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Wiesbadener SagMatt

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Donnerstag» 31. August 1916.

Kbend-klusgabe.

Nr. 415. . 64. Jahrgang.

Starker zeuerkampf beiderseits der Somme.

Lebhafte Artilleriekämpfe an vielen Ab­schnitten der Ostfront.

Oer Tagesbericht vom 31. August.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 31. Aug. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Im Frontabschnitt beiderseits von Armentieres entwickelte der Gegner rege Tätigkeit. Seine im Anschluß an starke Feuerüberfälle vorgehende Erkundungsabteilungen sind abgcwiesen.

Bei Roclincourt (nördlich von ArraS) machte eine deutsche Patrouille rm englischen Graben eine Anzahl Ge­fangene.

Beiderseits der S o mm r hielt sich der Feuerkampf auf großer Stärke. Wie nachträglich gemeldet ist, ging gestern früh südlich von Martinpuich ein gegen die feindliche Stellung vorspringender Graben verloren.

Im Maasgebict herrschte, abgesehen von kleinen Hanogranatenkämpfen bei Fleury, Ruhe.

Östlicher Kriegsschauplatz.

Westlich von Riga, im Brückenkopf von Düna- burg, im Stochodbogen, südöstlich von K o w e l, süd­westlich von L u ck und in einzelnen Abschnitten der Armee des Generals Grasen von Bothmer fanden lebhafte Artillerickämpfe statt.

In de» Karpathen haben wir bei Erstürmung des K u k nl 1 Offizier, 199 Mann gefangen genommen» feindliche Gegenstöße sind hier abgewiesen.

Bei Durchführung von Angriffen auf militärifche An­lagen von L u ck und T o r r z y n schoflen unsere Flieger 3 fcrndliche Flugzeuge ab, ein weiteres wurde am 29. August bei Listopady (an der Beresina) außer Gefecht gesetzt.

Balkan - Kriegsschauplatz.

Keine Ereignisse von Bedeutung.

Der erste Generalqnartiermeister:

Ludendorff.

Generalstabsches hindenburg.

Unmittelbar nach dem glorreichen Sieg bei Tannen- äerg, dessen Gedenktag wir heute begehen, hörten wir ein Gespräch zwischen zwei Herren und einer Dame, ihrem Dialekt nach Ostpreußen, die wohl durch den Russeneinfall vertrieben waren, und aus diesem Ge­spräch klangen die Worte der Dame heraus, die uns seitdem immer im Gedächtnis geblieben sind: „Nach

dem lieben Gott kommt doch gleich unser Hindenburg.' Der Generalfeldmarschall, welcher jetzt unter freudi­ger Zustimmung des gesamten Volkes auf den höchsten militärischen Posten, auf den des General- stabschess des Feldheeres gestellt worden ist, wird m seiner bekannten Bescheidenheit jene Gleichstellung mit dem höchsten Schlachtenlcnker gewiß von sich werfen. Hat er doch auf den Glückwunsch des Reichskanzlers zu seinem goldenen Militäriubiläum geantwortet: „Was ich dein Vaterlande leisten durfte, danke ich Gott dem Herrn, der Gnade Seiner Majestät, der nie versagenden Arbeitskraft meiner bewährten Gehilfen und der un­vergleichlichen Pflichttreue meiner Truppen." Aber wenn im Kriege 1870/71 der große Moltke ganz allge­mein mit dem Titel des „Schlachtenlenkers" bezeichnet wurde, so wird man diese ehrenvolle Bezeichnung mit Fug und Recht auch auf den Mann anwenden können, der sich in diesem Kriege wie kein zweiter im Lenken der Schlachten bewährte, und dem jetzt die Aufgabe über- tragen worden ist, nicht nur Schlachten, sondern den Krieg zu lenken.

