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Dienstag, 29. Kugust 1916.

Kbend-klusgabe.

Nr. 411. . 64. Jahrgang.

Sufammenftöhe

mit russisch-rumänischen Vortruppen in den llarpathen.

Wieder Mittig gescheiterte englische Angriffe nördlich der Somme, französische östlich der

Maas. 4 feindliche Flugzeuge erlegt.

Die Lage im Ostert unverändert.

Oer Tagesbericht vom 29. 5lugust.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 29. Aue. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

In viele» Abschnitten der Front machte sich eine e r - höhte Feuertätigkejit des Feindes bemerkbar. Jtn Somme- und Maasgebiet nahm der Artilleriekampf wieder große Heftigkeit an. Nördlich der Somme wiederholten sich die mit erheblichen Kräften unter­nommenen englischen Angriffe zwischen T h i e p v a l und P o z i e r e s. Sie sind blutig gescheitert, zum Teil führten sie zum Nahkampf, der nördlich von Ovillers mit Er­bitterung fortgesetzt wird. Mehrere Handgranatenangriffe wurden im Delville-Wald und südöstlich von Guillemont ab­gewiesen.

Rechts der Maas griffen die Franzosen zwischen dem Werk T h i a u m o >n t und F l e u r tj sowie im Bergwald an. Im Feuer der Artillerie, 'der Infanterie und Maschinengewehre brachen die Angriffswellen zu­sammen.

Schwächere feindliche Borstöße südlich und südöstlich von St. Mihiel blieben erfolglos.

Drei feindliche Flugzeuge sind im Luftkampf abge­schossen, und zwar eines südlich von Arras, zwei bei Bapanme, ein viertes fiel östlich von St. Quentin unversehrt in unsere Hand.

Östlicher Kriegsschauplatz.

Die Lage ist im allgemeine» unverändert.

A» einzelnen Stellen war die Feuertätigkeit etwas lebhafter. Westlich des S t o ch o d bei Rudka-Czerwiszcze kam es zu Jnfanteriekämpfen; nördlich des Dnjcstr wurdet bei Abwehr schwacher russischer Angriffe über 10» Gefangene gemacht.

In den Karpathen fanden Zusammenstöße mit russisch- rumänischen Bortruppen statt.

Bei Bursztyn (an der Guila Lipa) wurde ein russi­sches Flugzeug im Luftkampf zur Landung gezwungen.

Balkan - Kriegsschauplatz.

Keine Ereigniffe von besonderer Bedeutung.

Oberste Heeresleitung.

ver neue Krieg an der Grenze von Siebenbürgen.

Die ersten rumänischen Gefangenen. — Welche Aus­sichten hat Rumänien?

Zu unserem jüngsten Generalstabsbericht zu der Gefangennahme von Rumänen an der Grenze von Siebenbürgen wird uns geschrieben:

Schon seit längerer Zeit stehen naturgemäß die Truppen unserer Verbündeten an der Grenze von Siebenbürgen in Bereitschaft, um für alle Fälle ge­rüstet zu sein. Das rumänische Rätsel, das jetzt gelöst ist, hatte schon immer zu vorsorglichen Maß­nahmen Veranlassung gegeben. Die Rumänen hat­ten ihre Grenze gegen Rußland merkwürdig „un­vorsichtig" behandelt; da sie dort fast keinerlei Be­deckungsmannschaften aufgestellt hatten, so kam es, daß der russische Durchmarsch während der letzten Offensive durch Rumäniens Nordsvitze auf nur sehr geringen Widerstand stieß. Dagegen hatten die Rumänen ihre Südgrenze gegen Bulgarien und ihre West- grenze gegen Siebenbürgen recht gut besetzt und schon dadurch den Beweis geliefert, daß ihre Absichten gegen die verbündeten Mittelmächte von nicht freundlicher Natur waren. Dadurch hatten sie aber unsere Verbün­deten gezwungen, schon rechtzeitig Gegenmaß­nahmen zu ergreifen. Sowohl aus bulgarischem wie aus österreichisch-ungarischem Munde haben wir schon bei Ausbruch des Krieges gehört, daß eine etwaige Kriegsabsicht Rumäniens keinerlei Schrecken und Ge­fahren für uns bürge. Nun sind bereits die ersten Ge­fangenen an der Grenze von Siebenbürgen gemacht worden, das bedeutet, daß der Krieg mit Rumänien be­reits seinen Anfang genommen hat. Eben so wie Italien mit seinem Überfall vor mehr als Jahres­frist nicht das geringste erreicht hat, da schon rechtzeitig österreichisch-ungarische Truppen an der Grenze Wache hielten, und nur ungeheure Opfer an Gut und Blut bringen mutzte, eben jo wenig wird Rvwämsr vor­

