g-- « i Morgen-Beilage der Wiesbadener Tagblatts, s
Nr. 207. Dienstag» 5. September. _ 1916.
(27. Fortsetzung.)
$rau Minchens Narretei.
Humoristischer Roman von Köte van Beeker,
(Nachdruck verboten.)
Mehr war nicht aus ihm herauszubekommen. Sre kannte ihn, wenn er nicht reden wollte, redete er nlcht. Also ließ sie ihn gehen, nahm sich aber vor, auf ihn und Fränze ein wachsames Auge zu haben, denn zu einem öffentlichen Skandal durfte es nicht kommen und den beiden war entschieden nicht zu trauen.
Es hielt nur etwas schwer, den Vorsatz ,des Wachens genau durchzuführen. Sie wurde gerade jetzt durch all die Hochzeitsvorbereitungen so stark in Anspruch genommen, daß sie für daneben liegend: Angelegenheiten kaum einen Augenblick Zeit behielt. Entweder war sie auf dem Vorwerk, das ganz nach Ludovikas ^Wünschen umgebaute Haus einzurichten, oder in der Stadt, um einzukaufen und wieder einzukaufen. Lumpen ließen sich die Schwiegereltern nicht, das mußte sie immer wieder anerkennen. Frau Minchen stattete das Märchenkind wirklich wie ein solches aus. Die Riedels mußten doch sehr dick im Golde sitzen, daß sie so der- schwenden konnten! Ja, verschwenden nannte Fritz Riedel es auch. Bei den Ausgaben, die diese Zeit mit sich brachte, kam sein Verhältnis zu seiner Frau, das sich unter dem Druck von Frau Amaliens Andeutungen für kurze Zeit innig und herzlich wie in alten Tagen zu- sammengezogen hatte, wieder vollkommen auseinander. Neben der fatalen Redensart: „Es ist doch nur mein Eigentum, von dem ich nehme" ging jetzt immer noch das sich allmählich vorwurfsvoll gestaltende Wort: „Ich tue es, um unsere Vergangenheit zu decken." Und dagegen kamen seine Ermahnungen und die Erklärung, daß damit nichts getan sei, nicht mehr auf.
Frau Minchen war wie besessen: Ludovikas Schönheit hielt sie mehr als je im Bann und außerdem war ein Teil dieser fast leidenschaftlichen Parteinahme wohl nicht niit Unrecht jetzt darauf zu- schreiben, daß sich die im innersten Herzen gekränkte und von der eigenen Tochter zurückgesetzt fühlende Mutter mit.Ostentation dahin wandte, wo all ihren Eigenheiten geschmeichelt wurde, sie nie auf Widerspruch traf und in allen Dingen vollem Verständnis begegnete.
Fee schloß sich in dieser Zeit wieder mehr und mehr an ihren Vater an. Die beiden machten wieder ihre gemeinsamen Ritte, denn Eugen, so hatte es die Mutter gewollt, wurde jetzt zum Schluß in alle Vorbereitungen für sein künftiges Heim mit hineingezogen und wenn ihm diese auch vollkommen gleichgültig waren, so machte es ihn doch selig, unausgesetzt in Ludovikas Nähe weilen zu dürfen und von allen Lasten seines nach wie or ungeliebten Berufes befreit zu sein.
Die beiden Schwiegermütter und das Brautpa bildeten also eine viel beschäftigte Gruppe für sich und Vater mit Fee, zu denen sich meistenteils der eingetrof- sene Feriengast Rolf Schmeichler gesellte, die zweite.
Über dieser lag viel Sonnenschein, Harmonie und Frieden. Vater Fritz vergaß seine Sorgen, wenn er mit den beiden Kindern durch die Felder ritt oder bei den.Freunden wie rn alten Zeiten nachbarlich var
sprach und ein Weilchen verplauderte. Dann fiel alles von ihm ab, was sich in dem neuen Treiben des vergangenen Jahres unecht und unangenehm angesetzt hatte und er war wieder der schlichte, gemütliche Mann von einst.
Er hielt auch darauf, daß Fee im Verkehr mit Schmeichlers nicht gehindert wurde, wie seine Alte, aufgehetzt von den hämischen und anzüglichen Bemerkungen der Schwägerin und Schwiegertochter, es anfangs verlangte. Grämlich hatte Frau Minchen erklärt, daß es sich für ein erwachsenes Mädchen nicht schicke, Leuten, die einen heiratsfähigen Sohn hätten, das Haus mit Besuchen einzurennen. Aber ehe sie noch weiter reden konnte, war ihr Mann in heißem Zorn aufgefahren und hatte allerlei gesagt, was weder Frau Minchen, noch, tvenn es zu ihren Ohren gedrungen wäre, den beiden anderen, streng auf Sittlichkeit haltenden Damen gefallen hätte.
In solchen Fällen wußte Fritz Riedel lein Hausherrn- und Vaterrecht zu behaupten. Das Geld gehörte seiner Frau, gehörte ihr allein und so lange sie nicht all zu toll damit wirtschaftete und damit nicht das Wohl der Familie gefährdete, leistete er keinen ernsten Widerstand, aber die Kinder gehörten ihnen gemeinsam. An denen hatte er dasselbe Recht wie sie, und wenn er leider so schwach gewesen war, sich bei einem derselben jeder Macht zu begeben, so sollte das beim zweiten nicht wie- . der Vorkommen. Über seine Fee hielt er die starke Hand, der sollte kein kleinlicher, erbärmlicher Gedanke die «frohe Unbefangenheit rauben und die reine Seele streifen. Bei Schmeichlers sei das Kind gut aufgehoben, da finde es die Sorgfalt, die Liebe und das Verständnis, das es bei der eigenen Mutter nicht finde, das diese einer Fremden und Unwürdigen schenke.
Das waren Worte, die Frau Minchen beleidigten. Im offenen Streit standen sich die Eheleute gegenüber, Anschuldigungen fielen hier und dort, Worte flogen wie spitze Pfeile, viel wurde gesagt, was nur die Aufregung des Augenblicks eingab, was aber schmerzlich verletzte und plötzlich gähnte zwischen den früher -o Einigen ein breiter Spalt, der wohl schon lange sich in der Tiefe heimlich gedehnt und gebildet hatte und heute auseinanderriß, was ein Menschcnalter lang treu zusammen- gehalten hatte.
Ganz unberührt von alleni genoß Alfons still und friedlich die ländlichen Sommertage. Gegen irgend- welche Teilnahme an den Besorgungen und Vorbereitungen hatte er sich energisch gewehrt. Er fand die erste Familiengruppe reichlich ausgefüllt und eine Beteiligung an ihr total überflüssig. Dagegen hatte er Mamas dringende Aufforderung, sich der zweiten, dem Onkel und Fee, anzuschließen, mit anerkennendein Kopfnicken ausgenommen, aber nur sehr Schwache Anstrengungen gemacht, um den Rat in die Tat unizusetzen. Er fuhr wohl mit dem Onkel nachmittags recht gerne ein- mal nach der Stadt, flanierte da ein bißchen herum, ließ sich in den Restaurationen als Neffe, Freiherr von
