Der Roman.
( Eigzzfä i Morgen-Veilags des Wiesbadener TaMaüs.
M
lylb.
(36. Fortsetzung.)
«rau Minchens Narretei.
Humoristischer Roman von Küte van Beeker
(Nachdruck verboten.1
Der Graf hatte Lndovikas Arme unsanft von seinem Hals gelöst und wollte sie von sich schieben. „Latz
" "^Aber sie klammerte sich mit wilder Leidenschaft
mi JKein, ich gehöre zu dir! Es ist mir alles ganz gleichgültig, alles! Latz es ne doch wissen! Was geht es uns an? Ich lasse dich nicht! ....
Er bitz die Zähne zusammen. So, grauenhaft lacher lich hereinzufallen! Abgefangen wie em verliebter Tertianer, fast von einer Mädchenhand gezüchtigt Und was machte man nun mit dem Mann, mit diesem traurigen reglosen Subjekt, das Nicht einmal, so viel Nerv und Blut in Ilch Wie, - di- «itmtion m -m-
einiaemwfen Mreemafe Sonn -n so ellvas passieren mutzte! — An all das, was dalli nie i lag, mochte er gar nicht denken, es war auchneme günstige Zeit dazu, aber wenigstens momentan mutzte doch etwas geschehen. Es war ja direkt kompromittierend und lächerlich, datz der Waschlappenkeil sich nicht ein-
Laß^mich!" sagte er noch einmal rauh. „Ich mutz
"mit" deinem Mann sprechen."
Pah, was willst du dem sagen? lachte sie höhnisch auf. „Er sieht ja,' datz ich ihm treulos wurde, wir sind
ferttö^"
Blitzschnell lieh sie ihn los und trat auf Eugen zu.
„Ich habe dich nie geliebt , sagte sie hart, „^ch wußte überhaupt bis jetzt nicht, was Liebe M nicht eher als bis ich ihn fand. Ach, ich liebe ihn, liebe ihn so, datz ich Leben, Seligkeit, Ehre imd Stellung für ihn
In wilder Ekstase stieß ne das alles hervor Die große Leidenschaft, an die sie nie geglaubt war über sie gekommen und die Schwingen, die sw hlnaiwtrugen über alles, was sonst ihren kleinlichen Weiberpnii bewegte und fesselte, wuchsen ihr darrn und hoben sie fort über jede Überlegung und jede Rücksicht.
Eugen duckte sich unter ihren Worten wie ^ unter Peitschenhieben. Er sank ganz in sich zusammen, huflos und ohne sich von der Stelle zu bewegen, ohne eine Ent- gegnung zu finden, sah er sie nur immer an mit dem Blick eines Besinnungslosen, groß, starr und trostlos.
Sie. deckte die Hand über die Augen, ihr graute vor diesem stumpf verzweifelten Blick uno zugleich haßte und verachtete sie diesen Schwächling, der nicht so viel Kraft in sich hatte, daß er sie oder ihren Gelieb- ten zur Rede stellte, gegen sie die Hand hob, nn Zorn aufloderte und sein starkes, hartes, Mannerrecht gebrauchte. Und an diesen Mann, dieses Jammerbild eines Mannes war sie gefesselt gewesen, hatte sich brn- den und ein sonnenloses Leben in dieser ländlichen Einöde tragen sollen! Nein und tausendmal nein! Sie hatte ja nicht gewußt, was sie tat, _ als sie m ihrem philisterhaften Hang für Bequemlichksit und wohlgeordnete Verhältnisse sich in diesen Sumpf, neben mel cn ekelhaften Frosch verkroch! Haha. Die echte Bieber-
mannsche Natur ließ sich nicht knechten und betrugen, sie brach sieghaft durch wie Feuerflammen und Sturmes, wehen und riß sie mit sich fort über alle felge Alltags- moral zum Himmel, oder zur Hölle, wie es kam, ihr war jetzt alles gleich! , r ,
„Ich iväre nie bei dir geblieben", fuhr sie leidenschaft- lich fort, gegen Eugen gewendet. „Auch wenn ich 'hn nicht gefunden hätte, wäre ich von dir gegangen, bald, sehr bald! Du warst mir zuwider vom ersten Augen- blicke an, da ich deine Frau wurde. Und wenn du mich mit goldenen Ketten binden wolltest, ich lasse nrich nicht halten, denn ich hasse dich! Ich hasse dich!"
Er schauderte zusammen und stöhnte aus, dann wandte er sich langsam und wankte dem Ausgang der
War das eine scheußliche Situation! So etwas hatte Graf Schmiesing wahrhaftig noch nie erlebt. Der Kerl forderte nicht einmal Satisfaktion von ihm! Geradezu lächerlich und jammervoll war die ganze Geschichte! Donnerwetter, das konnte er einfach nicht dulden. Wie eine Null durfte er sich nicht behandeln lassen, er wußte, . was sich gehörte. Ludovika rücksichtslos beiseite schiebend war er mit zwei Schritten hinter dem sich vor- wärts Tastenden her.
„Herr Riedel, ich stehe vollkommen zu ^hrer Ver- fügung. Ähre Sekundanten finden mich reden Augen-
X Straf? und hoch richtete sich Eugen auf. In seine verzerrten Züge trat ein Ausdruck von Ekel und Ver-
achtimg^urke!« f agte eL - furz und hart, wandte sich und ging nun rasch und ohne Umsehen dem Hauic zu.
Graf Schmiesing biß die Zähne zusammen, dunkle Glut lief über sein Gesicht und unwillkürlich fuhr seine Hand nach der Stelle, wo sonst fein Säbel hing. Tot- stechen den Kerl, — totstechen, gleich!
Verflucht, daß er in Zivil war, verflucht die ganze scheußliche Geschichte! Sein Gesicht sah wie ein Gewitterhimmel aus. als er es der ihm nochgesturzten jungen Frau zuwündte. „Was nun?" .
Sie warf sich an seine Brust. „Nun bin ich dein! Nun ist nichts mehr zwischen uns! Nun Hort alle
Heimlichkeit auf!" _. , ~
Er lachte kurz und höhnisch aus. Eine g>-vße Er- nüchterung imd ein wütender Zorn war tn ihm. „Erst wollen wir einmal abwarten, -wie diese angenehme Affäre sich mit deinem tatkräftigen Herrn Gemahl ab- wickelt. Du wirst klug tun, dich vorläufig gonz still
* U ^Niemals! Du denkst doch nicht, daß ich noch eine Sekunde hierbleibe? Ich will mit all dem nichts mehr zu tun haben. Ich packe meine Sachen und gehe mit nach
Das wollte ich mir dringend verbeten haben", brauste er zornig aus. „Ich habe jetzt weder Zeit noch Laune
für dich." ...
.Emma, du liebst Mi« miM!
