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Dienstag, 12. September 1916. N?0vgEN-klU§gabE. Nr. 436. . 64. Jahrgang.

Starke russische Angriffe abgeschlagen

Ergebnislose Vorstöße der Italiener.

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht

I'.-L. Wien, 11. Sevt. (Drahtbe eicht.) Amtlich verlautet vom 11. September, mittags:

östlicher Kriegsschauplatz.

Front gegen Rumänien.

Nördlich von Orsova wiesen unsere Truppen mehrere feindliche Angriffe ab. Westlich der Becken Gyergyös und Csik wurde unsere Front etwas zu rückgenommen.

Heeresfront des Generals der Ravallerie Erzherzog Rarl.

Starke feindliche Angriffe nördlich des goldenen Bistriz-Tales und der Naf-rilowa blieben er folglos. Sonst keine Ereignisse.

Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bauern.

Am unteren Stoch »d wiederholt; der Feind keine heftigen Angriffe, die im Artilleriesperr seucr oder vor den eigenen Grabcn zusammen brachen. An der übr'gen Front ist die Lage unver­ändert.

Italienischer Kriegsschauplatz.

An der Front zwischen dem Etsch- und Astach Tale entfalteten die Italiener erhöhte Tätigkeit. Un­sere Höhenstellunqen in diesem Naume standen gestern unter starkem Artillerie- und Minenfeuer, Im Ab­schnitt Monte Spil-Monte Sesto wurde ei» Vorstoß von mehreren feindlichen Bataillonen abgeschlagen. Am Pasubio drang der Gegner an zwei Stellen in unsere Linien ein. Gegenangriffe warfen ihn sogleich wieder hinaus. 68 Gefangene blieben in unseren Händen. Auch am Monte Maio scheiterte ei« kindlicher An­griff. An der übrigen Front im Sü'owesten hielten die Geschützkämpfe in mäßiger Stärke in mehreren Abschnitten an.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

An der Vojusa kein: Ereignisse.

Der Stellvertreter des Chefs des Gcneralstabs: v. Höfer, Feldmarschalleutnant.

Oie militärische Lage.

(Don unserer Berliner Abteilung.)

L Berlin, 11. Sept. (©iß. Drahtbericht. Zens. Mn. Die Kümpfe am Samstag und Sonntag haben den Eng ländern und Franzosen an der Somme keinen Gewin, gebracht, wie sehr sie sich auch mühten, ihrenOffensivboger zu erweitern. Die Engländer stürmten nördlich der Somm: am Samstag in einer 15 Kilometer breiten Front an, uni zwar mitsehrstarkenKräften. Südlich von T h i e p dal genügte schon das Feuer unserer Artillerie, um sie a« ihre Gräben zu bannen. Bei der Mouquet-Ferme, ar dem von PoziereS nach Le Sars führenden Weg und beim Foureaurwald kam der Feind zu schwersten Nah. k ä m p f e n mit den deutschen Truppen, die ihn zurückwarfen Der stärkste Borstoß richtete sich gegen Ginchy, das um. fastend angegriffen werden sollte. Nirgends kam der Gegner vorwärts, ausgenommen an einer kleinen Stelle, wo er in unseren Graben eindrang und wieder hinausgeworfen wurde, und an der Straße nach Le Sars, wo er einen vorgeschobenen Posten hält, um den weitergekämpft wird. Die englische Ein­buße an Mannschaften war bedeutend. Gefangene konn­ten kaum eingcbracht werden, weil die Feuertätigkeit es nicht erlaubte. Am Sonntag haben sich die Angriffe an der ge­nannten Straße nach Le Sars und südwestlich von Co m b l e s erneuert, wurden aber abgewiesen. Im Süden der Somme haben die Franzosen wieder ihre Kanonen spielen lasten, und dann ans schmalem Frontstück ihren Angriff vorgetragen, der an unserer Verteidigung ab prallte. Etwa 5 Kilometer südwestlich von Peronne drangen sie in einzelne Häuser des Nordteils vom Dorfe B e r n y ein, an deren Zurücknahme sich °>c deutschen Truppen mit Erfolg begaben. Es waren hier noch andere französische Angriffe geplant, die man deutlich feststcllcn konnte, aber zur Ausführnng konnten sie nicht kom­men. Werter südwestlich bei Bermandovillers stieß der Feind ebenfalls vor, ohne anderes Ergebnis als Leutever- >ust. Mit der Säuberung einiger Franzosen- "?ster, die von früheren Angriffen in unserer vordersten Linie noch bestanden, wurde fortgefahren. Der Kampf östlich »er Maas um die Souvilleschtucht hat seit unseren dortigen Erfolgen nicht aufgehört. Beiderseits der Schlucht bMg des Ringen mit wechselndem Erfolg weiter. . Am Rordteil der O st f r o n t blieb es in den lebten Tagen allgemeinen still. Nördlich des Dnjestr ließ sich ein ge- mrffes Zögern des Feindes» seinen Erfolg bei Halicz I "uszudehneu, bemerken. Wahrscheinlich macht er sich t d°ch einigen kostspieligen Erfahrungen eine gründlichere Bor- ■ «reitnng des Angriffs zor Bedingung. I» den Ka r p - t h e u