aussichtlich sein Ziel erreichen können. Auch jetzt stehen bereits die notwendigen Truppen an der Grenze des Landes, um jeden Vorstoß rumänischer Soldaten aus­zuhalten. Infolgedessen bedeutet auch die Kriegs­erklärung Rumäniens für unsere Verbündeten keiner­lei Schwächung, denn schon vor dieser Kriegs­erklärung konnten die in Betracht kommenden Mann­schaften auf anderen Kriegsschauplätzen nicht ver­wendet werden. Rumänien ging ohne Not einen sehr schweren Gang, ohne sich weder von dem Schicksal Serbiens und Montenegros noch von dem Belgiens warnen zu lassen. Niemand hat die Waffen Rumänien in die Hand gezwungen; wenn sie sie freiwillig ergriffen haben, dann werden sie alle Folgen selbst zu tragen haben, so schwer sie auch sein mögen.. Die wei­tere Entwicklung der Kriegslage wird zeigen, daß Rumänien auf dem Balkan nicht mehr die vor­herrschende Rolle spielen kann, die es bisher inne zu haben sich einbildete.

Die Treulosigkeit Rumäniens.

Ganz nach italienischenr Muster.

W. T.-B. Budapest, 29. Aug. (Nichtamtlich. Draht­bericht.) Der „Pcster Lloyd" meldet in einem Tele­gramm aus Wien über die rumänische Kriegserklärung u. a.: Die mit der eigenhändigen Unterschrift des

rumänischen Ministers des Äußeren Pornmbaru ver­sehene Note, welche u m 8% Uhr überreicht wurde, kündigte an, daß'sich Rumänien um 9 Uhr, also eine Viertelstunde später, als im Kriegszustand mit der Monarchie befindlich erklärte. Die Absicht einer Überrumpelung, deren Ausführung mit den plumpesten Mitteln versucht wurde, liegt klar zutage. Sie wird überdies durch eine Reihe weiterer Momente bis zur Gewißheit erhärtet. Die Wahl des Sonn­tags zur Überreichung der Note läßt erkennen, daß Bratianu uns zu überraschen dachte. Auch die italieni­sche Regierung ließ seinerzeit die Kriegserklärung an einem Sonntag überreichen. In Rom wie in Bukarest nahm man also offenbar an, daß der Ge­sandte am Sonntag auf dem Ballhausplatz keinen zur Übernahme der Kriegserklärung autorisierten Beamten antreffe und daß die Note über Nacht liegen bleibe, und sich so einen Vorsprung von einigen Stunden für die militärischen Operationen erzielen lasien werde. Rumänien ist, wie jetzt mitgc- teilt werden kann, seit drei Jahrzehnten an uns durch ein Bündnis geknüpft, das immer wieder, zuletzt im Jahre 1912, wäh­rend der Balkanwirrcn erneuert wurde. Rumänische Zeitungen behaupteten in den letzten Mona­ten wiederholt, mit der durch den Abfall Italiens er­folgten Auflösung des Dreibundes seien auch die Ver­pflichtungen Rumäniens gegen die Mittelmächte er­loschen. Demgegenüber kann festgestellt werden, daß der Bündnisvertrag Rumäniens nicht auf dem Drei­bund, sondern auf einem österreichisch-ungarischen-dcut- schen Bündnis fußt und daß somit der Austritt Italiens aus dem Dreibunde an den Verpflichtungen Rumäniens weder formell noch sachlich das mindeste geändert hat. Bratianus falsches Spiel noch am Sonntag­vormittag.

