= Bunte Welt. =
aus der ttriegszeit.
Die Frauenmoral in der französischen Heeresleitung. Anläßlich der wieder verschärften Bestimmungen über dm Besuche von Familienangehörigen der französischen Soldaten »m cifiziellen Truppengsbiet berichtet „L'Oeuvre' über die merkwürdige Morast deren sich die zuständigen Behörden gAen- über den Besuchen von Kriegerfrauen befleißigen. Das Blatt stellt nämlich fest, daß die Schärfen der Verordnungen sich erstaunlicherweise nur gegen die legitimen Ehefrauen richten, während den illegitimen Frauen mit grohtem Entgegenkommen zahlreiche Erleichterungen gestattet werden. Zum Beleg sind drei kleine, völlig auf Wahrheit beruhende Geschlcht- ck-en wiedergegeben. Ein Offizier, der hinter einem Ruhelager auf und ab ging, um mit Argusaugen darauf zu amten, ob Frauen sich mit Besuchserlaubnissen näherten, erblickte einen Soldaten in Begleitung eines weiblichen Wesens. Mit stren. per Stimme rief er den Missetäter herbei, um ihn schreiend zu fragen, wer diese Frau sei. „Es ist eine Freundin', er- widerte der Soldat, „ich habe sie erst vor kurzer Zeit kennen gelernt." „Gut", sagte der grimnüge Offizier besänftigend, .der Durchlaß ist gestattet." Eine andere Szene: „Sag mal, mein Sohn, wer ist diese Frau, die dich begleitet? »Es ist meine Gattin, die Mutter meiner Kinder." „So? Was mutz ich hören? Du wirst sie augenblicklich zurücksenden, und dann marschierst du auf acht Tage in Arrest. Hast du denn nicht die Verordnungen gelesen? Ehefrauen sind im über-
flüssig!" Schließlich wird noch von einer Dame berichtet, die an die Front reiste, um ihren Mann zu sehen. Sie begegnete einem gutmütigen Feldgendarm, d-er ihre Papiere untersuchte und in Ordnung befand. Dann aber, als sie die Hand nach den Papieren ausstreckte, erblickte der Gendarm ihren Ehering und rief sofort aus: „Wollen Sie augenblicklich den Ring ansziehen. Sie Unglückselige? Sonst wird es Ihnen niemals gelingen, durch die Sperre zu kommen! - - -
Der Reffe des Papstes — „unbekannt". Der Neffe des Papstes, Giuseppe della Chiesa, ging bereits in den ersten Tagen des italienischen Krieges in das Nlpengebiet hinaus, und da er bisher nur einen einzigen kurzen Urlaub hatte, wollte der Papst sich mit ihm wenigstens brieflich verständigen. In der, wie sich nachträglich herausstellte, irrigen Meinung, daß der Name seines Neffen wohl bekannt genug wäre, adressierte der Papst, der sich nicht auf die Geheimnisse der Feldpost verstand, ganz einfach: „Herrn Giuseppe della Chiesa. Unterleutnant der Artillerie." Nun begann das päpstliche Handschreiben eine Irrfahrt von Stadt zu Stadt bis an die Grenze, um dann nach einem halben Jahre an den Papst zurückgesandt zu werden mit dem nichts weniger als ehrfurchtsvollen kurzen Vermerk: „Adressat unbekannt." Es dürfte dies wohl der erste Fall sein, daß ein päpstliches Schreiben aus diese Weise ungeöffnet zum Heiligen Stuhl zuruckkehrte.
Das wasserarme Montenegro. Es ist bekannt, daß der westliche Teil Montenegros, wie die Herzegowina, außerordentlich wasserarm ist. Es hat dies seine Ursache darin, daß das felsige Gebirge ganz verkarstet ist, und daß d'e sich durch Niederschläge bildenden Gewässer in Rinnen, Hohlen und Kanälen verschwinden, die in der wilden Zerklüftung des Gebirges sehr häufig gar nicht sichtbar, meistens aber in ihrem vielgowundenen Lauf auch nicht zu verfolgen sind. Man nahm von jeher an, daß alle diese Wässer, deren Sammlung für die Fruchtbarkeit des Landes und für Menschen und Bich so überaus wichtig wäre, was sich aber bisher als gänzlich unmöglich erwies, ihren unterirdischen Ausgang nach dem Adriatischen Meer nehmen, und die Forschungen, welche von Zeit zu Zeit darüber angestellt wurden, bestätigen auch diese Annahme, ohne daß aber an den bestehenden Verhältnissen dadurch etwas geändert werden konnte. Man mußte sich, nach wie vor damit begnügen, Wasser in Zisternen aufzufangen, die aber das WasserbeMfnis stets nur in notdürftigster Weise befriedigen konnten. Jetzt ist man nun in dem von den österreichisch-ungarischen Truppen besetzten Montenegro auf Anordnung der K. und K. Militärverwaltung dazu geschritten, in den wasserärmsten Gegenden die dort vorhandenen Hohlen zu durchforschen, um sich über die Ableitung des Wassers in denselben näher zu unterrichten. Eine große Anzahl Hohlen in dem Gebiet von Njegusch ist bereits durchforscht worden, und hierbei hat man, so schreibt uns ei» Mitarbeiter, eine
Schachthöhle entdeckt, die es gestattete, allerdings unter Beschwernissen aller Arst bis zu 340 Meter Höhe unter das Ein. steigniveau vorzudringen. Man konnte hierbei feststcllen, wt« die Entwässerung des Gebiets erfolgt. Zusehends sammelt sich das atmosphärische Wasser zu einem immer stärkeren Ge- rinne, das in Kaskaden über die zahlreichen, oft bi« 40 Meter und darüber tiefen Steilwände hinabstürzt. Auf dem tiefsten erreichten Punkt wurde ein 9 Meter breiter und 8 Meter tiefer See mit einer Temperatur von Minus 9 Grad Celstu» festgestellt. Dahinter lag, unter einem unter dem Wasser, spiegel beftndlichen Felstor ein zweiter, wassererfüllter Raum, dessen Inhalt trotz des Zuflusses. der nach sechs regenlosen Wochen noch über ein Sekundenliter betrug, m unbeweglicher Ruhe verharrte. Jedenfalls hat von diesem Raum aus da, Wasser einen weiteren Abzugskanal. Es will nun eine Klagenfurter Firma eine Pumpanlage bauen, um aus dem gefundenen unterirdischen See das Wasser in die Höhe zu leiten.
