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Verlag Langgaffe 21

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Samstag, 2. September 1916.

Morgen-klusgabe.

Nr. 418. ♦ 64. Jahrgang.

Der vierte im Bund.

W T-B. Sofia, 1 . Sept. (Nichtamtlich. Drnhtbericht.) Heute, 1v Uhr vormittags, wurde dem hiesigen rumänischen Gesandten die Kriegserklärung übergeben. Früh morgens wurde in den Straffen das Kriegsmanifest angeschlagen.

Die treue Waffenbrüderschaft Bulgariens.

W. T.-B. Wien, 1. Sept. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Angesichts der perfiden Meldungen der feindlichen Presse be­tont der bulgarische Gesandte Tonschew in der „Neuen Freien Presse", daß Bulgarien bis zum Ende des Krieges und über das Ende hinaus mit seinen Verbündeten Schulter an Schulter gehe.

Die Bulgaren und der voraussichtliche russisch-rumänische Ansturm.

Die bulgarisch-rumäuische Kriegslage.

Der Russendurchmarsch durch die Dobrudscha ist von der Entente so ost angedroht and angekündigt worden, daß seine Verwirklichung jetzt nach dem Eintritt Ruinäniens in den Krieg keine Überraschung mehr bietet. Nach Meldungen neu­traler Blätter soll die bulgarische Festung Rustschuk das Ziel starker russischer Heeresteile sein. Es sind vielleicht jene angeblich 250 000 Mann, die bereits Anfang Juni am linken Pruthufer, bei Reni, versammelt und durch 60 000 Serben verstärkt worden sein sollen. Auch rumänische Truppen aus S i l i st r a schließen sich, wie es heißt, dem russischen Vormarsch an, so daß, wenn die Meldungen zutrefsen, »ine allerdings sehr ansehnliche feindliche Heeresmacht im Anzuge ist. Man braucht kein Stratege zu sein, um den Krwgsplan dieses Vorstoßes zu durchschauen. Es gilt, die 1913 geschaffene bulgarisch- rumänische Grenze im Süden der Dobrudscha zu zer­brechen und dann auf Sofia ober* auf Konstan- tinopel oder, wenn man sich stark genug fühlt, auf beide Ziele loszurücken. Da die bulgarische Heeres­leitung weiß, daß hier, zwischen Rustschuk und Warna, die schwächste Angriffsstelle liegt, hat sie sicherlich alles getan, um der Natur durch künstliche Befestigung zu Hilfe zu kommen. Ein Glück, daß im Bukarester Proto­koll von 1913 die Bahnlinie Rustschuk-Warna bulgarisch blieb und jetzt die Möglichkeit bietet, dem herun- marschierenden Feinde einen Wall oon Verteidi­gungsmitteln entgegenzuwerfen. Ob die Russen hier an der Dobrudschagrenze auch auf türkische Trup­pen stoßen werden, ist noch unbekannt. Die Prompt­heit der türkischen Kriegserklärung an Rumänien spricht dafür, daß man gewillt ist, den Feind nicht südlich an der türkischen Grenze zu erwarten, sondern ihm durch eine Offensiv^, entgegenzukommen. Bulgarien und die Türkei werden also wahrscheinlich das Bild innig­ster Waffenbrüderschaft bieten, das den Geg­nern auch an anderen Fronten so unangenehm auffällt. Jedenfalls dürften sich an der Dobrudschagrenze die nächsten und heftigsten Kämpfe der nach Süden gerich­teten rumänisch-russischen Front abspielen und den Rumänen, die sich in Siebenbürgen große Erfolge er­hoffen, wird bald die Erkenntnis aufgehen, wie schwie­rig und gefährlich dieser ihr Zweifrontenkrieg ist, zumal die Bulgaren an ihrer Donaugrenze sicher­lich nicht schlafen werden. Die Donau zwischen Bul­garien und Rumänien ist ein großer, tiefer und breiter Fluß (700 bis 2200 Meter) und verhindert einen schnellen feindlichen Übergang. Das bulgarische Donau­ufer ist meist hoch, dominierend, und stellenweise sind ihm sumpfige Niederungen vorgelagert. Dort aber, wo es für einen feindlichen Einfall von Norden günstig wäre, gerade an diesen Stellen wird das gegenüber­liegende rumänische Ufer von ausgedehnten Sümpfen begleitet, so daß an dem ganzen rechten Ufer Bulgariens eine Strecke von nur etwa 65 Kilometer übrig bleibt, wo der Feind von Norden nach Süüen übersetzen könnte. Aber der Feind müßte mit Rücksicht auf die Taktik und Strategie die Stelle des Übergangs mit Umsicht aus­wählen, und dadurch verkürzt sich die günstige Strecke zum Einfall noch mehr. Gerade an den strategisch wich­tigen Stellen sind die Städte Widin, Lom Orechowo

