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Dienstag, 5. September 1916.
KbenL-Kusgabe.
Nr. 424. . 64. Jahrgang.
weiter vorwärts in der vobrudscha!
ver Vormarsch der deutsch-bulgarischen Armeen aus der ganzen vobrndscha- Zront.
Fortdauer der heitzen Schlacht an der Somme.
Abgeschlagene Angriffe rechts der Maas.
Gescheiterte russische Gegenstöße bei Brzezany.
Die Vorstellungen von Tutrakan in der Vobrudscha erstürmt. Die Stadt Dobric besetzt.
Unsere Zeppeline über Rumänien
Der Tagesbericht vom 3. September.
W.T.-B. Großes Hauptquartier, 5. Sept. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Tie große Sommescblacht dauert an. Unsere Truppen stehen zwischen Le Forest und der Somme in heißem Kampfe. Südlich des Flusses erwehren sie sich des auf der 20 Kilometer breiten Front von Barleaux bis südlich von Chilly anstürmenden Gegners. Das Dorf Chilly ist verloren gegangen.
Rechts der Maas sind neue Angriffe der Franzose« gegen unsere Linien östlich von Fleury und gegen die am 3. September an der S o u,v iIl e-Schlucht gewonnene Stellung abgeschlagen.
Östlicher Kriegsschauplatz.
Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern
Die Lage ist unverändert.
Heeresfront des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.
In hartnäckigen Kämpfen haben deutsche Bataillone den mehrfach zum Gegenstoß ansctzenden Feind südöstlich von Brzezany wieder vertrieben. An Gefangenen haben die verbündeten Truppen in den beiden letzten Tagen zwei Offiziere, 250 Mann eingebracht.
In den Karpathen entspannen sich an mehreren Stellen kleinere Gefechte. Südwestlich von Zabie und Schipoth wird gekämpft; stärkere russische Kräfte sind südwestlich von Fnndui Moldawi blutig abgewiesen.
Balkan - Kriegsschauplatz.
Deutsche und bulgarische Truppen stürmten die befestigten Vorstellungen deS Brückenkopfes von Tutrakan. Die Stadt D o b r i c ist von den Bulgaren genommen. Bulgarische K a v a l l e r ie zersprengte mehrfach rumänische Patrouillen.
Deutsche Seeflugzenge belegten Constantza sowie russische leichte Scestreitkräfte mit Bomben. Unsere L u fisch i s f c haben B « k a r e st und Erdölanlagen von P l o je ft i mit gutem Erfolg bombardiert.
Der erste Gcnernlqunrtiermeister:
Ludendorff.
Der amtliche bulgarische Bericht.
An der mazedonischen Front keine Veränderung.
W. T.-B. Sofia, 5. Sept. (Nichtamtlich. Drahtbericht.)
Generalstabsbericht vom 3. September: An der mazedonischen Front keine Veränderung der Lage. Längs der ganzen Front schwaches gegenseitiges Artillerie- und Gewehr- fener. Etwas lebhaftere Tätigkeit herrschte nördlich des Ostrowos ees und im Tal der Mo glenitz a, wo einige schwache Angriffe durch unser Feuer zarrückgewicsen wurden. Die feindliche Flotte beschoß die Befestigungen nördlich K a v a l l a, wo auch feindliche Flugzeuge Bonlben abwarfen, ebenso wie auf die Dörfer Starovo, Daznatar und den Bahnhof von Anguista. Mehrere Einwohner, darunter Frauen und Kinder, wurden getötet.
Im Norde v überschritten am 2. September unsere Armeen die Grenze an der D o b r u d s ch a, wobei sie vorgeschobene Abteilungen des Feindes kräftig zurückdrückten. Unsere Armeen rückten auf Kurt lunar vor und bemächtigten sich dieses Punktes nach einem entscheiden
den Kampf, wobei 15V Soldaten und 2 Offiziere zu Gefangenen gemacht wurden. Der Feind ließ 100 Tote und eine große Anzahl Gewehre und Ausrüstungsgegenstände zurück. Eine unserer Abteilungen besetzte die Stadt Akkabinlar. Der Bormarsch wird auf der ganze,: Front fortgesetzt.
Deutsche gegen Rumänien!