Die Ohnmacht des Königs Ferdinand.

(Von unserem Xi.-Sonderberichterstatter.)

Xi. Wien, 29. Aug. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Der rumänische Ministerpräsident Bratianu hatte vorgestern rwch unseren Gesandten, Grafen Czernin, empfangen und ihm erklärt, er könne, wolle und werde die Neutralität aufrecht erhalten, und der Kronrat, der nachmittags statt­finde, werde dies beweisen. Mittlerweile war jedoch das Schriftstück, welches die Kriegserklärung enthielt, und das mit der eigenhändigen Unterschrift des Ministers des Äußern, Porumbaru, versehen war, bereits im Besitz des rumäni­schen Gesandten in Wien. Die rumänische Kriegserklärung, welche kurz vor 9 Uhr abends gestern im Ministerium des Äußern überreicht wurde, trägt das Datum des 27. August, :916, 9 Uhr nachts. Am 26. d. M. noch wurde der österreichisch- .^lgarische Gesandte vom König Ferdinand in Audienz empfangen, der dem Gesandten erklärte, er wolle keinen Krieg und hoffe, der Kronrat werde sich im Sinne der Aufrechterhaltung der Neutralität entscheiden. In Bukarest war mau allgemein im Publikum davon überzeugt, daß alles in Ruhe verlaufe und daß der Kronrat sich für strikte Einhal­tung der Neutralität entscheiden werde. Der Entrüstung über die Agitation der Alacmiften wurde an vielen Orten in er­regter Weise Ausdruck gegeben. In diplomatischen Kreisen wird die Lage ruhig und sicher beurteilt. Dort besteht gar kein Zweifel, daß die Gruppe der Mittelmächte auch mit dieser Schwierigkeit fertig werde. In finanziellen Kreisen hat die Kriegserklärung Rumäniens zu lebhaften Erörterungen An­laß gegeben, aber die allgemeine Auffassung der Lage nicht stärker beeinflußt. Die zuversichtliche Beurteilung der mili­tärischen Situation hielt an.

Die ersten Zusammenstöße mit den Rumänen.

Ruhige Stimmung in Siebenbürgen.

Br. K. und. K. Kriegspressequartier, 29. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Bereits am ersten Tage des neuen Kriegs ist es an der siebenbürgischen Grenze zu Zu­sammenstößen mit rumänischen Truppen ge­kommen. Rumänische Truppen sollten im Waldgebirge die nach Kronstadt und Hermannstadt führenden Pässe erkunden. An dem von Buiza aus am Alfluß längs der Bahn führenden Roten Turmpaß, an dem bei Vaucca die Grenze schneidenden Törzburger - Paß und an dem 1040 Meter hohen Tömöv-Patz, der die Verbindung mit Predeal und der Walachei vermittelt, näherten sich gegnerische Abteilungen. Gegenüber den an der Grenze stehenden k. und k. Kräften am Roten Turmpatz, wo der Valdulin-Bach die Grenze bildet, traten etwa zwei rumänische Bataillone in Aktion, die aber rasch zurückge­worfen wurden. Die verbündeten Heeresleitungen sind natürlich von den Ereignissen keineswegs überrascht worden. Wenn auch bis zum letzten Augenblick alles getan wurde, um den Frieden zu erhalten, so wurden dennoch alle Maßnahmen getroffen, um einen eventuellen Angriff ab- wehren zu können. Die Bevölkerung von Sieben­bürgen ist denn auch, da bereits Gerüchte über eine Kriegs­erklärung im Umlauf waren, keineswegs beunruhigt.

