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mstiags:"ü?dch,Ätorgen-AÜsg.^Rs ^3 Uhr^nächnnttag^ Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblaits: Berlin W., Potsdamer Str.121 L FernsPr.: Amt Lntzow b»02 ». 6203. Tagen und Plätzen wird keine Gewähr übernommen.
Freitag» 8. September 1916.
Morgen-Kusgabe.
Nr. 429. » 64. Iahrgang.
Erfolglose russische Angriffe an der Aarpathenftont.
Große ferndlitchr Verluste. Artilleriekampfe im Görzischen.
Ksterreichisch-ungarischer Tagesbericht»
östlicher Kriegsschauplatz, zront gegen Rumänien.
W. T.-B. Wie», 7. Sept. (Drahtbericht.) Amtlich verlautet vom 7. September, mittags:
Bei Blah-Toblicza wurden unsere Truppen, um einer drohenden Umfassung auszuweichen, auf die Höhe westlich des Ortes z u r ü ck g e n o m m en. Sonst bei unveränderter Lage keine besonderen Ereignisse.
Heeresfront des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.
Mehrfache sehr heftige Angriffe, die der Feind gestern gegen unsere Karpathenfront richtete, wurden teils nach erbitterten Nahkämpfen, teils durch Gegenangriffe unter großen Feindesverlusten abgewiesen. Südwestlich Tuntul-Moldowi führte ei« eigener Angriff zur Eroberung eines Blockhausstützpunktes. 88 un- verwundete Gefangene fielen hierbei in unsere Hand. Zwilchen der Zlota-Lipa und dem Dnjestr bezogen wir im Anschluß an die gestern geschilderten Kämpfe eine vorbereitete Stellung.
östlich und südöstlich von Brzezany führten feindliche Angriffe zu keinem Erfolg.
tjeeresfront des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Vanern.
Bei der Armee des Generalobersten v. Boehm-Ermolli wurden vereinzelte AngriffSverfuche des Feindes vereitelt. An der übrigen Front mäßiges beiderseitiges Artilleriefeuer.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Im Görzischen beschoß unsere Artillerie die Jsonz». Übergänge, während der Feind unsere Stellungen bei Lok- viza und mehrere Ortschaften im Wippachtal unter Feuer hielt. !
An der Suganofront wurden italienische Aufklärungsabteilungen, die unter starker Fcuerbegleitung gegen den Civaron vorgingen, kurz abgewiesen.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Die Lage ist unverändert.
Der Stellvertreter des Chefs des Gcneralstabcs: v. H ö s e r, Fcldmarschallrutnant.
Die russische 5ommer-Offensive Mb.
1. Der Kampf um Kowcl. irrster Teil.
Aus dem Großen Hauptquartier wird uns ge- schrieben:
Nach der in Blutströmen erstrckten Märzoffenstve gegen die unerschütterliche Mauer der Hindenburg- Ärmee tastete die russische Heeresleitung die Front weiter nach Süden ab und fand in Wolhynien jene verhältnismäßig schwache Stelle, die zum strategischen Durchbruch geeignet schien.
In rücksichtslosem, keine Menschenopfer scheuendem Angriff wurde das russische Massengewicht vorgedrückt. Anfang Juni durchbrachen nach starker Artillerievorbereitung russische Angriffe die österreichischen Stellungen westlich Olyka.
Durch energisches Nachstößen auf und über L u ck, dessen Brückenkopf gegen überlegenen Angriff nicht gehalten werden konnte, gelang es dem Feinde, den Süd» slügel und die Mitte der K. und K. 4. Armee über den Styr zu drängen, während der Nordftügel, ausgenommen durch zunächst geringe deutsche Verstärkungen, dein Gegner das Nachdrängen über Sterna und Styr z u verwehren vermochte.
Etwa gegen Ende der 1. Juniwoche folgte der Feind in westlicher und südwestlicher Richtung nur zögernd und schrittweise nach. Seine Sorge galt dem österreichischen Nordflügel und den hier eingesetzten deutschen Kräften, gegen die er nunmehr mit seinen Haupt- krästen nach Nordwesten in Richtung Kowel einschwenkte. Der wohl unerwartete Widerstand dieses durch deutsche Verbände verstärkten, unter deutscher Führung zusammengefaßten Flügels vcranlaßte ihn zur Vorsicht und Neugruppierung seiner Kräfte.
