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Samstag. 9. September 1916.

Kbend-Kusgabe.

Nr. 432. . 64. Jahrgang.

Nachlassen der Znsanterie-Nämpse an der Somme.

Rechts der Maas verlorener Bode» wieder­gewonnen.

Ueber 1000 Gefangene zwischen 3lota- Lipa und vnjestr.

Wiederum gescheiterte Angriffe bei Dobritsch

Oer Tagesbericht vom 9. September.

W. T.-B. Großes Hauptquartier» 9. Sept. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Die feindlichen I n f a n t e r i e - A n g rli f f e an der Somtue ließen tagsüber nach.

Eine englische Teilunternehmung am Foureaux- Walde und nächtliche französische Angriffe gegen den Ab­schnitt Berny-Deniecourt sind mißlungen.

Wir säuberten kleine in Feindeshand gebliebene Teile unserer Stellung. Der Artilleriekampf geht weiter.

Rechts der Maas lebte das Gefecht nordöstlich der Feste Souville wieder auf. Nach wechselvolle» Kämpfen habe» wir einen Teil des hier verlorenen Bodens wieder in der Hand. Nachts heftiges beiderseitiges Artilleriefeuer vom Werk Thiaiumont bis Capitre-Wald.

Östlicher Kriegsschauplatz.

Heeresfront des Generalfeldmarfchalls Prinz Leopold von Bayern

Nichts Neues.

Heeresfront des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.

Die fortgesetzten riussischeu Angriffe zwischen der Z l o t a - L i P a und dem D n j e st r hatten auch gestern keinen Erfolg. Durch Gegenstöße wurden einge­drungene feindlickse Abteilungen wieder aus unseren Gräben und an der Front der ott omanischen Truppen über die russischen Ausgangsstellungen hinaus zurückgeworfen, über Ivo» Gefangene und mehrere Maschinen­gewehre sind eingebracht.

In den Karpathen setzte der Gegner st a r k e Kräfte gegen unsere Höhenstellungen westlich und südwestlich von S ch i p 0 t h iund bei Dorna W a t r a rin. Nordwestlich des Capul wurde dem Druck nachgegeben.

Balkan - Kriegsschauplatz.

Bei Dobric ist der ern,eute feindliche Angriff wiederum gescheitert.

Der erste Generalquartiermeister:

Ludcndorff.

Oer Krieg Rumäniens.

Die Zurückeroberung der Dobrudscha.

Br. Wien, 9. Sept. (Eig. Drcchtbericht. Zens. Bin.) „Az Est" meldet aus Sofia: Tie in der Dobrudscha vor­rückenden bulgarischen Truppen haben jetzt jene bul­garischen Gebiete z u r ü ck e r 0 b e r t, die ihnen Rumä­nien im Jahre 1913 geraubt hatte. Die Verbrn- düng der Rumänen auf der Linie Dobritsch- S i l i st r i a und T u t r a k a n ist durch die letzten Er­folge der Bulgaren unterbrochen. Em wichtiger Kriegsschauplatz ist die Gegend von Baltschik, wo der Feind außer dem Seewege auch über eine neue Eisenbahn verfügt» die von der Eisenbahn Cernayoda- Constanza abzweigt. Die 9. bulgarische Armee ist auch hier weiter vorgerückt.

Fast ein Zehntel der rumänischen Armee durch Tutrakan ausgeschieden.

Die große Freude über den Erfolg in Bulgarien.