(Rahova), Nikopol, Swischtow (Sistowo) und Rustschuk Bollwerke der bulgarischen Verteidigung und Ausfalls- Punkte der bulgarischen Truppenmassen, die man zuni .Vormarsch nach Saloniki etwa nicht verwendet, sondern zurBekämpfungdesrumänischenSchakals Vorbehalten hat. Das wußte man wiederum in Bukarest und deshalb' ist durchaus nicht die gesamte rumänische Streitkraft gegen Ungarn gerichtet. Rumä­nien bedarf eines ziemlich bedeutenden Teiles seines Heeres zum Schutze ferner Hauptstadt, die zugleich dieZentralfestungdes Landes ist. Die Rrrssen werden sich bei ihrem Vormarsch durch die Dobrudscha herzlich wenig um die Sicherung Bukarests kümmern. Ihnen schwebt ein ganz anderes Ziel vor Augen. Rumänien mag also zusehen, wie es seinen so gefährlich nahe an der Grenze liegenden Zentralpunkt wahrt. Bukarest wurde zwar von jeher als eine der stärksten Festungen der Welt ausposaunt, aber der Weltkrieg hat ja mit vielen Dingen, so auch mit dem Festungs­nimbus, aufgeräumt. Der Fortsgürtel von Bukarest hat einen Umfang von 72 Kilometern, besteht aus 18 Forts mit zahlreichen Panzertürmen und 18 Panzer- zwischenbatterien. Dazu kämen 70 Panzerlafetten für Haubitzen und eine Hauptreserve von 300 Fern- und Nahkampfgeschützen. Zweifellos eine wuchtige Rüstung, aber die Stärke' Rumäniens, die sich jetzt erweisen soll, beruht nie und nimmer in seinen Festungen. Die offene F e l d s ch I a ch t wird entscheiöen und hoffentlich das Schicksal der verräterischen und gekauften Nation recht bald besiegeln. Was Bulgarien vermag, das hat es im Kampfe gegen Serbien gezeigt, das zeigt es in seiner Offensive gegen.Sarrail. Mit Enver Paschas kampf- geübten Truppen zusammen wird es auch dem rumä­nisch-russischen Ansturm siegreich die Spitze bieten.

Durch Lebensinteressen geeint.

Berlin, 1. Sept. Daß die bulgarische Regierung nicht lange mehr zögern würde, ihre Beziehungen zu Rumänien zu lösen, war, wie das „Berl. Tagebl." schreibt, bei der Loyalität und der bundestreuen Gesinnung Bulgariens selbstver­ständlich. Österreich-Ungarn, dem zuerst der Angriff galt, Deutschland, Bulgarien und oie Türkei seien nun auch diesem neuen Feinde gegenüber zur Abwehr vereint. Daß die rumänischen und die russischen Truppen zunächst in das alte wundervolle Kronstadt und in das schöne Grengland einziehen durften, werde besonders auch in Deutschland schmerzlich empfunden, könne aber die Verbündeten Völker nur in dem festen Entschlüsse bestärken, alles aufzubieten, um sich Sicherheit gegen neue Überfälle zu schaffen. Die Mitwirkung Bulgariens sei naturgemäß besonders wertvoll, sie werde aber auch mit besonderer Freude dargeboten. Durch Lebens Interessen seien auch auf diesem Kriegsschau­plätze die Zentralmächte und ihre tapferen Verbündeten eng geeint, und das Bewußtsein, daß es ein Kampf um die E x i - stenz sei, werde ihren todesmutigen Armeen die Kraft zum Ausharren und zur siegreichen Verteidigung geben.

Die Bereitschaft Bulgariens.

W.T.-B. Sofia, 1. Sept. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) „Echo de Bulgare" schreibt: Die bulgarische Armee, die so

große Erfolge erzielt hat, ist bereit, noch größeren Gefahren entgegenzutreten. Die Nation ist moralisch und ma­teriell vorbereitet, den Kampf um den Bestand Bul­gariens fortzusetzen. Der Balkan, wo der verbrecherische Wahnsinn der Serben den Weltkrieg entzündete, ist vielleicht berufen, seine verzehrenden Flammen zu ersticken. Die Bul­garen werden in dem letzten Kampfabschnitt eine Rolle voller Größe spielen. Indem sie für ihre Bestands- e i n h e i t kämpfen, werden sie für die Aufrichtung einer festen Ordnung in Südosteuropa und eine allgemeine Beruhi­gung kämpfen.

Der eiserne Hammer Bulgariens.

