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Montag, 11. September 1916. Nr. 435. . 64. Jahrgang.

Der Krieg Rumäniens.

Die Siegesnachricht von Silistria.

Line Huldigung der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" gegenüber dem König von Bulgarien."

W. T.-B. Bern, 11. Sept. (Drahtbericht.) Die „Nordd. Mg. Ztg." schreibt: Die Ankunft S. Majestät des Königs von Bulgarien im deutschen Hauptquartier Mt mit der Siegesnachricht von Silistria zusammen. Ein Gebiet, das Rumänien im zweiten Balkankriege durch I,interlistigen Überfall dem Nachbar entrissen hat, ist wieder in bulgarischer Hand. In kurzem glänzendem Siegeslauf warfen die verbündeten Truppen in der Dobrudscha den rumänischen Feind und die russischen Hilss- truppen. Was König Ferdinand bei dem Eintritt Bul­gariens in den Weltkrieg seinem Bolle in kraftvollen Worten verkündete, erfüllt sich Stück für Stück. Umstrahlt von Wafsenzlanz, siegreich auf allen Schlachtfeldern, steht Bulgarien heute da als unbezwingliches Boll­werk zwischen D o n a u und M e e r. Die kühne entschlossene Politik des Königs hat die bulgarischen Fahnen durch heiße Kämpfe zu wunderbaren Erfolgen geführt. Neue S,ege siehen, wie wir voll Zuversicht erwarten, den verbündeten Heeren bevor. Zu gurer Stunde begrüßt Deutsch­land den Herrscher Bulgariens auf deutschem Loden.

Berliner Pressestimmen.

8:-. Berlin, 11. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Zu dem neuen deutsch-bulgarischen Sieg äußert sich die gesamte Berliner Presse mit Anerkennung und Bewunderung für die Tapferkeit der verbündeten Truppen. Im „Lol.-Anz. heißt cs. Im großen Hauptquartier-Ost, wo er zur Besprechung mit Kaiser Wilhelm weilt, hat der Z a r d e r B u l g a r e n gestern die freudige Nachricht von der Einnahme Silistrias empfangen. Es ist der dritte Sieg, den die Massen unserer Verbündeten Schulter an Schulter mit deutschen Truppen in dem noch so kurzen Feldzug gegen unseren jüngsten Feind errungen haben. Auf Tutrakan und Dobritsch ist nach wenigen Tagen der F a l l d e r letzten Stadt gelungen, die Rumänien von dem an Bulgarien begangenen Länderraub noch im Besitz hat. - In der „Boss. Zt«." schreibt Erich v. Salzmann; Die deutsch-bulgarische Führung gegen Rumänien hatte die Wahl der Art der Kriegführung. Besonders die bulgarisch­rumänische Donaugrenze legte nahe, den Krieg dort in defensiver Form zu führen. Die Donau ist zwischen dem Eisernen Tor und Rustschuk durchschnittlich ein bis zwei Kilometer breit, hat eine Tiefe bis sieben Meter und stellt somit ein sehr hoch ernzuschatzendes Hindernis sür einen militärischen Flußübergang dar. Die deutsch­bulgarische Heeressührung hatte die Überzeugung ganzimSinne M o l t k e s gewonnen, daß sie stark genug zur Offensive sei und handelte danach. So erlebten wir sofort nach der Kriegserklärung seit dem 27. August den Vormarsch aus Dobritsch, wo die ersten Zu­sammenstöße stattfanden, bis der wichtige Eisenbahnknotenpunkt m bulgarische Hände fiel. Die deutsch-bulgarischen Streitkrafte haben jetzt durch die Sicherheit ihrer linken Flanke eine ganz andere Bewegungsfreiheit bekommen. Die Donau wird nördlich Silistria schnell zu einem breiten sumpfigen, zun, Te,l mit Urwald bedeckten Fluß- und Seengebiet, das einem Übergang größerer Streit, kräste ganz außerordentliche Schwierigkeiten bietet Auf der ganzen Strecke von Silistria bis Braila ist eigent­lich nur ein ausgebauter Übergang bei Cernavoda vorhanden. Dort überschreitet die Eisenbahn Constantza-Bukarest de» Fluß.

Der tiefe Eindruck der Luftangriffe auf Bukarest.