Wenn der oberste Kriegsherr, wenn unser Kaiser, der, getreu dem Vermächtnis Kaiser Wilhelms I., seine vornehmste Aufgabe immer darin gesehen hat, den besten Mann auf den höchsten Posten zu stellen, jetzt, wo der Weltkrieg in sein kritisches Stadium ge­treten ist, wo sich die w i ch t i g st e n Entscheidungen auf allen Kriegsschauplätzen vorbereiten, auf den verant- wortungsvollsten Posten den Mann beruft, der wie kein anderer dazu berufen ist, den Mann, der die Riesenheere des Zaren im August 1914 bei Tannenberg und im Februar 1915 bei den Masurischen Seen zer­schmetterte, der in unwiderstehlichem Vormarsch Polen und Kurland eroberte, so wird das sicherlich die gleiche freudige, j u b e l n d e Z u st i m m u n g bei unseren Feldgrauen da draußen wie bei uns daheim auslösen. Denn unser Hindenburg, den der Kaiser selbst als „Nationalheros" bezeichnet hat, erfreut sich des rückhaltlosen Vertrauens des deutschen Volkes wie des deutschen Heeres, das unter ihm lernte „die Kunst zu siegen" und gewillt ist, „sie fürder noch zu üben".

Aber es handelt sich bei der Ernennung Hindenburgs zum Generalstabsches noch um weit mehr als um einen Personenwechsel, denn es ist in gewissem Sinne ein neuer Posten, der sür ihn geschaffen worden ist. ein Posten mit größeren Machtbefugnissen und größerer Verantwortung. Dem Generatfeldnlarschall, von dem man weiß, daß er von Anbeginn eine völlig selbständige Stellung inne hatte, war erst vor einigen Wochen m Übereinstimmung mit unseren österreichisch-ungarischen Waffenbrüdern der Oberbefehl über die gesamte Ost­front übertragen worden. Jetzt gibt es keinen selb­ständigen Befehlshaber des Ostens mehr, sondern der neue Generalstabschef vereinigt in sich die Leitung der gesamten militärischen Operationen auf allen Kriegsschauplätzen. . Damit ist ein bedeutungsvoller Schritt für die Vereinheitlichung der Fronten getan, die Einheitlichkeit aller militäri­schen Operationen gewährleistet. Und mit nicht gerin­gerer Befriedigung wird es begrüßt werden, daß durch die Berufung des zum General beförderten Ludendorff, den Hindenburg als seinen „lieben, treuen Gehilfen und Berater" bezeichnet hat, zum ersten General- guartiermeister das erfolgreiche Zusammenarbeiten dieser beiden einzigartigen Strategen auch in Zukunft gesichert ist.

Wenn wir diesen beiden Männern Heil und Sieg zurufen, so soll das nicht unseren Tank sür den Mann schmälern, der in zwei Jahren an verantwortlicher Stelle weit mehr und Mannigfaltigeres geleistet hat, als die Öffentlichkeit weiß, sür den bisherigen General­stabschef v. Falkenhayn. Und es wird mit allgemeiner Befriedignug begrüßt werden, wenn man aus der amt­lichen Mitteilung, wonach er „zwecks a n d eg: iv e i t i- g e r Verwendung von seiner Srellung enthoben" wurde, den Schluß ziehen darf, daß seine anerkannten großen, vielseitigen Fähigkeiten noch auf einem anderen Posten zur Verwendung kommen sollen. Es ist zurzeit untun­lich, Andeutungen darüber zu machen, welcher Art dieser Posten sein wird, voraussichtlich wird man es bald erfahren. Jetzt wenden sich unsere Gedanken, un­sere Wünsche und unsere Hoffnungen lediglich dem Manne zu, der in schwerster Zeit an die Spitze unterer tapferen, unserer siegreichen, unserer unüber- wrndffibcn Heere gestellt ist. In wenigen Tagen be­gehen wir die Erinnerung an den glorreichen Tag von Sedan, und wir vertrauen darauf, daß auch unser Hindenburg uns einem neuen Sedan entgegenführen wird.

Und wenn die Welt voll Teufel war

Und wollt' uns just verschlingen,

So fürchten wir uns nickst so sehr.

Es muß uns doch gelingen!

Wiener Blätterstimmcn.

