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f -- Morgen-Beilage der Wiesbadener Tagblaits. >- ‘ J
Nr. 208. Mittwoch» 6. September.
(28. Fortsetzung.)
Krau Mlnchens Narretei.
Humoristischer Roman von Käte van Beeker.
(Nachdruck verboten.)
„Laß man gut sein, wir machen uns schon eme. Also zuerst, — ich bin wirklich rasend und toll in dre Fränze verliebt, wirklich! Dutzendweise habe ich schon d-.e Weiber besessen, aber diele ist mein Fall wre noch kerne, mit der wag' ich's, und sie geht auch mit mir durch dick und dünn. Also erst packen und zwicken wrr mal den Onkel. Das mache ich, — ich werd's schon krregcn. Ihm wird dabei beigebracht, daß ich den Abschied nehme, weil ich ohne Kränze nicht leben und mrt Fränze nicht Offizier bleiben kann. Ein Llebesbewers, der hohe Schule reitet! Dann, wenn er einen hübschen Batzen herausgerückt hat —"
„Das wird er nicht tun; er hat nicht die leiseste Ver- pflichtung dazu und wird nicht daran denken."
„Pah, glaubst du, daß er -'ich vor seiner Frau, vor seinen Kindern und der ganzen Nachbarschaft so bloßstellen wird? Nee, Mainachen, dazu sttzt er zu dick im
Fett. Der opfert lieber Geld als den guten, ehrbaren "
,,Ja, — vielleicht —. Aber, Alfons, so viel wird es nie, daß ihr davon leben könnt!"
„Hm, — ich habe Pläne. Fränze ist geschickt und tüchtig, Fränze ist schön und lenksam, —. Hm, wrr richten in Berlin eine kleine, pikfeine Restauration ein, mit Hinterzimmern
„Alfons! Du, mit deinem Namen!"
„Ach, Mama, tu' doch nicht so. Name! Was nützt mir der zum Leben? Es ist schon manch einer mit besserem Namen schlechteren Weg gegangen, — denk' an die Jule! Na, ich sag' nichts. — aber das mußt du selbst einsehen, ein wegglgagtec Lerrtnant kann mit dem besten Namen nicht mehr Staat machen. Vielleicht geh' ich auch übers Wasser — wollen seh'n! Die Fränze und ich wir werden uns unser Leben aufbauen, wie's uns paßt. Aventuriers! Französisch betitelt klingt's dem Deutschen immer gut, — uns beiden steht die ganze Welt offen. Im Grunde bin ich heilfroh, die nieder- trächt'ge Schuhriegelei und den Gamaschendienst hinter mir zu haben. Jetzt wird das Leben erst menschenwürdig! Du sollst es dabei auch gut haben; Fränze liebt dich mehr, als deine beiden edlen Töchter es tun. wir lassen dich nicht fallen. Bloß das Anfangskapital müssen wir erst haben, und all dessen Einkassierung gedenke ich so bald als möglich zu gehen."
„O Gott, ilnd Ludovika? Alfons, bedenk' doch, du ruinierst ihre ganze Stellung, wenn du mit solcher Erpressung kommst!"
„Schnack! Kann meine SchN'ester etwas für die Sünden ihres Onkels und Schwiegervaters? Und außerdem, um Ludovika ist nur nicht bange, die sitzt jetzt fest und wird sich behaupten. Jetzt komme ich an die Reihe. Mamachen, es ist doch Dusel, daß du einen Bruder niit Geld und niit heimlichen Schwächen hast!"
Er lachte unbändig, aber Frau Amalie lachte nicht mit. Ihr war sehr elend zumute.
„Ich möchte abreisen', sagte -sie schwach.
„Nee, nee, wart' man, bis die Sache geordnet ist. dann gehen wir zu Dreien, Fränze mit. Die lass' ich auf keinen Fall hier zurück, sie gehört jetzt zu mir. Und „ nun, da du alles weißt, möchte ich mich an die Arbeit machen. Du brauchst mir keinen Segensspruch mitzugeben, es wird auch ohne den gehen. Auf, in den Kampf!"
Der Onkel war noch ein bißchen verschlafen und verkatert, als Alfons bei ihm eintrat.
„Na, ivas willst'e denn schon so früh, teurer Neffe?" gähnte er und sah etwas verdrießlich in das frohgemute Gesicht des teuren Neffen. „Wahrhaftig, sieht der Kerl aus, als wenn all die Sauferei un das Gejubel spurlos an ihm vorüberjejangen is, wahrend so'n armer Hochzeitsvater wie ich jedes Haar auf'm Kopp wie 'ne hin- und herjezog'ne Sprungfeder fühlt! Ja, die Jugend, die schöne Jugend!"
„Richtig, lieber Onkel, über die Jugend und deren Vorzüge wollte ich eben auch mit dir sprechen. Jugend rurd Liebe, — siehst du, Onkelchen, beide vereint, zeitigen allerlei Dinge! Na ja, was ich dir sagen wollte,
— ich habe mich mit Fränze verlobt und komme, mir deinen väterlichen Segen zu holen."
Keck und lächelnd stand er vor dem Sprachlosen und maß diesen mit übermütigem Blick.
Der fuhr mit den Händen nach den hin- und hergezogenen Sprungfedern. Seine Augen sahen ganz blöde zu Alfons empor.
„Was hast du?" fragte er verständnislos.
Alfons zog einen Stuhl heran, setzte sich und wiederholte seine Verlobungsanzeige freundlich und ausdrucksvoll.
Der Onkel griff wieder nach seinem Kopf. Zinn Zorn kam er noch nicht, dazu war er zu verblüfft.
„Das mußt du mir doch näher erklären", sagte er mechanisch.
„Hm, näher? Genügt nicht die Tatsache? Ich liebe Fränze, ich habe mich mit ihr verlobt, ich will sie heiraten, und möchte nun um deine Zustimmung bitten."
Jetzt stand Onkel Fritz auf. „Verrückt bist du, wenn du dir nicht einen dummen Witz erlaubst. Weißt du denn nicht, daß du Fränze nicht heiraten kannst? Ein Offizier und die uneheliche Tochter einer Magd! Weißt du das nicht?"
„Doch, ich weiß das, — weiß sogar noch mehr. Aber ich liebe Fränze und ich habe ehrliche Absichten mit ihr",
— das „ehrliche" stark betont — „und daher werde ich ineinen Abschied nehmen, um sic zu heiraten."
„Und was dann? Wovon wollt' ihr leben?"
Die Frage kam schon etwas atemlos und hinter ihr grollte es.
Alfons schlug die Beine übereinander, knipste an seinen Fingernägeln und sagte langsam: . „Das eben wollte ich mit dir besprechen. Wie hoch ist das Vermögen, das du Fränze mrtgibst?"
Mit einem Ruck fuhr der Onkel zu dem Frager herum.
