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Montag» 11. September 1916.
Morgen-Kusgabe.
Nr. 434. . 64. Jahrgang.
Die rumänische Festung SUtftrta gefallen!
Siliftria.
Noch bevor am 5. September der deutsch-bulgarische Angriff gegen die Vorstellungen des Donaubrückenkopfes Tutrakan eingeleitet war, rückte eine zweite Heeresgruppe östlich davon gegen den anderen, ebenso wichtigen Übergang an derTonau. die FestungSilistria, vor. Am 4. September wurde die drahtliche Verbindung zwischen Tutrakan und Siliftria einerseits sowie zwischen letzterer Festung und der Dobrudschastadt Dobritsch andererseits unterbrochen. Am nächstfolgenden Tage durchbrachen Bulgaren feindliche Heeresteile in dem Zwischenraum zwischen beiden Festungen, wodurch Tutrakan und Siliftria auch räumlich und taktisch voneinander getrennt waren und heute schon ist die Festung gefallen. Auch sie vermochte den tapferen Angreifern nicht lange zu widerstehen: Die deutsch-bulgarischen Truppen kämpften hier auf althistorischem Boden, in einem Gebiete, welches in den Türkenkriegen aller Zeiten eine große Rolle gespielt hat.
Siliftria, rund 80 Kilometer flußabwärts der ehemals rumänischen Panzerfestung Tutrakan, bildete in den Kämpfen der Russen gegen die Türken einen heiß- ilmstrittenen Gegenstand. Ebenso wie Tutrakan liegt Siliftria auf dem rechten Donauufer und zählt fast die gleiche Zahl Einwohner wie fener befestigte Punkt. Im russisch-türkischen Kriegs von 1828 bis 1829 wurde Siliftria zweimal von den Russen belagert. Nach mehrwöchiger Einschließung gab man russÜcherseits die An- griffstätigkeit im November 1828 angeblich wegen schlechter Witterungsverhältnisse wieder auf. Im Mai des darauffolgenden Jahres griff eine verstärkte russische Armee den starken Brückenkopf abermals an. Nach 46tägiger Belagerung fiel der türkische Außenposten in die Hand der Angreifer. Zum zweiten Male zog Rußland im Krimkriege 1854 über die Donau. Auch dies- mal war das erste Operationsziel dieser Donauarmee der Brückenkopf Siliftria. Ebenso wie im Jahre 1828 schritt die Einschließung von 1854 nur sehr langsam vorwärts. Die tapfere und umsichtige Leitung der türkischen Verteidigung, in artilleristischer Hinsicht in den Händen eines preußischen Offiziers liegend, machte dem Angreifer das Vorwärtskommen sehr schwer. Wenn nachher im Juni des Jahres 1864 die russische Belagerung aufgegeben wurde, r o lag der Grund hierfür nicht allein auf politischem Gebiete, in dem damaligen Zusammenschluß Preußens und Österreich-Ungarns gegen eine weitere Ausbreitung der russischen Macht an der Donau, sondern vielmehr an dem andauernd hartnäckigen Widerstande, welcher den russischen Angreifern durch die preußisch-türkische Verteidigung entgegengesetzt wurde. Im letzten russisch-türkischen Kriege von 1878 spielte Siliftria nur die Rolle eines defensiven Stützpunktes, unter denen Schiltz die Türken starke Kräfte zusammenziehen konnten. Seit den, Berliner Vertrag von 1878 gehörte Siliftria den Bulgaren. Wegen der Bedrohung des rumänischen Nachbars mußten jedoch die Werke geschleift werden. Hierdurch sank die Bedeutung des bulgarischen Festungsvierecks gegenüber Rumänien erheblich herab. Insbesondere war der nördlichste Vorposten in seiner Bedeutung als bulgarisches Einfallstor gegen Rumänien stark herabgemindert worden. Trotzdem ruhte Rumänien nicht eher, als bis Siliftria und Tutrakan nach dem zweiten Balkankrieqe in das rumänische Gebiet einverleibt wurden.
Der Bukarester Frieden des Jahres 1913 zwang die Bulgaren, Siliftria an die Rumänen abzutreten. Rumänien hatte wohl erkannt, daß ein bulgarisches Siliftria ein dauernder Dorn in feinem Fleische sei. Rumäni- scherseits wurde Siliftria weniger drohend als Offensivpunkt der Bulgaren angesehen, sondern als Hindernis für eine eigene Unternehmung von Norden nach Süden, aus der Dobrudscha gegen Bulgarien. Die Bedeutung von Siliftria besteht fernerhin darin, das 60 Kilometer nördlich dieses Brückenkopfes bei Cernavoda die Eisenbahnlinie über diesen Fluß von Bukarest nach Con- stantza führt. Gemeinsam mit dieser strategischen Linie war Rumänien in der Lage, jeder feindlichen Unternehmung aus Bulgarien in die Dobrudscha flankierend entgegentreten zu können. Der rumänische Offensivgedanke ruhte auf drei Punkten: auf den Brückenköpfen Tutrakan, Siliftria und dem nördlichsten Cernavoda. Der westliche von ihnen ist seit denr 6. September in deutsch-bulgarischen Besitz übecgegangen. Ter Verlust von Siliftria ist ein neuer schwerer Schlag für Rumänien, der zweite Weg zu der Hauptstadt des Landes und ein abermaliger Strich, durch den rumänischen
Heeresplan, welcher die linke Flanke des eigenen Heeres durch die Donau, die erwähnten drei Brückenköpfe und endlich die russische Hilfe genügend gesichert hielt.
