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(Nachdruck verbot«.)

Die Feldpost.

Ein Kapitel aus der Verkehrstechnik des Kriegsschauplatzes.

Von Th. Wolfi-Friedenau.

II.

In dem vorigen Aulsatz derTechnischen Streilzöge hatten wir die geschichtliche Entwickelung der Feldpost, die ein so bedeutsames Gebiet der Verkehrstechnik des Kriegsschauplatzes verkörpert, kennen gelernt und wollen uns nunmehr noch mit der Technik und Organisation der Feldpost in dem gegenwärtigen Weltkrieg befassen. Der Feldpost fällt in dem gegenwärtigen Völkerringen eine Aufgabe zu, die wie alles in diesem ungeheuersten aller Kriege, die die Weltgeschichte je gesehen hat, ins Riesen­hafte gesteigert ist und die an Umfang und Schwierigkeit auch die Leisiung der Feldpost aus dem Kriege von 1870/71, die doch auch wahrlich nicht klein war, um das Vielfache übertrifft. Der Zweifrontenkrieg hat auch einen Zwei­frontenaufmarsch der Feldpost nötig gemacht, womit ganz andere Verhältnisse und Bedingungen für deren Wirksam­keit geschaffen sind, als sie je vorhanden waren. Die gegen 1870/71 so gewaltig vermehrten Heeresmassen wie auch die so ganz anders und ungleich komplizierter ge­stalteten Verhältnisse des doppelten Kriegsschauplatzes stellen technisch wie organisatorisch ungleich gesteigerte Anforderungen. Das lehrt schon ein Blick auf die Organi­sation der Kaiserlichen Deutschen Feldpost, wie sie in dem gegenwärtigen Weltkriege am Werke ist.

Während die Eisenbahnen schon im Frieden eine voll­kommene militärische Organisation aufweisen, die vom großen Publikum unbemerkt in ständiger Bereitschaft gehalten wird und bei Kriegsausbruch bezw. mit der Stunde der Mobilmachung für die Zwecke des Truppentransportes gleichsam automatisch in Tätigkeit tritt, ist eine solche Kriegsorganisation bei der Post in Friedenszeiten nicht vorhanden, kann hier eine solche, entsprechend den ganz anders gearteten Verhältnissen des Dienstbetriebes und der gestellten Aufgaben, auch gar nicht vorhanden sein. Der für den Krieg notwendige postalische Apparat muß viel­mehr nach Personal, Material und Einrichtungen aus dem Gesamtkörper des Postwesens entnommen, aus diesem heraus neugebildet werden. Wohl aber ist alles, was für diesen Fall an Beamtenpersonal, Ausrüstungsmaterial, Fahrzeugen, Pferden und sonstigen Einrichtungen und Hilfsmitteln notwendig ist, schon in Friedenszeiten ständig bestimmt und vorbereitet, so daß es möglich ist, sogleich nach Ausbruch des Krieges die notwendigen Feldpost- formationen in kürzester Zeit zusammenzustellen und kriegsfertig und marschbereit zu machen. Planmäßig ist für die Mobilmachung der Feldpost eine Dauer von 14 Tagen vorgesehen; 1870 war die Feldpost schon am 10. Tage marschbereit, und auch diesmal ist, obwohl das Feldpost­wesen gegen damals einen ganz gewaltig größeren Umfang hat, die vorgesehene Mobilmachungsdauer nicht voll in An­spruch genommen. Es hieß, so schnell wie möglich und zugleich auch so prompt und zuverlässig wie möglich die Bereitschaft der Feldpost herzustellen und jedem Armee­korps die ihm bestimmten Feldpost - Formationen anzu- gliedern. Tag und Nacht mußte mit Aufgebot aller Kralle und Heranziehung zahlreicher Hillsmannschaften gearbeitet werden, vom ersten bis zum letzten Mann, daß für Schlaf und Nahrungsauf nähme kaum Minuten übrig blieben. Aber mochte die Arbeit in jenen Tagen und Nächten auch eine noch so große sein lind Anforderungen stellen, wie sie in Friedenszeiten selbst zu Zeiten des allerstärksten Verkehrs nicht vorhanden sind, so tat doch kein einziger von den deutschen Postbeamten, vom ersten bis zum letzten, seinen Dienst lieber als in jenen Stunden, wo es galt, für die Be­reitschaft und Verteidigung des Vaterlandes durch Mobil­machung der Feldpost den letzten Nerv anzuspannen und den letzten Muskel zu regen. Und prompt, wie wir es in Deutschland gewohnt sind, und pünktlich, wie es deutsche

Postsitte ist, war denn auch diesmal wie Anno 1870 die deutsche Feldpost auf die Stunde marschbereit, um in An­gliederung an die verschiedenen Heereskörper an die Er­füllung der ihr obliegenden gewaltigen Aufgabe zu gehen.

Mit der Mobilmachung tritt das gesamte Verkehrswesen des Landes, Eisenbahnen, Telegraphie, Luffschiffahrt und ebenso auch das Feldpostwesen unter militärischen Ober­befehl. An seine Spitze tritt der Generaiinspekteur des Etappenwesens, der also auch der oberste militärische Be­fehlshaber der Feldpost ist Der oberste technische Leiter des gesamten Feldpostwesens ist dagegen der Feldoberpost­meister, der zum Großen Hauptquartier gehört und nach Maßgabe der Kriegsetappenordnung vom 14. Mai 1902 den Anordnungen des Generalinspekteurs Folge zu leisten hat. Dieser oberste technische Leiter des Feldpostwesens, dem die einheitliche Regelung und Überwachung des ge­samten Dienstbetriebes der Feldpost zufällt, ist im gegen­wärtigen Kriege Feldoberpostmeister Domizlaff.

Die Organisation des deutschen Feldpostwesens erfolgt in unmittelbarem Anschluß an die Heeresteilung, und zwar nach folgendem, seinerzeit von Stephan für die Preußische Feldpost bei Ausbruch des Krieges von 1870/71 festgesetzten Schema, das abgesehen von unwesentlichen Änderungen auch für die Kaiserliche Deutsche Feldpost beibehalten worden ist und auch im gegenwärtigen Kriege die Formie­rung der Feldpost bestimmt. Der Mittelpunkt des gesamten Feldpostwesens ist das Feldoberpostamt, das sich beim Großen Hauptquartier des obersten Kriegsherrn be­findet und zugleich den Postdienst für das Hauptquartier zu regeln hat. Beim Feldoberpostamt befindet sieh der Feldoberpostmeister, der eine Anzahl Oberpostsekretäre und Postsekretäre, Feldpostbrief träger, FeMpostsehaffner, Feldpostillone und Trainsoldaten zur Verfügung hat. Für die Oberkommandos der verschiedenen Armeen wird je ein Armeepostamt errichtet, das sich beim Stabe der Armee befindet und sich aus einem Armeepostmeister nebst der entsprechenden Anzahl von Feldpostbeamten, Unterbeamten, Postillonen und Trainsoldaten rekrutiert Wie jede Armee ihrerseits wieder aus mehreren Armee­korps besteht, so gehört zu jedem der letzteren wieder ein Feldpostamt, an dessen Spitze ein Feldpostmeister steht Wiederum erhalten die einzelnen Teile des Armee­korps eigene Postanstalten, die Feldpostexpeditionen heißen. Jeder Infanteriedivision, jeder Kavalleriebrigade und jeder Artilleriebrigade, der Pioniertruppe und dem Train ist eine solche Feldpostexpedition zugeteilt. Die Feldpostexpedition ist diejenige postalische Anstalt, von der aus die Übergabe der Postsendungen an die Truppen er­folgt. An ihrer Spitze steht ein Oberpostsekretäi mit 3 bis 6 Beamten und der erforderlichen Anzahl von Feldpost­schaffnern und Postillonen. Sie wird mit der nötigen Zahl von Feldpostwagen (zu denen oft noch Hilfspostwagen kommen) und Pferden und ebenso auch mit den für den Postbetrieb notwendigen Utensilien, Drucksachen usw. aus­gerüstet, so daß sie jederzeit und in Ermangelung eines geschlossenen Raumes auch unter freiem Himmel ihre Tätigkeit aufnehmen kann. Sie ist eine vollständige und in sich abgeschlossene Formation mit bestimmtem und in sich abgeschlossenem Dienstbezirk, nur daß dieser nicht, wie es bei den Postämtern im Friedensbetrieb der Fall ist, örtlich gleichbfeibend ist, sondern einen fliegenden Dienst- bezirk darstellt, nämlich den Dienstbetrieb für den be­treffenden Heeresteil, dessen Bewegungen die Feldpost- expeditionen wie auch alle anderen Feldpostanstalten natürlich folgen muß.

Sämtliche für die Feldpost bestimmten Sendungen werden bereits im Inland sortier! und von hier aus zu­nächst an die verschiedenen Armeepostämter befördert; jedes Armeepostamt verteilt die ihm aufgelieferten Sen­dungen an die Feldpostämter, jedes Feldpostamt die ihm zugeteilten Sendungen an die ihm unterstellten Feldpost­expeditionen. Die Sendungen für die einzelnen Truppen­teile werden durch Ordonnanzen von den betreffenden Feldpostexpeditionen abgeholt und von diesen wiederum auf die einzelnen Regimenter bezw. Bataillone und Kom» pagnien verteilt. Die letzte Austeilungsstelie ist darr)