W. T.-B. Wien, 30. Aug. (Nichtamtlich.) Die Blätter betonen die freudige Genugtuung, die die Ernennung Hin- denourgs zum Generalstabsches bei dem gesamten deutschen Volk findet. Sie schildern die herrlichen Siege, die der mit Recht als Nationalheld gefeierte Heeres­leiter und dessen getreuer Mitarbeiter Ludendorff erfochten haben. Die „Reichspost" sagt: Die Betrauung dieser beiden Persönlichkeiten mit der obersten Leitung der Kriegsoperatio­nen aller deutschen Armeen wird naturgemäß dazu bei­tragen, die v o l l st e E i n b e i t l i ch k e i t und kraftvolle Wucht des Auftretens nicht nur Deutschlands, sondern auch seiner Verbündeten in noch höherem Grade zu sichern, als dies bisher der Fall war. — Die „Neue Freie Presse" ver­weist darauf, daß der Schwerpunkt des Kriegs gegen­wärtig in: Osten liegt. Die aas dem östlichen Kriegsschau­platz bewiesene Feldberrnkunst Hindenburgs wird unterstützt durch seine Persönlichkeit, die schlicht und stark zugleich mit ruhigem Ernst, Gleichmäßigkeit und Sicherheit das Herz des Volkes erwärmt.

Holländische Urteile.

W. T.-B. Amsterdam, 30. Aug. (Nichtamtlich.) „Nieuws van den Dag" schreibt über die Ernennung Hindenburgs zum Generalstabsches: Jetzt, wo durch die Kriegserklärung Rumä­niens eine neue Gefahr für das Deuffche Reich entsteht, will man offenbar die Verteidigung allertüchtigsten Händen anvertrauen. — Der „Maasbode" sagt: Die Er­

nennung Hindenburgs wird in Deuffchland eine große m o r a I i sche Wirkung heben. Sein volkstümlicher Name stärkt das Vertrauen der Deuffchen. — Der „Nieuwe Notterdamsche Courant" führt aus: Der neue Ober­befehlshaber ist zweifellos der volkstümlich st e Mann, an dessen Namen sich große Ereignisse knüpfen, der einzige Mann, dessen Name so suggestiv wirkt wie der von großen Feldherren der Vergangenheit. Einen solchen Manu braucht Deutschland jetzt. Die Umstände haben Hindenburg auf den neuen Posten berufen. Sie er­fordern das Werk eines Genies. — „Mgemeen Handels­blad" bezeichnet die Ernennung Hindenburgs zum Gencral- stabsches der deutschen Feldarmee als die w i ch t i g st e Kriegsnachricht, die heute vorliegt.

Der verrat Rumäniens.

Eine gute österreichisch-ungarische Antwort auf die Begründung der rumänischen Kriegserklärung.

W. T.-B. Wien, 30. Aug. (Nichtamtlich.) Zu der Note, miit der die rumänische Regierung die rumänische Kriegser­klärung an Österreich-Ungarn begründet, verbreitet das K. K. Telegraphen-Korrespondenzbureau nachstehende Bemerkungen:

liniere Öffentlichkeit toi« für die hier wiedergegebenen Stilübungen der Bukarester Vertreter die richtige Einschätzung finden und erkennen, daß sich die rumänische Kriegserklärung als ein ungeschicktes Plagiat der italienischen darstellt. An Erbärmlichkeit der Gesinnung gleicht eben der Judas im Südosten dem im Südwesten, und wenn inan durchaus einen Unterschied in der Stilistik beider kon­struieren will, so fliegt er nur darin, daß Italien seinen vor­bedachten Treubruch mit den von altersher geläufigen macchlavellistischen Phrasen motivierte, während die p l u m - v e r e Form der rumänischen Denunziationen das deutliche Gepräge des nur von ei»er Tünche europäischer Kultur überdeckten trans - karpathischen Bojarentums ausweist.

