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Montag, 4. September 1916
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Nr. 421. . 64. Jahrgang.
Ein neuer Zeppelinangriff aus England.
Die Dobrudscha-Grenze überschritten.
In Gefechtsführung mit den Rumänen an der Bistritza. — Heftiger Artilleriekampf im Sommegebiet. — Feindliche Angriffe bei Vaux-Souville «rbgewiesen.
Erneute starke russische vorstötze gescheitert.
Oer Tagesbericht vom 3. September.
W.T.-B. Großes Hauptquartier, 3. Sept. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Die Artillerieschlacht im Tommegcbiet hat größte Heftigkeit angenommen. Zwischen Maurepas und Elery sind gestern abend starke sranzöslschc Angriffe zusammen- gebrochen.
Rechts der Maas sind dem auf die Front Thiau- mont-Vaux ausgedehnten Borbereitungsfeuer nur bei- derseits der Straße Baux-Souville feindliche Angriffe gefolgt. Sie sind abgewicsen.
Östlicher Kriegsschauplatz.
^eeresfront des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern
Nördlich von Zborow fetzten erneut starke russische Kräfte zum Angriff an. Die tapferen, unter dem Besch! des Generals v. Eben stehenden Truppen haben sie, zum Teil im Bajoncttkampf, restlos zurückgeschlagcn.
Östlich und südöstlich von Brzezany entspanne» sich örtlich begrenzte Kämpfe. Feindliche Angriffe wurden abgcwiesen. Das Gefecht ist bei einzelnen Stellen noch im Gange.
In den Karpathen richteten sich die russischen Unternehmungen gestern hauptsächlich gegen die Magura und die Höhenstellungen südöstlich davon. Sie hatten keinen Erfolg. Dagegen blieb die Ploska-Höhc (südlich von Zielno) nach mehrfachen vergeblichen Anstrengungen des Gegners in seiner Hand.
Heeresfront des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.
Beiderseits der Bistritza trn rumänischen Grenzgebiet traten deutsche und österreichisch-ungarische mit feindlichen Vorposten in Gefechtsfühlung.
Balkan - Kriegsschauplatz.
Die Dobrudschagrenze ist zwischen der Donau und dem Schwarzen Meere von deutschen und bulgarischen Truppen überschritten. Der rumänische Grenzschutz wurde unter Verlusten für ihn zurückgcworfcn.
An der mazedonische» Front keine Ereignisse von Bedeutung.
Der erste Gcneralquartiermcister:
Ludcndorfs.
Mehrere Marinelustschiffgeschwader über London, yarmouth und harwich.
Gin gleichzeitiger Angriff von Luftschiffen des Heeres auf Südengland.
W. T.-B. Berlin, 3, Sept. (Amtlich.) In der Nacht zum 3. September haben mehrere Marine- l u f t s ch i f f e die Festung Land» n, die befestigten Plätze Yarmouth und Harwich sowie Fabrikanlagen von militärischer Bedeutung in den s ü d ö st- l i ch e n G r a f s ch a f t cu und am H um b c r ausgiebig mit Bomben belegt. Die gute Wirkung der Angriffe konnte überall an starken Bränden und E x- p I o s i o n e n beobachtet werden. Sämtliche Marine- luftschifse sind trotz starker Beschießung unversehrt z n- rückgckehrt. Gleichzeitig fand ein Angriff von Luftschiffen des Heeres ans Südengland statt.
Der Chef des Admiralstabcs der Marine,
Rumänische Erkundungsabteilungen im Gerorygebiet zurückgetrieben.
Zahlreiche russische Angriffe abgeschlagen. Italienische Kräfte über die Vojusa wieder zurückgeworfen.
Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.
Front gegen Rumänien.
W. T.-B. Wien, 3. Sept (Nichtamtlich.) Die feindliche Artillerie richtete gestern ihr Feuer gegen Nagt, Szcben lHermannstadt). Im Gerorgffgebiet fühlten die Rumänen gegen unsere Stellung vor. Unsere Artillerie trieb die feindlichen Erkundungsabteilungen zurück. Sonst bei unveränderter Lage keine besonderen Ereignisse.
Front des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.
Südwestlich von Fund ul Moldovi und westlich von M-ldava schlugen unsere Truppen mehrere russische Angriffe zurück. Der Berg Plocka. südwestlich von Rafailowa, wurde von den Russen nach erbittertem Kampf genommen. Südöstlich von Brzezany scheiterten gestern mehrere starke russische B-rstöße. Heute setzte der Feind erneut zum Angrift an.