Selbst ein General Brussilow lernte wohl ahnen, daß Massenangriffe allein gegen deutsche Truppen keine Siege erzwingen. General v. Linsingen, der Sieger in den blutigen Karpathenkämpfen, gebot mit den über Kowel herangefübrten deutschen Verstärkungen dem russischen Ansturm das erste Halt.
Mitte Juni verlief die Front unterer nach dem linken Flügel hin durch deutsche Kräfte verstärkten Verbündeten in der allgemeinen Linie- Plaszowka-Abschnitt
von Tarnawka bis zur Einmündung in den Styr-dle Styr-Linie bis Gegend Lipa-das südliche Lipaufer bls Zboryszow-dann nach Norden biegend über Gorochow- Swiniuchy auf Witoniez-Stochod-Abschnitt _ bis etwa nördlich Liniewka-die Styr-Linie Sokul-Kolki, hier nach Norden umbiegend.
Nachdem deutsche Kräfte auch südlich Kowel eingesetzt waren, begann am 16. Juni der erste Gegenstoß in drei Gruppen: im Westen ungefähr aus der Linie Gorochow-Lokaszy, von Nordwest mit dem rechten Flügel längs der Tucija und von Norden.
Bis zum 18. Juni führt? dieser Gegenangriff
bereits einige Kilometer vorwärts.
Nach dem Eintreffen weiterer deutscher Verstärkungen wurde am 23. Juni ein zweiter Gegenstoß eingeleitet, der südwestlich von Lnck unter deutscher Führung nach Nordosten weiter ein gutes Stück vordrang.
Oerffampfifrrr /foiveß
Ein dritter Gegenstoß wurde wenige Tage später (30. Juni) nach Bildung einer neu zusammengesetzten Stotzgruppe (unter deutscher Führung) ein- geleitet
Strömender Regen rauschte am Vormittag des 30. Juni hernieder und verwandelte die wolhynischen Wege in grundlosen Morast. Stundenlang lvar für die Artilleriewirkung jede Fernlicht ausgeschattet. Trotz aller Schwierigkeiten aber wird die beherrschende Höhe südlich Gubin gestürmt. Auch eine links anschließende K. und K. Jnfanterie-Truppen-Diviüon machte gute Fortschritte und dringt in tapferem Angriff vor, wobei sie mehrere Gegenangriffe kattblütig abweist. Weiter nördlich stürmen deutsche und österreichische Verbände das Dorf Z u b i l n o und eine Höhe östlich von Trysten.
Der folgende Tag (1. Juli) trägt den Angriff weiter vor. Auf 18 Kilometer Breite sind die russischen Stellungen eingebrochen. Bis 5 Kilometer Breite ist Gelände nach Osten gewonnen.
Über mehrfache Linien russischer Gräben, hier durch dichtes, versumpftes Waldgelände, dort über freie Niederungen, trotz zahlreicher Gegenangriffe russischer Infanterie, ohne Rücksicht auf mehrfache Attacken der Transamur-Reiter-Division und einer zusammengesetzten Kavallerie-Division, wird am -Albend des 2. Juli das Höhengelände um Michailowka-Gubin erreicht.
In der'Nacht zuni 3. Juli beginnt der Russe mit dem Gegenstoß: starke Jnfanterieangriffe und nacht-
liche Kavallerie-Attacken leiten zwei zäh durchgeführte M assen an g r tff e ein. Unter außergewöhnlich schweren Verlusten wird der Gegner r e st- los abgeschlagen.
Auch die inzwischen verstärkte Nordgruppe batte den Angriff vorgetragen. In der Nacht zum 3. Juli räumt der Feind fluchtartig unter schweren Verlusten eine von ihm besetzte Brückenropfftelliing aus dein nördlichen Stochoduser an der Straße Kowel» Luck.
