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Wiesbadener lapati

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Donnerstag, 7. September 1916.

Abend-klusgabe.

Nr. 428. . 64. Jahrgang.

Heber 20000 Rumäne« gesungen!

Tutrakan erstürmt! — Ueber 100 Geschütze erbeutet!

5iege§kunde aus der Dobrudscha!

Fortsetzung der neuen grotzen Sommeschlacht.

Wieder keine wesentliche« Erfolge der fran­zösisch-englischen Angreifer. Abgeschlagene Angriffe auch östlich der Maas. Abgeschlagene russische Angriffe

bei Brzezany und in den Karpathen.

Der Tagesbericht vom 7« September.

W.T.-B. Großes Hauptquartier, 7. Sept. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Die Sommeschlacht nimmt ihren Fortgang fast auf der ganzen Linie. Die Engländer griffen mit b e- sonderer Hartnäckigkeit immer Mieder, aber vergebens bei Ginchy au. Die Franzosen setzten abermals auf ihrer großen Angriffssront südlich der Somme zum Sturm an, der im nördlichen Teile vor unserer Linie restlos zusammenbrach. Im Abschnitt Berny-Denie- c - u r t und beiderseits von C h a u l n e s wurden anfängliche Borteile durch raschen Gegenstoß dem Feinde wieder entrissen. In Bermando Billas hat der Angreifer Fuß gefaßt.

Östlich der Maas wurden wiederholte französische An­griffe gegen die Front Werk Thiau mont-Bergwald abgeschlagen.

Östlicher Kriegsschauplatz.

Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern

Keine Ereignisse von besonderer Bedeutung.

Heeresfront des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.

Östlich und südöstlich Brzezanh blieben russische An­griffe e r g e bn i s l o s. Zwischen der Z l o t a - L i p a und dem D n j e st r bezogen wir im Anschluß an die gestern ge- schiloerten Kämpfe eine vorbereitete rückwärtige Stellung, in die im Lause des Tages die Nachhuten herangeführt wurden.

Fn den Karpathen wurden südwestlich von Z i e l o n a, mehrmals an der Baba Ludowa westlich des Kirlibaba- Tales russische, beiderseits von Dorna Watra russisch- rumänische Angriffe abgeschlagen.

Balkan - Kriegsschauplatz.

Die siegreichen deutschen und bulgarischen Kräfte haben den stark befestigten Platz Tutrakan im Sturm genommen. Ihre S i e g e s b e u t e beträgt nach den bisher vorliegenden Meldungen über 2vv«v Gefangene — darunter 2 Generale und mehr als 40« andere Offiziere — und über 1v« Geschütze. Auch die b l u r i g e n Berluste der /Rumänen waren schwer. Der An­griff starker russischer Kräfte gegen Dobric ist zurückge- schlagr».

Der erste Generalquartiermeister:

Ludendorff.

Oer Krieg Rumäniens.

Der Erfolg des Luftschiffangriffs auf Bukarest.

„Djennik" veröffentlich aus Rustschuk folgende Einzel­heiten über die Beschießung der rumänischen Hauptstadt durch Zeppeline: Der Angriff der deutschen Luftschiffe hat einen grotzen Erfolg gehabt. Die Zeppelin- warfen auf das Zentrum der Stadt 2600 Kilogramm Dynamit, die dos Zentrum fast vollständig zerstörten. Ein großer Erfolg wurde auch beim Arsenal erzielt, besten P u l v e r m a g a z, n indteLuftflog. Die Gebäude des Arsenals wurden fast vollständig zerstört. In K o t r o c e n i. wo die königliche- Fa­milie wohnt, sind die angerichteten Verwüstungen ebenfalls sehr groß. Kein Haus blieb unbeschädigt. Die Eisenbahn- station F i l a r e t und der Stadtteil, wo sich die Station be­findet, gleichen einer Ruine. Auch der Bukarefter Vorort Dudest wurde arg z,u gerichtet

Die große Bedeutung des Gefolges in der Dobrudscha.

• W. T.-B. Sofia, 6. Sept, Die Militärkritiker heben die große Bedeutung der Erfolge hervor, welche die verbündeten Truppen in der Dobrudscha erzielt haben, durch die der Krieg von den bulgarischen Grenzen ferngehalten werde. „Voenni Jsvestia" führt aus:

Der Erfolg ist um so w e r t v o l l e r, als er das Ergebnis ernster andauernder Kämpfe südlich von K u r t b u n a r ist, wobei einige feindliche Truppenteile geschlagen, andere sogar vernichtet worden sind. Truppen des Vierbundes haben be­reits zwei rumänische Verteidigungslinien überschritten, von denen die eine nahe der bulgarischen Grenze, die zweite durch die Punkte, wo die ernstesten Kämpfe stattgefunden haben, verläuft. Die Überschreitung dieser Ver­teidigungslinien bedeutet einen großen Sieg, weil die Rumänen nicht über viele derartige Stellungen verfügen dürften.

