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Dienstag» 3. September 1916.

Morgen-klusgabe.

Nr. 423. . 64. Jahrgang.

Line große Schlacht an der Somme.

Ergebnislosigkeit oft wiederholten feind­lichen Ansturms bei Thiepval und Poziercs. Schwerste feindliche Verluste. 300 Mann in der Souville-Schlucht gefangen genommen.

Erfolgreiches weiteres Vorrücken in der Dobrudfcha.

700 Rumänen gefangen genommen. Andauernde heftige Kämpfe mit den Russen.

Der Tagesbericht vom 4. September.

. W. T.-B. Großes Hauptquartier, 4. Sept. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Die gestern früh einsetzenden englisch-französischen An­griffe im Sommegcbiet haben zu einer Schlacht größter Ansdehnuug und Erbitterung geführt.

Nördlich der Somme spielte sie sich auf der annähernd 30 Kilometer breiten Front von Beaumont bis zur Somme ab. Trotz oft wiederholten feindlichen Ansturms beiderseits der Ancre und besonders auf Thiepval und nordwestlich von PoziereS haben unsere braven Truppen unter dem Kommando des Generals von Stein und Freiherrn Marschall ihre Stellungen behauptet, durch schnellen Gegenstoß vorübergehend verlorenen Loden bei dem Gehöft Mouquet (nordwestlich von Pozieres) zu rück erobert und dem Feinde die schwersten Verluste zugefügt. Weiter östlich hielt unsere starke Artillerie den Gegner in seinen Sturmstellnngen nieder; erst nachts gelang es ihm, im Foureaux-Walde vorzubrechen; er wurde zurückge­schlagen.

Nach einem allen bisherigen MnuitianSeinfatz über­steigenden Vorbereitungsfeuer entbrannte der Kampf zwischen G i n ch y und der Somme und wütete hier bis in die späten Nachtstunden fort. In heldenmütiger Gegenwehr haben die tapferen Truppen der Generale von Kirckibach und von Faßbender dem in dir völlig zerschosienc erste Stellung eingedrungcnen Feind jeden Fuß breit Bodens streitig ge­macht und in ihrer zweiten Verteidigungslinie dem Stoß Halt geboten. Guillemont und La Forest find in der Hand des Gegners.

Südlich der Somme ist es, abgesehen vom Abschnitt süd­westlich von Barleoux, unserer Artillerie gelungen, die Durch­führung der französischen Angriffe zu unterbinden; die bei Barleaux zum Angriff angesetztcn Kräfte wurden blutig abgeschlagen.

Rechts der Maas sind A « g r i f f S v e r s u ch e der Fran­zosen gegen das Wirk T h i a n m v n t und südlich von Fleury gescheitert. In der Souville-Schlucht wurde nach sorgfältiger Vorbereitung ein in unsere Linie vorsprin- gendcr Winkel der französischen Stellung vom Feinde ge­säubert; 11 Offiziere, 4bi! Mann wurden ge­fangen genommen; mehrfache feindliche Gegenangriffe abgewiesen.

In der Nacht zum 3. September haben Heeres- und Marineluftschiffe mit beobachtetem guten Erfolg die Festung London angegriffen. Eines unserer Schiffe ist im feindlichen Feuer abgestürzt.

Im Luftkampf wurden am 2. nnd 3. September im Sommegebiet 13, in der Champagne und an der Maas je 2 feindliche Flieger abgeschossen. Hauptmann Bölcke, der seinen zwanzig st en Gegner außer Gefecht setzte, die Leutnants Leffers, Fahlbusch und Rosencrantz haben an den letzte» Erfolgen hervorragenden Anteil. Durch Abwehrfeuer sind seit dem 1. September im Somme- und Maasgebiet 4 feindliche Flugzeuge heruntergeschossen worden.

Am 2. September haben französische Fliegerangriffe im Festungsbereich von Metz unerheblichen Schaden angerichtet; durch mehrere Bomben auf die Stadt Schwenningen wurden 5 Personen verletzt und einiger Gebäudeschaden verursacht.

Lstlicher Kriegsschauplatz.

