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Zreitag, 15. September 1916.
Morgen-ausgabe.
Nr. 442. ♦ 64. Jahrgang.
Abweisung rumänischer Angriffe bei Nagq Szeben.
Russische Stürme in den Karpathen brechen I | sich an tapferem Widerstand.
Säuberung des Forameo-PebieteS von den Italienern.
, Ein feindliches Fluazenggeschwader über Triest.
Kfterrer'chisch-ungarischer Tagesbericht»
k W. T.-B. Wien, 14. Sept. (Drahtbericht.) Amtlich «erlautet vom 14. September, mittags:
Lsrlicher Kriegsschauplatz.
Front gegen Rumänien, n Mehrere feindliche Angriffe westlich und östlich von , Nagy Szeben wurden abgewiescn. An den übrigen Frontteilen keine Ereignisse, s Heeresfront des Generals der Ravallerie Erzherzog Rarl.
In den Karpathen wird abermals heftig gesümpft, nach ausgiebiger Artillerievorbereitung, die sich zum Trommelfeuer steigerte, stürmte der Feind liegen unsere Stellungen auf dem S m o t r e e, der kudowa und dem Cap ul und wurde blutig atzte w i e s e n. Im Cibotale ist der Kampf noch im s8an ge.
Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern.
Die Lage ist unverändert.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Das feindliche Geschützfeuer gegen die K a r st h o ch- lache gewann zusehends an Stärke.
An Tirol setzten unsere Truppen die Säuberung des Forameogebietes fort, nahmen bei Eroberung einer Höhenstellung 44 Alpini, darunter 2 Offiziere, gefangen und erbeuteten 1 Maschinengewehr, sowie namhafte Vorräte. Unsere Stellungen auf dem Fassen«- Kamm stehen unter anhaltendem Artilleriefeuer. Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Keine Ereignisse.
Der Stellvertreter des Chefs des Genrralstabs: v.. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.
Ereignisse zur See.
Am 13. September, nachmittags, hat ein feind- iches Flugzeuggeschwader, bestehend aus 8 Capronis unter Bedeckung von drei Abwehrflug- imgen, einen Angriff gegen Triest unternommen. Zur Unterstützung hielten sich im Golfe sechs ländliche Torpedoboote und 2 Motorboote auf. Es wurden zahlreiche Bomben abgeworfen, jedoch nur sehr «eringfügiger Sachschaden und gar kein militari- chcr angerichtet. Soweit bekannt, wurde ein Mann lncht verletzt. Linienschiffsleutnant Bansield zwang im «ftkampf ein feindliches Abwehrflugzeug zum Nieder- dehen und Rückzug hinter die feindlichen Linien. Eigene Flugzeuge und Äbwehrbatterien erzielten Treffer J itf feindliche Torpedobooten.
3u gleicher Zeit erschien ein feindlches Flugzeug- Schwader über Parenzo und warf zirka 20 Bomben ab. «ußer der Zerstörung einer Feldhütte wurde kein Schaden angerichtet.
Flottenkommando.
Die welternte und der Arirg.
Während Deutschland in Brotgetreide eine „ Ute Mitte lernte, in Hafer, Gerste und Heu eine « ü?E^^ 2 eichnete Ernte hat, ist nahezu in allen . Addern der Ertrag hinter dem Durchschnitt zu rückst blieben. In Rußland sind bis zu 40 Prozent F Felder unbestellt geblieben, England scheint pter einer völligen Mißernte zu leiden, in Frankreich W Bestellung und Ertrag gleicherweise mangelhaft geilen. Amerika, Kanada und A u st r a l i e n wer- ßU sehr viel weniger als im vorigen Jahre ergeben, in Maüa rechnet man mit 40 Prozent weniger als im Mre 1915, in den Vereinigten Staaten mit einer Ab
Dwe von 31 Prozent für Winterweizen und von 44 kAent für Sommerweizen. Die Gerstenernte wird in k°.en Ländern um 24 Prozent hinter der vorjährigen Wuckbleiben, auch die Haferernte wird wesentlich ge-
t ^uger s^n. Diese Zahlen entnehmen wir dem Lon- "Economist", der sich seinerseits aus die Ver- Mlichungen des Internationalen Landwirtschast- n Instituts in Rom stützt. Die Getreidepreise stehen ichon in Amerika bedeutend über den unsrigen, England find sie jetzt schon um ein beträchlliches
höher. Die Amerikaner erklären, daß sie nicht viel an Europa werden abgeben können, die englischen Sorgen wegen der Getreidebeschaffung lassen sich also bestens begreifen. Was mit einem verschärften Unterseebootskrieg hätte erreicht werden können, das stellt sich hiernach ohne unser Zutun infolge der geringeren Ernteerträge in den von Großbritannien benutzten Produktionsländern ein. Darauf sollen weiter keine politischen Schlüsse in der Frage des Unterseebootskrieges selber gezogen werden, nur die Tatsache sei eindringlich hervorgehoben.