Dcr verhältnismäßig geringe Raumgewinn dieser drei Gegenangriffe überraschte die Führung nicht. Es >r,ar vorausgesehen, daß unter den vorliegenden Verhältnissen der örtliche Erfolg dieser Gegenstöße tvohl beschränkt bleiben würde. Sie fielen in eine Periode gegenseitigen Krästcausgleiches bei uns und unserem Gegner. Immerhin wurde durch diese Gegenstöße unsere seit 5. Juni gemachte Beute auf etwa 100 Maschinengewehre, 128 Offiziere und über 19 900 Mann erhöht, Tie große Bedeutung dieser unter deutscher Führung sofort eingeleiteten dreimaligen Gegenstöße ist aber nicht nach diesen Zahlen oder oem erzielten Raumgewinn zu bemessen. Ihr Wert liegt in ihrer rein militärischen, psychologischen und moralischen Bedeutung:
General v. Linsingen nimnit dem bisher unablässig vordrückenden Angreifer die Freiheit des Handelns, zwingt ihn zu Erwägungen und Umgruppierungen, fesselt Kräfte, die an anderer, politisch tür Rußland wichtigen Stelle eingesetzt werden sollten und veranlaßt die russische Führung zu Verschiebungen ihrer Reserven dorthin, wo sie den deutschen Angriff befürchtet! Hinfort bemüht sich die russische Heeresleitung durch unablässigen Antransport weiterer starker Kräfte das verlorene militärische Übergewicht wieder zu erreichen.
Das Spiel des Kräfteauszleichs an zahlenmäßigen, taktischen und moralischen Werten wird fortgesetzt. Neu herangeführte Kräfte gestatten dem Gegner die Einleitung eines starken Angriffs gegen den linken Flügel österreichischer Truppen im S t y r b o g e n. Die hier stehenden Verbände weichen unt« dem gegen die- Orte Gruziatyn und Kostiuchnowka eingesetzten Angriff nach Westen aus und werden hinter den Stochod zurück g e n o m m e n. In diesen Känlpfen zeichnet sich besonders die polnische Legion aus, die in tapferem Gegenstoß dem Feinde wichtiges Höhengclände entriß.
Einige Tage später drückt der Feind südwestlich Luck eine in der Gegend westlich von Gubin eingesetzte K. und K. Division zurück. Zur Ausgleichung der da- durch geschaffenen Lage wird die hier kämpfende Gruppe aus den eroberten Stellungen ein Stück zurückgenom- men ebenso die südlich anschließende Gruppe.
Gegen diese neue Front und gegen die Stochodlinie glaubt nun die russische Führung bei weiterem rücksichtslosen Menscheneinsatz neue Erfolge erzielen und das befohlene Operationsobiekt ,,Kowel" sicher erreichen zu können. Sie vermutet aus dnrcheinandergewürfelte Verbände zu stoßen, die sie mühelos abfertigen wird, wenn sie- nur energisch weiter vordrückt. Sie irrt sich und stößt auf gefestigt'', nicht nur militärisch, sondern auch moralisch starke Verteidigungslinien, die nicht zu über rennen sind. Den weiten Halbbogen um Luck halten kräftige deutsche Truppen, österreichischungarische Verbände und tapfere polnische Legionäre. Der vermeintliche Sicgeslcnff ist zu En d c, ein neuer Angriff muß eingeleitet werden. Dazu aber bedarf die russische Führung frischer ansgeruhter Kräfte. Sie zögert nicht, holt diese Kräfte von allen verfügbaren Fronten zusammen, läßt andere politisch wie strategisch bedeutsame Ziele in den Hintergrund treten und richtet das Höchstmaß der Krastenffaltnng auf Kowel. Wäh- rend im Norden gegen Baranowitsihi, im Süden gegen Lemberg der strategische Durchbruch a n g e st r e b t wird, wird der auf Kowel einfach rücksichtslos b e- fo h len!
In Richtung und über Kowel soll General Brussilow den Keil eintreiben, der die verbündeten Heere auseinander sprengt, die Flanken freilegt zur Aufrollung und die weitere Siegesbahn ör f net nach Westen.
„Durchbruch nach Kowel — um feden Preis", so heißt nun die Losun g für B cussilows Offensive tit Wolhynien. Wie im März auf Wilna, so werden nun gegen Ende Juli, alle Kräfte eingestellt ans das Ziel „Kowel". Schon stehen, wie während der Frühjahrsoffensive, Kavallerie- massen bereit zur Verfolgung über Kowel nach gelungenem Durchbruch. Unerbittlich wird dem letzten Muschik die Losung „Kowel" in den Schädel cinge- hämmcrt.
Milte Juli sind der ganzen russischen Armee bereits die Tage bekannt, an denen Kowel entscheidend anzugreisen ist. Der erste Angriffstag ist für den 28. Juli, ein etwa nötiger zweiter Zeitpunkt auf den 7. August festgelegt. Am 12. August - spätestens — muß Kowel