dauerten die heftigen Kämpfe an. Es gelang den russischen Masten nur, unsere Front westlich Chipoth 25 Kilo­meter im Norden von Kirli-Baba bis auf den Grenzkamm zu- rückzudrängen. An allen anderen Stellen war ihr Borwärts- stürmen u m s o n st. Aus Siebenbürgen wird nichts von Be­deutung gemeldet.

In der D o b r u d s ch a hatten deutsch-bulgarische Streit­kräfte kräftig nordwärts vorgefühlt und nach dem Fall von Tutrakan S i l i st r i a aufs Korn genommen. Schon am Samstag rückte unsere Kavallerie in Silistria ein, das am Sonntag dann völlig von deutschen und bulgari­schen Truppen besetzt wurde. Sehr bedeutsam erscheint die Meldung, wonach die A n st ü r m e der vereinigten rumä­nisch - serbisch - russischen Heeresteile im Norden von Dobritsch ein Ende fanden. Dort hatte die feindliche Kriegsleitung anscheinend die deutsch-bulgarische Offensive aufhalten und den Angriff längs der Donau ge­fährden wollen, was jedoch durch den gleichzeitig von unseren Verbündeten über Dobritsch hinaus vorgetragenen Kampf vereitelt wurde.

Die Sarrail-Tragikomödie.

Die Offensive gegen Sarrail hat. auf allen -Fronten eingefetzt, wobei wir nicht von der bulgarischen, sondern von der französischen, englischen und russischen Front sprechen, von denen aus eine heftige Attacke gegen den Oberkommandierenden der Balkanarmee geführt wird. Und zwar waren es die e i g e n e n Lands­leute Sarrails, die bei dieser Generaloffensive gegen den General die Führung übernahmen. Die Pariser Presse, allen voran der „Temps", schlug die Note an, und alsbald intonierte das Konzert der Alliierten: Fort mit Sarrail! Das Bemerkenswerteste hierbei aber ist, daß der Pariser „Temps" die Rolle des Korps­führers übernommen hat; denn der „Temps" ist be­kanntlich das Organ des Ministerpräsidenten B r i ct n Besagtes Blatt verlangt stürmisch, daß Sarrail end­lich marschiere. Während Rumänien nach Westen und Süden kämpfe, könne Sarrail nicht mehr länger den Angriff hinanthalten; ein ferneres Zögern und Zuwarten sei nicht angängig; die hier erfolgende Ver­spätung, wovon die Lösung des Balkankrieges, wenn nicht des Weltkrieges überhaupt abhangen könne, sei durch nichts zu rechtfertigen. Das sind ganz außer­ordentlich scharfe Vorwürfe, doppelt bedeutsam aus dem Munde eines offiziösen Organs, und so kann nicht wundern, wenn die „Oeuvre" bereits andentet, daß Sarrails Rücktritt vom Oberkommando der Salo­niki-Armee bevorstehe und General G o u r o u d zu seinem Nochfolger ausersehen sei.

