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Verlag Langgaffe 21
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Donnerstag, 21 . September 1916 . lI? 0 rgeN-KU§g(lb^. Nr. 453 . . 64 . Jahrgang.
hindenburg zur Krfegsar
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' « Oer Krieg gegen Nutzland.
IkI Die Kämpfe an der Front des Generals
* Grafen v. Bothmer
Dir nordischen Reiche.
O Berlin, 19. September.
Ein Mitglied des Reichsbankdirektoriums trat am Montag den an der Börse verbreiteten beunruhigenden Gerüchten über unsere Beziehungen zu Dänemark mit der Versicherung entgegen, daß es sich um böswillige Ausstreuungen englischer Agen- t e n handle, daß unsere Beziehungen zu Dänemark nach wie vor freundschaftlich 'seien, und daß nicht der leiseste Anlaß zu der Vermutung einer Änderung in absehbarer Zeit vorliege. Für viele wird diese an der Berliner Börse erfolgte Aufklärung und Beruhigung eine Überraschung sein, weil ste nichts davon gehört haben werden, daß über unser Verhältnis zu Dänemark irgendwo Besorgnisse bestanden haben oder bestehen. Tatsache ist indessen, daß derartige Gerüchte seit einiger Zeit von Mund zu Mund umgingen, und wenn es, wie geschehen, für nötig gehalten wurde, ihnen in so bemerkenswerter Weise entgegenzutreten, so weiß man, daß diese Ausstreuungen auf unsere Handelswelt nicht ohne Wirkung geblieben sind. Um so besser also, daß das Gespenst einer Verschlechterung der deutschdänischen Beziehungen verjagt worden ist. Wie aber konnten diese Gerüchte entstehen? Offenbar darum, weil in ihnen der v e r st ä r k t e und sehr e r n st zu nehmende Druck Englands auf die skandinavischen Staaten gewissermaßen vorschattiert wurde. Die nordischen Länder selber sind die Quelle der neuen Beunruhigung, die von jener Seite her über die Welt geht. Die Furcht lehrt dort scharf blicken, und so wird bereits das Schicksal der „G r ä z i s i e r u n g" an die Wand gemalt. Es wird die Sache der drei Berche sein, sich gegen die brutale, unter der gemeinsten Verletzung aller völkerrechtlichen Grundlagen stattfin- denden englischen Zumutungen erfolgreich zu wehre n. Wie das geschehen und ob es geschehen wird, darüber wag man nach manchen Erfahrungen, die wir haben Wochen müssen, kritisch denken, aber vielleicht erzwingt die ä u ß e r st e Not doch noch einen kräftigen k n t s ch I u ß, und auf den eben warten wir. Soviel ledoch wird man in den nordischen Hauptstädten wissen, daß auf englische Mäßigung, auf englische Achtung vor Mecht und Gesetz schlechterdings kein Verlaß sein wird. Wenn man sich in L o n d o n die M acht zur Gräzisie- knng Dänemarks oder der beiden anderen Staaten z u- t r a u t, wird man diele Macht auch ohne irgendwelche Jewissensbedenken anwenden. Desseil können wir und können unsere nordischen Nachbarn sicher sein. Gerüchte liehen oft sehr dunkle Wege. Die Vermutung, daß es zwischen uns und Dänemark weniger befriedigend als fuvor stehe, hatte, so wird man wohl sagen dürfen, Men Ursprung nicht in einer Änderung der in Kopenhagen eingenommenen Haltung, sondern in den däni
schen Sorgen um die Möglichkeit, sich gegen bedrohliche britische Ansprüche zu behaupten. Es handelte sich also bei uns um eine mißverständliche Auffassung, aber die Sache ist darum nicht leichter, eher ernster zu nehmen. Mit um so größerem Interesse haben wir die gegenwärtig stattfindende Konferenz in Christiania zu beobachten. Selbstverständlich werden die drei Staaten ihren bestimmten Willen zur Aufrechterhaltung der Neutralität ausdrücken, aber darauf konnte England ebenso selbstverständlich vorbereitst sein, und wenn nichts geschieht, dann wird eben