IV. 1.-8. Bern, 10. Sept. Einem Berichte des „Secolo" aus Bukarest zufolge, schreibt das Blatt Take Jones- cus zu den Luftangriffen auf Bukarest, kerne einzige europäische Stadt sei von den Deutschen vom ersten Tage des Kriegsausbruches an einem solchen Bombardement aus­gesetzt worden wie Bukarest. Über Paris seien Zeppeline verhältnismäßig selten erschienen. Auf London seren Luftan- oriffe zwar zahlreich ausgeführt worden, könnten aber nur als vereinzelte Zwischenfälle hingestellt werden. Deutschland betrachte also Rumänien als seinen schlrmmst-n und hassenswerteftenFeind, gegen den nicht nur Krreg geführt, sondern an dem auch Ra ch e genommen werden müsse.

beispiellose Panik in Bukarest.

Drei Offiziere gesteinigt! — Räumung der Hauptstadt durch die Behörden.

(Bon unserem L.-Sonderberichterstatter.)

8. Stockholm, 11. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Die Nachricht von der Eruberunq der Festung Tutrakan durch die deutschen und bulgarischen Truppen und der plötzlich mit äußerster Stärke hörbar werdende Kanonendonner verursachte in Bukarest crne viellcrckt in der ganzen Kriegsgeschichte bersplel- lose Panik. Bukarest ist, nach hrer über Rußland eingetroffenen Berichten, seit Mittwoch eine Stadt, wo die aesamte Bevölkerung verzweifelt und köpf- l o s nur an die FI u ch t denkt. Als Mittwoch früh der Kanonendonner hörbar wurde, stürzte alles auf die Straßen, überall wurde aufgeregt gestikul,ert und ge sprochen. Anfangs nahmen di- noch ganz vom isieges- rausch befangenen Leute an, es handele sich um irpeno ei« Salutschießen; Zehntausende gingen auf dre Catea Virtoriei «ach dem Boulevard Elisabeth, um btc Siegcs- rwLr-icht L» erwarten. Zn den Nachmittagsstunden HK--

breitete sich plötzlich von Mund zu Mund die Schreckens­nachricht von der Niederlage. Das Aussehen der Stadt war sofort völlig verändert. Eine tausend- köpfige Menschenmenge drängte sich auf dem großen Platz vor dem Bahnhof. Die Billettschalter wur­den bestürmt, um Fahrkarten sür die nach dem N o r- d e n gehenden Abendzüge zu lösen. Mit den in vom Süden kommenden Zügen eintreffenden Flüchtlingen steigerte sich noch die Panik durch ihre schrecklichen Be­richte vom schnellen Vorrucken des Feindes. Sic brach­ten Schilderungen von dem Ertrinken rumänischer Heeresabteilungen. Ein Offizier des Generalstabs, der in besonders wichtiger Mission aus Silistria eintraf, wurde von der ängstlich fragenden Menge bald zerdrückt.

front aufgefordert. Das Gendarmerieaufgebot in bei Hauptstadt wurde auf das Fünffache verstärkt, West Ausschreitungen stark befürchtet wurden.

Unerhörte Grausamkeiten der Rumänen beim Rückzug.

(Von unserem dli.-Sonderberichterstatter.)

Ni. Sofia, 11. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Dic Einnahme von Silistria, Dobritsch, Baltschic, Cavanar und Kalrakra entfesselte große Begeisterung und äußerste Erregung in den überaus belebten Straßen der Stadt. Nachrichten von der Front besagen, daß die Rumänen auf der ganzen Linie von einer wahren Panik ergriffen wurden und f l o b e tt. Offiziell wird bestätigt, daß die Runiänen beim Rückzug u n -

