Verlag Langgaffe 21
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mulag0^ü?di" M?rg'enÄusg.^bis"s lihr^nachmittag^ Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin W., Potsdamer Str.181 L. Feraspr.: Amt Lützow 8202 «. 6203. Tagen und"Plä"e» «r°W?«ewäb?Vn-2Lm
Donnerstag. 14. September 1916.
Morgen-klusgabe.
Nr. 440. » 64. Jahrgang.
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lleberall schwere russische Verluste bei dem Massenangriff in den Aarpathen.
Kampspanse zwischen Etsch und Astachthal.
Hfterreichisch-ungarischer Tagesbericht»
W. T.-B. Wien, 13. Sept. (Drahtbericht.) Amtlich verlautet vom 13. September, mittags:
östlicher Kriegsschauplatz.
Front gegen Rumänien.
Die Lage ist unverändert.
Heeresfront des Generals der Ravallerie Erzherzog Rar!.
Der vo« den Russen gegen unsere Äarpathenfrontj zwischen dem Smotrec (südwestlich Zabie) und der Goldenen Biftritz geführte einheitliche Massenangriff scheiterte an dem tapfere« Widerstand der Verteidiger unter für den Feind überaus schweren B e rl u st e n.
In Ostgalizien keine Ereignisse.
Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern.
Außer mäßigem Artillerie- und Minenwerferfener jnichts von Belang.
Italienischer Kriegsschauplatz.
An der Jsonzofront hält das feindliche Ar- tillcriefeuer an. Zwischen Etsch- und Astach-Tal ist ziemliche Ruhe eingetreten.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
An der Vojusa zeitweise lebhaftes Geplänkel.
Der Stellvertreter des Chefs des Genrralstabs: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.
Ereignisse zur See.
In der Nacht vom 12. zum 13. September hat ein Sceflugzeuggeschwader Bahnhofsanlagen und militärische Objekte von Zrenignano mit zahlreichen Bomben gut belegt. Zwei große Brände, eine heftige Explosion in einem Objekt und mehrere Volltreffer in den Bahnhofsanlagen wurden erzielt. Ein anderes Seeflugs- geschwadcr hat in der gleichen Nacht den Kriegshafen Venedig angegriffen. Es wurden Volltreffer schwerster Bomben im Arsenal, in den Docks, bei den Gasometern, im Fort Nabberone und in den Werftanlagen von Chioggia beobachtet; in Chioggia auch mehrere Brände. Beide Seeflugzeuggeschwader sind trotz heftigster Beschießung unversehrt zurückgekchrt.
Flottenkommando.
wir und die Engländer.
Wer deutsches und wer englisches Denken in seinem abgrundtiefen Gegensatz erkennen will, der vergleiche eine Rede des Königs Ludwig von Bayern, die dieser unlängst bei der Einweihung des neuen Justizgebäudes in Nürnberg gehalten hat, mit einem Aufsatz der angesehensten englischen Monatsschrift „National Review" Wer das Mindestmaß der britischen Friedensbedingungen. Eine lehrreichere Gegenüberstellung hat sich uns lange nicht geboten. Der König don Bayern sprach für einen Frieden, der uns eine bessere Stellung gibt, als wir sie bis jetzt hatten. „Nur" einen solchen Frieden wollen wir, nicht erniedrigt wollen wir werden. Man kann nicht milder und gerechter sprechen. Nichts von Überschwang ist in diesen Worten, keine Zerstörungslust schäumt über die Dämme der Besonnenheit. Gewiß, ein König drückt sich anders aus als eine Zeitschrift, aber auch wenn er die Worte vor-' sichtig wählt, läßt- sich bald herausfühlen, wie sie letzten Endes gemeint sind, wofern sie überhaupt etwas meinen sollten, was die gewählte Form gewissermaßen sprengt. Davon jedoch kann hier in Wahrheit keine Rede sein, sondern Maßhalten bleibt die Richtschnur für Denken und Wollen des bayerischen Herrschers, ein Maßhalten freilich, bei dem wir uns unbedingt das sichern wollen, was wir für Gegenwart und Zukunft unseres nationalen Bestandes brauchen. Und das wird selbstverständlich sehr viel mehr sein, als die Feinde uns zugestehen sollen. Aber wie bescheiden sind alle unsere, selbst die höchstgespannten Forderungen im Vergleich mit dem, v>as die erwähnte englische Zeitschrift als Mindestbedingung für die Geneigtheit zum Friedensschluß mit uns kundgibt! Wir weisen auf den Artikel der „National Review" nicht etwa darum hin, weil er Furcht ein- Kößen müßte, sondern eben nur, weil es von Zeit zu Zeit sehr gut ist, wieder einmal zu erfahren, welches (Schicksal uns drohen würde, wenn unser Haupt feind siegte. Zunächst also sollen unsere Kolonien unter den Mächten, die sie erobert haben,