W.T.-B. Sofia, 9. Sept. (Drahtbericht.) Alle Blätter feiern die glänzenden Kriege in der Dobrudscha. Das „Echo de Bulgare" schreibt: In vier Tagen haben unsere tapferen Regimenter, unterstützt durch die braven deutschen Kameraden, dem Feinde zerschmetternde Schläge beigebracht. In vier Tagen haben sie den Rubin geerntet» welcher über Bulgarien und dem Bünd- nis strahlt» mit dem unser Geschick unlöslich verbunden bleibt. Die Dobrudscha rst frei, der Walache hält von seinem Raub von 1913 n u r n 0 ch Si l i st r t ci. Über die Russen schreibt das Blatt: Die Russen wollten die Reihen unserer Feinde verstärken und sind unsere Feinde. Wir werden sie nach demselben Maße messen. „Voenni Jsvestia" hebt hervor., daß Tutrakan rm Sturm genommen wurde. Bereits wenige Stunden nach Beginn des Angriffs sielen die Befestigungen» eine nach der anderen. Der Fall einer modernen Festung in einem Tage wird eines der bemer­kenswertesten Ereignisse des Krieges ,blei­ben. Durch Gefangennahme. Verwundung und Tötung

ist bei Tutrakan fast ein Zehntel der rumans­chen Armee ausgeschieden. Tie Befestigungen waren äußerst stark, die Forts, waren 10 Meter breit und hatten Drahthindernisse. Der Fall von Tutrakan wird die ganze Dobrudscha günstig bsem- lufsen.

Die russische Niederlage bei Dobritsch.

w. T.-B. Sofia, 9. Sept. (Drahtbericht.) über den Zusammenstoß der bulgarischen Truppen mit den Russen nördlich von Dobritsch meldet die „Cambana": Eine russische Brigade ging, unterstützt von tu«- nis che r Artillerie und Infanterie, in dichten Reihen gegen zwei bulgarische Bataillone vor. Die Bulgaren ließen die russischen Reiter nahe heran­kommen und mähten dann die ganze Brigade mit ver­nichtendem Feuer nieder. Tie Russen ergriffen .panikartig die Flucht und wurden von den Bulgaren bis Ptschelarawo verfolgt. Das ganze Schlachtfeld war mit russischen Leichen bedeckt. Darunter befand ich auch der Brigadekommandeur. Nur ein Oberst­leutnant mit seiner Ordonnanz wurde verwundet, und gefangen. Als die Russen um Gnade baten» weil sie Brüderchen seien, antworteten die Bulgaren» niemand habe 'sie zur Hochzeit geladen. Die bulgarischen Sol­daten waren besonders erbittert, weil sie in der Dobrudscha-Kaserne 60 Leichen unschuldiger Bür­ger fanden. Andere hervorragende Bürger hatten die Rumänen w e g g e f ü h r t. Wahrend der Schlacht brachten Weiber und Kinder Wasser zur Kühlung der Maschinengewehrs in Krügen und Fässern herbei.

Köln» 8. Sept. Nack einer Sofioter Meldung der „Köln. Ztg." ist von den in der Dobrudscha befindlichen russischen Streitkräften eine ganze Abteilung im Kampf gegen, die Bulgaren bei Dobritsch buchstäblich vernichtet worden. Wie sowohl von der Südfront berichtet wird» wo auch Russen mit den Bulgaren gekämpft haben» als auch in der Dobrudscha, erstaunen die Bulgaren darüber» daß die Russen weit schlechtere Soldaten als die Franzosen sind. Die Stimmung gegen Rumänien wächst im Lande. Täglich laufen beim Kriegsministerium Gesuche von jung und alt ern um Einstellung in die Front gegen Rumänien. Truppenteile aus Nordbulgarien, die an der Südfvont stehen» verlangten wiederholt kräftig» gegen Rumänien geschickt zu werden.

Österreich-Ungarns Freude über die Ereignisse in der Dobrudscha.