nichts geschehen sein. Mit anderen Worten: England wird auf der Bahn der Erpressungen fortfahren, entweder feinen Willen durchzusetzen oder aber vor Machtmitteln, die es denn doch unterschätzt hatte, klug zurückweichen. Und nun konrmt alles darauf an, ob die nordischen Reiche diese Machtmittel werden aufbieten wollen und können. Wir müssen wiederholen, die Neutralität, die Norwegen ausübt, ist keine. Norwegen stellt den Engländern seine gewaltige Handelsflotte so gut wie bedingungslos zur Verfügung und läßt sich dafür von England eine geradezu klägliche Behandlung immer noch gefallen. Gerade Norwegen könnte Bedingungen stellen, die in London erfüllt werden müßten. Vielleicht rafft sich die norwegische Regierung unter den von Kopenhagen und Stockholm kommenden Einwirkungen noch zu einem kräftigen Entschluß auf, und insofern kann es in der Tat von Nutzen sein, daß in der mündlichen Aussprache der Minister der drei skandinavischen Staaten ein abgekürztes Verfahren vorteilhafter Einflußnahme auf den unsichersten dieser Staaten, auf Norwegen, statthaben soll. Es kommt jedem der drei Länder zugute, daß ihre Interessen schließlich doch übereinstimmen, daß sie also, ob sie wollen oder nicht, zur Gemeinsamkeit gezwungen sind, und daß sie, falls sie eine gemeinsame Richtuugslinie finden, eine ganz ansehnliche Macht darstellen können. Das gilt militärisch wie besonders wirtschaftspol i t i s ch. Die Verhältnisse liegen insofern günstiger als nicht bloß bei Griechenland, sondern auch bei den Niederlanden, weil die skandinavischen Staaten nach außen hin keine so schwachen Punkte auiweisen wie das geographisch völlig isolierte Griechenland und wie das kür seinen oft indischen Kolonial- besitz fürchtende Holland. Die Feinde können gegen die nordischen Reiche solche Druckmittel, wie gegen die genannten beiden Staaten, nicht anwenden, sie haben es ja auch den Niederlanden gegenüber, einstweilen wenigstens, beim Versuch bewenden lassen müssen, sie brauchen in Nordeuropa wahrlich keinen Erfolg zu haben, wenn die drei Regierungen einig find und ihre Selbständigkeit auch gegen noch stärkere Drohungen behaupten wollen. Und nun werden wir zuzusehen haben, ob sie das wirklich wollen .
(Bon unserem -um Ostheer entsandten Kriegsberichterstatter.)
Hauptquartier der Armee Erzherzog Karl, 18. .Sept.
Der Generalstabschef der österreichisch-ungarischen Thronfolger-Armeen, General . . . ., der an allen Fronten schon in hervorragenden und entscheidenden Stellen gewirkt hat, faßte in einer Unterredung, die er mir heute gewährte, sein Urteil über die Ereignisse an der Reihenfront südöstlich Lemberg bl- Siebenbürgen dahin zusammen, daß die Entwicklung, die zu einer engen Vermischung deutscher und österreichisch-ungarischer Truppen überall auf diesem ganzen Teil der Ostheere geführt habe, zu einem f e st e n und günstigen Abschluß gekommen sei, den auch r u s f i - scher Masseneinsah nicht entscheidend mehr umstoßen könne. Der Eintritt Rumäniens habe die Karpathenfront verlängert. selbstverständlich aber einen irgendwie entscheidenden Einfluß auf die Lage nördlich Siebenbürgens hat das vorschnelle Marschieren der rumänischen Divisionen nicht. Mit stolzer Freude erkannte der General das schnelle Einarbeiten der deutschen Truppen in dem für sie neuen und schwierigen Gebirgskrieg an. Man hatte erst gemeint, daß- sich die Leute, von denen viele zum erstenmal in ibrem Leben Berge, hohe, schneebedeckte Berge sahen, nicht leicht mit den Besonderheiten des Hochgebirgskriegs abfinden wurden. Sie haben sich bewährt, auch die ältesten Jahrgänge, die als A l p e n t r u p p e n ausgebildet wurden.