aufgeteilt werden. Belgien soll nach O st e n einen allerdings nicht großen Gebietszuwachs erhalten, Aachen und sein Nachbargebiet eingeschlossen. Immerhin soll Aachen später an Deutschland zurückfallen, wenn wir die uns auferlegte Entschädigung rechtzeitig bezahlt haben. Luxemburg bekommt 200 Millionen Mark von uns ausbezahlt und wird in Belgien einverleibt. An Belgien haben wir 2 Milliarden Mark als Strafe wegen Vertragsbruchs und weitere 10 Milliarden Mark zum Ausgleich für die von uns verursachten Schäden zu zahlen. Entsprechende Entschädigungen sind an England, Frankreich und Rußland zu entrichten. Mit Elsaß-Lothringen kommen Trier und das Saartal an Frankreich. Die Provinz Posen und ein Teil West Preußens werden Russisch-Polen" einverleibt, das rechte Memelufer kommt an Rußland, das auch einen Zugang zu den masurischen Seen erhält. Unsere gesamte Kriegsflotte haben wir auszuliefern, ferner soviel Handelsschiffe, wie als Ausgleich für die der neutralen Schiffahrt ungesetzlich zugefügten Schäden nötig ist. Wir müssen entwaffnet werden, wir sollen kein Heer von mehr als etwa % Million Mann aufstellen dürfen. Kiel und der Kaiser-Wilhelm s- Kanal werden von internationalen Truppen besetzt. Einige neuzeitliche deutsche Paläste und das Generalstabsgebäude in Berlin, auch die große Kölner Rheinbrücke Wörden vernichtet. Die In d u st r i e- gebiete im Westen, die Pfalz, Schlesien, vielleicht auch Königsberg und Danzig, die Nord- seeinseln und die Elbmündung werden besetzt, bis Deutschland alle Verpflichtungen erfüllt hat. Auch muß erwogen werden, ob nicht das Deutsche Reich durch Aufteilung in seine einzelnen Teile zerstört werden sollte. Gewisse äußerste Maßregeln wie die Wegnahme des gesamten deutschen Eigentums im Gebiete jeder Verbandsmacht könnten noch in Reserve gehalten werden. Wir wollen uns über dkeses „Mindestmaß" der englischen Kriegsziele nicht entrüsten, sondern uns nur ganz ruhig und nüchtern klarmachen, wie es in den Köpfen der Engländer aussieht und was wir von ihnen zu gewärtigen haben, wenn wir unterliegen sollten. Wir wollen aber auch nicht unterlassen, allen denen, die sich bei uns Wer vermeintlich zu weitgehende deutsche Forderungen aufhalten, ernstlich das Gewissen zu schärfen und sie zu fragen, ob sie irgendwo etwas vernonrmen haben, ob sie etwas gelesen haben, was auch nur von weitem und im allerbescheidensten Abstande eine erkennbare Ähnlichkeit mit diesen englischen Friedensbedingungen aufwiese. Damit soll ja nicht gesagt sein, daß es sich empfehlen möchte, das britische Beispiel nachzuahmen, obwohl es schließlich vielleicht von Nutzen sein kann, hinter sehr hohen Forderungen klugerweise z u r ü ck z u b l e i b e n, statt bei durchgängiger, von vornherein gezeigter Mäßigung die Möglichkeit zu verschärften Bedingungen einzubüßen. Indessen interessiert uns heute die politische Seite aller dieser Fragen weniger als ihre psychologische. Offenbar haben die meisten Deutschen gar kein Bewußtsein davon, welches Schicksal uns England zufügen will. Wüßten sie es, so würden sich bei uns zwar nicht die Kraft des Widerstandes und der Wille zum Siege steigern — beide sind auch so mit Energie gesättigt —, aber wir würden uns von manchen Bedenken freimachen. die auch heute noch nicht ohne erkennbare Wirkung sind. Freilich hat der Reichskanzler erklärt, daß wir un§_ die Sentimentalität abgew ö h n t haben, indessen wäre Wohl zu fragen, ob dies Wort für alle und jeden gilt, und die Frage ist auch praktisch nicht ohne Bedeutung, worüber wir uns hier allerdings nicht weiter auslassen können. Noch einmal: man vergleiche die Nürnberger Königsrede mit dem Artikel der „National Review", und man sieht beide Völker im Spiegel der letzten erschütternden Wahrheit. _
vle Lage im westen.
