Verlag Langgaffe 21
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„Tagblatihrus" Nr. 6650-53.
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Mittwoch, 6. September 1916. lHOr(JCn ! flllS9(lbt- Nr. 425. ♦ 64. Jahrgang.
heftige Kämpfe an der llarpathen- zront.
Zahlreiche russische Vorstösie abgeschlagen.
Auswetzung der Scharte bei Brzezany.
Der Zorame - Gipfel den Italienern wieder entrissen.
Neue Zuriickwerfung des Feindes über die Vosusa.
Gsterreichisch-ungarischer Tagesbericht.
W. T.-B. Wien, 5. Sept. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 5 . September, mittags:
Östlicher Kriegsschauplatz.
Front gegen Rumänien.
Bei unveränderter Lage nichts von Belang.
Heeresfront des Generals der Ravallerie Erzherzog ttarl.
Die Angriffe der Russen gegen die Karpathen- front der Verbündeten dauern an. Bei Fundul- M o l d a w i schlugen unsere Truppen zahlreiche ft a r k e Vorstöße ab. Am oberen Czeremosz und südlich von Bystrzec wird heftig gekämpft. Nordwestlich von Körös-Mezö scheiterten alle Versuche des Feindes, Raum zu gewinnen. Südwestlich von B r z e z a n p wurde auch das letzte vorgestern verloren» gegangeue Grabenstück znrnckgewonnen.
Qeeresfroitt des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern.
Keine besonderen Ereignisse.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Au der Tiroler Front ist stellenweise eine erhöhte Aktillerietätigkeit ciugetreten.
Im Rufreddo-Gebiet kam es zu erbitterten Kämpfen um den S o r a m e - G i p f e l, den unsere Truppen vorübergehend verloren, durch kühnen Angriff aber wieder zurückgewannen.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Italienische Truppen überschritten gestern früh bei Feras die B o j u s a. Ein Angriff unserer Reserven gegen den feindlichen linken Flügel warf den Gegner zurück. Das Feuer unserer schweren Artillerie begleitete die auf das Sndufer des Flusses weichenden italienischen Kolonnen. Während des Kampfes schoß der Fetdpilot Stabsfeldwebel Arigi einen feindlichen Kampfflieger ab; ein Insasse tot, der zweite gefangen.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höf er, Feldmarschalleutnant.
weltwirtschaftliche Möglichleiten.
O Berlin, 4. September.
Wir haben den „Wirtschaftskrieg nach dem Kriege" niemals leicht genommen, wir haben uns durch die Drohungen mit unserer wirtschaftlichen Vernichtung aber auch niemals in unserer festen Zuversicht beirren lassen, daß alle diese Bestrebungen unserer Feinde werden fehlschlagen müssen. Denn wir sind nicht bloß Empfangende, sondern auch Gebende; unser Wirt- fchaftsmarkt ist groß genug, um Gleiches mit Gleichem zu vergelten, und vor allem wird der Ausgang des Krieges auch entscheidend sein sür das künftige Weltwirtschafrsleben. Wenn wir siegen, wie wir es mit unerschütterlichem Vertrauen erwarten, dann werden schon die F r i e d e n s v e r t r ä g e, die von unserem Willen ihren letzten Sinn und Inhalt bekommen sollen, dafür sorgen, daß die Zerstörungsabsichten Englands vereitelt iverden. Trotzdem kann die außerordentliche Geschicklichkeit Englands in der Führung eines gleichsam unterirdischen Kampfes uns gewiß noch Schaden genug zufügen. Denken wir beispielsweise einmal daran, was die Unterbindung der persönlichen Beziehungen alles bewirken könnte. Diese Beziehungen sind durch den Krieg ohnehin abgeschnitten und könnten nachher abgeschnitten bleiben. Unseren Geschäftsreisenden, unseren Werbebureaus, rmseren Technikern und Bankniederlassungen kann derAufenthalt imAusland erschwert oder unmöglich gemacht werden. Diese höchst wichtigen Beziehungen haben, wie gesagt, durch den Krieg ohnehin aufgehört. Die Räume sind geschlossen, die Geschäftsbücher zum Teil sogar vernichtet, das Eigentum mit Beschlag belegt oder veräußert; die Kundschaft ist aus anders Wege geleitet oder für die Einheimischen gewonnen. Hier kann im Frieden auf dem bloßen Verwal