Wien, 8. Sept. (Zens. Bln.) Mit Hellem Jubel und un­gestümer Freude ist in der ganzen Monarchie die Kunde von der Erstürmung der starken rumänischen Festung Tutrakan ausgenommen worden. Ohne den Erfolg zu übertreiben» stellen die Blätter fest» daß mit deni rumänischen Austallstor gegen Bulgarien ein ganzes rumänisches Armeekorps in die Hände der Verbündeten gefallen ist. Die Vergeltung für las verräterische Rumänien» das nach Hyänenart seine Raub­gier mühelos befriedigen zu können wähnte, habe b e - gönnen; man könne Vorhersagen» daß Rumänien bald das Los der anderen kleinen Staaten, Belgien» Serbien und Montenegro terlen werde» die auch auf solchen Raub ausge- aangen seien, aber heute zerschmettert am Boden lägen und erkennen müßten» daß sie sich in ihrer Leichtgläubigkeit und ihrer den Verstand benebelnden Habsucht von den Vierver­bandsmächten lediglich als Werkzeug für deren eigen- süchtige Politik mißbrauchen ließen. Die Blätter heben auch hervor, daß gleichzeitig die Russen bei Do­britsch von den schneidigen Bulgaren eine Niederlage erlitten haben und dadurch gezwungen worden sind, ihren ver­meintlichen leichten Triumphzug nach Konstantinopel, ihrem heihersehnten Kriegsziel, vorerst zu unterbrechen. Während so die Rechnung des Vierverbandes auf die entscheidende Wir­kung der rumänischen Hilfe wie seinerzeit bei dem Verrat Italiens sich als falsch erwiesen habe, halte die eisern« Front der Verbündeten auf allen Kriegsschauplätzen allen selbstmörderischen Erneuerungen der Anstürme der feindlichen Heere stand, und' die Zuversicht der Verbündeten auf den Sieg ihrer Sache rechtfertige sich täglich immer glänzender.

Die Bekümmernis der Franzosen wegen des deutsch-bulgarischen Vordringens.

Br. Genf, 9. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.)

, Figaro", „Echo" und andere Pariser offiziöse Blätter nehmen das Petersburger Bekenntnis» daß die Deutschen und Bulgaren in der Dobrudscha starken Vorsprung gewannen, zum Anlaß» die Oberleitung des Vierverbands zu raschen Ent­schließungen aufzufordern. Man müsse der Bukarester Stimmung Rechnung tragen» wo auf Verlangen der Oppo­sition nächste Woche die Kammer eine besondere Tagung c-bhält.

Br. Genf, 9. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Im Heeresausschuh der französischen Kammer steht» wie ^die .Humanste" meldet» eine entsprechende Erörterung der seit Rumäniens Mitwirkung zu verzeichnenden Balkanercig- nisse bevor» die unverkennbare Verstimmung in den leitenden Kreisen hervorgeruten haben. Der Redakteur Re- naudel von der „Humanste" will als Mitglied des Heeresaus­schusses von dem Kriegsminifter oder von Briand Aufklärun­

gen verlangen, was hinter den gegen den Generalissimus der Orientarmee gerichteten Treibereien steckt, ob es sich dabei nur um persönliche Reibungen handelt oder ob die Ursachen tiefer liegen. Eine gewisse Gereiztheit zeigen auch die den jüngsten Ereignissen auf dem Balkan gewidmeten Be­sprechungen der Pariser Blätter. Alan findet es böchst be- remdend» daß die von den.Verbündeten getroffenen militäri- chen Maßnahmen an den Balkanfronten sich als n n zu­reichend erwiesen haben» um das deutsch-bulgarische V 0 rdringen an den entscheidendeu Stellen zu verhindern. Der „Matin" erhofft schnellste Abwehr des bulgarischen Sturmstoßes durch ein kräftigeres russisches Ein­greifen. Herve» der an der Südgrenze Rumäniens eine Wiederholung des Durchbruches am Dunajetz befürchtet, be­schwört England» Italien und Rußland» alle verfügbaren Re­serven an der Donau einzusetzen.

Die Eindrücke der Eroberung von Tutrakan bei den Neutralen.