Zürich. 3331 j

Gegen drei andere Offiziere entlud sich plötzlich btc kochende Volkswut; sie wurden mit h-rausgcrijsenen Steinen t o t g e s ch l a g e n. Auf einer aus dem Platz vor dem Bahnhof haltenden Pferdebahn wurden Fahrkarten für den Nachtzug nach Jaish an dre Meist­bietenden versteigert; es wurden bis 8000 Kronen ge­boten. Die T e I e v h o u v e r b, n d u n g e n nach aus­wärts und innerhalb der Stadt wurden zm Vermetdung weiterer Beunruhigungen sofort gesperrt, selbst die Be­hörden außer dem Gencralstab dürfen das ^eltphon nicht

benützen. Sogleich wurde um 5 Uhr nachnnttags der ge­samte Privateisen bah «verkehr anfgehal- ten, weil militärisch erietts alle Eisenbahnen benötigt wurden. Zahllose südwärts gehende Militär­züge passierten die Hauptstadt. Mehrere Extrazuge wurden nachts nach verschiedenen Richtungen für fliehende Behörden eingelegt. Zn der Stadt selbst etzte nachmittags die Flucht der Zivilbevölkerung enr und dauerte die ganze Nacht hindurch. Arme und relche Familien wanderten z» F» ß aus, wenige Habselig­keiten mit sich führend. Dic. Ausfas,nng der militäri­schen Lage ist bei den ossrzlcllcn stellen äußerst pessimistisch. A m t I i ch c r, c i t s hat bereits dl- Räumung der Hauptstadt begonnen. Das Hauptquartier wurde nach Ploesti und Linata verlegt, der Generalstab und die Beamten des Krtegsminlste- riums wurden dorthin beordert. Di- Marincvcr- w a l t u n g wurde nach Constantza verlegt. Die Natlv- nalbank, das Ministerium des Innern sowie die ihm anqeqliederten Verwaltuagsamtcr sollen nach Zassi, kommen. Das Auswärtige Amt bl-ibt einstweilen in Bukarest, des Eindrucks ,m Ausland wegen. Dagegen wurden die Gesandten der verbündeten Machte offiziell ins Hauptquartier eingeladen, wo sich auch Bratianu befindet. Auch die Vertreter der ansland,- hhm ileiiunocit wurden litt Reise an die Nord­

er h ö r t e Grausamkeiten begingen. Viele Dörfer wurden angezündet, 2000 bulgarische und türkische Flüchtlinge: trafen in Balbunar ein, im Dorfe Baladscha wurden mehr als 5 0 v e r st ü m. m e I t e Frauen- und K i n d e s l e i ch c n gefunden. Die wenigen Überlebenden erzählen, daß das 40. rumänische Regiment diesen Mord begangen hat. Die Wat der bulgarischen Soldaten wurde dadurch noch gesteigert.

Die Enttäuschung über den Fall von Tutrakan in Paris.

W. T.-B. Bern, 10. Sept. „Petit Journal" meint, daß der Fall der Fe st ung Tutrakan für Rumänien eine herbe Überraschung sei. .Echo de Paris" läßt seine Enttäuschung und den Ernst der Lage in folgenden Aus­führungen erkennen: Der Schlag sei sür Rumänien, wenn

er auch durch das Vorcücken in Transsylvanien ausgeglichen werde, recht unangenehm. Wenn Rumänien jedoch kaltes Blut bewahre, müsse alles noch gut gehen. Die Lage Tutrakans wäre für Rumänien beim Angriff auf Bulgarien sehr vorteilhaft gewesen. Die Lage habe sich nunmehr ge­ändert, denn der Verbindungsweg für raschen und be­quemen Nachschub für die rumänischen und die südlich der Donau stehenden Streitkräfte sei verloren gegangen, wodurch das rumänische Oberkommando in eine Verlegenheit kommen werde. Den Deutschen und Bulgaren dagegen sei ihre Aufgabe erleichtert und sie könnten zur Bedro­hung Bukarests übergehen. Die Balkanfcage, deren Be­deutung an der Kraftentfaltnng des Feindes bemessen werden müsie, sei keine nebensächliche Angelegenheit mehr, sondern eine große, wenn nicht eine der g r ö ß t e n Un t e r n e h m u n- gen des Weltkrieges. Keinerlei Schwachheit sei am Platze, und unabschätzbare Faktoren ständen auf dem Spiel.

HcrveS Sorgen um den Bulkern.

W. T.-B. Bern, 11. Sept. (Drahtbericht.) Nach einem Leitartikel in der „Victoire" sieht Hervö trotz der nicht schlechten militärischen Gesamtlage im Süden von Rumänien eine s ch w c r e W o l k e, die sich bereits zwischen Tutrakan