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Nr. 218.

Der Roman.

Morgen-Veilage der Wiesbadener Tagblatts. »>

Sonntag» 17. September.

191b.

(88. Fortsetzung.)

Die gute, alte Riedel hatte schon den schönsten Roman mit einem Ahnenschloß und einem gräflichen Schwiegersohn fertig gehabt und auf dem Rotköpfchen ihrer Tochter eine neunzackige Krone funkeln sehen, aber dann war die Geschichte in eine falsche Bahn ge-

/±H. ÖU ^ ,e Tochter auf die Schwiegertochter höchst fatal!

.. Das wisperten und lächelten die Boshaften, jene, die überall ein Häkchen finden, an dem sie ihre Schaden- fteude und den geistvollen Spott aufhängen können. Die anderen, die mit wirklich freundschaftlichem Herzen die Sorgen und Schmerzen der Familie Riedel mitfühl- ten, wußten all die bösen Dinge Wohl auch, aber sie sprachen weniger darüber, und wenn sie es doch taten, so sprachen sie anders gefärbt, mit aufrichtigem Be­dauern und mit Trauer.

All das, was jetzt jedermann wußte und sich erzählte, war erst nach dem Tode Eugens unter die Leute ge- kommen, direkt mit dem erschütternden Trauerfall auf- geschossen, wie Pilze nach dem Regen. Auf einmal kam das alles zusammen, auf einmal reihte es sich anein- ander und wuchs eins aus dem anderen. Und was man nicht genau wußte, das kombinierte und fabulierte man Die romanhaften Schicksale der Familie Riedel wurden un Munde der Leute immer romanhafter, so daß Frau Minchen wenn sie als Unbeteiligte davon gehört hätte sicher zufrieden gewesen wäre, freilich bis auf den einen bösen Punkt, der auch dann nicht in ihr Pro- gramm gepaßt hätte, daß das Paar, das sich kriegen sollte, sich nicht kriegte.

® e ~ e a n W. manchmal ein recht inkorrekter Schriftsteller. , Es laßt die besten Chancen vorüber- gehen, wirrt m tollem Übermut die sauberst geordneten Faden, an denen es seine Helden tanzen läßt, kraus durcheinander und kümmert sich nicht eine Spur um den Beifall und die Zufriedenheit seines Publikums dieses beneidenswerte, souveräne Leben!

^ ?ber das Molitter Herrenhaus zog es nach dem

ä?*^ Urn ^ en l 8 tn d-e. dortigen Verhältnisse ge­bracht hatte, still und ereignislos, hin. Von all dem, was die Leute da draußen iiber sie redeten, wußten die drei da drrnnen nichts. Bei ihnen war nach dem ersten verzweifelten Schmerz em stiller Frieden eingezogen und em großes Bemühen, sich gegenseitig Liebes zu er-

und sich fest aneinander zu schließen. Die bei­den Eheleute hatten sich wieder ganz so zusammen­gefunden wie in den ersten Jahren ihrer Ehe. Alles, was eine Zertlang zwischen ihnen gestanden, war wesen­los hingeschwunden, Herz schlug wieder an Herz, Hand

m Hand und reumütig trat Frau Minchen wie einst zeichnete ^tapfen, die ihr Fritz sicher, ruhig und kräftig

Für ihn war der große Sturm als Segner gekom- S VL ^ Qt , te ^schüttelt bis in die Wurzeln hinein, alles Ungesunde und Wirre von ihm abgestreist und von den wahngeblendeten Augen den Staub abgeblasen

§rau Minchenr Narretei.

Humoristischer Roman von Küte van Beeker.

(Nachdruck verboten.)

Nun stand er wieder fest und klaräugig da, sah statt eingebildeter Schäden die wirklichen und ging mutig daran, diese auszubessern. B

(£§ war viel gut zu machen. Die tolle Wirtschaft

Wirtet £ Cfeten S°bres hatte die solide, sparsame Wlrt^aft langer ^ahre arg geschädigt. Abgesehen von den Summen, die sein Minchen in ihrer blinden Angst

jSri&EPn? 1 sW o )attc ' h or durch das verschwen- das seit Ludovlkas Eintritt in ihr Haus dort Platz gegriffen hatte, viel verbraucht worden und M ^ jedesmal wenn er daran dachte, stöhnte

Fritz Riedel leuevoll auf die Summen, die er in seiner sinnlosen Verwirrung und die größeren und M^Eren. die Eugen in seiner geschäftlichen Unkennt- nis und seinem blinden Leichtsinn vergeudet hatte.

hk JE? H ^hinter sein und tüchtig arbeiten. Fritz Riedel reifte sich auf. Oho, damit wurde er schon Erstens konnte Amtmann Rothahns Schwie- einen tüchtigen Puff vertragen, ehe sein rhn empfrndlrch merkte, und zweitens lvar

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und fern Goldfasan als Dritte im Bunde! Dem Himmel stOnk. lhnen war ia noch ein Kind geblieben, ein stolzes, o? r hoffnungsvolles, dem sie eine schöne und reiche Zukunft bereiten konnten.

Sein Minchen seufzte zwar und bekam feuchte Augen, wenn er davon sprach, und behauptete, daß Fees Herz aus unheilbarer Wunde blute, aber ihm wollte Es nicht rn den Sinn., Das war wohl nur noch ein Nachklang alter Romamdeen bei seiner guten Alten. Die Fee vernarrte sich nicht mir nichts, dir nichts in den ersten niederträchtigen Windhund, der ihr unter -Dre hatte ein stolzes, keusches Herz, eins, das sie nicht ,n den Schmutz warf.

Ja, er entsann sich noch ganz wobl jenes Gespräches 2 U nJ» tn l? 1 Goldfasan. Wenn sie damals auch noch ein halbes Kind war aber das richtige Gefühl hatte sie schon damals, und darauf verlief er sich.

Sie kam ihm jetzt zwar auch manchmal ein bißchen verändert vor, viel ernster und nachdenklicher, gereifter und tiefer blickend, aber das war kein Wunder nach dem E? ^I^rme Kmd eben erlebt hatte. So viel Schmutz und Schändlichkeit konnte wohl den hellsten Blick trü- ben. Aber^zugend hat starken, elastischen Sinn, toenn öer sich auch einmal einen Fuß verstaucht und ein Weuchen hinkt, lange dauert's nichk, da springt er schon wieder über Hecken und Zäune, über die die alten, steifen Beine der langsährigen Sorgen und bösen Er- fahrungen nicht, mehr hinüberkommen. r . Riedels gesunde Alltaqsweisheit und

sie bewahrte sich am gesunden Sinne seines Kindes Fee war wirklich eine Zeitlang verstört und aus allen Fugen gerissen emhergeqanaen. In dem schreck-