Vor Siliftria forderte Bulgarien den letzten Rest des Bodens, welcher ihm 1913 geraubt worden ist. M.
Bedeutende blutige Verluste der Rnssen und Rumänen. — Fortgang der Somme-Schlacht- — Englische und sranzösische Vorstöße blutig abgeschlagen. — Neue Gefechte rechts der Maas. — Jur Osten Fühlungnahme deutscher Truppen mit rumänischen Kräften.
Der Tagesbericht vom 10. September.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 10. Sept. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Die Schlacht an der Somme nimmt nach der vorgestrigen Kampfpause ihren Fortgang. Der englische, auf 15 Kilometer breiter Front zwischen Thiepval und Combles erfolgte Stuß brach sich an der Standhaftigkeit der unter dem Befehl der Generale Freiherr M a r s ch a 11 und v. K i r ch b a ch stehenden Truppen. Bei Longueval und Ginchy sind die Nah- kämpfc noch nicht abgeschlossen Die Franzosen wurden im Abschnitt Barleux Bclloy von Regimentern des Generals v. Quast blutig abgeschlagen. Nordwestlich von Chaulnes machten wir bei Säuberung einzelner Grabenteilc Gefangene und erbeuteten sechs Maschinengewehre.
Rechts der Maas spielten sich neue Gefechte südlich des Werkes T h i a « m o n t und östlich von Fleury ab. Eingcdrungener Feind ist durch Gegenstoß geworfen. _
Im Luftkampf verloren unsere Gegner in den letzten Tagen — vorwiegend an der Somme — neun, durch unser Abwehrfeuer drei Flugzeuge. .Hauptmann B o e l ck e hat den 22. feindlichen Flieger abgeschossen.
Östlicher Kriegsschauplatz.
Abgesehen von wiederholten vergeblichen russischen Angriffen gegen bayerische Truppen bei Stara Czer- wiszce am S t o ch o d ist die Lage vom Meere bis an die Karpathen unverändert.
In den Karpathen setzt der Feind seine Angriffe fort. Westlich von Schipoth hat er Gelände gewonnen. Sonst ist er überall abgewiesen.
Südlich von Dorna Watra haben deutsche Truppen mit rumänischen Kräften Fühlung gewonnen.
Balkan - Kriegsschauplatz.
Siliftria i st gefallen.
Die blutigen Verluste der Russen und Rumänen in den letzten Kämpfen stellen sich als sehr bedeutend heraus.
An der mazedonischen Front keine Ereig. niste von besonderer Bedeutung.
Der erste Generalquartiermeister:
Ludendorff.
Oer Krieg Rumäniens.
Der amtliche bulgarische Bericht.
Der erfolgreiche Vormarsch in der Dobrudscha. Völlige Niederlage der Russen und Rumänen bei Dobritsch.
W. T.-B. Sofia, 9. Sept. Bulgarischer Generalstabsbericht vom 9. September. Rumänische Front. Am Donauufer herrscht Ruhe, bloß in der Richtung auf Widin wurden vom rumänischen Ufer einige Schrapnellschüsse abgegeben. Nach der Kapitulation von Tutrakan haben die Rumänen vom linken Donauufer die Stadt beschaffen. Als Erwiderung darauf hat unsere Artillerie Oltenitza bombardiert.
Die Vorrückung in der Dobrudscha dauert mit großem Erfolg fort. Überall geschlagen, zieht sich der Gegner zurück. Am 6. September versuchte eine rumänische Division der Besatzung von Siliftria den Truppen von Tutrakan zu Hilfe zu kommen, sic wurden jedoch von unseren Truppen bei dem Dorfe Sansarlar (ca. 20 Kilometer südöstlich von Tutrakan) angegriffen, geschlagen und zum Rückzug gegen die Festung gezwungen. Wir nahmen hier 3 Offiziere und 130 Mann gefangen und erbeuteten 3 Schnellfenerbatte- rien, ferner Pferde und viel Kriegsmaterial.
Am 5., 6. und 7. September entwickelten sich erbitterte Kämpfe in der Gegend von Dobritsch und
endeten am 7., nachmittags, mit der völligen Niederlage des Gegners, welcher das Kampffeld verließ, gefolgt von unseren Truppen. Seitens des Feindes haben an diesen Kämpfen teilgenommcn die 61. russische Division, eine russisch-serbische Division und die 19. rumänische Reserve- division.