tungswege sehr viel geschehen, ohne daß dagegen ein Einspruch möglich wäre. Die Verwaltung kann die Handhaben bieten, die Verwaltung kann sie geräuschlos durchführen. Wir wollen cs beachten, wenn ein so ernster Beurteiler wie der DolkswirUchaitslehrer Professor Dr. Franz Eulenburq gerade diese Sorge jetzt offen ausspricht (im demnächst erscheinenden September- Heft der „Neuen Rundschau", e>. Fischer, Berlin, unter dem Titel „Weltwirtschaftliche Möglichkeiten"). Eulenburg meint, diese Zerstörung der persönlichen Beziehungen sei wohl das bedeutungsvollste Moment im Wirtschaftskampfe, weil sich dagegen im Grunde so wenig ausrichten lasse. Weiter kommt für ihn in Betracht die Fortnahme deutschen E i q e n t u m s int Feindeslands, wozu auch die Aufhebung der Patente gehört. Um ein Beispiel zn nehmen, io sind die russischen Wälder, die sich sehr zahlreich in deutschem Eigentum befanden, anderwärts verkauft worden. Schon die Zwangsverwaltung und die Enteignung bedeuten erhebliche Verluste, selbst wenn mit dein Friedensschluß das private Eigentum äußerlich zilrückerstattet wird; soweit es noch vorhanden ist, wird doch die Ausnutzung deutscher Unternehmungen im Anslande wesentlich unterbunden sein. In Zukunft wird die Niederlassung deutscher Kaufleuts und Mittelspersonen erschwert oder unmöglich gemacht werden. Eine rücksichtslose Zerstörung aller großen Handelshäuser in Asien und anderwärts in den englischen Kolonien hat stattgefunden, die Einrichtung fremdländischer Handelsvermittlung an Stelle der deutschen hatPIatz gegriffen. Die Maßnahmen in den englischen Kolonien erfolgen zumeist in Form von Liquidationen, um den deutschen Wettbewerb endgültig zu beseitigen. Das Ziel ist erreicht, indem selbst bei eiyer Entschädigung die Anlagen in das Eigentum von Engländern übergegangen sind. Die Wirkung dieses ganzen „wirtschaftlichen Nebenkrieges" ist schon jetzt sehr erheblich und das Vorgehen läßt sich später in anderer Form geräuschlos fortsetzen. Selbst die Festlegung entsprechender Bestimmungen im Friedensvertrage würde nach der Ansicht Eulenburgs keine Handhabe gegen die stillen Verwaltungsmaßnahmen bieten. Man kann jederzeit „lästige Ausländer" schlechter behandeln und finanziell stärker belasten als die Einheimischen. Trotz dieser und vieler anderer Bedenken ist der Verfasser nun aber doch voll Vertrauen darauf, daß der Wirtschaftskrieg, mit dem uns die Feinde vollends vernichten wollen, an den unversöhnlichen Gegensätzen zwischen den feindlichen Ländern selbst scheitern wird. Wir unsererseits können darauf Hinweisen, daß wir Ausführungen, wie sie der sehr lesenswerte Aufsatz Eulenburgs enthält, mehrfach schon früher gemacht haben. Auch wir haben betont und wiederholen es jetzt im Einvernehmen mit Eulenburg: ein gemeinsames Vorgehen in einem gemeinsamen Wirtschaftskriege, ein allgemeiner Boykott oder eine gegenseitige Bevorzugung, das alles braucht uns nicht zu schrecken. Denn tvenn man die Einfuhr aus Deutschland unterbinden will, dann sinkt auch unsere Kaufkraft für fremde Er- zeugnisse, und man schädigt sich zuletzt nur s e l o st, indem man die Aufnahmefähigkeit des Feindes herabsetzt. Darunter leidet sowohl die Aufnahmefähigkeit Deutschlands für englische Fabrikate und französische Luxuswaren als auch für fremde Rohstoffe und fremde Nahrungsmittel, sür französische Weine, russisches Getreide oder indische Jute — die feindliche Volkswirtschaft schneidet sich nur ins eigene Fleisch, wenn sie die sehr kaufkräftige Nachfrage Deutschlands herabsetzen oder auch nur vernleiden will. Noch schlimmer stände es aber mit den neutralen Rohstoffländern. Sie würden dadn.rch in eine ungünstige Lage gedrängt, sie würden also auch für die Erzeugnisse aus den uns feindlichen Ländern selbst eine geringere Nachfrage entfalten. Wenn w i r kein argentinisches Getreide, weniger amerikanische Baumwolle und weniger australische Wolle kauften, dann können diese Länder auch natürlich weniger englische oder französische Waren abnehmen und weniger Schuldzinsen bezahlen. Es ist also schon richtig, wenn ein englischer Volkswirtschaftslehrer einst schrieb, ntan müsse auch für das Wohlergehen des Konkurrenten beten, weil die eigene Volkswirtschaft durch dessen Kaufkraft nur Vorteile habe. Hier kann selbstverständlich nur ein kleiner Ausschnitt aus der Fülle d-er Probleme berührt werden, die sich mit der Frage des Wirtschaftskrieges darbieten. Die Gelegenheit, auf diese Dinge zurückzukommen, stellt sich indessen immer wieder ein, und wir haben zunächst ja auch nur die Aufgabe, Material zu sammeln Denn in unserer Abgeschnittenheit von den Weltmärkten müssen wir uns heute und morgen auf die Beobachtung beschränken, auf die Prüfung aller Möglichkeiten und natürlich auch auf die gründliche Vorbereitung von Abwehr- und Angriffsmittein. Äese Aufgaben aber können wir mit kaltblütiger Zuversicht daraus erfüllen, daß wir ganz gewiß nicht unter- zukriegen sein werden.
Griechenland unter der Zwing- herrschaft der Entente.