Zu dem gestrigen Bericht unseres ersten Generalquartiermeisters Ludendorff, der die bedeutsamen Meldungen van dem Eingreifen deutscher Truppen gegen Rumänien an zwei Stellen bringt, wird uns Vvn militärischer Seite geschrieben: Die Schlacht an den Grenzen Rumäniens nimmt an Ausdehnung und Bedeutung zu Bisher handelte es sich hauptsächlich um Gvenzplänkcleien und Bewegungen zur Bildung der Front an günstiger Stelle. Mit der Kriegserklärung Bulgariens an Runiän'.en hat aber der bisherige Kriegsschauplatz an der rumänischen Grenz: eine böchst bedeutsame Erweiterung erfahren. Zugleich bewährt sich wiederum in erfreulicher Art und Weise die schöne „E, n,h eit der Front" zwischen allen verbündeten Mittelmächten, welche unsere Feinde uns- nachzumachen vergeblich bemüht sind. Deutsche Truppen haben nämlich schon jetzt in der: Krieg gegen Rumänien handelnd eingegrissen und gemeinsam n:it den Bulgaren die rumänische Grenze in erfolgreicher Offensive überschritten. Als Rumänien sich in das fiirchibare Abenteuer des Krieges stürzte, mag es wohl eine,' Funken Hoffnung gehabt haben, daß es bei dem Krieg zwischen Österreich-Ungarn und Rumänien bleiben und daß Deutschland nicht in die Kämpfe ein- greifen würde. Darin hat es sich aber getäuscht, denn wir haben schon während der Verhandlungen Rumänien darüber llicht im unklaren gelassen, daß es mit einem Eingreifen deutscher Truppen unter allen Umständen rechnen müsse. In Verfolg dieser Anschauungen bat Deutschland auch dem Vertragsbrüchigen Rumänien sofort den Krieg erklärt, als Rumänien durch die Kriegserklärung an das uns verbündete Österreich-Ungarn seine Alsicht zu. erkennen gab. in das Lager unserer Feinde offen überzutreten. Dieser Kriegserklärung schloß sich vor kurzer Zeit Bulgarien an, und schon heute hören wir von dem Einmarsch der verbündeten deutschen und bulgarischen Truppen nach Rumänien. Die Regierung und das Heer Rumäniens wird sich nicht einen Augenblick darüber im unklaren sein, daß ein furchtbarer Kampf seinen Anfang genommen hat. Der frühere Parademarsch nach Bulgarien, als dieses Land von den treulosei, Bundesgenossen in der elendesten Weise verraten wurde, und Run'änien nun dem armen verratenen Volke hinterhältig tuen Dolch in den Rücken stieß, wird sich nicht nrehr wiederholen. Der Vorinarsch unserer verbündeten Heere erfolgte über die Dobrudscha- grenze von der Donau biS zum Schwarzen Meer und richtete sich somit gegen den offenen Teil der rumänische« Sü d gr e n z e, da die Dunau bekanntlich nur bis westlich Turtukai die natürliche Grenze Rumäniens im Süden bildet. Von hier aus geht sie nach Nordosten an der Grei'ze der Dobrudscha. Es ist von den Heeresleitungen unserer verbündeten Truppen die g ü n stigste Stelle zur Eröffnung der Offensive von Süden aus gewählt worden.
Für die Rumänen bedeutet die deutsch-bulgarische Offensive den großen Nachteil, daß der Krieg mit all seinen Schrecken in ihr eigenes Land hineingetragen wurden ist. Wenn wir vor einigen Tagen gehört haben, daß st a r k e russische Truppen von Reni an der Donau und Ismail in Eilmärschen aus die bulgarische Stadt Rultschuk marschieren, so konnten die Deutschen und Bulgaren diesem Vormarsch der Russe,! dadurch ani besten parieren, daß sie sich möglichst schnell in den Besitz des südlichen Teiles der Dobrudscha setzten. Denn hierdurch wurde nicht allein der bulgarische Kriegshafen Varna am besten gegen einen Landangriff von Norden her geschützt, sondern haben hier auch die deutsch-bulgarischen Truppen die Gelegenheit, in möglichst breiter Front die Dobrudscha zu durchschreiten, während die Russen und Rumänen rn dem nördlichen Teil der Dobrudscha von der Linie Zernavöda-Constantza ab, selbst, wenn sie an Zahl überlegen sind, Schwierigkeit haben werden, ihre Massen zu wirkungsvoller Entfaltung zu bringen, da hier der Raum zwischen Donar: und Küste nur noch 50 Kilometer beträgt, während die Ausdehnung der rumänisch-bulgarischen Grer.ze zwischen Donau und dem Schwarzen Meer noch ül>er dreimal so groß ist. Die Rumänen und Russen können sich daher bei weiteren erfolgreichen Vormärschen der Bulgaren nicht in Breite entwickeln. Ganz besonders günstig für den deutsch-bulgarischen Vormarsch in der Dobrudscha gegen die Linie Zornavoda-Consiantza ist auch der Umstand, daß hier die Donau ihnen in ihrer linken Flanke eine bedeutsame Deckung bietet. Sic 'st nämlich auch infolge weitansgedehnter S u m p f g e b i e t c auf ihrem linken User von der ungefähren Höhe von Silistrn: ab bedeutend breiter und s ch w e r e r zu überschreiten als auf ihrem bisherigen Verlauf auf der rumänisch-bulgarischen Grenze.