W. T.-B. Stockholm» 8. Sept. Die Einnahme von Tutra- kan wird von der schwedischen Presse als ein sehr wichtiges Ereignis betrachtet. „Dagens Nyheter" meinen:

Auf den Fall der Festung war man vorbereitet» daß cs sich aber um ein Ereignis von solchem Umfang handeln würde» hat niemand geahnt. Wenn die vereinigten deutsch-bulgari­schen Kräfte jetzt so einen bedeutenden Erfolg erringen konn­ten» so beruht das entweder darauf, daß Rumäniens Eintritt in den Krieg erzwungen wurde» bevor seine Vorberei- l u n g e n abgeschlossen waren, oder darauf» daß es die Offensivkraft des Gegners unterschätzte. Für die Bedeutung des Ergebnisses :ft es allerdings gleich» was von beiden richtig ist.

„Stockholms Dagblad" schreibt:

Die rumänische Armee wurde von einem schweren Schlag getroffen» der nicht zum mindesten wegen Tutrakans geringer Entfernung von der Hauptstadt eine n i e d er­drückende W i r k u ng auf die Bevölkerung ausüben dürste, die jetzt erkennt» daß der begonnene Kampf etwas ganz anderes äst» als der einträgliche militärische Spaziergang im Jahre 1913.

Die Erbitterung des Fürsten n Hohen- zollern über den Treubruch seines Bruders.

Der Fürst von Hohenzollern hat infolge des Eintritts von Rumänien in den Krieg an der Seite unserer Gegner seinen Verzicht auf die erbliche C h e f st e l l e des rumäni­schen 3. Infanterie-Regiments Dimbowitza Nr. 22 ausgesprochen.

Zur Vorgeschichte des rumänischen Anschlusses an die Entente.

(Don unserem 8.-Sonderöecichterstatter.)

8. Stockholm, 9. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) „Rußkoje Slowo" erfährt aus dem russischen Ministerium des Auswärtigen weitere Einzelheiten über die rumänische Annäherung an die Entente. Die Verhandlungen wurden in zwei Stadien geführt. Im ersten wurden die territorialen Zugeständnisse festgelegt, im zweiten be­mühte man sich, Rumänien zu beweisen» daß der Entente der endgültige Sieg sicher sei. Hier wären große Schwierig­keiten aufgetaucht» weil infolge der Unzuverlässigkeit B r a t i a n u s die Entente nicht wagte, ihre Karten aufzu­decken. Bratianu zeigte ein besonderes Interesse für die Balkanabsichten der verbündeten Mächte. Die Saloniki- Offensive war die Bedingung für das rumänische Ein­greifen. Mitte August wurde das Abkommen unterzeichnet und der Zeitpunkt der rumänischen Kriegserklärung festge­setzt, jedoch erfolgte der Angriff Rumäniens früher» als er­wartet wurde.

Angebliche deutsche Spionage in Bukarest.

(Von unserem 8.-Sonderber,chterstattec.j

8 Stockholm, 9. Sevt. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) »Rutzkoje Slowo" meldet aus Bukarest: Die Polizei entdeckte eine deutsche Spion enliga. Asus dem Telegraphen­amt wurden 4 rumänische Beamte unter Anklage gestellt» daß sie Telegramme der-Entente an Deutschland a)is- lieferten. Die amtlichen Stellen sind auf die Spionage aufmerksam geworden, weil der deutsche Gesandte auf­fallend gut über den Verlauf der Verhandlungen mit den Ententemächten unterrichtet schien. Allerdings wurden ^die wichtigsten Telegtamme durch einen Kurier bis an dl« russische Grenze gesandt und dort aufgegeben. Das Tel«, arapbenamt ist jetzt für den öffentlichen Verkehr gesperrt worden Der Berichterstatter läßt durchblicken» daß die ru- mänischen Behörden beabsichtigen, die Vertreter der Zentral­mächte zur Verantwortung zu ziehen.

Die griechische Urifi;.

König Konstnntin an die treugebliebene» Saloniker Offiziere!

Br. Amsterdam, 9. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) König K 0 n st a n t i n empfing am Mittwochs 167 Off 1 ziere der ersten Division in Saloniki, die sich geweigert hatten der revolutionären Bewegung sich anzu­schließen Der König drückte seine Dankbarkeit für ihre Lovalität aus und sagte: „Mit einer Armee, die von Leuten