Ob diese Nachricht,zutrifft, ob sie nur den Tatsachen vorauseilt, oder ob die anderen Kräfte sich als stärker erweisen werden, welche Herrn Sarrail auf seinem Posten halten möchten (wir schalten schon hier ein, daß diese „Gönner" des Generals leine Gegner sind), läßt sich schwer beurteilen, daß aber die Offensive gegen den General, von dem man die Offensive verlangt, zur­zeit mit ganz besonderer Leidenschaft geführt wird, kann man aus der englischen, französischen und russi­schen Presse entnehmen. Welches sind nun die inneren Gründe dieses Kampfes um und gegen Sarrail? Eine nähere Betrachtung wird ergeben, daß von einer Ein­heitlichkeit dieser Front, nämlich der gegen Sarrail, bei den Alliierten keine Rede sein kann.

Was die Engländer betrifft, so haben sie sehr ge­wichtige Gründe, mit Herrn Sarrail unzufrieden zu sein. Einmal werfen sie ihm vor, daß er als Ober­kommandierender allzu herrisch lei, und die Briten kämpfen nicht gern unter französischem Kommando. Zweitens sind sie schlecht auf ihn zu sprechen, weil er seinerzeit die Abberufung des englischen Generals M a h o n verlangte und durchsetzte, und drittens sind sie sittlich entrüstet, weil Sarrail gegen König Kon­stantin nicht energisch genug vorgehe und dadurch die Offensive gegen Bulgarien verzögere. Aus den Briefen der britischen Gesandtschaft in Athen weiß man ja, daß John Bull, der „Kämpfer für Recht und Frei­heit", der „Verteidiger der Rechte der kleinen Natio­nen", entschlossen ist, die Monarchie in Griechen­land zu st ü r z e n.

Sarrail würde nun in diesem Punkte sehr gern mit­machen, denn er ist ein fanatischer Republikaner und gilt bei den gemäßigten Franzosen als eine Art Robesprerre. Der Haken aber ist Rußland. Väter­chen Zar ist, wie man weiß, mißvergnügt über Sarrails Vorgehen gegen König Konstantin, denn er urchtet, daß der Umsturz der Throne an­te den jb wirken, daß böse Beispiele gute Sitten der- derben könnten. Auf die Wünsche Petersburgs aber glaubt man in Paris Rücksicht nehmen zu müssen. Nun ist man ja, wie betont, auch an der Seine über Sarrails Zögern empört, aber io gern man ihn fern von Athen wüßte, so ungern würde man ihn in Paris sehen. Denn Sarrail ist nicht nur Militär, sonderu ein extrem«

Politiker, den der Ministerpräsident Briand ernst­lich fürchtet. Das war ja der Hauptgrund, weshalb man ihn nach Saloniki geschickt hat.

Eben deshalb bleibt es abzuwarten, ob sich die Nach­richt von seinem Rücktritt bestätigt, obwohl der Gene­ral von der gesamten Ententepresse angegriffen und nur von den italienischen Zeitungen verteidigt wird, die chm — so der „Secolo" — bezeugen, daß seine Offen­sive gegen die Bulgaren durch Transport-, Munitions- und _ Ernährungsschwierigkeiten sowie durch das jetzt herrschende Sumpffieber erschwert würde. Daß es mit dem Gesundheitszustände der angeblich 400 000 Mann starken zusammengewürfelten Armee, von der höchstens die Hälfte als kampffähig gilt, übel bestellt ist, weiß man längst. Aber der Hauptgrund für Sarrails Zögern liegt in der Angst vor Griechenland.

Seine Hauptaufgabe bestand bekanntlich darin, die Griechen zum Anschluß an die Entente zu zwingen' letzt aber fürchtet man sich, das demobilisierte Griechen­heer wieder mobilisieren zu lasten. Denn wer bürgt der Entente dafür, daß dieses Heer, so bald die Saloniki- Armee in den Kampf mit den Bulgaren verwickelt ist, am Ende doch den Peinigern und Blutsaugern nicht den Rücken deckt, sondern ihnen in den Rücken fällt.

