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Mittwoch. 30. fluguft 1916. klbeNd-klUSgübS. Nr. 413. . 64. Jahrgang.
hindenburg Generalstabschef!
Ludendorff erster Generalquartiermeifter.
Wechsel in den höchsten Uommando- stellen.
T-B. Berlin. 28. Aug. (Amtlich.) De. Majestät der Kaiser hat durch Allerhöchste Kabinettsorder vom heutigen Tage den Chef des Generalstabes des Feldheeres. General der Infanterie v. Falken- hahn. zwecks anderweitiger Verwendung dieser Stellung enthoben. Zum Chef des Gcneralstabes des Feldheeres hat Se. Majestät den Generalfeldmarfchall von Beneckendorff und von Hindenburg ernannt. zum ersten Generalquartiermeifter Generalleutnant Ludendorff unter Beförderung zum General der Infanterie.
hindenburgs Name — ein Schlachtruf nach allen Fronten.
>Von unserer Berliner Abteilung.)
L. Berlin, 30. Aug. Eig. Drahtbericht. Jens. Bin.) Die durch kaiserliche Kabinettsorder vollzogene Ernennung des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg zum Chef des Generalstabs wird, wie uns ein höherer Offizier beim Vernehmen der Nachricht in seiner Freude sagte, wie ein Schlachtruf nach allen Fronten ertönen. Im deutschen Volke wird man den kaiserlichen Entschluß verstehen. In dem Augenblick, wo im Feindesland die sehnende Hoffnung durch das Eingreifen Rumäniens neu belebt wurde, erwählte man zum Führer der gesamten deutschen Kriegsleitung den Mann, dessen Name allein kraftvolles Dreinschlagen und unüberwindlichen Siegerwillen bedeutet. Unter diesem Führer werden alle in den Wochen, die zur Entscheidung drängen, Geist und Muskeln zum Äußersten anstrengen. Die Leitung der Aktion auf allen Fronten, die von dem Vier- verband erstrebt wurde, wird sich'bei uns, wo der Zusammenhalt der Kriegsschauplätze und die Einheitlichkeit der kämpfenden Truppen viel größer ist als bei dem Feind und seinen Hilfsvölkern, in ganz anderer Weise vervollstädigen lassen. Der gute Stern, der über den Waffen Hinden- burgs glänzt, läßt gewiß morgen jeden deutschen Kämpfer mit noch freudigerer Zuversicht dem Ansturm der Gegner Trotz bieten. Es bedarf keines neuen Feldzugsplanes, wenn auch Hindenburg gewiß manchem eigenen Gedanken hinfort mit mehr Nachdruck wird nachgehen können. Die jüngste Ausdehnung seines Befehlsbereiches im Osten leitete schon über zu dem Ereignis, das über die deutschen Fronten hinaus Eindruck machen wird. In Ost und West und Süd tobt eine einzige Schlacht, ein einziger Angriff, der eine einzige vom aktivsten der deutschen Feldherren bestimmte A b w e h r finden wird. Daß der unzertrennliche Mitarbeiter Hindenburgs, der zum General der Infanterie und ersten Quartiermeister ernannte Freiherr v. Ludendorff an der Seite seines Chefs bleiben wird, zeigt, daß der oberste Kriegsherr mit vollem Verständnis für die stets so segensreiche Zusammenarbeit dieser beiden Männer ihr weiteres Verbleiben Seite an Seite zur ersten Bedingung machte. Die Toppeiernennung wird dankbare Zustimmung im Volke finden. Doch des scheidenden Mannes darf n i ch t berge s s e n werden. In zweijähriger Tätigkeit hat der Chef des Generalstabs v. Falkenhayn dem Vaterlande Dienste geleistet, für 2ie ihm die Geschichte hohe Anerkennung nicht versagen wird. Es ist zu hoffen, so wird uns gesagt, daß seine großen Fähigkeiten dem Lande auf einem anderen wichtigen Posten zugute kommen werden. Er überläßt seinen Platz einem der erfolgreichsten Truppenführer aller Zeiten — es ist ein Ereignis in erster Linie von soldatischer Bedeutung, als fange die Schlacht um Deutschlands Größe und Bestehen so recht eigentlich wieder an: Eisen auf Eisen!
Die Einheitlichkeit der Verwendung unserer gesamten Streitmacht.
Die Ernennung v. Hindenburgs von Herrn v. Falkenhayn selbst vorgeschlagen
Berlin, 30. Aug. Die Ernennung Hindenburgs zum Chef des Generalstabes nnd seines treuen und genialen Gehilfen, des Generals Ludendorfs, zum Quartter- meister wird nach der übereinstimmenden Meinung der Blätter im ganzen Volke mit Freude und mit dem Vertrauen begrüßt werden, das mit dem Namen Hindenburg unlösbar verbunden ist.