Front des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern.
Nördlich von Zborow vereitelten deutsche Truppen der Armee des Generals non Boehm-Ermolli einen Angriffsversuch des Feindes, der nicht aus seinen Gräben heraus kam.
Italienischer Kriegsschauplatz.
An der k ü st e n l tt n d i s ch e n Front halten die Gischütz- kämpsc in mäßiger Stärke an.
Im P l o ck e n a b s ch n i t t trat nach dem von uns abgeschlagene» Angriff zunächst Ruhe ein; dann lebte die Ar- tillerietätigkeit wieder auf. An der Front südlich des Fleimstales scheiterten feindliche Angriffe auf den Coltnrondo und die Zauriolscharte.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Östlich von Flora (Balona) sind italienische Kräfte er- die Bojusa vorqedrnngcn. Sic wurden schon gestern abend zum großen Teil zurückgeworfen.
Der Stellvertreter des Chefs des wcneralMbes: v. H ö f e r, Feldmarschallrutnant.
Ernste Beurteilung der militärischen Lage in Rumänien.
Der österreichisch - ungarische Rückzug durch Transsylvanien ein logischer Defensivakt.
8. Stockholm, 3. Sept. (Eig. Drahtber. Jens. Bln.) Russische Telegramme aus B u k a r e st melden, daß in wohlunterrichteten rumänischen M i l i t ä r k r e i s e n die Situation trotz der ersten Erfolge mit großem E r n st betrachtet werde. Die Petersburger „Börsenzeitung" erhält von offiziöser rumänischer Seite folgende Darstellung der militärischen Lage: Der österreichisch-ungarische Rückzug durch Transsylvanien würde die Lage nicht unbedingt zugunsten Rumäniens verschieben. Dies Manöver kann öster- reichischerseits ohne Verluste durchgeführt werden, -weil die Berge treppenartig absteigen, während für uns das N a ch f o l g en mit bedeutenden Verlusten verbunden sein wird. Dies ist ein logisc^r Defensivakt des Feindes, nach dessen Durchführung die österreichisch-rumänische Front zu stählerner Härte erstarken muß. Transsylvaniens Eroberung ist ein sehr schwieriges Unternehmen; es wäre leicht gewesen, in raschem Angriff in das Brassotal und über den Bach nach Hermannstadt einzudringen, ober damit ist doch noch nichts erreicht. Es ist auch das Über- schrciteri der hohen Bergkette nötig, und hier werden die Wege gefährlich. Das Unternehmen ist also langwierig und mit schnellen Erfolgen kann nicht gerechnet werden.
Der russische Befehlshaber für Rumänien in Bukarest.
Br. Genf, 3. Sept. (Eig. Drahtber. Jens. Bln.) Lyoner Blätter melden, aus Bukarest: Der Befehlshaber der russischen Truppen in Rumänien ist in Begleitung von fünf Offizieren seines Stabes am Freitag in Bukarest eingetroffen.
Rumäniens Vertragsbruch.
W. T.-B. Wien, 2. Sept. Wie die „Polit. Korresp." erfährt, beruhten die Beziehungen 'Rumäniens zu den Mittelmächten im Augenblick der Kriegserklärung Rumäniens an Österreich-Ungarn auf dem Bündnis, das 1883 zwischen der Monarchie und dem Königreiche unter Bezugnahme auf
den österreichisch - ungarisch - deutschen Bündnisvertrag geschlossen wurde. Jenem Bündnis war sofort nach seinem Abschluß Deutschland beigetreten, Italien im Jahre 1888. Seither ist es wiederholt, zuletzt 1913, erneuert. Aus dieser Rechtslage ergibt sich mit aller Klarheit, daß das Ausscheiden Italiens aus dem Dreibund an dem Bündnis zwischen Österreich-Ungarn und Rumänien rechtlich nichts zu ändern vermochte.
Ein bulgarisches Manifest gegen Rumänien.
W.T.-B. Sofia. 2. Sept. Meldung der Bulgarischen Telegraphcn-Agentur. Gestern wurde folgendes Manifest durch Anschlag veröffentlicht.
Manifest an die bulgarische Nation! Bulgaren!