„Preporetz" zufolge wurden zwei rumänische Bataillone, welche die Vorhut der zur Verstärkung nach Dobritsch ge­sandten Kolonne bildeten, südöstlich von Kurtbu,iar von bulgarischer Reiterei überascht. Mehr als 600 Mann wurden getötet, über 1000, darunter 10 Offiziere, gefangen genommen.

Wie die Rumänen beim Abzug aus der Dobrudscha hausen.

Br. Sofia, 6. Sept. (Zens Bln.) Rach hier amtlich be­stätigten Nachrichten lassen die rumänischen Behörden beim Verlassen der Neu-Dobrudscha alle Dörfer in Brand stecken und die bulgortifchc Bevölkerung schrecklich mißhandeln. In Balouuar kamen mebr als 3000 flüchtende Landbewohner an. Das Verbringen der bulgari- fchen Soldaten wird hierdurch noch mehr angeseuert.

Die schlechte Lage der Dobrudscha - Deutschen.

Berlin, 7. Sept. Über die Lage der Dobrudscha-Deutschcn schreibt laut „Voss. Ztg." ein seit mehr als z w a n z i g Jahren an der alten bulgarisch-rumänischen Dcbrudscha-Grenze woh­nender Schwabe (zu den Kriegsvorbereitungcn in Rumätlien): Die Zivilbevölkerung der acht bis zehn deutschen Do- brudschadörfer mußte schon vor z e h n W o ch e n Schützen­gräben gegen die bulgarische Grenze ausheben und Holz für die Armee liefern. In dieser Zeit sah es in den deutschen Gemeinden trostlos aus. Kein Geschäftsgang und uner­hörte Preissteigerungen. Alles wurde tn den Dienst der Landesverteidigung gestellt. Mir selbst wurden 10 Hektar Land durch Schützengräben entzogen, so daß ich nur noch zwer Hektar zur Verfügung habe. Auch Getreide, Wagen und Pferde wurden requiriert und bis heute noch nicht bezahlt, überhaupt wurden die Deutschen in den letzten Jahren durch den rumänischen Staat ausgesogen und beraubt. Sie lebten in reinster Sklaverei.

Die Verlangsamung des rumänischen Vormarsches in Siebenbürgen.

Berlin, 7. Sept. Wie verschiedenen Blättern berichtet wird hätte sich der rumänische Vormarsch infolge der Ver- proviantiecungsschwierigkeiten und der ungünstigen Boden­verhältnisse verlangsamt.

Das Doppelspiel des Königs Ferdinand.

(Von unserem lli.-Sonderberichterstatter.)

Ni Wien, 7. Sept. (Eig. Drabtbericht. Jens. Bln.) Gegen­über'den verschiedenen in letzter Zeit unternommenen Ver­suchen, di- Haltung König Ferdinands von Ru­mänien bis zur Kriegserklärung zu rechtfertigen, erfahrt man auf Grund einwandfreier diplomatischer Informationen, daß die Behauptung, König Ferdinand' sei durch Bratianu überrumpelt worden und bis zuletzt entschlossen ge­wesen, den mit den Mittelmächten bestehenden Vertrag em- zuhalt'en, v o l l st ä n d i g u n r i cki t i g war. Der König war über die Verhandlungen seines Ministerpräsidenten mit den Ententemächten sehr wohl informiert; er hat jene nicht nur gebilligt, sondern auch an ihnen teilgenommen. Die Schilderung einer dramatischen Szene, die sich im Bibliotheksaale des Schlosses von Bukarest abgespielt habeu soll und bei der Köiiig Ferdinand sich gegen die Forderuiigen Bratianus und des russischen Gesandten Poklewski Koziell ge­wehrt hätte jedoch von Bratianu durch die Erklärungen mund­tot gemacht worden sei, daß bereits die Kriegserklärung un­vermeidlich vollzogen wäre, gehört ins Gebiet der Phantast-. In Bukarest hat sich nichts dergleichen abgespielt, und wenn sowohl der König als auch Bratianu dem osterreichisch- i-r,«arischen Gesandten noch unmittelbar vor der Kriegserklärung versicherten, daß Rumänien neutral bleiben tverdc, so handelten >, c i b e hierbei ebenso m Über­einstimmung, wie bei der vorausgegangenen Abmachun- jt&n mit den Ententemächten,

Ernste Auffassung der valkanlage in Rußland.

Die Einwirkung des Eingreifens Bulgariens.

(Von unserem L.-Sonderberichterstatter.)