Da es sich in den Karpathen um eine nicht überall zusammenhängende Front handelt, werden an den einzelnen Mann besondere Anforderungen gestellt. Die Russen sammeln Stotzgruppen von 2 bis 3 Divisionen in den Tälern und greifen dann möglichst überraschend an. Die Zwischenfronten besetzen ste durch Postierungen ihrer Kosakentruppen, Kaukasische, Turek- und Don-Kosaken, Rsuri-Reiter aus Sibirien, abgehärtete Stämme versehen diesen Dienst. Der Kampf seht kaum aus, dem Stoß folgt der Gegenstoß. Irgendeinen Erfolg haben die Russen auch bei dem stärkeren Druck, mit dem sie ihre neue große Offensive hier begleiteten, nicht gehabt.
Eine entscheidendere Bedeutung hatten die neuen Angriffe gegen die Arme« Bothmer, die auf einer Front von etwa 25 Kilometer vorgestern sich verstärkten und gestern zu außerordentlicher Heftigkeit anschwollen. An der Front zwi- scheu Zlota-Lipa südwestlich Brgezany und Narajowka griffen nach starker Artillerievorbereitung 12 russische Divisionen an. Auch der gestern erfolgte Einsatz eines frischen, ausgeruhten und aufgefüllten sibirischen Korps konnte die Linie nicht erschüttern. Türkische, österreichisch-ungarische, preußische und sächsische Regimenter gleichen fast jeden örtlichen russischen Erfolg durch Gegenstöße aus; so daß die am 8. bezogene Rarajowka-Front den heißen Kampftag siegreich bestand. An 3500 Gefangene blieben aus den Kämpfen, westlich Slanenöyen vor allem, in der Hand der siegreichen Verbündeten. Die russischen Verluste in diesen Septemberkümpfen werden auf 4 0- bis 60000 Mann geschäht.
Rolf. Brandt, Kriegsberichterstatter.
Rußland zieht den Jahrgang ISIS ein!
Sr. Stockholm, 20. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Blu.) Wie die Zeitung „Kiewskaja Mysl" mitteilt, erhielten die Gouvernemcntsbehördein Weisung zur Aufstellung der Stammrolle des Jahrgangs 1919; da dessen Einziehung zur Jahreswende beabsichtigt sei.
Skandalöse Getreidespekulationen der russischen Heeresverwaltung.
Der stellvertretende Ackerbauminister als Ankläger.
(Von unserem L.-Sonderberichterstatter.)
8. Stockholm, 20. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.s Der lärmend verlaufene Kongreß für die russische Armeeversorgung endete mit einem Skandal. Der Vertreter des Ackerbauministers, Glinka, erklärte im Auftrag seines Ressorts, daß die von den Delegierten zur Heeresversorgung geforderten 100 Millionen Pud Getreide im Lande nicht aufzubringen seien. Das Volk selbst müsse zugrunde gehen, wenn solche Getreidemengen abgegeben würden. Einer zuverlässigen Stelle verdanke ich Nachrichten über Einzelheiten dieses Kongresses, dessen Verlauf ziemlich beispiellos dasteht. Glinka warf der Heeresverwaltung vor, sie gebrauche das R e q u i s i t i o n s r e ch t zu den größten Spekulationen. Gut 40 Prozent des übernommenen Getreides werde niemals zu Soldatenbrot ausgebacken, sondern wandere in die Pfandfpeicher der Banken. Diese Vorräte tauchen dann später unter dem Schutze des Militärs irgendwie auf, wenn die Preise eine sinnlose Höhe er- reicht haben. Die Zurückhaltung von Korn im gegenwärtigen Umsang wäre unmöglich, wenn sie nicht von den lomnian- dierenden Generalen unter dem Schutze militärischer Vollmachten vorgenommen würden. Die Rede Glinkas verursachte großen Lärm. Der Ackerbauminister Graf Bobrinski verließ fluchtartig die Versammlung. Die Delegierten der Heeresverwaltung weigerten sich, mit Glinka weiter zu verhandeln. Durch Vermittlung des Generalftabs wurde außerdem an Allerhöchster Stelle eine Beschwerde eiugereicht, welche