Bratianns Militärkonvention mit Rußland.

Bereits am Sonntag russische Truppen in der Dobrudscha.

Br. Wien, 29. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Die Bukarestcr Zeitung ..Dimineada" meldet: Nach der Militärkonvention Bratianus mit Rußland mußte Rumänien spätestens am 2 8. August Österreich- Ungarn den Krieg erklären. Der Mobilisierungs­befehl ist auch von diesem Tage datiert. Die rumä­nischen Truppen müssen sich nach der Konvention u n- v e r z ü g l i ch mit der russischen Armee vereinigen. Bereits am Sonntag standen russische Truppen in der rumänischen Dobrudscha.

Eine Reise des Kanzlers ins Große Haupt­quartier.

Der rumänische Gesandte Beldiman wieder in Berlin.

Br. Berlin, 29. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Wie die „B. Z." erfährt, ist Reichskanzler v. B e t h- mann-Hollweg ins Große Hauptquartier abgereist. Der rumänische Gesandte Beldiman ist heute aus der Residenz des Fürstlichen Hauses der Linie Hohenzollern - Sigmaringen hier eingetroffen. Der Tag seiner Abreise steht bis jetzt noch nicht fest.

Rumänien und Bulgarien, die alten Feinde.

Von unserem ^.-Sonderberichterstatter.

II. Haag, 29. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) „Central News" melden aus London: In diplomati-

scheu Kreisen wird dieKriegserklärungRumä- niens auch an Bulgarien als bald bevorstehend angesehen.

Die Solidarität Bulgariens mit seinen Bundesgenossen.

Br. Berlin, 29. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) In der bulgarischen Gesandtschaft war. gestern bis in die späten Abendstunden die amtliche Nachricht von der erfolgten Kriegserklärung an Rumänien noch nicht eingetrossen. Wie man der „Voss. Ztg." sagt, hofft man aber, noch während der Nacht ein entsprechendes Telegramm zu erhalten. Die zuständigen Stellen bezeichnen es uns als s el b stv er­st ä n d l i ch, daß Bulgarien auch gegen den neuen Feind solidarisch mit seinen Verbündeten Vorgehen werde.

Keine österreichisch-ungarische amtliche Erklärung zur Kriegserklärung beabsichtigt.

W. T.-B. Wien, 29. Aug. (Nichtamtlich. Drahtberrcht.) Der „Neuen Fr. Pr." zufolge besteht bei den hiesigen maß. gebenden Kreisen nicht die Absicht, die rumänische Kriegs­erklärung durch eine amtliche Erklärung zu beantworten.

Ein Armeebefehl des österreich. ungarische« Armeeoberkommandos.

W. T.-B. Wien, 28. Aug. (Nichtamtlich.) Heute ist fol­gender Armeeoberkommando-Befehl erlassen worden:

Soldaten! Kriegskameraden! Ich habe Euch mitteitkn lassen, daß in der Reihe unserer Gegner ein neuer Feint, aufgetaucht ist: das Königreich Rumänien. Euer ehrlicher Soldatensinn wird für diesen räuberischen Überfall dos richtige Maß an Verachtung finden. Wir haben in den vergangenen Jahren manche schwere Stunde überwunden, Wir werden auch den neuen Strauß in Ehren durchkämpfen, unserem Eidschwur zu den Fahnen des Allerhöchsten Kriegs­herrn getreu! Gott mit Euch! Erzherzog Friedrich.

Ungarische Entschlossenheit.

IV. T.-B. Budapest, 28. Aug. (Nichtamtlich.) Die r umä- nische Kriegserklärung wnrde hier ohne besondere Erregung ausgenommen, da die Presse seit längerer Zeit auf die ver­dächtige Haltung Rumäniens aufmerksam gemacht hatte».

‘ Der „Pester Lloyd" schreibt: