Verlag Langgaffe 21
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$v eitag, 1. September 1916.
Morgen-5lusgabe.
Nr. 416. ♦ 64. Jahrgang.
Rumänische Angriffe abgeschlagen.
An vielen Stellen erneute Artillcrretätigkeit der Russen.
Hfterreichisch-ungarischer Tagesbericht.
W.T.-B. Wien, 31. Aug. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 31. August, mittags:
östlicher Kriegsschauplatz Auf den Höhen östlich von Herkules Fürdö wurde» rumänische Angriffe a ö g c sch lagen. Tie im Csik-Gebirge kämpfenden K. und K. Truppen bezogen auf den Höhen westlich von Csik-Szereda neue Stellungen. Sonst an der ungarischen Front keine wesentliche Veränderung der Lage.
An der russischen Front entfaltete der Gegner an zahlreichen Stellen erneute Artillerietätigkeit.
Italienischer und südöstlicher Kriegsschauplatz.
Keine besonderen Ereignisse.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.
3m neuen Rampfabschnitt.
(Von unserem militärischen Mitarbeiter.)
In den letzten Tagen dieses Monats durchlebt das deutsche Volk eine ebenso spannungsvolle Zeit wie zu Beginn dieses großen Krieges, als das ganze Volk darauf wartete, welchen Anfang' der Kampf gegen unseren westlichen Nachbar nehmen würde. Bei der gegen- wärtigen Kriegslage wird die Zeit des Abwartens noch dadurch bedeutungsvoller, daß tiefgreifende Veränderungen in unseren höchsten Heeresstellen eintraten. Deutschlands bester Feldherr wurde durch seine Ernennung zum Chef des Generalstabes des Feldheeres zu dem Manne bestimmt, welchem Kaiser und Volk das Geschick unseres Vaterlandes für die nächste Zukunft anvertrauen. Es erübrigt sich nach Gründen zu forschen, warum der Vorgänger, dessen kühne Tatkraft den deutschen Waffen große Erfolge im Angriff und in der Verteidigung einbrachten, von seinem Posten zurückgetreten ist. In der gegenwärtigen Zeit ist die Hauptforderung, entschlossen zu handeln. Alle weiteren Erwägungen wollen wir der Geschichtschreibung überlassen, die dem General v. Falkenhayn sicherlich seine hohen Verdienste um das Vaterland gebührend würdigen wird. Ein Großer machte einem Größeren Platz. Eine überragende Persönlichkeit, deren Genie und Fähigkeiten über alles Lob erhaben ist, dessen bewunderungswürdigen Erfolge in der Geschichte unseres Volkes und Heeres auf ewige Zeiten niedergeschrieben sind, ist jetzt der Leiter der gesamten Operationen tzuf allen Kriegsschauplätzen. Deutschlands bester Mann wird das unbegrenzte Vertrauen von Kaiser und Vaterland ebenso rechtfertigen wie bisher. Mehr noch als wie in seiner früheren Stellung als Führer einer Heeresgruppe kann ein Mann wie H i n d e n b u r g als Meister auf dem Gebiet der Operationen größten Stiles jetzt einen Wirkungskreis finden, wie ihn die Weltgeschichte bisher noch nie einer einzigen Persönlichkeit zuwies. Das der Blücher seinen Gneisenau bei sich behielt, Hindenburg seinen altbewährten Ludendorff in die neue Dienststellung hinübernahm, kann unser Vertrauen in die Zukunft nur noch mehr festigen.