Wir wollen uns nur mit einigen Bemerkungen zu dem rumänischen Schrifistück äußern. Herr Porumbaru — wir nageln hiermit diesen Namen, dem wir früher in der Führung der rumänischen Politik selten begegnet sind, für die Nachwelt an — muß wt der Einleitung zugeben, daß die Allianz der Z e n t r a l m ä ch t e, der sich Rumänien ange­schloffen — mit dem Dreibund als solchen hat Rnmänien be­kanntlich nichls zu tun —, einen eminent friedlichen Charakter hatte. Wahrheitsgemäß hätte der rumänische Minister des Äußern hinzusügen müssen, daß Rumänien diesen Friedensbund, dem es durch mehr als 30 Jahve ange­hörte, eine gesicherte E x i st e n z, eine geachtete Stellung in Europa und eine auf steigende poli­tische und wirtschaftliche Entwicklung verdankt. Wenn in dem Dokument, anspielend auf die Periode der Bal- kankriege, gesagt wird, daß Rumänien berechtigt gewesen sei, eine andere Haltung des Wiener Kabinetts zu erwarten, so mag als Gegenzeuge der damalige Regierungschef Majo - r e s c u gehört werden, der seinerzeit, im Dezember 1913, im rumänischen Parlament ausdrücklich der Legende entgegen­trat, als ob Österreich-Ungarn nicht jederzeit voll und tatkräf­tig sür Rumänien eingetreten wäre.

Daß Rumänien es vorzog, statt durch eine ausgleichende Tätigkeit die Herstellung eines gerechten, Dauer ver­bürgenden Zustandes am Balkan zu fördern, an dem zu Boden liegenden Bulgarien Erpressung zu verüben, konnten wir natürlich nicht gutheißen.

Ganz nach italienischem Vorbild versucht die rumänische Regierung die Weigerung Rumäniens, bei Aus­bruch des Konflikts zwischen den Zentralmächten und Ruß­land seine Bündnispflichten zu erfüllen, damit zu recht- fertigen, daß das Vorgehen der Monarchie mit dem fried­lichen und konservativen Charakter der Allianz in Wider­spruch gewesen wäre. Wir brauchen hier nicht neuerlich auf die bereits welthistorisch gewordeue Tatsache hinzuweisen, daß die von Rußland patronisierten Provokationen Serbiens dazu bestimmt waren, unsere Langmut zu er­schöpfen und uns den Kampf um die I n t e g r i t ä t der Monarchie aufzuzwingen. Bündnisse werden nicht allein für die sonnigen Tage des Friedens, sondern auch für die ernsten Tage kriegerischer Bedrohung geschlossen. Rumänien, das die Segnungen der Allianz während einer dreißigjährigen Friedensperiode genossen, hat sie verleugnet, als es galt,' im Ernstfall für sie einzutreten.

Daß Runlänien aber bis jetzt wenigstens neutral ge­blieben ist und seinen 'Überfall auf die Monarchie bis zu diesem ihm günstig erscheinenden Moment verschoben hat, will es damit erklären, daß Rumänien unseren Versicheruw- gen geglaubt hatte, wonach wir keine territorialen Erwerbung gen beabsichtigen, daß es jetzt aber eines anderen belehrt sei. Woher weiß Herr Porumbaru, daß wir uns so geändert haben? Glaubt er, daß das Vordringen in Feindesland die Absicht von Annexionen involviert, und hat er nicht davon ge­hört, daß die Besetzung feindlicher Gebiete das natürliche Er­gebnis erfolgreicher militärischer Operationen ist? Den Partherpfeil glaubt Herr Porumbaru in dem letzten Absatz seiner Schmähschrift abzusenden ,in welchem er den Versuch macht, über die inneren Verhältnisse der Monarchie zu Gericht zu sitzen.

Dieser Versuch ist uni so unverfrorener, als seine Behauptungen über die Behandlung des rumänischen Volks­stammes in der Monarchie lügenhaft sind. Es gibt keinen Rumänen, d^r nicht wüßte, daß die kulturelle Renaissance des Rumänentums gerade von jenen Ge­bieten ausging, in welchen das rumänische Element angeblich unterdrückt und verfolgt wird. Die rumänischen Staats­männer täten besser, sich um das Schicksal ihrer eigenen Landbevölkerung zu bekümmern, die im Zustand des Helo­tentums und des Analphabetentums ein men­schenunwürdiges Dasein fristet. Verzweifelte Aufstände des unglücklichen rumänischen Bauerntums mußten noch vor wenigen Jahren in Strömen von Blut erstickt werden; die