schen Zufuhrstraßen. Und wer nicht so will, wie England befiehlt, der ist übel daran. Nach Schweden, Dänemark und Holland, die doch nicht zu Englands Gegnern gehören, dürfen die norwegischen Fabrikanten ebensowenig liefern, wir nach den mit England im Krieg befindlichen Ländern, also befiehlt England. Es dürfte interessant sein, das Instrument kennen zu lernen, mit dem England die norwegischen Industrien knebelt. Dieses Instrument ist ein Schriftstück, das der englische Gesandte in Christiania im Auftrag seiner Regierung sämtlichen norwegischen Fischkonserven- und Konservenbüchsen-Fabrikanten zur Unterschrift zugestellt hat. Es lautet: „Ich (d. h. der norwegische Fabrr- kant) verpflichte mich hierdurch, daß meine Firma keine Büchsen Herstellen wird, die voll oder leer bestimmt sind zum Verbrauch in irgendwelchem Lande, das sich jetzt mit Großbritannien und Irland oder mit einem der > Verbündeten dieses Landes in Krieg befindet — weiter, daß meine Firma nichts nach Holland ohne Vermittlung der Oversee Trust Co. senden wird, und endlich, daß sie überhaupt nichts nach anderen neutralen Ländern in Europa als Spanien und Portugal senden wird. — Falls irgend ein Zweifel vorliegen sollte, verpflich- tet sich meine Firma, vor Annahnie der Aufträge das Gutachten der Britischen Handelskammer oder des bri- rischen Konsuls in . . . einzuholen. Meine Firma verpflichtet sich weiter, eine vollständige und korrekte Auf- istellnng über alle von ihr importierten Mengen Zink-,
! Weiß- und Schwarz-Bleche sowie über deren Verwen- düng zu führen sowie dazu, die Ausgaben für einen von der britischen Regierung ernannten britischen Kontrolleur zu tragen und ihm Zugang zu den Büchern der Firma, deren Papieren und Dokumenten zu gestatten, soweit sie die eingefübrten Zinkplatten und die aus ihnen heraestellten Artikel berühren. Schließlich der pflichtet sich meine Firma, nicht von dem bei der Her stcllung der Büchsen sich ergebenden Abfall nach irgend einem Lande auszufübren. das sich mit Großbritannien und Irland oder dessen Verbündeten in Krieg befindet, und nach Holland nur, falls dieser Abfall an die Over fee Trust Co. gerichtet wird, und von den übrigen neu tralen Ländern nur noch an Spanien und Portugal." Zwei oder drei Dutzend Fabriken haben unterschrieben. Die übrigen, weitaus die Mehrzabl, wurden von England auf die schwarze Liste gesetzt. Aber auch von denen, die unterschrieben, sind manche nachträglich ge- maßregelt worden. Denn der britische Gesandte in Christiania ist in Norwegen mächtiger als selbst der norwegische Ministerpräsident, Herr Gunar Knudsen. Die Stunde scheint jetzt gekommen zu sein, in der sich Norwegen entscheiden muß, ob es ein „Griechenland im Norden" werden oder im Bunde mit den skandi- navischen Schwesterstaaten der englischen Willkür^ end-
sich einmal einen neutralen Damm setzen will. S. L.
*
Die Aufgaben der skandinavischen Minister konferenz.
„Es muß etwas versucht werden, um den Friedensschluß herbeizuführen."
W.T.-B. Kopenhagen, 20. Sept. „Berlingske Tidende" meldet aus Stockholm: „Aston Tidningen" sagt zur
Ministerzusammenkunft in Christiania: Die Aufgaben, die den skandinavischen Ministern vorliegen, zerfallen in folgende drei Gruppen: Die Frage der Aufrechterhaltung
Kbend-Kusgabe.
der Neutralität, die Möglichkeiten für eine Frie densvermittlung und die Schritte zu einer gemeinsamen einflußreichen Teilnahme an dem endgültigen Friedensschluß. Das Blatt fährt fort: Etwas muß versucht werden, um einen Friedensschluß herbeizuführen. Wer anders als die neutralen Länder soll das tun? Ein derartiges gemeinsames Vorgehen muß baldigst vorbe- reitet werden, damit die neutralen Länder nicht dazu kommen, in mehr oder weniger hohem Maße die Kriegskosten zu bezahlen. Eine Katastrophe auf irgerld einem Punkte kann den Frieden ebenso plötzlich bringen wie den Krieg. Es gilt für uns, stets bereit zu sein. Man ist zu der Erwartung berechtigt, daß die dritte Zusammenkunft ein reicheres E r - o e b n i s hat als die beiden vorhergehenden. Diesesmal muß der Schwerpunkt auf positive Arbeit gelegt werden.
vie Ereignisse auf dem Balkan.
Oer amtliche bulgarische Bericht.
Der Feind bei Florina durch starke Gegenangriffe zurückgeworfen.
