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Morgen-Beilage der Wiesbadener Tagblatts, i« ■•■■=■)

Nr. 204.

Sreitag. 1. September.

1916.

( 24 . Fortsetzung.)

$va u Minchens Narretei.

Humoristischer Roman von Küte va» Beeter.

(Nachdruck verboten.)

„Vierundzwanzig und ein halb", fuhr Ludovika wild auf.

„Ich meinte ja nicht dich, liebes Kind. Ich machte nur eine allgemeine Bemerkung. Deine Schönheit hält sich ja vorzüglich und du verstehst ja auch der Jugend­frische nachzuhelfen —"

„Das habe ich von dir gelernt!"

„Richtig, und du kannst mir dankbar dafür sein", lächelte die Freifrau anerkennend. „Aber weißt du, dabei bin ich auf einen neuen Gedanken gekommen. Vielleicht wäre Fee die passende, reiche Frau, die du heute für Alfons vorschlugst."

Ludovika lachte übertrieben amüsiert auf. „Das sieht dir ähnlich! Gleich ein Heiratsptänchen und ein Taschenaltärchen bei der Hand! Aber diesmal würde das schwerlich funktionieren. Alfons hat, wie du weißt, einen ganz anderen Geschmack."

„Pah, unter dem Zwange der Verhältnisse müßte er sich eben so biegen lassen wie der deine, und viel­leicht entzückt ihn gerade diese keusche und herbjung­fräuliche, rotblonde Art."

„Ja, sicher! Der liebe Alfons legt auf Keuschheit und herbe Jungfräulichkeit hervorragenden Wert, das hat er immer bewiesen", höhnte Ludovika. „Aber wenn er das auch wirklich täte, so kannst du sicher sein, daß Fee gar keinen Geschmack an seiner unkeuschen, begehr­lichen Art fände. Sie hat so wie so, wie du selbst siehst, eine instinktive Abneigung gegen unsere Familie. Die wird sich vor Alfons nicht zu Liebe wandeln."

„Das kann man nicht wissen", beharrte die Mutter nachdenklich auf ihrer Ansicht. „Männern gegenüber ist das ganz etwas anderes, da wirkt manchmal gerade das Gegenteil von dem, was man an uns Frauen liebt. Es käme immerhin auf einen Versuch an und gegen den wirst du trotz deiner strengen Grundsätze, mit denen du Hab und Gut deiner künftigen Familie schützest, doch wohl nichts haben-. Denn irgendeinem fällt Fee mit ihrem Gelde doch einmal zu, und da kann es dir wohl gleichgültig fein, ob das dein Bruder oder ein anderer Habenichts ist."

„Durchaus nicht, denn es braucht kein Habenichts zu sein. Gib dir überhmrpt keine Mühe, Fee ist schon halb und halb in festen Händen, sie hat schon eine angehende Schwiegermutter, mit der du es schwerlich aufnehmen kannst."

„Das werden wir sehen. Schwiegermütter allein machen dergleichen doch nicht. Wenn du mich auch noch so giftig ansiehst, ich werde handeln wie es mir paßt uttö sage dir nur, daß du froh fein kannst, deine Partie in der Hand zu haben, denn jetzt tritt Fee als nicht zu unterschätzende Konkurrentin an deine Seite, und was ihr an Sckwnheit fehlt, ersetzt sie mit Geld. Da wären deine Chancen sehr zurückgegangen, liebes Kind. Also erzürne nicht deine Mutter, die daran arbeitet, deine Stellung zu befestigen, und laß sie ihre Wege gehen."

In den nächsten Tagen wurde die Verlobung ver­öffentlicht und von diesem Augenblick an begann Frau

Amalie nicht nur an die Hochzeit zu denken, sondern auch schon für ihre Festsetzung und Beschleunigung zu handeln.

Sie war mit der Tochter wieder vollkommen einig und nur darauf bedacht, für deren Interessen zu sorgen, natürlich immer mit dem Nebengedanken, daß sie dabei ihre eigenen und die ihres Sohnes auch fördere.

Zuerst galt es jetzt, Ludovikas empörten Widerstand gegen den Wohnsitz auf dem Vorwerk zu beseitigen. Das Haus dort war alt, aber es hatte schöne Räuine und wenn es gut hergerichtet würde, konnte es vielleicht hübscher werden als das Gutshaus der Eltern, in dem seit dem damaligen Einzuge des jungen Paares fast nichts verändert war. Die Freifrau fand es gar nicht übel, wenn Ludovika die beiden Alten nicht zu nahe hatte und ganz ihre eigene Herrin war, nur mußte alles neu und schön für sie zureckstgemacht werden. Sie fing daher beizeiten an, ihren Feldzugsplan zu eröffnen.

„Benutzt doch die gute Jahreszeit, um im zukiinfti- gen Hause der jungen Leute alles Herrichten zu lassen", sagte sie bald nach der Verlobung. „Es wird dann alles beizeiten fertig und kann austrocknen."

Bruder Fritz runzelte die Stirne. „Was hat da viel auszutrocknen, um beizeiten fertig zu werd'n? Das bißchen, was da zurechtzumachen is, wird allemal fertig, un mit der Hochzeit eilt's nich, das Hab' ich jleich jesagt."

„Lieber Fritz, deine Meinung in Ehren, aber wenn du von „ein bißchen" sprichst, so ist das doch unzutref- send. An dem Hause muß tüchtig umgebarit und nach den Ansprüchen der Jetztzeit verschönert werden. Ludo­vika ist gewiß bescheiden, aber —"

»Ja, Fritzchen, da hat Amalie recht", fiel Frau Minchen eifrig ein. „So bleiben kann es nicht, wenn ein junges Paar einzieht."

Die sich neuerdings zum Stammwort auswachsende Redensart Frau Minchens „Amalie hat recht" brachte den Hausherrn zur Verzweiflung. Gleich polterte er wild los.

„Wir sind auch ein junges Paar gewesen und bei un­serem Einzug hat kein Mensch daran gedackit, umzubauen und zu verschönern. Und was kür uns gut genug war, wird wohl auch für diese taugen."

„Mein lieber Fritz, du stellst unhaltbare Beispiele auf", lächelte die Freifrau überlegen. „Zwischen da­mals und jetzt liegen fast dreißig Jahre, da ist das Haus nicht jünger und schöner geworden —"

„Ach was, dreißig Jahr! Denkt nich daran, acht­undzwanzig sind's erst", brummte Bruder Fritz, direkt nur aus Lust am Widerspruch und als Ausbruch seiner üblen Laune.

In den schönen blauen Augen seiner Schwester zuckte ein grünlicher Schein von triumphierender Schaden­freude auf. Er lieferte sich selbst in ihre Hände.

„Bleiben wir lieber bei dreißig, lieber Fritz, es macht sich für Eugens Alter besser, Eugen ist auch schon achtundzwanzig", sagte sie ganz saust, aber mit unon.