Trotzdem, und hierauf hauptsächlich koinmt es uns an, werden weder die Engländer, noch die Franzosen, noch die Italiener, noch auch die Russen verhungern. Wir können ruhig z u g e b e n, daß in keinem feindlichen Land, allenfalls vielleicht in Rußland, die Ernährungsschwierigkeiten größer sind als bei uns. Dabei aber ist uns nichts gewisser, als daß diese Schwierigkeiten, mit denen w i r uns abzufinden haben und wirklich abfinden, weder unserer Volksgesundheit Schaden zufügen noch unseren Willen zur siegreichen Durchführung des Krieges schwächen werden. Wir dürfen guten Mutes darauf vertrauen, daß uns kein Hungerfriede aufgezwungen werden kann. Dies wissen wir und deshalb sind wir auch davor bewahrt, trügerische Erwartungen auf ein Mattwerden der Feinde bloß aus dem Grunde zu setzen, daß sie ihren Lebensnftttelbedarf teurer als sonst bezahlen oder ihre Vorräte ebenso und vielleicht noch inehr als wir strecken müssen. Sie werden das tun, wie sie es zum Teil schon bisher getan haben, und auch ihr Entschluß zur Fortsetzung des ungeheuren Ringens wird in Kraft bleiben. Der Unterschied zwischen ihnen und uns ist nur der, daß sie glaubten, vielleicht immer noch glauben, wir könnten ausgehungert werden, während wir uns von solchen Illusionen fteihalten. Das brauchen wir-nicht gerade auf die Rechnung einer überlegenen Nüchternheit und Objektivität zu setzen, vielmehr kommen wir zu dieser ruhig abwägenden Betrachtung aus unserer umfangreichen Erfahrung heraus, die wir am eigenen Leibe haben machen müssen und aus der wir denn also gelernt haben, daß das Hungergesvenst in diesem Kriege keine entscheidende Rolle spielen kann.
Selbstverständlich bedeutet es unendlich viel, daß wir mit unserer guten Ernte einen Vorsprung vor den Feinden bekommen haben, wir können nicht dankbar genug für diese Gunst des Schicksals sein, und wenn es umgekehrt geworden wäre, müßten wir es als ein großes Unglück empfinden, würden freilich auch dann unsere Zuversicht nicht verloren haben. Darüber jedoch wollen wir uns klar sein, daß dieser Krieg trotz der umstürzenden Wucht und Gewalt aller wirtschaftlichen Momente immer n u r durch die Waffen entschieden werden wird. Alles andere wirkt gewiß mit, aber den Ausschlag gibt es nicht. Wie die Feinde auf die Wirkungen der versuchten AushunWrung gebaut hatten, so war und ist bei uns, durchaus begreiflicherweise übrigens, die Meinung lebendig, daß die meisten Gegner, zuletzt wohl auch England, durch finanzielle Verblutung gelähmt werden könnten. Auch das ist nicht richtig. Man begreift ja schwer, wie das ausgepumpte Rußland noch die Mittel zur Kriegführung beschaffen kann, man weiß, daß Italien bankerott ist. man sieht sich die Riesenziffern der wachsenden Verschuldung aller unserer Feinde an, und man fragt sich, ob einer von ihnen dem Abgrunde noch entgehen kann, in den dies wahnsinnige Treiben hineinführen muß. Gleichwohl wird es und kann es so noch lange weiter gehen. Hat man einmal angefangen, so setzt sich dies Unheil automatisch fort. Nachher freilich wird die Sintflut kommen. Aber was sollen die Feinde machen? Hören sie jetzt aus, so kommt die Sintflut doch-, fahren sie fort wie bisher, so mögen sie glauben, sich retten zu können, wenn sie uns ertrinken lassen.
Dies werden sie nicht erleben; wir unsererseits wollen nicht anrechnen, daß Hunger oder Finanzschwierig- keiten dieFeinde zurNachgiebigkeit bringen werden. Nur eines wollen, dürfen und müssen wir annehmen, daß sie Weiterkämpfen werden. Und deshalb gibt es für uns nur ein Ziel: die Zerschmetterung der Entente auf den Schlachtfeldern. Zuweilen sieht es wohl so aus, als werde der Krieg nicht Mein durch das Schwert entschieden werden, dann aber ist es doch wieder. das Schwert allein, das die Entscheidung herbei- führrn kann.
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Die Fnttermittelkrisis in Frankreich.
W. T.-B. Bern, 14. Sept. Der „Matin" meldet: In ganz Südfrankrerch herrscht wegen der Beschlagnahme der Futtermittel sehr lebhafte Besorgnis. Viele Gemeinderäte erklären, sollten die Bauern wegen des Futtermittelmangels auf ihren Viehbestand, der bereits auf das Unentbehrlichste eingeschränkt worden sei, verzichten muffen, würde die landwirtschaftliche Produktion
für ganz Frankreich eine mißliche Verringerung erfahren. Wegen der Futtermittelkrise, die iinmer schroffer wird, haben bereits 16 Gemeinderäte ihre Ämter- niedergelegt.
Der Krieg gegen England.
Die Absperrung der Neutralen von den englische» Häfen.
Völlige Stockung des Post- und Telegraphenverkehrs.