Die neue Begrenzung der Befehlsbereiche auf der Westfront.
Br. Berlin, 13. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Im „Berl. Tagebl." schreibt Major Moraht über die jetzt bekannt gewordene Verteilung des Befehlsbereichs auf der Westfront: Die Front der Armee des Generalfeldmarschalls Herzog Albrecht von Württemberg beginnt in den Dünen der flandrischen Küste. An diese Armeefront schließt sich die des Generalmeldmarschalls Kronprinz Rupprecht von Bayern. Sie umfaßt auch das jetzt im Vorder- gründe der westlichen Kämpfe stehende Sommegebiet. Die Armee des deutschen Kronprinzen liegt mit ihrem Schwerpunkt bei Verdun. Ob weiter südlich nächst der Vogesengrenze bis zmn Raume östlich Beifort noch eine weitere selbständige Armeefront besteht, oder ob die deutschen Heereskräfte der Armee des deutschen Kronprinzen angegliedert wurden, ist nicht mitgeteilt.
Alle Heerführer in West und Ost entstammen fürstlichem Geblüt, denn neben die gegen Frankreich operierenden treten ini Osten Prinz Leopold von Bayern und Erzherzog Karl. Der Hauptzweck der Neuregelung des Befehlsorganismus ist wohl die Vereinfachung des großen Apparats, dessen bewegende Fäden, was den Westen angeht, ausschließlich im deutschen Großen Hauptquartier zusammenlaufen. Auch ein breiter Teil der Ostfront empfängt hier seine Direktiven und es leuchtet auch dem Laien ein, daß eine Verringerung der die Befehle empfangenden Dienststellen zur schnelleren Arbeit führen kann.
Die amtlichen französischen Berichte.
Bericht vom 12. September, nachmittags.
Ein deutscher Angriff östlich von B c l l o h wurde mühelos' mit Handgranaten abgeschlagen. Eine Einzelunternehmung ermöglichte es den Franzosen, einen deutschen Graben südlich des Kirchhofs von B e r n y zu besetzen. Sonst überall das übliche nächtliche Geschützfeuer.
Bericht vom 12. September, abends.
Die Schlacht nördlich der Somme nahm heute ihren Fortgang. Unsere Infanterie machte auf einer 6 Kilometer langen Front ungefähr von Gegend südlich von C o m b l e s bis zum Fluh eine kräftige Offensivbewegung. Der Angriff, gegen 121/2 Uhr beginnend, entwickelte sich sehr schnell dank des wunderbaren Geistes der Truppen, die in weniger als einer halben Stunde die ganze erste deutsche Grabenlinie nahmen und hierauf mit derselben Kraft ostwärts vorstießen. Unsere Infanterie nahm hintereinander die H ö h e 14 5 und die Straße Bethune-Peronnc, an der sich unsere Stellung von den Südrändern von Ramcourt bis südlich von Bouchavesnes hinziehen. Weiter südlich schoben wir unsere Linien auf die Anhöhe 76 westlich von Feuillaucourt vor. Bis jetzt beträgt die Gefangenenzahl etwa 1500, darunter zahlreiche Offiziere. Südlich der Somme heftiger Artilleriekampf in verschiedenen Abschnitten ohne Jnfanterietätigkeit. An der übrigen Front zeitweiliges Geschützfeuer.