Der Plan ist bereits fix und fertig ausgearbeitet, und Kostenanschlag weist eine überraschend niedrige Summe aus. Man wird also demnächst den ersten praktischen Versuch m,1 der Hebung der im Karstgebirge vorhandenen unterirdischen Wassergerinne machen. In dem vorliegenden Fall ist m,1 einem selbst in der trockensten Jahreszeit sicher zu erwarten- den Tagesquantum von über 40 Kubikmeter zu rechnen. w»- mit die ganze Njeguscher Gegend bald ein ganz anderes Aus- sehen erhalten wird. Gegenwärtig ist man in dem Becken von Cettinje daran, die dort befindlichen Hohlen in ähnlicher Weise zu durchforschen, wobei bestimmt auf ähnliche günstige Ergebnisse zu rechnen fein'wird wie in dem Gebiet von Njegusch. . lZens. Bln.)
Das verkaufte Diinisch-Westindien. Der Ankauf der dänischen Besihiingen im Westindischen Meer durch d,e Ver- einigten Staaten erinnert an die phantastischen Kolonial- pläne des Präsidenten Lincoln, der die Monroe-Doktrin „Amerika den Amerikanern" auf richtige Draufgangerart da- durch lösen wollte, daß er alle fremden Kolonien ihren Be- sitzern abkaufte —. was sich freilich bald unausfuhrbare Utopie erweisen mußte. Be, dem fetzigen Ankauf haiidelt es sich bekanntlich um die kleinen Inseln «t. Thomas, St. ürmx und St John, die als bedeutende Zuckerrohrproduzenten einen hohen wirtschaftlichen Wert besitzen. Der Plantagenbau könnte noch vi-l intensiver sein, wenn zuverlässige Ar- Veitskräfte vorhaniM wären. Aber der „freie Neger ist ein äußerst unsicheres Element, das ständig zu Revolten nergt und bei irgend einem heimatlichen Kotzenfeste, des süßen Zuckerrohrweines voll, einfach die Plantage niederbrennt, wie es oft genug vorkommt. So bilden sich Rauberbanden, die in den gebirgigen Teilen der vulkanischen Eilande Hausen und der Schrecken der wenigen weihen Bescher sind. Eine noch größere Kalamität aber bilden die Schlangen, denen bei der Zuckerrohrernte zahllose Arbeiter zum Opfer fallen. Es st die äußerst giftige Lanzenschlange, deren Vorkommen nur auf diese Jn>eln beschränkt ist. wo sie trotz aller Muhen nicht auszurotten ist. Man hat aus Afrika den „Sekretär oder Schlangentöter eingeführt, einen kranichartigen Vogel, der mit Leidenschaft jede Schlange tötet— es nutzte ebenso wenig wie der Import von Mungos aus Indien, wieselartigen Der- chen, die als gefeit gegen Schlangengift gelten und erpichter auf die Schlangenjagd sind als der schärfste Ratte,ipinscher auf die Nattenjagd. Die Mungos fraßen zuerst d,e Eier der Sekretäre auf, so daß diese allmählich ausüarben, vermehrten sich ungeheuer und wurden die lästigsten Räuber ,n Hau» und Hof, so daß man richtig aus dem Regen ,n die Traufe ge, kommen war. Ehe diese furchtbare Landplage nicht beseitigt ist, bleibt eine volle Ausnutzung des unendlich fruchtbaren Bodens unmöglich. Geschichtlich sind die Inseln interessant als einstige Schlupfwinkel der „Bukkamere , fener organr. fierten Seeräubergesellschaften des 17. und 18. Jahrhunderts, die wie eine richtige kriegführende Macht oft genug „idi, Kämpfe der Engländer, Franzosen und Spanier e,„griffen« Einer dieser „roten Freibeuter" brachte es sogar zum eng. fischen Baronet. Das war der Bukkainer S,r Henry Morgan, der 1740 in hohen Ehren auf seinen, Landsitz Longsworth in Schottland starb. Er soll ein illegitimer Sohn der Howards der Herzöge von Norfolk, gewesen sein, und seine Lebenser- innerungen bilden ein Buch spannendster seeromantlk au^ iener wilden Zeit. Heute werden wohl bald gewaltige Forti? mit Riesengeschützen auf den Inseln von dem Ausbruch enM neuen Weltenstunde für Mittel-Amerika reden
