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Wiesbadener Tagblstt.

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Sonntag» 10. September 1916.

Lin Vurchbruchrversuch der Russen in Gftgalizien vereitelt.

Große feindliche Verluste.

Einbringung von 1000 Gefangenen.

Neue heftige Kämpfe in derr Karpathen.

Gfterreichisch-ungarischer Tagesbericht»

W. 1.-8. Wien, 9., Sept. (Drahdbericht.) Amtlich ver­lautet vom 9. September, mittags.

östlicher Kriegsschauplatz.

Front gegen Rumänien.

In den Karpathen beiderseits der Straße Petro- seny-Hadtzeg warfen unsere Truppen den Feind bis 4 Kilometer hinter seine ursprüngliche Stellung zurück. Ein neuer starker feindlicher Angriff gegen den rech­ten Flügel dieser Gruppe veranlatzte ihre Zurücknahme in die rüheren Stellungen. Mehrfache Versuche des Feindes, mit Xnfanime und Kavallerie gegen die Höhe westlich von Czik- Zzereda vorzudringen, wurden vereitelt, sonst Lage unverändert.

Heeresfront des Generals der Ravallerre Erzherzog Karl.

Nach mehrfachen vergeblichen Stürmen starker feindlicher Kräfte gegen die Höhen östlich des Cibotales bemächtigte "lch der Feind einzelner Teile dieses Frontabschnittes. An den übrigen Teilen unserer Karpathenfront herrschte gestern ver­hältnismäßige Ruhe.

In Ostgalizien südöstlich und südlich Brzeznav ver­suchte der Feind gestern abermals, unsere Linien zu durch- dreche». Er wurde überall unter für ihn großen Verluste» , l, g e w i e s e n. Das tapfere Verhalten der in dieser Gegend kämpfenden ottomanischen Truppen muß besonders ljcrvorgchoben werden. In diesen Kämpfen büßte der Feind 1000 Mann an Gefangenen und fünf Maschinengewehre ein.

Heeresfront des Generalfeldmarschcrlls

Prinz Leopold von Bayern.

Die Lage ist unverändert.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Das feindliche Artilleriefeuer war nachmittags an der Front zwischen dem Monte Santo und dem Meer lebhaft. Auch an der Tiroler Front wurden mehrere Abschnitte von den Italienern erfolglos beschossen. Feindliche Patrouillen und Abteilungen, die an einzelnen Stellen vorzugehen suchten, wurde» abgewiesen.

Ein italienisches Luftschiff warf bei Nabrrsina Bomben ab, ohne Schaden anznrichten.

Südöstlicher Kriegsschanvlatz.

Bei den K. und K. Truppen keine Veränderung.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.

Die neuen Angriffrmethoden unserer Gegner.

Die unendlich zahlreichen Erfahrungen auf Ellen Gebieten des Angriffs, die durch die zweijährige Dauer des Weltkrieges allerseits gesammelt worden sind, haben unsere Gegner in West und Ost bei ihren letzten großen Offensiven, die noch im Gange sind, zusammen­gefaßt und in die Erscheinung treten lassen. Dabei ist unverkennbar und charakteristisch zugleich, daß überall die Franzosen als Lehrmeister ihrer Verbündeten auftreten und sämtlichen Kriegshandlungen an der Somme, in Wolhynien und in der Bukowina ihr be- sonderes Gepräge geben. Dicie Tatsache erklärt sich in einfachster Weise daraus, daß die französische Armee zweifellos a n d e r v i tz e der verbündeten Heere marschiert, was Ausbildung, Bewaffnung und militärisches Können anlangt, und daß sie daraus den Anspruch herleitet, daß ihre Fechtweife und Ausnutzung der Waffen, denen sie Erfolge verdau ken, den Verbündeten zur Richtschnur dienen sollen.

Die Neuerungen, die unsere Gegner im Vergleich zu früheren Kämpfen jetzt anwenden, liegen, vor allen Dingen auf a r t i l l e r i st i s ch e m Gebiet. Das Trommelfeuer an sich gehört nicht dazu, wenigstens 'nicht im Westen, während es bei den russischen Heeren in solcher Ausdehnung und Nachahmung des französi­schen Vorbildes zum erstenmal bei der Offensive dieses Sommers zur Anwendung gelangte. Neu an der Art des Trommelfeuers bei den ersten Angriffen der Eng­länder und Franzosen an der Somme im Jnlr d. I. war die ununterbrochene Dauer von sieben Tagen und die Ausdehnung des Feuers auf alle Kaliber, darunter namentlich solche aut englischer Seite, die bis­her noch nicht in die Erscheinung getreten waren. Neu

Morgen-kkusgade.

war ferner und ist es auch jetzt noch bei den französi- chen Divisionen, daß sie das Trommelfeuer rhrer Ar- illerie nicht, wie sie es früher mit Vorliebe taten, nur auf die vordersten feindlichen Gcabenlrmen rich­ten, sondern daß sie fetzt auch die zweiten und dritten Gräben mit gleicher Kraft und unter be- onderer Bevorzugung der schweren und mittleren Ge- chütze unter wirksames Feuer nehmen. Nur un­mittelbar vor dem Sturm richtet sich das heftigste Feuer ausschließlich gegen die vordersten Kampsgräben, wobei Gasgranaten benutzt und bei günstiger Windrichtung auch Gaswolken angeblasen werden. Der ersichtliche und verständliche Zweck der Beschießung auch der Hinteren Gräben ist, das Heranziehen von Reserven zur Unterstützung der in der vordersten Kampfstellung befindlichen Truppe zu verhindern, so daß diese dem ersten Ansturm des zahlenmäßig weit überlegenen Angreifers zum Opfer tollen soll. Im natürlichen Zusammenhang mit diesem nach rück­wärts verlegten intensiven Feuer steht das Streben, alle Annäherungs- und Verbindungswege zu den vorderen Stellungen sowie auch die Ortschaften hinter der Front zu fassen, in denen, nach der Annahme, Truppen untergebracht sind, die erst vorgeführt werden sollen, wenn die Gefechtslage es erforderlich macht. Mit den weittragenden Geschützen haben es namentlich die Engländer versucht. Entfernungen zu er­reichen. die ganz außerhalb der eigentlichen Kampf­front lagen, in der Absicht, hier den Eindruck zu er­wecken, daß der Angriff in schnellen!, siegreichen Fort­schritt begriffen sei.

Wirksame Unterstützung findet die artilleristische Feuerleitung und das Einschießen unserer Gegner in systematischer und ausgiebiger Weise durch A r- tillerieflieger, die auf Grund der bisherigen Erfahrungen und Lehren des Krieges ihre Leistungen vervollkommnet und verbessert haben. Das kommt u. a. auch dadurch zum Ausdruck, daß die französischen und englischen Flieger nicht mehr, wie zu Anfang des Krieges , ihre Beobachtungen durch abgeworfene Leuchtkugeln der eigenen Artillerie zur Kenntnis bringen, sondern durch telephonische Verbin­dung, die schneller und zuverlässiger funktioniert. Zur Erfüllung und Erleichterung ihrer Aufgaben werden den Artilleriefliegern Kampfgeschwader — bei den Engländern bis zu 18 Flugzeugen — vorausge­schickt, die gewissermaßen die Maske bilden sollen, hinter welcher ersterc ihre Austräge vom Gegner un­gestört erfüllen. Aüßerdeni suchen sie durch Abwerfen von Brand- und Sprengbomben die feindliche Artillerie in ihrer Tätigkeit zu behindern. , ,

Wenn so die englischen und französischen Dwrsionen bei ihren Angriffen nördlich und südlich der Somme übereinstimmend dahin streben, durch wirksamstes Ar­tilleriefeuer den Sturm ihrer Jnfanterremassen vorzu­bereiten, und die dazu gegebenen Vorschriften in der Hauptsache französischen Ursprungs sind, so ist damit keineswegs gesagt, daß das ganze Angrifssversahren, das beide Gegner in diesem Augenblick anwenden, identisch ist. 'Im Gegenteil baben wohl die Erfahrun­gen früherer Kämpfe namentlich die Engländer gelehrt, daß eine andere Taktik sich für sie mehr emp fehle. Diese besteht im wesentlichen darin, daß die eng lische Artillerie mit Beginn des Trommelfeuers die feindliche weit weniger unter Feuer nimmt, als es die Franzosen tun. Die englischen Batterien suchen vor allen Dingen die Gräben des Gegners nachhaltigst zu zerstören, und sie gehen in diesemVerfahren schritt- weise ganz systematisch vor und trommeln so lange gegen diese Ziele, bis sic sie für nahezu einge- ebnet halten. Der nächste Grund ist, daß sie in der feindlichen Infanterie den gefährlichsten Gegner sehen, desseil Widerstand gebrochen kein >nnß, bevor die von ihr besetzten Gräben sturmreif und. Aber auch in der mangelhafterenAusbildung der englischenJnfanteri. liegt die heutige Angriffsmethode begründet. Sie for dert tiefgegliederte Masten, im Gegensatz von den Franzosen, die in oiel loseren Wellen, mit größerer Energie, angreisen. Das Ziel des französischen Trommelfeuers ist in erster Linie die gegnerische Ar­tillerie. . t t m ,

Taktisch neu ist dre Verwendung der Rert er er. Da es an Gelegenheit zur Attacke in größerem Stile bisher gefehlt hat, hat zuerst die französische Kavallerie in der letzten Champagneschlacht ihre Reitermassen gegen die deutschen Schützengräben anreiten lassen. Das­selbe Verfahren, nur in größerem Umfange, haben russische Kavalleriekorps im Juli d I.. in Wolhynien angewandt, und neuerdings sind englische Reiterregi­menter diesem Beispiel an der Somme gefolgt. Der Zweck dieser Angriffe ist nicht recht verständlich. Die einzige Erklärung ist darin zu finden, daß die Kavallerie zur Verfolgung nach deni sicher erwarteten Siege bereit gestellt war und schließlich losgelassen wurde, um durch die Wucht ihres unerwarteten Angriffs den Gegner ins Wanken zu bringen.

Fer-spr.- »«. Lützvw6202«.6203.

Nr. 433. . 64. Jahrgang.

Oer Krieg Rumäniens.

Der störende Strich durch die rumänisch- russische und — englische Rechnung.

Br. Haag, 9. Sept. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Der „Manchester Guardian" schreibt rn einem Leitaussatz n i. fl.: Die Tatsache, daß Deutsche und Bulgaren D ob r i t sch gegen russische Angriffe halten und der Fall von Tutrakan ind ein schlechter Beginn sür den Feldzug an der unteren Donau. Soweit nach den recht mangelhaftenNachrichten, die bis­her eingelaufen sind, beurteilt werden kann, geht das Ziel der Rumänen dahin, nach dem Norden und in der Rich­tung auf O r s o b a vorzustoßen und die Offensive gegen Bul­garien den Russen zu überlassen. Dabei haben sie auch den Nebenzweck im Auge, die russischen Anstrengungen in den Karpathen zu unterstützen. Eine unangenehme Sette ist der Fall von Tutrakan, da jetzt König Konstantin und die griechische Militärpartei sehr wenig Neigung haben werden, sich binnen kurzem den verbündeten Mächten anzu­schließen. „Daily News" bespricht den Fall von Tutrakan und bezeichnet ihn als einen sehr st ö r e n d e n Strich durch die russisch-rumänische Rechnung. Offenbar stimme etwas nicht, denn die Einnahme eines so wichtigen befestigten Brückenkopfes an der Donau hätte unter allen Umständen vermieden werden müssen. Der überraschende Fall dieser rumänischen Festung scheine auch anzudeilten, daß es mit der Bewegungsfächigkeit des rumänischen Heeres hapere. Auf die Ruffen hätte man sich nicht verlassen dürfen, da sie in der Dobrudscha ein sehr schweres Hügelgelände fast ganz zu Fuß durchqueren müßten. Andererseits beweise der Fall von Tutrakan die schnelle Entschlußfähigkeit der deutsch-bulgarischen Heeresleitung und die hervorragende Schlagfähigkeit und A n g r i ff sk r a f t der dcntsch- bulgarischen Truppen.