Der amtliche englische Bericht.
Bericht vom 12. September, nachmittags.
Gestern abend verursachte unsere Artillerie zwei große Brände in dem feindlichen Munitionsdepot von Grand- c 0 u r t.
Die grossen englischen Verlnfte.
Br. Basel, 13. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Eine Information der „Daily News", wonach die Offensive an der So: re England 300 600 Mann gekostet hat, wird vom „Daily Telegraph" als unrichtig bezeichnet. Die Verluste blieben um ein Drittel hinter der Schätzung zurück; sie seien normal.
W. T.-B. London, 13. Sept. (Drahtbericht.) Die Sei- lustIisten vom 11. und 12. September enthalten die Namen von 277 Offizieren (71 gefallen), £510 Mannschaften und 1130 Kolonialsoldaten, sowie 168 Offizieren (37 gefallen) und 4768 Mann.
Die Franzosen und die englischen Bundesgenossen.
Die Begeisterung der Franzosen über die englischen Bundesgenossen ist, wie man weiß, schon ganz bedenklich abgeflant. So berichtet der Kriegsberichterstatter v. Reden dem „Leipziger Tageblatt": „Mcit einer gewissen Schadenfreude erzählten mir einige französische Gefangene, daß sie in dem Dorfe, das sie verlassen mußten, um den Engländern Raum zu schassen, vorher alle Brunnen ruiniert hätten^nm den Kerls wenigstens das Wasser wegzunehmen. „Oes msssienrs les Anglais" nennen sie sie höhnisch, die so gern hinten bleiben, es zum mindesten aber nicht lange in der dicken Luft aushalten. Alle schönen Städte Frankreichs seien gefüllt von den englischen Regimentern, die dort in Ruhe liegen, wo ihre Frauen und Töchter sind, sie selbst aber säßen fern von den Ihren vorn im Graben. Die Leute sind maßlos erbittert über die Engländer, die in der Heimat schon ganz als Herren auftreten: wenn es ihnen paßt, ganz ruhig französische Häuser für ihren Be. darf umbauen und sich mit der bekannten Ungenicrtheit und Unverschämtheit eingenistet haben. Sie sagen, es sei unerhört, daß englische Truppen nach 14 Tagen Grabendienst drei Monate Ruhe bekämen, während bei ihnen sogar schon die Streckenwärter durch Frauen ersetzt seien und auf ihren Bahnhöfen englische Beamte schalten. Hier in der Front dürfe sich kein Engländer in einer französischen Kantine blicken lassen, es würde ihm nichts verkauft, aber Prügel könnte er umsonst beziehen. Man ist sehr verbittert und die Briefe der Frauen enthalten keine Zeitungsphrasen, sie sprechen nur von, „sale guerre". Zum Schluß stand ich in einem dicken Haufen dieser armen, bedrückten Menschen, die ihr Herz ausschütteten, und schließlich fragte einer, ob wir Deutschen ihnen wohl helfen wollten, die Engländer wieder aus Calais hinauszuweffen?"
Die zugunsten Englands zu wünschende „gemeinsame Kasse" der Entente.
W. T.-B. London, 13. Sept. (Drahtbericht.) „Daily Telegraph" bemerkt, dah Frankreich auf der Konferenz m Calais am 24. August versprochen habe, einen weiteren Gold betrag zu liefern. Das Blatt sagt. Frankreich und Rußland gaben bisher gewisse Goldbeträge, um den Wechselkurs zu verbessern und einen kleinen Teil der Schuld für Kriegsmaterial zu bezahlen. Aber leider dächten Rußland tind Frankreich nicht daran, zugunsten Englands ihr Gold in