Heeresfront des Generalseldmarschalls Prinz Leopold von Bayern

Mit einem vollen Mißerfolg für die Russen endeten ihre gestern westlich und südwestlich von L u ck wieder­holten Anstrengungen.

Nördlich von Z l> o r o w hielten unsere Truppen den zu­rückgewonnenen Loden gegen mehrfache starke russische Angriffe.

Heeresfront des Generals der ttavallerie Erzherzog Karl.

Östlich und südöstlich von Lrzezanh dauerte der Kampf an. Einige Erfolge der Russe» sind ihnen durch N e g e n st o tz wieder entrissen; die Säuberung eini­ger Gräben ist im Gange.

In den Karpathen wurde das Gefecht südlich von Zielona fortgeseyt. Russische Angriffe südwestlich von Zaine im Magura-Abschnitt und nördlich vrn Dorna Watra sind gescheitert.

Balkan - Kriegsschauplatz.

Unter erfolgreichen Kämpfen rücken die dcntsch- bulgarischen Kräfte zwischen der Donau und dem Schwarzen Meer weiter vor. Bei Koemar (nordwestlich von Dvbric) warf bulgarische Kavallerie rumänische Infanterie in Unord­nung zurück und nahm 10 Offiziere» über 7 0 0 M a n n gefangen.

An der mazedonischen Front ist die Lage unverändert.

Der erste Generalguartiermeister:

Ludendorff.

Oie militärische Lage-

I-. Berlin, 4. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Auf den Fronten in West nnd Ost stehen wir im Zeichen der entscheidenden Kriegssvanne: Die Schlachten toben.

Franzosen, Engländer und Russen bieten ihr Aeutz erstes auf, um einen Erfolg zu erringen, der vor Ablauf des Herbstes einen auf der Karte sichtbaren Geländegewinn sehen läßt. Aber die feindliche Hochflut zerschellt an dem ehernen Willen der deutschen Truppen, das eroberte Gebiet, das unsere Siegesgewähr ist, unter allen Umstän­den f e st z u h a l t c it. Seit gestern früh wütet eine Schlacht im S o m m e g e b i e t, die nach Norden zu eine Frontvec- längerung erfahren hat, mit großer Erbitterung, Rach einem Trommelfeuer, dessen Munitionsverschwen­dung noch alles biher Dagewesene Lbertrifst, erfolgten Jnfanterieangriffe nördlich der Somme auf einer Strecke von 30 Kilometern, die vom Fluß bis Beaumont reicht, südlich dee Somme auf einer Strecke ve» 15 Kilometer, die sich von Bar­leaux südwestlich von P e r o n n e bis zur Bahnlinie Amiens- Ham ausdehnt. Am Abend konnte die Schlacht im Abschnitt Beaumont bis Foureaux-Wald von uns als gewonnen be­zeichnet werden. Besonder-, schwer waren die Angriffe deS Feindes vom Foureaux-Walde bis zur Bonget- Ferme, wo sämtliche Stellungen fest in unserer Hand blie­ben und der Feind im Sperrfeuer und auch im Nahkampf so harte Verluste erlitt, wir noch selten zuvor. Beiderseits des D e l v i l l e - WaldeS wurden die feindlichen Gräben von unserem Feuer so gründlich zngedeckt, daß die dort zum Sturm bereitgehaltenen Trupven überhaupt nicht zum Vorschein kommen konnten. ZwischenG u i l l e m o n t und der Somme gelang es wohl dem Gegner in Stücke unserer vordersten Linie einzubrechen, eS wurde sofort zum G e g e n st o ß ge­schritten. Südlich der Somme gelang es unserem höchst! wirkungsvollen Artilleriefeuer die feindlichen Angriffe, aus­genommen im Abschnitt südwestlich Barleaux, schon vor der Entwicklung zu unterbinden. Im Barleanx-Abschnitt sorgte der Gegenstoß für die Säuberung der teilweise verlorenen vordersten Gräben. Östlich der Maas wiederholten die Fran­zosen ihre Attacken auf unsere Stellungen südlich des Werkes T h i a u m o n t nnd südöstlich von F l e » r h. Aber überall brachen sie im Feuer unserer Artillerie und unserer Ma­schinengewehre zusammen. Dagegen hatte ein von uns sehr gründlich vorbereitetes Unternehmen gegen eine im spitzen Winkel beiderseits der Souville-Schlucht vorgeschobene und in monatelanger Arbeit mit allen Festungskünsten tief ausge­baute französische Stellung vollen Erfolg. Rach ausgie­biger Beschießung wurde dieses wertvolle Berteidigungswerk genommen — mit samt einem Regiments- und Bataillons- stab, 0 Offizieren, 432 Mann und 8 Maschinengewehren.