Ein wichtiger Schritt vorwärts, sagt das »Berliner Tageblatt", ist getan, ein Schritt, der für
unsere Feinde von unberechenbarer Tragweite werden kann. Wenn dre Gründe für den Entschluß des Kaisers sich aus der Gesamtlage ergeben und die Einheitlichkeit der Verwendung unseres ganzen großen Heeres auf den alten und neuen Fronten zum schärfsten Ausdruck gebracht wird, so ist gleichzeitig die Sicherheil vorhanden, daß Deutschland und mit ihm seine Verbündeten sich eins wissen mit dem kaiserlichen Wunsche, auszuhalten im Opfern, wenn wir nur siegen und unsere Fahnen über das Verderben ringsum triumphieren. —•■ Die „Vossische Zeitung" sagt: Der S i e g e s w i I l e ist rn unserem Volke ungebrochen, aber die Schwere der Zeit und die sich mehrenden Feinde erfordern ein Vertrauen, das blind mit dem Manne geht, der zur Führung des Volkes in Waffen im Fel.de berufen ist. Dieses Ver- ttauen genießt Hindenburg in einem Maße, wie es nur selten ein Truppenführer in deutschen Landen genossen hat. — In der „Kreuzzeitung" heißt es: Durch den höchst bedeutungsvollen Schritt wird, wenn dies überhaupt noch in höherem Maße als bisher denkbar ist, die Einheitlichst der Kriegführung auf allen Kriegsschauplätzen gewährleistet. Ohne Zweifel wird General Falkenhayn eine seinen hervorragenden Fähigkeiten entsprechende Verwendung finden. — Wie die „Tägliche Rundschau" schreibt, ist die Ernennung Hindenburgs vonFalkenhayn s e l b st vorgeschlagen worden. — Der „Lokal-Anzeiger" erinnert daran, wie oft unser Kaiser seinen unvergeßlichen Großvater als sein Herrscherideal bezeichnet hat. Das Blatt sagt dann: Die Größe des alten Kaisers lag mit darin, daß er die b e st e n Männer, die sein Land ihm schenkte, neben sich stellte und ihrem Genius unter steter und kluger Mitwirkung freie Entfaltung ließ. Wenn der Kaiser in dieser für das Schicksal des Landes vielleicht folgenreichsten Entscheidung eines Rates bedurft hätte, so wäre ihm von keiner einsichtigen, die Verhältnisse nur einigermaßen überschauenden Seite ein anderer Entschluß als der geraten worden, den er nun aus sich selbst heraus faßte. Hierin offenbart sich die hohe Begabung des Kaisers und seine tiefe Pflichterkenntnis einem Volke gegenüber, das jedes Opfer in dem schweren Kampfe zu bringen bereit ist, das von ihm gefordert wird.
Die künftige Verwendung des Generals v. Falkenhayn.
Br. Berlin, 30. Aug. tEig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) über die Art der neuen Verwendung, die dem scheidenden Generalstabschef v. Falkenhahn zugedacht ist, werden allerlei Vermutungen angestellt. In der „Tägl. Rund sch." liest man: Die vom obersten Kriegsherrn getroffene Entscheidung ist von größter militärischer und politischer Bedeutung und ihre ganze Tragweite kann heute nur angedeutet werden und wird erst zu erkennen sein, wenn man weiß, zu welcher anderweitiger Verwendung General v. Falkenhayn bestimmt ist. Manche Leute haben den Eindruck, als wäre die neue Bestimmung des Generals v. Falkenhayn nicht auf militärischem, sondern vielleicht mehr aus politischem Gebiet zu suchen und werde die mit Hindenburgs Ernennung erwartete, noch entschlossenere und verschärfte Kriegsführung ihren Charakterzug auch anderweit hervortreten sehen. Wir müssen betonen, daß in gewissen Kreisen hieran geknüpfte Hoffnungen sich bisher auf den Anschein einer Begründung stützen können.
wieder »ölig ergebnisloser Anstürmen der 5«inde nördlich der Somme und recht; der Maar.
Im Osten der Uukul von Deutschen erstürmt.
Der Tagesbericht vom 30. August.
V/. T.-B. Großes Hauptquartier, 30. Aug. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Im Somme gebiet kamen unter beiderseits andauerndem bedeutendem artilleristischen Einsatz' feindliche Unternehmungen am Tage in unserem wirkungsvollen Sperrfeuer nicht zur Entwicklung. Abends und nachts erfolgten starke Angriffe auf der Linie Ovillers- P o z i e t e $ und zwischen Guillemont und M a u r ie - p a s, während anschließend bis zur Somme und über diese hinaus bis in die Gegend von Chilly der sturmbercite Geg
ner auch nachts in seinen Gräben nieder g eha 11en wurde. Unsere Stellungen sind r e st l o s b e h a u P t e t. Nördlich von Ovillers-Pozieres haben unsere tapferen Truppen in schwerem Rahkampf die an einzelnen Punkten eingcdrungc- nen englischen Abteilungen wieder geworfen.
Rechts der Ml aas sind erneute, durch heftiges Feuer vorbereitete französische Angriffe bei Fleury und gegen unsere Stellungen zwischen dem Dorfe und dem Chapitre-Walde abermals zurückgeworfen; südöstlich von Fleury wurde der Feind durch Ge gen st oß zurück g e s ch l a g e n.
Nördlich des Ancrebaches und westlich von Müldausen wurde je ein feindliches Flugzeug im Luftkampf außer Gefecht gesetzt, zwei Flugzeuge sind durch Abwehrfeuer nördlich der Somme heruntergeholt, ein weiteres mußte bei Soyecourt innerhalb unserer Linien landen.
östlicher Kriegsschauplatz.
Nördlich der Karpathen keine Ereignisse von besonderer Bedeutung.
Deuffche Truppen haben den Berg Kukul (nordwestlich von Zabie) gestürmt.
Balkan - Kriegsschauplatz.
Die Lage ist im allgemeinen unverändert.
Oberste Heeresleitung.
ver nisfisch-ruinänische Vorstoß in den Uarpathen.
Schon jetzt in den ersten Anfängen des Krieges gegen Rumänien zeigt es sich, daß die Russen und Rumänen Hand in Hand operieren. Die Abmachungen müssen schon trotz der Versicherungen Bratianus, die Neutralität bewahren zu wollen, ziemlich lange getroffen worden sein, wenn dre Rumänen heute schon in den Karpathen gemeinschaftlich mit den Russen kämpfen iönnen. Die Befehlsübermittelung zwischen den Trup- ven einzelner Länder ist nicht so leicht, daß sie in weni- gen Tagen erledigt werden könnte. Auch die Heran- ffihrung der rumänischen Truppen an die Karpathen hat eine große Spanne Zeit erfordert. Aus allen diesen Einzelheiten geht hervor, daß es sich um ein lange abgekartetes Spiel zwischen Rußland und Rumänien und um einen gründlich durchdachten Verrat Rumäniens handelt. Die Karpathen bilden einen Teil der Grenze Rumäniens in ihrer südwestlichen Fortsetzung von der ungarischen Grenze her und von der Bukowina. Die Russen haben somit hier eine Verstärkung erhalten, die an sich nicht belanglos ist. Aber in dem gebirgigen Gebiet der Karpathen ist die Masse nicht von solchem Einfluß wie in offenem Gelände. Der Karpathenkrieg in den ersten Kriegsmonaten hat gezeigt, daß die österreichisch-ungarische Armee in den festen Stellungen der Karpathen imstande ist, auch einer überwältigenden Überzahl standzuhalten. Erst die lange Karpathenschlacht war bekanntlich das Grab des russischen Heeres. Die Verstärkung durch die rumänischen Truppen dürfte bei der ungeheuer langen Grenze Ru m ä- n i e n s in den K a r p a t h e n nicht sonderlich groß sein, wenn auch jeder Zuwachs der feindlichen Kräfte beachtenswert ist. Aber wie es den österreichisch-ungarischen Truppen gelungen ist, die Russen in den Karpathen abzuwehren, als noch ein Millionenheer hier anrannte, so werden sie auch jetzt den vereinten russischrumänischen Trrrppen erfolgreich Widerstand leisten können. Wir dürfen hoffen, daß unsere neuen Feinde in dem Gebirgskrieg die gleichen Mißerfolge aufweisen werden wie die ihnen befreundete lateinische Nation an der italienischen Grenze. Nach der Erklärung des Krieges Deutschlands an Rumänien iverden die Rumänen übrigens auch Gelegenheit haben, mit deutschen Truppen zusammen zu treffen. Schon vor längerer Zeit wurde gemeldet, daß deutsche Truppen an der runiänischen Grenze ständen. Wir haben also damals schon vorausgesehen, wohin die Kriegshetzer das rumänische Volk führen konnten. Die Rumänen treffen also bei ihrem Eintritt in den Krieg auf ein rechtzeitig gewappnetes und gerüstetes Heer, das ihnen ihre Eroberungsgelüste recht schwer machen dürfte. Auch die Rumänen werden wie seinerzeit die Italiener merken, daß ihr Eintritt in den Krieg keinerlei Ein wir» kung auf die uns verbündeten Fronten auszuüben vermag, wie besonders die französische Presse in den