Voller Erwartung richten sich aller Blicke nach un-- serem neuen Feinde, nach R u m ä n i e n. Die Nächstliegende Frage ist diejenige, welchen Einfluß diese Stärkung der Wehrkraft unserer Feinde aus die allgemeine Kriegslage ausüben wird. Jni gegenwärtigen Augenblick- finden wir hierfür noch keine endgültige Antwort Die Berichte unseres Bundesgenossen inel- den Kämpfe vorgeschobener Abteilungen in den rumänischen Grenzgebirgen, Plänkeleien kleineren Umtgnges, welche als Fühler von hüben und drüben zu bewerten sind. Die rumänische Arme? hoffte unter Ausnutzung aller niederträchtigen Mittel, welche diesem treulosen Feinde zu Gebote standen, die österreichisch- ungarischen Grenzpostierungen zu ü b e r r e n n e n. Feindlicherseits mögen diese vorgeschobenen Abteilungen schon eine beträchtliche Stärke haben, während es für den Verteidiger zunächst nur darauf ankommt, Stärke, Zusammensetzung und Anmarschrichtuna festzustellen. Diese Erk u n d u n g s q e s ach t e ergaben, daß die Rumänen hauptsächlich in v i e r Nicht it u gen zum Durchbruch nach Siebenbürgen angesetzt haben: auf K r o n st a d t, H e r m a n n ft a d r, durch den Vulkan paß und endlich in westlicher Richtung bei Orsova Der Nbercumvelnngsoer'uch ist nicht geglückt. Unser Bundesgenosse hat eine planmäßig, für den Kriegsfall seit langem vorgesehene Stellung
eingenommen. Dagegen waren Unternehmungen der österreichisch-ungarischen Donauflottille erfolgreich, sowohl am westlichen Donauknie wie auch nahe der bul- garischen' Grenze. Es ist anzunehmen, daß unser Bundesgenosse sich noch in der Vorbereitung findet, daß noch keine größeren Einleitungskämpfe statt- fanden und daß die Zeit des Wartens noch nicht vorüber ist. Auf der übrigen Front, die an Rumänien grenzt, in den Waldkarvathen, traten deutsche und rumänische Truppen in Gefechtsfühlung. Wir müssen und können mit ruhiger Zuversicht den kommenden Ereignissen entgegensetzen.
Die Rückwirkung der italienisch-rumänischen Kriegserklärung auf die übrigen Kriegsschauplätze war bisher sehr gering. Die neue Wafrenhilte spornte Engländer und Franzosen zu neuen Anstrengungen an der Somme an. Sie hatten zur Folg", daß die Franzosen am letzten Mittwoch bei einem neuen gemeinsamen Angriff der beiden feindlichen Verbündeten ihre Angriffsbasis in südlicher Richtung um etwa sechs Kilometer verbreiterten. Trotzdem waren die Erfolge der Angreifer nördlich und südlich der Somme, dieser neue gewaltige Sturm, negativer Art. Zu beiden Seiten der Straße nach Bapaunre, ebenso südlich zwischen diesem Wege und der Somine und endlich auf dem südlichen Flügel der Franzosen brachen alle Angriffe, wenn auch teilweise nach schwerem Nahkampfe, völlig zusammen. Im Maasgebiete hofften die Franzosen vergeblich ihre längst verlorenen Stellungen rechts des Flusses zurückzuerobern. Aus dem russischen Kriegsschauplatz sammelt der Feind seine ganze Kraft zum Stoße gegen Ungarn oder Bulgarien- Konstantinopel oder gegen beide Landesteile gleichzeitig. Währenddessen eroberten deutsche Truppen die steile Anhöhe K u k u l, nordv'estlich Zabie am Oftrand der Waldkarpathen und knüpften hierdurch ihre Verteidigungsfront gegen neue Anstürme abermals fester. An der italienischen Front flößte der neue Krastzuwachs unseren Feinden neuen Mut ein. Die Angriffe in Tirol und am Jsonzo erreichten nichts.
Bisher kann die Entente noch keine Verschiebung der Kriegslage teststellen. Wohl aber stehen sie vor einer gewaltigen neuen Kraftanspannung der Zentralmächte. _ M.
Die Unzerirennüchkeit Bulgariens von feinen verbündeten.
(Von unserer Berliner Abteilung.)
ft. Berlin, 31. Aug. <Eig. Dcahtbericht. Zens. Bln.) Die sich etwas verspätende Entscheidung Bul- ariens nach der Kriegserklärung Rumäniens an sterreich-Ungarn hatte wohl in der deut'chen Bevölkerung zu einigen Fragen Anlaß gegeben. Diese begreif- liche Neugierde wird auf keine zu lange Probe gestellt. Denn schon sind die Gründe für das mehrtägige Schweigen in Sofia vollkommen geklärt und das deutsche Volk wird sie alsbald begreifen. Die Hauptsache ist, daß zwischen Berlin und Sosia nicht der leiseste Schatten das Einvernehmen gestört hat, ja daß man an amtlichen Stellen keinen Augenblick im Zweifel war, welchen Weg unsere bulgarischen Verbündeten ein- schlagen würden. Die Gründe materieller Art, die für das kurze Hinauszögern einer unabänderlichen Entwicklung sprechen, ergeben sich bei einigem Nachdenken. Da der Kriegszustand mit Rumänien sich ganz von selbst herausbilden mußte und tatsächlich auch schon eingetreten ist, weil russische Heereskräfte im Anmarsch gegen Bulgarien über rumänisches Gebiet sind, brauchte man in Sofia eigentlich keine Hand zu rühren, um noch dem einstigen russischen Beschützer den Vorwand zu geben, das zu Dankbarkeit verpflichtete Bulgarien habe zuerst die Feindseligkeiten eröffnet. Sollten noch vereinzelte Russenfreunde in Sofia vorhanden gewesen sein, so wird sie der Überfall der Mos- kowiteraufihrVaterland jetzt endgültig überzeugt haben, wo der Feind steht. Auch brauchte das mit der Abwehr eines anderen feindlichen Vormarsches auf griechischem Boden erfolgreich beschäftigte Bulgarien nicht in Übereile nach Nordosten die Kriegserweiterung zu suchen. Es hatte Zeit und wird bei der endgültigen Abrechnung mit um so größerer Klarheit von Rumänien die Zahlung der Schuld, die es auf sich geladen hat, abverlangen dürfen. Ob die bulgarische Gesandtschaft Bukarest schon verlassen hat oder nicht, ob Rumänien ein Ultimatum an Bulgarien wegen der Räumung 'Serbiens gerichtet hat oder nicht, ist von nebensächlicher Bedeutung. Die Hauptsache steht unwidersprochen fest, daß das Einverständnis zwischen Berlin und Sofia nicht nur fortbesteht, sondern daß auf dem neuen Kriegsschauplatz sich die Geschicke der Mittelmächte mit denen Bulgariens nur um so unzertrennlicher gestalten werden.
Das „B. T." meldet: In diplomatischen Kreisen verlautet, daß das Personal der bulgarischen Gesandtschaft in Bukarest ebenso wie dasjenige des dortigen bulgarischen Konsulats die rumänische Hauptstadt verlassen haben. Eine offizielle Bestätigung dieser Mitteilung liegt noch nicht vor, doch wird nicht daran gezweifelt, daß auch Rumänien gegenüber die feste Solidarität sich bekunden wird, die sich bisher auf den Schlachtfeldern siegreich bewährt hat. In der „Voss. Ztg." liest man: Bulgarien befindet sich nach unseren Informationen durch die Ereignisse, die der formellen Kriegserklärung vorausgeeilt sind, bereits tatsächlich im Kriegszustand mit Rumänien. Es besteht demnach kein Zweifel daran, daß die Bulgaren gewillt sind, alle Folgerungen aus ihrem Bündnisvertrag mit denMittelmächten zu ziehen. Hiesige unterrichtete Kreise bestätigten das ausdrücklich heute vormittag und wiesen auf die maßlose Sprache hin, die die rumänische und russische Presse bereits gegen Bulgarien führt. Vorläufig ' noch unverbürgte Wiener Meldungen besagen, daß der rumänische Gesandte in Sofia bereits von seiner Regierung angewiesen sei, die Pässe von der bulgarischen Regierung zu verlangen. Auch im „L.-A." liest man: Aus den heute inittag aus Sofia hier eingetroffenen Meldungen geht hervor, daß die letzten politischen Ereignisse die bulgarische Regierung nicht u n> vorbereitet getroffen haben und daß in Übereinstimmung inlt Berlin die Anwendung der gleichen Konsequenzen als bevorstehend zu gelten haben, die bereits in der deutschen Kriegserklärung an Rumänien zum Ausdruck kommen. Wie in allen Fragen herrscht somit zwischen Deutschland und Bulgarien auch in der Behandlung des rumänischen Treubruchs volles Einvernehmen.