Der Jubel in Sofia über die Waffentale« in der Dobrudfcha.

Br. Sofia, 9. Sept. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bin.) Über eie glänzenden Waffentaten in der Dobrudscha herrscht unter der Bevölkerung unbeschreibliche Begeisterung. Auf den , Straßen beglückwünscht man sich gegenseitig zu den herrlichen Erfolgen. Der sonst kühle und nüchterne Bulgare ist in seiner übecspradelnden Freude nicht wiederzuerkennen. Bemerkenswert ist, daß vielfach auch die Genugtuung darüber zum Ausdruck kommt, daß bei Dobritsch eine russische Reiterabteilung in die Flucht geschlagen wurde. Dieser Tat- scche schreibt man vornehmlich große moralische Be- d e u t u n g zu, um so mehr, als sich erwiesen hat, daß die bul­garischen Truppen zwischen Rumänen und Russen keinen Unterschied machen und beide mit gleicher Erbitterung an­greifen.

Konftantinopels Anteilnahme an dem große« Grfolg der Verbündeten.

B«. Konstantinvpel, 9. Sept. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Der Sieg der Verbündeten in Tutrakan macht hier besonders guten Eindruck. Die Freude war schon groß, als die Nachricht über nur einige tausend Rumänen eintraf, und stieg noch erheblich, als der ganze Umfang des Sieges bekannt wurde. Die Stadt wurde beflaggt.

Beschießung der rumänischen Hafenstadt Mandalia durch ein U - Boot.

W. 1.-8. Berlin, 9. Sept. (Amtlich. Drahtbericht.) Eines unserer U-Boote beschoß die Stadt und Hafenanlageu von Mandalia an der rumänischen Schwarzen Meecküste er­folgreich mit Bomben.

Rumäniens beschränkte Kriegsmöglichkeiten aus eigenen Mitteln.

Br. Wie«, 9. Sept. (Eig. Drahtbsricht. Jens. Bln.) Nach Londoner Meldungen ist Rumänien in der Lage, den Krieg bis Ende Oktober ans eigenen Mit­teln zu führen. Rumänien hat bei Kriegsbeginn über einen Bargeldbestand von 800 Millionen Lei verfügt.

Aufruhr gegen die Rumänen in der Dobrudfcha!

(Von unserem 8.-Sonderberichterstatter.)

8. Stockholm, 9. Sept. (Eig. Drahtbericht. Jens Bln.) I» der ganzen Dobrudscha ist ein sehr gefährlicher Auf­ruhr gegen die rumänische Herrschaft ausgebrochen. Die Kriegserklärung gab das Signal zun. Losschlagen und nicht nur in dem früheren bulgarischen Gebiet, sondern auch bei der Bevölkerung der älteren Dobrudscha, wo derselbe Hatz gegen die rumänische Mißwirtschaft bestand, kam es zu bewaffneten Angriffen der Einwohnerschaft im gesamten Gebiet der östlichen Donau. Die BevölkerMg habe sich schon seit längerer Zeit mit eingeschmuggelten Waffen, welche über die Grenze geschasst wurden, und auch reichlich mit Munition versorgt. Der Aufruhr beginn im Bezirk Silistria, wo die vom Land herbeigeströmken Bauern zusammen mst den Städtern die bulgarische Flagge hißten. Das schleunigst zur Unterdrückung des Aufruhrs entsandte dritte Bataillon des Gendarmen-Regiments wurde mit lebhaftem Feuer empfangen und binnen kurzem auscinandergejagt. Di- Silistrianer machten dabei über 100 Gefangene. Die