Ein w i d e r w i l I i g in den Krieg ge.gen die Mittel- mochte getriebenes Griechenheer könnte als ernsth<ckter militärischer Faktor nicht eingeschätzt werden. Ein ge­knechtetes Volk aber, das sich gegen seine Tyrannen er­hebt, würde für diese immer eine ernste Gefahr bedeu­ten. Wenn nun König Konstantin zu den treuge- bliebenen Offizieren der 9. Division gesagt bat, daß er mit einer Armee, die von Leuten ihrer Art befehligt werde, jedem Feind gegenüberzutreten bereit sei, so kann kein Zweifel darüber sein, wen :r nnt diesem Feind gemeint hat. Hier liegen dn. tieferen Gründe der Taktik des Zauderers Sarrail. Er hat A n g st nicht nur vor den Bulgaren, sondern nicht minder vor den Griechen.

Die griechische Krips.

Zaimis und Venrzelos.

Rotterdam, 11. Sept. (Eig. Dc.ahtbericht. Zens. Bin.) Ministerpräsident Z a i m i s hatte, wie dem „Daily Telegraph" aus Athen gemeldet wird, am Frei­tag Venizelos um eine Besprechung ersucht, die die­ser mit der Begründung ablehnte, der König weigere sich, wie aus der Audienz der Ententegesandten hervor- ging, deren Forderungen anznnehmen. Zaimis ersuchte Vemzelos, Geduld zn haben, bis er den König zur Aufnahme des liberalen Programms bewogen haben würde. Obgleich die Lib-calen an dem Erfolg seiner Bemühimgen zweifeln, beschlossen sie doch, einen W a f f e n st l l l st a n d mit der Regierung cinzu- gehen.

Der Angriff auf die französische Gesandt­schaft in Athen.

Zaimis verspricht Genugtuung.

Br. Haag, 11. Sept. (Erg. Drahtbericht. Zens. Bin.) Aus Athen wird gemeldet: DieGesandtender Entente be­suchten Zaimis und teilten ihm die Bedingungen mit, unter denen der griechische Angriff auf die franzö­sische Gesandtschaft beigelegt werden soll: Erstens Bestrafung der verantwortlichen Täter; zweitens Bestra­fung der Beamten, die unterließen, den Zwischenfall zu ver- hrudern; drittens sofortige Auflösung aller Abteilungen der Reservrsten-Liga in Athen und den Provinzen Zaimis ant­wortete, die griechische Regierung werde das Notwendige tun. um Genugtuung in diesem Sinne zu geben.

Die Entfernung der Deutschen aus Griechenland.

W. T.-B. Bern, 11. Sept. (Drahtbericht.) Nach griechi­schen Meldungen sind mit Baron S ch e n ck 34 Deutsche und Österreicher am Donnerstagabend obne Zwischenfäll mit dem Dampfer ..Margarita" nach Kavalla abgefahren, von wo sie mit Kraftwagen nach Drania und Oxilar Weiterreisen. Die in Janina ansässigen Deutschen, die Griechenland ver­lassen sollen, sind nicht in Athen eingetroffen.

Der Krieg gegen Italien.

Der Untergang des „Leonardo da Vinci". -

Ein sehr verspätetes Zugeständnis.

W. T.-B. Bern, 11. Sept. (Drahtbericht.) Die heutige italienische Presse enthält die amtliche Bestätigung der Mitte August durch Meldungen französischer Blätter be­kannt gewordenen Katastrophe des italienischen ttber- dreadnoughts „Leonardo da Vi nci", wonach dessen Untergang am 2. August, abends, erfolgt ist. Das verspätete «mtlrche Zugeständnis Erweckte in der italieniichen Presse großen Unmut, „secolo" meint, einen derartigen Be­weis des Mißtrauens könne das italienische Volk sich nicht ge­fasten lassen. Allgemein wird vermutet, daß das Schiss dmm Anschlag zum Opfer gefallen ist. „Corrrere della