W. T.-B. Sofia, 1. Sept. (Nichtamtlich.) Das Organ des Kriegsministeriums „Voenni Jswestia" schreibt: In dem

neuen Abschnitt des Kriegs wird die bulgarische Armee eine große Rolle zu spielen haben; sie ist dazu durch die geo­graphische Lage Bulgariens berufen und zeigte sich ihrer in der großen Epopöe würdig, die sie während dreier Kriege mit ihrem Blut schrieb. Diese Rolle bildet ein Vermächtnis des großen bulgarischen Helden aus den Befreiungskämpfen, dieses Vermächtnis wird sie erfüllen. Die Hoffnungen für die Zukunft zu rechtfertigen, ist die bul­garische Armee heute mehr denn je bereit. Sie hälr heute noch fester den eisernen Hammer, mit dem sie jeden Gegner' niederschlug, der das Land betreten wollte. Dieser Hammer wird mit noch größerer Wucht auf die viel­köpfige feindliche Hydra niedersausen, mit deutscher Methodik und bulgarischem Ungestüm.

Zahlreiche russische Angriffe abgeschlagen.

Rumänische Misserfolge bei Orsova und

Herkules Fnrdo.

Italienische Infanterie weit zurückgetrieben

Gsterreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W.T.-B. Wien, 1. Sept. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 1. September, mittags:

Front gegen Rumänien.

Bei O r s o v a und Herkules Fürdo wurde der Feind auch gestern abgewicsen. Sonst ist cs nirgends zu wesentlichen Kämpfen gekommen. N a g y Szebe« und Sepsi-Szt Ävorgy sind der all­gemeinen Lage nach vorgestern geräumt worden.

Heeresfront des

Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.

In der B u k o w i n a und in O st g a l i z i e n gingen die Russen wieder zum Angriff über. In den Karpathen und bei Stanislau wurden sie überall abge­schlagen.

Nördlich des Dnjestr im Mündungswinkel der Zlota- Lipa griff der Feind auf 24 Kilometer breiter Front an. Nördlich von M a r i a m p o l und bei Z a w a l o w scheiterten alle Anstürme. Bei Horrozenka wurden unsere Linien über den Ort zurückgedrückt.

Bei Z b o r o w kam rin starker russischer Angriff, nachdem er einen begrenzten örtlichen Erfolg errungen, durch Gegenangriff zum Stehen.

Heeresfront des Prinzen Leopold von Bayern.

Die Armee des Generals v. Bvehm-Ermolli ver­eitelte bei Berepeleiki einen russischen Vorstoß. Bei der Armee des Generalobersten von Tersztyanszky drang der Feind an einzelnen Stellen in unsere Linien ein. Ein Gegenangriff deutscher Truppen warf ihn wieder zurück, wobei er zwei Offiziere und 407 Mann als Gefangene einbüßtc. Süd­westlich von Kaszowka scheiterte ein V o r st o ß des Gegners.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Im Küstenlande wurden gestern mehrere Ab- jchnitte unserer Front zwischen dem Monte Santo und dem Meere von italienischer Artillerie zeitweise lebhaft beschossen. Südlich S a l c a n o und lvestlich Lokvieza ging feindliche Infanterie zum Angriff vor. Unser Feuer trieb den Gegner überall weit zurück. Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Keine besondere« Ereignisse.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.

Die militärischen Vorgänge an der ungarisch-rumänischen Grenze.

Br. K. und K. Kriegsprcssequartier, 1 . Sept. (Eig. Draht­bericht. Zenf. Bln.) Nördlich des Eisernen Tores ist die linke Flügelgruppe der Rumänen bemüht, sich des 1200 Meter hohen Grenzkammes zn bemächtigen, der zwischen ihnen und dem Cernatal mit der Bahnlinie nach Temesvar steht. Sie suchen, über die felsigen Waldhänge in das Talbecken vom Herkulespatz abzusteigen. Die Waldberge östlich des Kurortes sind jetzt zu starken Verteidigungsstellungen ausge­baut, aus denen Maschinengewehre und Artillerie den neuen Gegner begrüßen. Ihre wenigen Austlärerabteilungen und die Vorhut zog sich darauf auf das Gros zurück, dessen erste Angriffe aber ebenfalls erfolglos blieben. Im Zen­trum setzte die K. und K. Siebenbürger Armee ihre Rück­nahme in die Ausnahmestellung fort. Die Front ist um über 100 Kilometer verkürzt. Ein Teil der Siebenbürgen- Armee hat jenseits der Wasserscheide von Alt- und Marmaros im bergigen Quellengebiet der Alt-Zuflüsse eine vorbereitete Stellung bezogen.

Die Verbindung

der russischen und rumänischen Truppen.

General Iwanows besondere Mission.

Br. Basel, 1 . Sept. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bin.) Schweizer Blätter: zufolge meldet „Rußkeje Slawe": Gene­ral Iwanow wurde mit einer besonderen Mission außer­halb Rußlands betraut. Er soll im rumänischen Heer den Dienst eines Verbindungsoffiziers versehen. Bekanntlich wurde General Iwanow anfangs April d. I. seines Oberbefehls an der russffchen SüÄwestfront aus Ge-