Die Ungewißheit über die Lage in Griechenland bei der Berliner Gesandtschaft.
Nr. Berlin, 6 . Sept. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.I Die „Voss. Ztg." meldet: Die hiesige griechische GesandtschafI ist seit Tagen ohne direkte Nachrichten von der Rs gierung in Athen. Auch heute sind keine Telegramme eings laufen, nicht einmal Übermittelungen von Nachrichten durt die Gesandtschaften in neutralen Staaten sind angekomme.'i Wahrscheinlich haben auch diese Missionen in den letzte. Tagen keine Verbindung mit der Heimat gehabt DaS dürfte darauf zurückzuführen sein, daß die Entente sie der Post und des Telegraphen in Griechenland bemächtigt. Di Gesandtschaft beurteilt die politische Lage in Griechenlan! trotzdem als nicht hoffnungslos. Man hofft, daß de König mit Zaimis die Regierung wird halten können.
Zaimis und die Gesandten des Vierverbands
Dr. Stockholm, 5. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zcns. Mir Der „Birschewja Wjedomosti" wird aus Athen gedrahtet, da Zaimis mit den Vertretern des Mevverbcnds verhandelt und sie zu überzeugen versucht hat, daß die griechische Regie rung alle Maßregel» getroffen hat, daß webe Griechenland noch die auf griechischem Gebiet stehenden Vor bündeten in ihrer Sicherheit bedroht werden. In voliti schen Kreisen Athens verlautet, daß -die griechische Regicrun eine Grenze in Mazedonien festgesetzt hätte, welch die Bulgaren nicht überschreiten dürften.
Wie die Engländer die Polizei spielen.
W- T.-B. London, 5. Sept. (Nichtamtlich Drahtbericht „Daily Telegraph" meldet aus Athen, am Sonntag sei ei, Auto mit dem Sekretär und zwei anderen Beamten der öste, reichisch-ungarischen Gesandtschaft nach Eleusis gefahrer Da es offenbar ihre Absicht war, die Flotte der Alliierte auszuspähen, haben ihnen englische Agenten, die in einer anderen Auto saßen, befohlen, zu h a I t e n. Die Österreiche so heißt es weiter, trachteten zu entkommen. Das Nutz der Engländer holte sie aber ein. Es wurde ein Schutz au, die Österreicher abgegeben, um ihnen zu zeigen, datz sie un° möglich entfliehen könnten. Darauf ergaben sie sich. Der Kawah der Gesandtschaft wurde leicht verwundet.
Italiens Teilnahme an dev Aktion gegen Griechenland.
Eine heuchlerische Freundschaftsversicherung.
Br. Lugano, 5. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Im Ministerrat teilte Sonnino mit, Italien beteilige sich an der Aktion gegen Griechenland mit drei Kriegs- schiffen, die sich bereits dreier deutscher Dcmpfer sowie der Funkstation bemächtigt hätten. Die aus- der Kansulta wohlinformierte „Stampa" meldet weiter: Die Lage in Griechenland ist geradezu furchtbar. Die nach Europa gelangenden Nachrichten geben nur den kleinsten Teil der tatsächlichen Ereignisse wieder, da A t h e n v v n d e r Welt völlig isoliert ist. Die „Stampa" macht-Andeutungen über eine Abreise des Königs nach Larissa und Einsetzung einer Regentschaft/ Die italienische Regierung habe indessen Zaimis wissen lassen, datz Italien trotz der jüngsten Angriffe von Venizelos, die man in Rom bereits vergessen und verziehen Hobe, von der lautersten Freundschaft für Eri cchenland beseelt sei, und man ihm gern helfen würde, sich aus der gegenwärtigen Krisis zu befreien, jedoch verlange Italien im Bunde mit der Entente absoluten Gehorsam.
Portugiesische Hilfstruppen in Saloniki.
Lausanne, 5. Sept. (Zens. Bln.) Nach einem Telegramm des „Matin" ans Athen teilt „Embros" die Landung portugiesischer Artillerie in Saloniki mit und versichert, datz demnächst 15 000 portugiesische Soldaten gelandet werden sollen. _
Der Krieg Rumäniens.
Die Gesandte,» Deutschlands und Rumäniens noch nicht in ihrer Heimat.
Br. Berlin, 5. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Der rumänische Gesandte Dr. B e l d i m a n hat, wie die „Voss. Ztg." berichtet, seine ursprünglich auf vergangenen Samstag festgesetzte Abreise verschieben müssen und wird noch einige Tage in Berlin bleiben. Aus Bukarest ist noch keine Nachricht von der erfolgten Abreise des deutschen Gesandten von dem Busche-Hadinghausen in Berlin eingetroffen.
Russische Angriffsabsichten auf die bulgarische und türkische Küste.
Br. Haag, 5. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Die ..Morningvost" meldet aus Petersburg, datz die Aufstellung eines grotzen Teiles der russischen Schwarzen Meerflotte in Constantza erwartet wird. Diese Maßnahme lätzt vermuten, daß bald größere Unternehmungen zur See gegen die bulgarische und türkische Küste geplant sind.