Wir können es nur mit großer Freude begrüßen, daß die Bulgaren in der Wahl zwischen Verteidigung und Angriff keinen Aigenblick geschwankt haben, sm ' ,-n sich darüber sofort klar gewesen sind, daß die grüße. . lebendige Kraft doch dem Angriff innewobnt. Zu den sieygekrönten und kampferprobten Vulgaren können wir mit der gleichen Zuversicht aufblicken wie zu der Heldenhaftigkeit der deutschen Soldaten. Es kommt nämlich in erster Reihe hier in Betracht, daß das Kampfgelände das den Bulgaren von den Rumänen im Augenblick der Not gestohlene Land der Dobrudscha darstellt. Jeder Bulgare, der die Roche für diesen schnöden Diebstahl wünscht, wird hier mit zehnfacher Begeisterung dem Feind entgegentreten. Wie im Südcsten, so sind auch im entgegengesetzten Winkel der rumänischen Front iui Nordwesten an der Bistritza unsere Truppen ,m Kamvf mit den Rumänen. Tie ersten bedeutsamen Schritte auf diesem neuen Kriegsschauplatz sind nun mit Erfolg getan. Unsere Feinde werden merken, daß auch der Hinzutritt dieses neuen Feindes uns nicht den Sieg wird entreißen können. Der Komps wird schwerer, aber der Endsieg wird, das wissen wir, auch gegen diese neue Macht uns gehören. Rumänien wird aber die Strafe erhalten, die ihm für sein verräterisches Tun gebührt. 'J ,— ‘
Bestürzung in Paris über das Eindringen der deutsch - bulgarischen Truppen in die Dobrudscha.
Unzufriedenheit mit Sarrail.
Br. Haag, 5. Sept. (Eig. Drahtberich.. Zeus. Bln.) Man erfährt aus den Artikeln des Pariser „Journal" und des „Petit Puristen', daß man vor wie nach der Kriegserklärung in Paris über die rumänisch-russischen Vorbereitungen höchst ungenügend unterrichtet war. Dieses Befremden steigerte sich noch beim Eintreffen der Nachricht, daß der am Kreuzpunkt der rumänisch-bulgarischen Eisenbahnlinie bc- legene Platz D o b r i t s ch von den deutsch-bulgarischen Truppen besetzt wurde. Bemerkenswert ist die aus diesem Änlaß von Lyoner und anderen sra.zösischen Blättern an dem Verhalten S a r r a i l s geübte Kritik, die darin gipfelt, daß cs der so mächtigen Saloniki-Armee nicht gelang, den bulgarischen Vormarsch nach der rumänischen Grenze zu verhindern.
„Das wichtigste Ereignis an allen Fronten."
Ein holländisches Urteil.
Nr. Haag, 6 . Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Der „Nieuwe Rotterdanssche Courant' schreibt: Das wichtigste Ereignis an allen Fronten ist der deutsch-bulgarische Angriff in der Dobrudscha. Was mit Recht in Erstaunen setzen kann, ist die Tatsache, daß die deutsche Heeresleitung auch für diesen Kriegsschauplatz Truppen zur Verfügung hat. Man muß sagen, daß an die deutschen Truppen so ungeheure Ansprüche gestellt werden, daß von einem Überschuß an Mannschaften natürlich nicht gesprochen werden kann. Aber die Sendung der deutschen Truppen in die Dobrudscha beweist, welche große Bedeutung die deutsche Heeresleitung der Aufrechterhaltung der Verbindung mit der Türkei beimißt. Den Bulgaren ist das Terrain wohlbekannt, denn es ist das Gebiet, das man ihnen geraubt hat.
Die Verlangsamung des rumänische« Vormarsches an der siebenbürgischen Front.
W. T.-B. Budapest, 4. Sept. (Nichtamtlich.) Nach dem „Az Est" hat sich in den letzten 24 Stunden die Lage bei Or- sova wesentlich gebessert. Das Blatt schreibt:
Die Stadt befindet sich in unserer Hand. Sämtliche ein- ■ treffenden Meldungen besagen, daß der rumänische Vormarsch zum Stehen gebracht ist. Nachdem die bei Orsova und Herkules-Fuerdee (Herkulesbod) kämpfenden Truppen gestern in Stellungen ans dem Westufer der Cerne zurückgezogen worden waren, wehrten sie in den neuen Stellungen erfolgreich heftige Angriffe ab. An der Siebenbürger Südfront geht der Feind langsam und sehr vorsichtig in längst aufgegebenen Gebieten vor Das seit vier Tagen geräumte Hegy-Sreben (Hermannstadti wurde gestern von der feindlichen Artillerie unter Feuer genommen. Seit einigen Tagen hat sich der rumänische Vormarsch auffallend verlangsamt, weil die Rumänen im Barzer und Cziker Gebiet abwarten müssen, bis die Etappenstationen über die Grenze kommen. In Gyerghe passierte der Feind die Pässe und gelangte in der Gegend Gyerghe—Szent-Niklos in das Marostal. Längs der Bahnlinie versuchten die Rumänen den Fluß zu überschreiten. Unsere Artillellrie vereitelte jedoch das Vorhaben.
Russland und das Eingreifen Rumäniens.
(Von unserem L.-Soaverberichterstatter.)
8. Stockholm, 5. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Die russische Presse ist nach den ersten überschwenglichen Begrüßungsworten bereits rpcht kühl gegen Rumänien und hat an der Politik des Donaukönigreiches manches auSzu-