Fortdauer der Schlacht an der Linie Maralui-Tnzla.
W. T.-B. Sofia, 21. Sept. (Drahtbericht.) Amtlicher Heeresbericht:
Die Kämpfe um Lerin-Florina entwickeln sich zu unserem Vorteil. Durch starke Gegenangriffe, an denen unsere Kavallerie teilnahin, warfen wir den Feznt« zurück und fügten ihm große Verluste bei. Die Ebene ist mit Leiwen des Feindes bedeckt. Wir nahmen 1 Offizier, 11 Reiter von einer ruflischen Brigade und 100 Mann vom 175. französischen Regiment gefangen und erbeuteten zwei Maschinengewehre. Heftige Angriffe des Feindes gegen die Hohe bei K a i m a c a l a n scheiterten unter großen Verluste« für ihn. Fm Mogle natal ist die Lage unverändert. Artilleriefeuer und von beiden Seiten schwache Fnfanterie«- gefechte. Östlich und westlich deS Wardar Artillrriefeuer. Am Fuße der B e l a f i c a Ruhe. An der S t r u m a f r o n t schwache Artillerietätigkeit.
Rumänische Front: An der Donau beschoß unsere Artillerie den Bahnhof T u r n - S e v e r i n. Die Schlacht an der Linie Maralui-Ennk-Arabadschi - Kokardscha-Cobadin- Tuzla dauerte gestern mitder größten Erbitterung von beiden Seiten fort. Der Feind hielt sich in einer stark befestigten Stellung.
An der Küste des Schwarzen Meeres Ruhe.
Dev Grsolg am Szurdnk-Paß.
Gleichzeitig mit den großen Erfolgen in der Dobrudscha haben wir, wie im letzten Heeresbericht gemeldet wurde, auch in S i e b e n b ü r g e n sehr beträchtliche Fortschritte gemacht. Schon seit einigen Tagen meldet unser Generalstabsbericht, daß unsere Siebenbürgenftont in günstigein Kampfe gegen die rumänischen Truppen, hauptsächlich aus dem Zentrum der rumänischen Armee, sich befindet, über die Ergebnisse dieser jüngsten Kämpfe ist bisher nichts mitgeteilt worden. Erst jetzt hören wir. daß die Rumänen gezwungen wurden, über den Szurduk-Paß, über den ein Teil Von ihnen nach Siebenbürgen eingefallen ist, z u r ü ck z u f l u ch t e n. ES zeigt sich, daß allmähl'ä, unsere Verbündeten Truppen auch kier die Überlegenheit und dre Initiative gewinnen. welche zum Anfang der Kämpfe die Rumänen infolge der Plötzlichkeit ihres Überfalles hatten be- baupten können.
Die Wiedereroberung von Petroseny.
<Von unserem Ni.°Sond-"-bcriSterstattcr.!
Ni. Wien, 21. Sept. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bin.) Ministerpräsident Tisza teilte in politischen Kreisen zur Wiedereroberung von Petroseny mit, die bekannten Bergwerke bei dieser Stadt wären nur unbedeutend beschädigt worden.
Die Lage auf dem rumänischen Kriegsschauplatz.
Pessimistische Auffassung i« Rußland.
(Von unserem 8.-Sonderöecichterstatter.s
8. Stockholm, 21. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Der Militärkritiker des „Djen", der stets zum Offiziosus ge macht wird, wenn man in Militärkreisen die Kriegslage pessi mistisch auffaßt, schreibt anläßlich der deutschen Offensive in Rumänien: Die Feinde haben sich mit ihrem Angriff in der Dobrudscha noch viel weitergehende Aufgaben gestellt, als wir anfänglich annehmen konnten. Die Mittel möchte wollen das Gleichgewicht an der Donaufront wieder Herstellen, indem sie Rumänien völlig zertrüm m e r n und ihm das gleiche Schicksal bereiten, das Serbien erlitten hat. Auch die Petersburger Militärkritiker meinen, ein deutscher Versuch, die Donau zu forcieren, könne t.-cn den russischen Truppen kaum verhindert werden.
Der zerstörte rumänische Anfmarschplan.
Br. Berlin, 21. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Vom rumänischen Kriegsschauplatz wird der „B. Z." gedrahtpt- D-r pxüp . Abschnitt der Front oenen Rumä
Nr. 434. . 64. Jahrgang.