An der M e e r e s k ü st e herrscht Rnhe. Am 5. September haben zwei feindliche Torpcdobootszerstörcr K a w a r n a und Ba l t i t s ch beschossen, ohne großen Schaden anzurichten. Sie wurden von deutschen Hydroplanen durch Bombenwürfe vertrieben. Die letzteren bombardierten mit Erfolg die russischen Schiffseinheiten im Hafen von C o n st a n tz a, Lagerhäuser, Petroleumreservoirs und den Bahnhof. Sie warfen über 200 Bomben auf den Hafen, die Depots und die Kasernen von Mangalia.
An der mazedonischen Front herrscht Ruhe.
Räumung Siliftrias.
Br. Zürich, 10. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Mn.) Schweizer Blätter melden aus London: Siliftria wird von der Zivilbevölkerung geräumt.
Der Erfolg von Tutrnkun.
Glückwunschtelegramm des Königs von Sachsen.
W.T.-B. Dresden, 9. Sept. Die „Sächsische Staatszeitung" meldet: Der König bat anläßlich des bulgarischen Erfolges an den König der Bulgaren folgendes Telegramm gerichtet: „Heute, wo ich den ganzen Umfang des Erfolges von Tntrakan übersehen kann, spreche ich Dir und Deiner heldenmütigen Armee zu diesem glänzenden Siege meinen wärmsten Glückwunsch aus. Gott helfe uns weiter! Friedrich August."
Eine authentische Darstellung der Kämpfe
Die vergeblichen Überlistungsversuchc der Ruffen.
Br. Sofia, 10. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Eine authentische Darstellung der Kämpfe um Tutrakan stellt fest, daß einzelne der Befestigungswerke des Haupt- sertsgürtels von Tutrakan, namentlich die südlichen, das Mod ernste und Stärkste daestellen, was die Befestigungs- lechnik bisher geleistet hat. Dagegen ist die moralische Widerstandskraft der rumänischen Truppen, insbesondere derjenigen, die zum erstenmal im Feuer standen, minderwertig gewesen. Schon nach relativ kurzer Beschießung war der Widerstand der Rumänen gelähmt, und der bulgarische Sturmangriff konnte sein Ziel erreichen. Biele Verteidiger warfen die Waffen fort und ergaben sich* oder versuchten, zu fliehen. Bei dem Zusammenstoß mit den Russen bei Dobritsch haben tatsächlich, wie sich jetzt bestätigt, einzelne russische Führer, darunter ein Oberst, unter Berufung auf die Stammesverwandtschaft mit den Bulgaren versucht, diese zur Waffen- streckung zu bewegen. Die Aufforderung wurde aber von den Bulgaren durch einen ungestümen Sturmangriff beantwortet, der die überraschten Russen in die Flucht jagte. Die Russen wurden dann durch mörderisches Feuer dezimiert.
Eine schweizerische Betrachtung.
IV. T.-B. Bern, 9. Sept. Das „Berner Tageibl." schreibt zu dom Fall von Tutrakan unter anderem: Die deutsch-bulgarische Offensive gegen die Dobrudscha, die von Ententeblättern als eine leicht zu nehmende Diversion dargestellt wurde, hat auf dem linken Flügel einen raschen Erfolg gezeitigt. Die Folgen dieses außerordentlichen militärischen Erfolges der deutsch-bulgarischen Armeegruppe an der Donau sind entschieden hoch einzuschätzen und zunächst in ihrer Wirkung noch gar nicht abzusehen. Nach der opferlosen Eroberung der Dobrudscha durch die Rumänen wurde das für den Vormarsch auf Bukarest so bedeutungsvolle Tutrakan an der Donau befestigt, weil auch an dieser Stelle der Donau das. diesseitige rechte User höher liegt, als das linke. Es wurden Befestigungsanlagen aus dieser Seite errichtet. Das hatte aber zum Nachteil, daß die Besatzung die Donau in den Rücken bekam. Dieser Umstand ist ihr zum Verhängnis geworden. Bei der raschen Erstürmung Tutrakans gelang es nicht, die rumänische Armee rechtzeitig über den Strom zu schaffen. Nur daraus erklärt sich die hohe Zahl an Gefangenen und die große Beute an Geschützen. Diese e r st c rumänische Schlappe, die so prompt aus die mit Absicht verspätete bulgarische Kriegserklärung eintrai, ist eine ernste Mahnung für diejenigen Pessimisten, die trotz der gewaltigen Ausmaße dieses Krieges im ersten Moment der rumänischen Kriegserklärung an Österreich glaubten, das Übergewicht habe sich endgültig und schwer auf die Seite der Entente gelegt.
Ein erfolgreicher Fliegerangriff aus Eonstantza und russische Seestreilkräste.
W.T.-B. Berlin, 9. September. (Amtlich.) Deuffche Sceflngzeuge belegte» 'anr 7. September mittags Getreide- schuppcn, Öltanks nnd den Bahnhof E o n st a n tz a, sowie km Hafen liegende russische Seestreitkrästr mit