Ein Ultimatum Rumäniens an Bulgarien?
Von unserem 17-Sonderberichterstatter.
17. Haag, 31. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) In diplomatischen Kreisen Haags laufen Gerüchte um, wonach eine Meldung des „Daily Telegraph" aus Saloniki auf Tatsachen beruhe. Die „Qpinione" erfährt nach diesem Telegramm aus guter Quelle, ein U l t i m a t u m Ru m ä n i e n s «n Bulgarien stehe bevor, in welchem die Räumung Serbiens, die Wiederherstellung der territorialen Abgrenzungen, wre sie der Bukarester Vertrag festgesetzt hatte, gefordert wird.
Die bulgarische Presse zu der rumänische,t Kriegserklärung.
W.T.-B. Sofia, 31. Aug. (Nichtamtlich. Drahtbericht.s „Dnevnek" bemerkt zu der Kriegserklärung Rumäniens: Sie bat niemand überrascht. — „Voennik Jsvistea" schreibt: Die Kriegserklärung Rumäniens ist ebenso ein Ereignis obne große militärische Bedeutung, da die rumänische Armee nicht groß genug ist, um den Ausschlag zu geben. — „Echo de Bulgare führt aus: Die Haltung Rumäniens seit Ausbruch des Krieges war nicht dazu angetan, insbesondere die ungarische öffentliche Meinung zu beruhigen. Bei jeder für die Monarchie ungünstigen Wendung der militärischen Ereignisse nahm die rumänische Gefahr festere Umrisse an, um wieder zu erblassen, wenn die Mittelmächte den Gegnern Niederlagen beibrachten. Dieses Verhalten mußte die berechtigte Entrüstung Österreich-Ungarns Hervorrufen. E r st a u n l i ch ist nur. daß die K. und K. Regierung so viel Kaltblütigkeit gegenüber der Gefahr und so viel Nachsicht gegen -ein Land zeigte, dessen Gefühle sich so lärmend kundgaben und dessen Politik offenbar zu dem entgegengesetzten Lager hinnäherte. Österreich-Ungarn war vollkommen imstande, nach Gorliee oder dem Serbenfeldzug die peinliche Lage seiner Grenzen zu beseitigen. Daß es dies nicht tat, tut dar, wie sehr die Mittelmächte ihr Wohlwollen gegenüber dem ehemaligen Verbündeten bewiesen. Das Vorgehen Rumäniens bietet der Entente die letzte Unterstützung, auf die sie rechnen konnte. Es kann gerade dadurch dos Kriegsende beschleunigt werden. Die Kriegsbandlungen werden zeigen, was die rumänische Armee wert ist gegenüber den in zwei harten Kriegsjahren gefestigten, mit allem ausgerüsteten, die Unversehrtheit und den Bestand ihres Vaterlandes verteidigenden Truppen. Nicht nur in militärischer, sondern auch in politischer Beziehung sei der in Bukarest gefaßte Entschluß verhängnisvoll, denn der Sieg der Entente bedeute, daß K o n st a n t i n o p e l russisch und das Schwarze Meer ein russischer See werde. Oder hoffe man in Rumänien auf Ausgänge nach dem Meere im Westen oder Süden? Ein solcher Plan ist zu phantastisch. Als Rumänien sich der Entente anschloß, hat es einen Fehler begangen. Es hat seinen Schlag zu gut vorbereitet und auch denen, die bedroht waren, erlaubt, Vorsichtsmaßregeln zu treffen. Der Kampf wird hart, aber er wird die letzte Etappe der internationalen Duelle sein. Das ist aut.
Griechenlands andauernde Abneigung gegen den Anschluß an die Entente.
W. T-.B. Bern, 31. Aug. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Der „Secolo" meldet aus Saloniki: Während man in dortigen militärischen Kreisen der Entente hoffe, das Eingreifen Rumäniens werde sür die Ereignisse auf dem Balkan