nien, den ich besuchen konnte, ist die V ö l k e r e ck e b e r O r s o v a an der Donau, wo Gebiete Ungarns, Serbiens und Rumäniens zusammenstoßen. Die Gesamtlage, die der rumänische Überfall bis heute geschaffen hat, läßt sich kurz folgendermaßen bestimmen: Der rechte Flügel der Rumänen, der im Anschluß an die russischen. Streitkräfte in der Bukowina mit der Front nach Westen in der Moldau aufmarschierte, drang etwa 5 0 .Kilometer tief in Ungarn ein. Das Zentrum, dessen Marschrichtung nach Norden geht, konnte in Sieben- bürgen nur etwa 20 Kilometer vorrücken, besetzte Kronstadt und blieb dicht vor Hermannstadt stehen. Am linken Flügel nördlich Orsova blieb der geplante Aufmarsch gleich zu Anfang völlig st e h e n. Es ist von großer Bedeutung, daß es unseren Truppen gelang, an diesem südwestlichen Punkt des neuen Kriegsschauplatzes den Gegner festzuhalten und dadurch zugleich bis weit nach Nordosten hin seine freie Bewegung zu hemmen. Die Absicht des Gegners ging dahin, vor allen« die große Straße zu gewinnen, die von Orsova nach Norden hin zu den, Donaunebenfluß Cerna hinauf, sodann über Mebablia und die Porta Orientales nach Karansebes und weiter nach Temes- var führt. Diese Absicht wurde vereitelt. Bei den erfolgreichen Bemühungen, den ganzen linken rumänischen Flügel in Schach zu halten, haben übrigens auch von Süden her österreichisch-ungarische Donau- schiffe mitgewirkt. Sie schossen die am Norduser der Donau gelegenen rumänischen Orte V e r c i n r o v a und Turn Severin in Brand. Ebenso konnten südlich der Donau von dem ehemalig serbischen Gebiet des Nigotinzipfels aus ungarische Geschütze auf die rumänische Flanke einwirken. Dagegen zeigte die vortreffliche Ausrüstung der Rumänen aufs neue, wie sorgsam sie sich vorbereitet hatten. Die Montierung ist vorzüglich. Man hat sich anscheinend von langer Hand für einen Winterfeldzug vorgesehen. Noch ein anderes, recht interessantes Stück trägt jedermann bei sich.. In sein Dienstbuch wurde ihm eine Karte eingeheftet, die den Titel trägt „Das Rumänien der Zukunft", und die in sehr geschickter Weise alle die Teile Ungarns andeutet, die von Rechts wegen, zu diesen Zukunftsträumen gehören sollen. Und diese Karte, das ist das Tollste, trögt die Jahreszahl 1914.
Die gute militärische Lage in Bulgarien.
Br. Budapest, 21. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln. T.-U.) „Az Est" meldet aus Sofia: An der
mazedonischen Front wird die Widerstandskraft der bulgarischen Truppen mit jedem Tage größer. Die Entente hofft mit ihrem Druck, in Mazedonien die Bulgaren zu zwingen, aus der Dobrudscha Truppen wegzuziehen. Nach der Einnahme von M a u- galia erreichten die deutsch-bulgarischen Truppen Tuzla. Damit wurde unsere Front auf ein Drittel der Ausgangsfront verkürzt. Wahrscheinlich toer- den die russisch-rumänischen Truppen noch vor Consta n tz a eine Stellung einnehmen. Weiter wird aus Sofia berichtet: Aus der Dobrudscha flüchteten zahlreiche Einwohner, zumeist rdiche Leute, hierher. Gestern wurde bekanntgegeben, daß der bulgarische Teil der Dobrudscha gänzlich vom Feinde gesäubert und die Dobrudscha befreit ist, die Flüchtlinge könnten heimkehren. Diese Veröffentlichung hat unter den Flüchtz singen große Freude hervorgerufen.
Die Kämpfe bei Florina.
IV. T.-B. Bern, 21. Sept. (Drahtbericht.) Aus Saloniki meldet der „Petit Parisien", man kenne keine genauen Einzelbeiten über die Kämpfe bei Florina, da der Telegraph und das Telephon infolge sehr heftiger Stürme gestört seien.
Der italienische Rückzug am Beles-Berge.
Im italienischen Heeresbericbt vom 20. September heißt es von der Saloniki-Front' Auf den Südabhängen des Beles- Berges griffen starke bulgarische Streitkräfte, unterstützt durch heftiges Artillerieseuer, unsere kleinen vorgeschobenen Posten zwischen Ober-Poroj und Matnice an. Nachdem die Unseren den Sturm des Gegners zum Stehen gebracht hatten, zogen sie sich, unterstützt durch die zähe Verteidigung einer Nachhut- obteilung, in guter Ordnung auf die Eisenbahn Doiran- Demir Hissar zurück. C ado rna.
Gin Flugzeugangriff auf Drama.
W. T.-B. Saloniki» 20. Sept. (Reuter.) Amtlich wirs n'.itgeteilt: Unsere Flugzeuge unternahmen einen Angriff auf Drama und bewarfen Eisenbahnen und Magazine mot Bomben.
Der neue griechische Ministerpräsident dem König treu ergeben.
Berlin, 21. Sept. Ein griechischer Diplomat bestätigte laut „B. T>", daß der neue Ministerpräsident vor allem König Konstantin treu ergeben sei. Er werde zweifellos der Politik des Königs folgen und von Gunaris, Zaimtzi» uno S k u l u d i s unterstützt werden.