Br. Rotterdam, 14. Sept. (Erg. Drahtbericht. Jens. Bln.) ^ie. jetzt von ver -englischen Gesand^jchaft im Haag amtlich bestätigte _ Schließung sämtlicher englischen Häfen für neutrale Schisse und die Stockung des Post- und Telegraphenverkehrs erregt hier das größte Aussehen. Es kommen nur wenige Depeschen aus Frankreich über England durch. Aber keine englischen Depeschen. Selbst die amtlichen englischen Meldungen über die Kriegsoperationen sind nicht herübergekommen. Man erinnert sich der Äußerung der „Nation" vom Samstag: „Das liegt nur am B a l - kan, wo große Dinge vorbereitet werden." Demzufolge laufen natürlich Gerüchte über beabsichtigte Landungen d e r E n g l ä n d c r a n d e r b e I g i s ch e n K ü st e um. Ungeachtet dieser Mutmaßungen kann aber bisher niemand den wirklichen Grund der jetzigen Maßnahmen angeben. Durch den Mangel an Telegrammen aus England und dem Umstand, daß der englische Droht auch die franMisischen und englischen amtlichen Kriegsberichte nicht durchläßt, ergibt sich jetzt für die holländische Presse der eigenartige Fall, daß der amtliche französische Kriegsbericht nicht von der Agence Havas, sondern durch das deutsche Wolsf- sche Telegraphenbureau übermittelt wird, und zwar in dem unveränderten Wortlaut der drahtlosen Mitteilunqen vom Eiffelturm.
Die englischen Postmarder.
W. T.-B. Kopenhagen. 14. Sept. (Drahtbericht.) Die Generalpostdirektion gibt bekannt: Die Brief- und Paketpost des dänischen Amerikadampfers „Heilig Olav , auf der Reise von New Aork nach Kopenhagen, wurde bei der Durchsuchung in Kirkwall beschlagnahmt.
Neue englische Pläne gegen U-Boots- . landungen in neutralen Häfen.
W. T.-B. Stockholm, 14. Sept. (Drahtbericht.) Der Londoner Korrespondent von „Stockholms Tidningen" berichtet über ein Interview, das ihm der englische Unterstaatssekretär de Bunsen gewährt hat. Bunsen zeigte dem Korrespondenten ein noch nicht veröffentlichtes Aktenstück, ein Memorandum über die Bestimmungen für ein U-Boot in neutralen Häfen, das die Regierungen der Alliierten vor kurzem den Regierungen der Neutralen zugestellt haben. Das Memorandum bezweckt, die Neutralen dazu zu ermahnen, wirkungsvolle Maßregeln zu treffen, um die U-Boote der Kriegführenden, in welcher Eigenschaft sie auch auftreteu. daran zu verhindern, neutrale Gewässer zu befahren und sich neutraler Häfen zu bedienen. Es wird vorgeschlagen, die U-Boote sollen bon den völkerrechtlichen Bestimmungen, die bisher für den Zutritt und den Aufenthalt von Kriegsschiffen und Handelsschiffen in neutralen Gewässern galten, aus geschlossen werden. Jedes U-Boot eines kriegsführenden Landes, das in einem neutralen Hasen eingedrungen ist, soll dort zurückgehalten werden. Die Regierungen der Alliierten sprechen bon der ernsten Gefahr, die angeblich fiir die neutralen U-Boote in den Gewässern entstehen, die von den U-Booten der Kriegführenden besucht werden. Der Korrespondent betont, daß diese Vorschläge alle auf die Fahrt des Handelsunterseebootes „Deutschland" zurückgehen dürften. Bekanntlich hat die schwedische Regierung bereits den kriegsführenden U-Booten das Befahren der schwedischen Gewässer verboten, betonte aber, daß dieses Verbot nur für solche U-Boote gälte, die zu Kriegszwecken dienten, nicht aber für Handelsunterseeboote.
Die griechische Kriffs.
Die Ergreifung der deutschen Freundeshand durch das vierte griechische Armeekorps.
Nr. Berlin, 14. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Die Offiziere des 4. griechischen Armeekorps, das, wie berichtet, sich in deutschen Schutz begeben hat, werden, wie die „Voss. Ztg." hört, von ihren Familien begleitet sein. Die Offiziere wollen dadurch verhüten, daß ihre Frauen und Kinder dank der Entente, v e r h u n g e r n. Diese Gefahr bestand in den Garnisonorten des 4. griechischen Armeekorps nicht nur für die Soldaten, sondern auch für deren Angehörige. Der Name des Generals, der an der Spitze des 4. griechischen Korps gegeirwärbg steht, ist noch nicht bekannt.
Eine Treukundgedung der Offiziere in Drama.
Berlin, 14. Sept. (Zens, Bln.) Als bezeichnend für die Stimmung in Griechenland wird in einer verspätet eingetroffenen Meldung der „Boffischen Zeitung" berichtet, daß auf das Gerücht hin, der König habe sich vor dem Enteute- drucke nach Larissa flüchten müffen, am 10. September in Dranm eine Versammlung abgehalten wurde, in deren Aer-