5. Stockholm, 7. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Blni Der Eintritt des Kriegszustandes zwischen Bulgarien uni Rumänien erregte in Bukarest lebhafte Aufregung, in Petersburg Enttäuschung. Die russisch- rumänische Presse hatte die Öffentlichkeit in der Hoffnung gewiegt, daß Bulgarien in den neuen Konflikt nicht ein- greifen werde. Unmittelbar vor Beginn der Operation nieldete „Rjetsch" aus Bukarefter, besonders wahlinformierten Kreisen, es seien Nachrichten eingetroffen, wonach der bulgari- <che Generalstab es für das Günstigste ansehe, die eigenen Truppen von der Nordgrenze fortzunehmen und den Schutz der Donaulinie den wenigen verfügbaren Truppen zu überlassen. Die Nachricht von dem Eingreifen Bulgariens wird von der Petersburger Presse außerordentlich pessi- m i st i s ch kommentiert. Großes Nuffehen erregt ein schwarz­seherischer Artikel D i m i t r i e w s im „Djen", worin ausge­führt wird, das Ereignis könne entscheidende Bedeutung haben und den Alliierten die jetzt errungenen Vorteile auf dem Balkan streitig machen. Rumäniens südliche Front sei nicht unverwundbar. Der Donaufluß bilde wohl ein ernstliches Naturbindcrnis, aber seine Forcierung könne nur unter -»er "BvraussetzmU' 'f r frr ' -afrt b rvr' ttfr r*-~ schutzcs verhindert werden. Starke Verteidigungswerke besitze aber Rumänien nicht. Rumänien habe zwar eine große Don au flotte, die Monitors könnten jedoch nicht die Forcierung verhindern. Überdies sei das rumänische Eisenbahnnetz entlang des Donauflusles sehr schlecht aus- ocbildet. Zur Bewachung der Donau seien also bedeu­tende Truppenmassen erforderlich, weil eine schnelle Truppenzusammenziehung u n m ö g I i ch ist. In Anbetracht der geringen Ausdehnung de?- rumänischen Kriegsschauplatzes könne überdies jeder feindliche Durchbruch zur Donaulinie schwerwiegendste strategische Folgen haben, be­sonders da die rumänische Hauptmacht an der Nord­westgrenze konzentriert sei. Jede Bedrohung Bukarests, welches die B a s i S für den ganzen russisch-rumänischen Feld­zug bilden würde, könne den Kriegsplan mit einem Schlage vernichten. Sollten aber auch die Türken Truppen entsenden, so ist eine solche Bedrohung durchauö möglich. So ernst ist die russische Auffassung der Lage auf dem Balkan.

Die Stunde der Vergeltung gegen Rumänien.

W. T.-B. Köln, 6. Sept. Der Korrespondent der „Köln. Ztg." meldet aus Sofia: Der bulgarische Mimsterpräsiden-t Radoslawcw erklärte m-ir heute, wie das schnelle erfolgreiche Vorgehen der Bulgaren in der Dobrudscha beweise, sei Bul­garien militärisch 'stark und ein vorzüglicher Geist herrsche in Heer und Volk. Die Stunde sei gekommen, da Rumänien an Bulgarien alte Rechnungen bezahlen werde. Das viertägige Zögern der Regierung mit der Kriegs­erklärung an Rumänien sei bedingt gewesen durch notwendige strategische Maßnahmen, welche Rumänien und dessen Verbündeten in dieser Zeit geschickt verschleiert werben konnten. Der Ministerpräsident wies auf die Lage hin, die inzwischen die Säuberung des größten Teils der Neu-Dobrudscha ergeben habe, Zur grrechr scheu Frage eckläcte er, daß dl- bisherigen freundschaftlichen Be­ziehungen weiter gepflogen würden. ES sei ruhig abzuwar­ten vb und was irr Griechenland vorgehe. Jedenfalls sei v - 'r l ä u s i g n i chtS S i ö r e n des zu befürchten Der Ministerpräsident hielt deu jetzigen Kriegsabschnitt sür den letzten, der den e n t s ch e r d e n d e n Endsieg für den Bicr- buud bringen wmde.

Der bulgarische Kriegsminister über die rumänischen Provokationen.

(Von unserem Ni.-Sonderberichterstatter.)

Sofia, 7. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) berichet über eine Unterredung mit denr bulgarr- 1 m e u « riegsminister, der hervorhob, Bulgarien habe icglich" Herausforderung vermieden, selost als dre Staatsehre energische Maßnahmen erforderte. Die rumänischen Provokationen hätten in letzter Zeit nicht mehr den Charakter von Grenzzwischenfällen gehabt, da die Rumänen

schon lange vor der Kriegserklärung mrt ganzen

Truppenteilen angriffen. Die Rumänen suchten nur einen Anlaß zum Krieg, im Glauben, daß sie mit Hilfe der Entente auch diesmal gut abschneideu werden. Die Beschießung der bulgarischen Donauhäfen schlug dem Faß den Boden aus und der Krieg mußte erklärt werden. Der End- sieg des Vierbundes steht zweifellos fest.

Ni.

, Devnik" schen