Fm Jahre 1913. nach Beendigung des. bulgarischen Krieges, qls Bulgarien gezwungen war, sich mit seinem treulosen Verbündeten zu schlagen, griff uns unser nördlicher Nachbar Rumänien unwr dem Vorwände eines Bruches des Gleichgewichts auf dem Bolkan verräterisch an und fiel in die nicht verteidigten Teile unseres Vaterlandes ein, ohne daselbst Widerstand zu finden. Durch diesen räuberischen Einfall in unser Land binderte es uns nicht nur daran, die heiligen Früchte dieses Krieges zu ernten, sondern es gelang ihm auch infolge des Friedens von Bukarest, uns zu demütigen und Uiis unsere sri-chtbaren Teile der Dobr idscha, den Mittelpunkt unseres ersten Königreichs, zu entreißen. Meinen Befehlen gemäß gab unsere tapfere Armee damals keinen einzigen Gewebrschuß gegen die rumänischen Soldaten ab und ließ ihn den traurigen militärischen Ruhm erwerben, dessen zu rübmen er sich bis jetzt nicht getraut hat. Bulgaren! Heute, da es Bulgarien mit Unterstützung der tapferen Truppen unserer Verbündeten gelungen ist den Angriff Serbiens gegen unsere Gebiete abzuweisen, letzteres nieder- zuschagen und zu zerschmettern und die Einheit des bulgarischen Volkes zu verwirklichen, heute, da Bulgarien Herr beinahe aller Gebstte ist, worauf es geschichtliche und völkische Rechte besitzt, erklärte dieser selbe Nachbar, Rumänien, unserem Verbündeten Österreich-Ungarn den Krieg, und zwar wiederum unter dem Vorwände, daß der europäische Krieg wichtige territoriale Veränderungen auf dem Balkan in sich :>?rge, die seine Zukunft bedrohen würden. Ohne irgend eine Kriegserklärung von Bulgarien beschossen rumänische Truppen schon am 28. August die bulgarischen Donaustädte R u st s ch u l, Swistow ustv. Wegen dieser Herausforderung seitens Rumäniens befehle ich unserer tapferen Armee, den Feind aus den Grenzen des Königreichs zu jag-m den treubrüchigen Nachbar zu vernichten. die um den Preis so vieler Opfer verwirklichte Einheit des bulgarischen Volkes zu sichern und unsere Brüder in der Dobriltscha von der Knechtschaft zu befreien. Wir werden Hand in Hand mit den tapferen und siegreichen Truppen unserer mächtigen Verbündeten kämpfen. Ich. rufe die bulgarische Noticn gu einer neuen ruhmreichen Heldentat auf. durch die sie ihr gegenwärtiges Befreiungswerk krönen wird. Möge der bulgarische Soldat weiter von Sieg zu Sieg eilen. Vorwärts! Gctt segne unsere Wassens
gez. Ferdinand.
Die griechische wisst.
Der erpresserische Druck derL ntenle. Roch keine Bestätigung der Gerüchte über eine angebliche Abdankung König Konstantest — Die Flottendemonstration der Entente. — Der kritische Augenblick in Athen.
(Von unserer Berliner Abteilung.)
Berlin, 3. Sept. (Eig. Drahtber. Jens. Bln.) Die aufregenden Londoner Meldungen, König Konstantin habe ferne Krone niedergelegt, oder er wäre von neuem schwer erkrankt, haben b'S zur Stunde hier keine Bestätigung gefunden. Weder die griechische Vertretung noch sonstige diplomatische Stellen hielten die Nachricht für begründet, zumal sichtlich auch der telegraphische Verkehr der Entente mit Athen eingestellt worden ist, und die Drahtungen der Londoner, Pariser und rumänischen Presse aus dem Revclutionsherd Saloniki stamnien. Man gewinnt aus den Meldungen der italienischen Presse sogar den Eindruck, als wären die sensationellen Erfindungen von der Abdankung des Königs usw. bestimnit gewesen, in Saloniki den Aufstand ins Werk zu fetzen. Fest zu stehen scheint allein, daß die E n t e n t e f l o t t e wieder A t b e n unter die D r v h u n g i h r c r K a n o n e n genommen hat, und daß oer König den französischen Gesandten in längerer Audienz empfing. Daß die Entsendung der Kriegsflotte auch dem Piräus die Antwort darauf gewesen sein soll, daß Za.miL während acht Tagen die Abhaltung veni-