An der O st f r o n t lebte die Artillerietätigkeit vom Meer bis Riga wieder auf, ohne daß Jnfantericvor- stöße erfolgten. Bis nordwestlich Luck herrscht im allgemei­nen Ruhe. Westlich und südwestlich dieser Festnng, aber ins­besondere zwischen T u r i g a und L n g a, kam es! nach starker feindlicher Fcuervorbcreitung in breiter Front zu einer hef­tigen Schlacht. Die russischen Jnfanteriemasseu wurden zumeist schon von unseren Geschütze» zusammcn- kartätscht. An einzelnen Stellen entstanden Rahkämpfe, bei denen wir aber überall Sieger blieben. Der Feind rechnete hier unter allen Umständen auf Erfolg. Damit die zum Sturm vorgetrieblnen Regimenter wüßten, daß es sür sie kein Zurück geben dürfe, legte die feindliche Artillerie Geschütz- und Minenfeuer zwischen sie und ihre Gräben. Die vorbrcchenden Rüsten kamen nicht weit. Sie erlitten so ungeheure Verluste, daß auch hier in nicht zu ferner Zeit die verbrecherisch geopferten Menschenmassen sich erschöpfen müssen. Zur Berechnung, wie groß diese Verluste sein müssen, mag die Angabe dienen, daß vor einem 3 Kilometer langen Frontstück von den Truppen des Generals L i tz m a n n 5000 russische Tote gezählt worden sind. Südlich S b o r o w brach ein ticfgegliederte» Angriff ebenfalls schon zum größten Teil in unserem Sperr­feuer zusammen. Wo der Feind in unsere Linie eindrang wurde die Lage alsbald durch Gegenstoß wiederhergestellt Bei Brzezanh südlich und südwestlich dieses Ortes haben unsere Truppen die Russen über eine vor wenigen Tagen verloren gegangene Stellung wieder h i n a u s ge­drängt. Der kleine Gewinn war also umsonst mit großen Opfern bezahlt worden. Weiter südlich bis zum T n j e st r war die Gefechtstätigkcit gering. Ebenso bis zu den Vorwerken der Karpathen. Russische Angriffe auf die Höhe vor Zielona, Zavie und M a g u r a, letztere nahe der rumä­nischen Grenze, wurden verlustreich abgcwiescn.

Dar Gespenst einer Hungersnot in England.

(Von unserm Haager Mitarbeiter.)

In zunehmender Weise mehren sich seit einiger Zeit die Nachrichten aus England, wonach auch dort die Nahrungsmittelknappheit' und -Ver­teuerung immer drohendere Formen annimmt, wegen Fehlens einer staatlichen Organisation der Lebensmittelverteilung fiir die arbeitenden Klassen fort­gesetzt fühlbarer wird und dort wachsende Unzu­friedenheit hervorruft. Einen bemerkenswerten Beitrag zu diesem Gebiet liefern die „Daily News" in einenl Leitartikel, wo es u. a. heißt: „Es kann kaum abgestritten werden, daß in England tatsächlich ein wirklicher Mangel an Nahrungsmitteln, hervorgerufen hauptsächlich durch die Behinderung des russischen Wei- zenexports, ungenügende Selbsterzeugung Frankreichs nnd Englands (und auch wohl den Unterseebootskrieg) vorhanden ist. Außer diesen natürlichen Ursachen der Nahrungsmittelknappheit ist auch die sozusagen künst­liche Ursache zuzufügen, die durch den fortgesetzt steigen­den Bedarf der englischen Heere ivu Felde herdorgernfen wird. Der Soldat, früher Produzent, ist heute Ver­braucher geworden. Bei mehr als 6 M i l I i o n e n Soldaten kann man sich denken, w>rs es bedeutet, daß diese Millionen Produzenten jetzt Verbraucher geworden sind. Schließlich haben- wir einen ernsten Mangel an Laderauni zu beklagen und am Ende all dieser Ursachen komnit die Wirkung der Spekulation, sowohl der das Inlands wie des Auslands, die mit dazu beiträgt, die Preise- zu verteuern. Das Endergebnis all dieser Ursachen ist, daß, während die große Mehrheit der im RegierungsdienstStehenden, sowohl derSoldaten wie der Munitionsarbeiter, gut ernährt ist (nach den kürzlichen Angaben Lloyd Georges nehmen nur 500 000 Munitionsarbeiter ihr Essen aus den Fabriken selbst ein), die Lage der mittleren und ärmeren bürgerlichen Bevölkerung fortgesetzt ernster wird. Was die ganz Arnlen anbelangt, so kann man nicht anders sagen, daß sie durch Hnngersno: bedroht wer­den. Die unter diesen Umständen erhobene Forderung, daß die Regierung etwas tun soll, ist natürlich und bis zu einem gewissen Grade gerechtfertigt. Wenn man den Eindruck aufkommen läßt, daß die Negierung nichts tut, so können die Folgen ernst werden. Die Unzufriedenheit desVolkes wird dazu führen, daß diesesEinklüsterungen, welche Abhilfe versprechen, sein Ohr leiht. Wir werden schließlich noch zu aufrichtiger Bewunderung Deutschlands, seines Rationssystems und seiner fleischlosen Tage gebracht werden. So viele administra- live Wunder sind seit Kriegsbegrnn zustande gekommen, daß es unsinnig sein würde, zu sagen, daß diese Leistun­gen in England unmöglich sind; die Frage ist nur, ob bei uns die Wirkung genügend sein würde, die Preise zu reduzieren. Die Bevölkernngsklassen, die am meisten unter den jetzigen Lebensbedingungen in England lei­den, sind diejenigen, die mittels geringer vor demKriege festgelegter Löhne oder durch Pensionen und Renten leben. Die Verteuerung des Lebensunterhalts hat die Existenzbedingung dieser Leute v o llkom- men umgeworfen. Auch wird der Mangel bei uns nicht durch übermäßigen Verbrauch irgend welcher besser gestellten Klassen oder Heimatsbevölkerung her- vorgecufen. Die Hauptursache, welche den Lebens- mittelmangel hervorgerufen bat, ist der unglaub­liche Verbrauch der Heere. Unter diesen Ver­hältnissen würden die natürlichen und künstlichen Ur­sachen der Lebendmittelknappheit, die oben bereits er­wähnt wurden, in vollem Umfang auch dann bestehen bleiben, wenn England ein Rationensystem einführen und aus jedem Tag einen fleischlosen Tag machen würde. Ilnd es ist einfach lächerlich, den Armen zu erzählen, daß'sie beispielsweise nur Donnerstags und Sonntags so und so viel Fleisch kaufen sollten, wenn die. Fleischpreise so hoch bleiben, daß sie überhaupt an keinem Tage der Woche das kleinste Stück Fleisch kaufen können."

Dieser Artikel wirft ein bezeichnendes Schlaglicht auf die jetzigen Verhältnisse in England. Die Aus­hungerung Deutschlands war Englands Ziel. An die­ser Aushungerung wird, wie das kürzliche Ab k o m in e n mit den holländischen Fischereien zeigt, noch fortgesetzt unermüdlich gearbeitet, ohne daß jedoch England, dank der trotz einzelner Fehler im allgemeinen glänzenden Organisation in Deutschland, der sogar ein englisches Blatt unverhohlenes Lob spendet, sein Ziel erreichen könnte. Und mehr und mehr spürt England die Folgen des Krieges im eigenen Fleisch. Das Blatt sagt dann, daß nur zwei Mittel beständen, um der Verschlimmerung der Lage und der Steigerung der Preise Einhalt zu tun. 1. Eine allgemeine Lohnsteiqe- rung vorzunehmen, die schließlich doch automatisch c intreten müsse, wenn die hohen Preise anhalten — aber auf diesem Gebiet könne die Regierung direkt nicht