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Verlag Langgasse 21

„Tagtlatlhaus".

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Mittwoch, 13. September 1916.

Morgen-Kusgabe.

Nr. 438. . 64. Jahrgang.

Rücktritt des griechischen Sesamt- Uabinettr.

W. T.-B. Genf, 12. Sept. (Drahtbericht.) Nach einer Meldung der Agence Havas aus Athen ist das gesamte Kabinett Zaimis zurückgetreten.

Zum Rücktritt von Zaimis.

(Von unserer Berliner Abteibung.)

L. Berlin, 12. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Der Rücktritt des Mini st erpr äsi­denten Zaimis hat an den zuständigen Stellen hier nicht erstaunen können. Man rechnete damit. So wenig direkte Nachrichten hier aus Athen eingegangen sind, wußte man doch, daß Zaimis Venizelos nur unter der Voraussetzung, daß er zu einer Verständigung mit dem König kommen werde, einen gewissen Ein­fluß in die Regierungsgeschäfte zirbilligen würde. Die Verständigung zwischen Venizelos und dem König hielt man für kaum denkbar. Der Empfang der königstreuen Offiziere aus Saloniki im Schlosse Tatoi bewies, daß der König nichts mit den Venizelisten zu schaffen haben wolle. Mit einem offenbar von der En­tente selbst gestellten Revolverattentat auf die französische Gesandtschaft in Athen be­gründete man das neue Ultimatum, das die Auf­lösung der Reservistenvereine fordert. Hier wurde wie­derum nachgegeben. Wenn Zaimis jetzt ging, nach­dem Venizelos die Einsicht in die diplomatische Akte der letzten drei Monate gegeben worden war, so hat sich offenbar der Kreter nicht von den Gründen überzeugen lassen, die den König mutig bei seinem neutralen Stand­punkt beharren läßt. Unter den Kanonen der Flotte der Entente ist anscheinend die Lösung der Kabinetts­krisis nur imvenizelistischen Sinne erfolgt. Man vermag sich kaum zu denken, daß Griechenland die Freiheit bleiben wird, sich selbst seine Regierung weiter­hin zu bestimmen. König Konstantin wird versuchen noch einmal eine einigermaßen unabhängige Regierung, vielleicht ein Koalitionsministe- r i u m unter Teilnahme von Venizelos einzusetzen. Aber die lakonische Meldung von dem Rücktritt des Ministerpräsidenten Zaimis, die Reuter allein zunächst durchließ, deutet an, daß sich die Bedrücker des Landes diesmal nicht mehr mit halbem Erfolg zu­frieden geben, sondern des Königs Macht einfach auszuschalten gedenken. Die deutsche Kriegspolitik hat seit längerem jede griechische Eventualität in Er­wägung gezogen. Die Vorgänge in der Do- b r u d s ch a dürften manchen Politiker in Athen nur in der Überzeugung bestärkt haben, daß König Konstantin vom militärischen Standpunkt vollkommen richtig ge­urteilt hat.

Der jetzt zurückgetretene Ministerpräsident Zaimis, der im 60. Lebensjahre steht, ist seit drei Jahrzehnten eine der einflußreichsten Persönlichkeiten Griechenlands. Bon deutscher Bildung erfüllt, Doktor der Heidelberger Universität, kam er schon als junger Mann in die Kammer. Als Redner zwar trat er nur selten auf. Dadurch erwarb er sich den Spitznamen „Psari", d. h. der Fisch. Aber diese Zurückhaltung verbarg ein tiefes Wissen auf allen sür das Staats- leben in Betracht kommenden Gebieten, und eine politische Skepsis Und Zurückhaltung, die Zaimis befähigte, gerade in Krisen, in denen es nicht auf Worte, sondern auf klug überlegte Taten an- kommt, an die Spitze der Geschäfte zu treten, das Land in sichere Bahnen zu führen. Daher wurde Zaimis so häufig geholt, wenn Griechenlands Schicksal an Wendepunkten stand. Im Jahre 1897 war er der einzige, der erklärte, Griechenland müsse die von den Großmächten betreffs Kretas gestellten Bedingungen annehmen. Wenn man ihm gefolgt hätte, so wäre der unglückliche Krieg gegen die Türkei vermieden worden. Cr hatte dann diesen Krieg zu be­enden und den Frieden zu unterzeichnen. Uni die Wende des Jahr­hunderts war er abermals kurze Zeit Miniftervräsident. Im Sep­tember 1906 wurde er als Nachfolger des Prinzen Georg von Griechenland auf einstimmigen Wunsch der Mächte Ober- k o m m i s s a r von Kr e t a. Hier geriet er wiederholt in st a r k e n Gegensatz zu Venizelos, der noch der einfache Rechtsan­walt, aber schon damals gefährlicher Oppositionsführer war. Auch dis Zaimis 1910 nach Griechenland zurückkehrte und seinen Sitz in per Kammer wieder einnahm, führte er die Opposition gegen Venizelos. Zum erstenmal übernahm Zaimis als Nachfolger von Venizelos die Ministerpräsidentschaft im März 1915. Im November 1915 wurde er von Skuludis abgelöst, und am 22. Juni 1916 trat er abermals das schwere Amt an, das ihm die Aufgabe auferlegte, dem Druck der Entente und den gefährlichen Umtrieben don Venizelos zu begegnen.

Kommentare von Berliner Blättern.

Br- Berlin, 12. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Zum RücktrittvonZaimis schreibt das „B. T.": Falls überhaupt ein Zwiespalt zwischen Zaimis und den Vier- berbandsmächten die Ursache des Rücktritts ist, so müßte man annehmen, daß die Mächte, die im Begriffe sind, die tatsäch­liche Regierungsgewalt an sich zu reißen, neue, noch unbe­kannte Forderungen gestellt haben, die auch dem nach­giebigen Zaimis zu weit gingen. Oder es gibt noch eine andere Möglichkeit, daß nicht eine Meinungsverschiedenheit zwischen Zaimis und den „Schutzmächten", sondern zwischen «ein Miftisterpräsidenten und dem König der Anlaß zur Ein- reichung seiner Demission wäre. Die „Voss. Ztg." meint: Ts ist in den letzten Tagen angedeutet worden, daß zwischen

Zaimis und Venizelos eine Art Verständigung zu­stande gekommen sei. Zaimis' ehrenvolle Vergangenheit bürgt dafür, daß diese Verständigung, falls sie überhaupt be­steht, nicht auf einer einfachen Übergabe an Benizeols beruht. Eher ist anzunehmen, daß sie sich aus der Linie eines Aus­gleichsversuchs zwischen Venizelos und dem König bewegt. In diesem Falle würde der Rücktritt Zaimis beweisen, daß dieser Versuch gescheitert ist.

Die Unklarheit über die Vorgänge in Athen.

Nr. Berlin, 12. Sept. lEig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Eine Depesche des „L,-A." aus Rotterdam, die die Vorgänge in Athen vor dem Rücktritt Zaimis' schildert, besagt: Englische Blätter aus Athen melden, daß es Zaimis bisher nicht gelungen sei, den König zur Annahme des libe­ralen Parteiprogramms und der Forderung von Venizelos' auf dem Gebiete der Politik zu bewegen. Man rechnet sogar mit dem Rücktritt Zaimis und dem Erscheinen neuer Männer in der Regierung. Wer zum Nachfolger Zaimis' ausersehen wird, ist noch vollständig ungewiß.

Nur eine Athener Frage".

Br. Budapest, 12. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Die Sofioter Zeitung „Dnevnik" schreibt aus Athen: Es gibt keine griechische Frage mehr, sondern nur eine Athener Frage. Die Beendigung der Krisis ist Sache des Königs und der Regierung, denn in den Bezirken, die nicht unter fremden Einfluß kamen, mit Ausnahme der Hauptstadt, sind die Getreuen des Königs und der Regierung in der Überzahl. Die Bezirke, in denen Venizelos seine Mehr­heit erhoffte, sind mit Ausnahme von zwei Bezirken, in die Hände der bulgarischen Truppen gefallen. Somit kann die im Interesse Venizelos' vorbereitete Revolution als ausge­schloffen betrachtet werden.

Tie Entmündigung der griechischen Regierung.

W. T.-B. Athen, 12. Sept. (Meldung der Agence Havas.) Die Untersuchung des Attentats wird tatkräftig fortgesetzt. Die an Zaimis überreichte Verbalnote, die die Fort«- rungen der Entente enthält, war nicht in die Form eines Ultimatums gekleidet, aber trotzdem sehr kategorisch. Die Gesandten sind von der Aufrichtigkeit Zaimis' überzeugt, dem sie von der Gefährlichkeit der geheimen Organi­sationen Mitteilung gemacht haben, die der Kontrolle der Regierung entgehen und eine Lage schaffen, aus der anar­chische Zustände hervorgeben. Die Tatsache, daß Bünde eine Gefahr für. die innere Lage Griechenlands bedeuten, wurde der Regierung von dem Vierverbande schon lange vor den Ereigniffen der vergangenen Nacht klargelegt.

Der mysteriöse Anschlag uns die französische Gesandtschaft.

W. T.-B. Amsterdam, 12. Sept. (Drahtbericht.) Nach einem hiesigen Blatt meldet die „Times" aus Athen, die griechischen Behörden hätten, da sie einen Anschlag be­fürchteten, nahe der französischen Gesandtschaft eine Wache von 120 Mann aufgestellt. Der Anschlag gegen die Gesandtschaft sei aber so rasch ausgeführt worden, daß es unmöglich war, die Täter zu verhaften. Der kommandierende Offizier und die 120 Soldaten der Wache wurden ver­haftet.

Die Entwaffnung der griechischen Reservisten.

Von unserem Xr.-Sonderberichterstatter.

Kr. Genf, 12. Sept. (Eig. Drahtbcricht. Zens. Bln.) Der „Matin" meldet aus Athen: Die Mannschaft des ftanzö- sischen Kreuzers „Bruin" ist bereits zur Entwaffnung der Reservisten ausgeschifft worden. Andere Lan­dungen werden vorbereitet. Die Zeitung „Eclair" scheint diese Truppenlandung noch nicht für genügend zu halten und sagt, der Vierverband könne die Entwaffnung der Reservisten nur nach der Landung eines starken Truppenkontingents vorneh­men, sonst würde es unnötiges Blutvergießen geben.

Kontrolleure der Entente aus jedem griechischen Dampfer!

W. T.-B. Bern, 12. Sept. (Drahtbericht.) Dem „Temps" zufolge sind die Vertreter der Entente in Athen dahin über­eingekommen, daß an Bord jedes griechischen Dampfers künftig Kontrolleure, die England und Frank­reich stellt, mitfahren.

Oer Krieg Rumäniens.

Die Gier des Schakals.

Br. Rotterdam, 12. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Nach dem in französischer Svrache erscheinenden rumänischen Blatt „Journal de Balcan" streben die Rumänen folgende Gebietserwerbungen auf Kosten Österreich-Ungarns an: Siebenbürgen, das Temesvarer, Chamader und Mama- roier Komitat und schließlich die Bukowina. Also im ganzen 8670000 Einwohner von Ungarn „befreien", wovon nur etwa 4 Millionen Rumänen wären. Dazu 2 200 000 Magyaren, 1 Million Serbenkroaten und 730 000 Deutsche. Dazu wäre noch zu bemerken, daß diese Ziffern stark zu­gunsten Rumäniens abgerundet erscheinen.

Lin neuer russischer Vurchbruchr- versuch am unteren Stochod vereitelt.

Erfolglose Fortsetzung der feindlichen Angriffe in den Karpathen.

Luftangriff auf italienische Küstenorte.

Hsterreichisch-ungarischer Tagesbericht»

W. T.-B. Wien, 12. Sept. i Drahtbericht.) Amtlich verlautet vom 12. September, mittags:

östlicher Kriegsschauplatz.

Front gegen Rumänien.

Lage unverändert.

Heeresfront des Generals der Ravallerie Erzherzog Rarl.

In den Karpathen dauern die Kämpfe an. Alle Angriffe, die der Feind gegen unsere Stellun­gen nördlich des Goldenen Bistritztales und im oberen Czermocztal richtete, blieben erfolglos. Sonst in Galizien keine Ereignisse.

Heeresfront des Generalseld Marschalls Prinz Leopold von Bauern.

Am unteren Stochod versuchte der Gegner mit dichten Massen unsere Linien zu durchbrechen. Er wurde unter für ihn schwersten Verlusten a b ge­wiesen. An den übrigen Frontteilen mäßiges Ar­tilleriefeuer.

Italienischer Kriegsschauplatz.

An der Front zwischen dein Etsch- und Astachtale wiederholten die Italiener ihre Angriffe gegen den Abschnitt Monte Spil-Monte Majo; sie wurden überall unter empfindlichen Verlusten abgewiesen?

Im Küstenlande hat die A r t i l l e r i e t ät i g k e i t im Abschnitt der Karst-Hochfläche Zugenommen.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Bei den K. und K. Truppen keine Veränderung.

Der Stellvertreter drs Chefs des Gcn-cralstabs: v. Höf er, Feldmarschalleutnant.

Ereignisse zur See.

In der Nacht vom 11. zum 12. September hat ein Flugzeuggeschwader die Luftschiffhalle in G e s i, Bahnhofsanlagen von F a l c o n a und Abwehrbatterien von Ancona angegriffen. In der Halle wurden mehrere Volltreffer erzielt. Dir Flugzeuge wurden von Abwehrbatterien beschossen, kehrten jedoch alle unver­sehrt zurück.

Flottenkommando.

Die russische Sommer-Gffensive Wh.

II. 5lus den Kämpfen um Varanorvitschi.

Erster Abschnitt.

Aus dem Großen Hauptquartier lvird uns ge­schrieben:

Anfang Juni hatte die russische Heeresleitung das Gewicht ihrer Menschenmassen in Bewegung gesetzt zu der einheitlich geplanten, groß angelegten Offensive mit den strategischen Zielen Baranowitschi- Kowel-Lemberg.

Während der Gang der Ereignisse den operativen Schwerpunkt über die Gegend von Luck zunächst auf den Durchbruchspunkt Kowel verlegte, ohne das poli­tisch wichtige Ziel Lemberg aus deni Auge zu lassen, entwickelten sich auch an der Schtschara- und Serwetsch- Front erbitterte Kämpfe, deren nächstes Ziel der wich­tige Eisenbahnknotenpunkt Barano- witscht war.

Die zunächst fortschreitende Offensive über Luck schlug nach dem Einsetzen stärkerer deutscher Kräfte ein langsameres Tempo an und kam dann zum Stillstand. Um diesen Zeitpunkt mag vielleicht für die russische Heeresleitung das ursprüngliche Ziel Baranowitschi einem weiter gelegenen Ziel gewichen sein: — etwa dem Gedanken eines strategischen Durchbruchs über Baranowitschi in Richtung Brest-Litowsk gegen den Rücken der Heeresgruppe v. Linsingen. Unter dieser oder einer ähnlichen Annahme wäre die maßlose Erbitterung der russischen Angriffe am Schtschara- und Serwetsch-Ufer, wäre der Einsatz so ungeheurer Opfer gegen Baranowitschi leichter erklärlich.

Brandenburger, Posener und schlesische Truppen so­wie österreichisch-ungarische Verbände halten unter Generaloberst v. W o y r s ch die Wacht an Schtschara und Serwetsch. Die Stellungen folgen im allge­meinen dem Laufe des Oginski-Kanals, erreichen beim Wygonowskoje-See die Schtschara, durchqueren das Gelände östlich Baranowitschi-Gorodischtsche und zöchen