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Verlag Langgaffe 21

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Sonntag» 27. Kugust 1916.

Morgen-klusgabe.

Nr. 407. . 64. Jahrgang.

Dieterich Schäfers Ausruf.

Die Forderung ist allgemein, daß die Erörterung der Kriegsziele, wenn nicht ganz freigegeben, so doch Non manchen Fesseln befreit werde, durch die sie jetzt be­hindert wird Aber, man kann fragen, ob wir nicht trotz aller Hemmnisse schon seit Jahr und Tag und langer noch mitten in der Kriegszielerörterung begrif­fen sind. Freilich hat sie sich Schranken aufzuerlegen, freiwillig und mit taktvollem Verständnis gesetzte, ebenso gut wie die von der Reichsleitung für nötig be­fundenen, jedoch ist der Spielraum für die Aus­sprache ganz so eng wohl nicht. Weicht die Form von der Freiheit ab, die wir ohne das Walten der Zensur genießen würden, so haben sich Mittel und Wege genug gefunden, um gleichwohl ungefähr alles zu sagen, was auszusprechen uns in den verschiedenen Lagern das Herz und die allgemeine Wohlfahrt von Reich und Nation drängt. Wir wissen doch alle, was wir wollen und sollen, wir haben es unverhüllt und laut bekennen dürfen und tun es immer wieder, daß unser Kriegsziel im Osten die Vorschiebung unserer Grenzen bis etwa an die jetzt besetzte Linie ist, daß das Schicksal Bel­giens in unsere Hand gelegt bleiben muß, daß Bel­gien kein Bollwerk Englands auf dem Fest­lands sein darf, daß wir unsere Kolonien zurück­gewinnen oder besseren Ersatz sür das Verlorene erhal­ten müssen, daß unser Geltungsbereich politisch wie wirtschaftlich über den Balkan und die erstarkte Türkei hinweg bis nach Bagdad reichen soll. Was wäre ge­wonnen, wenn dieser Rahmen mit bestimmteren E i n- z e l forderungen ausgefüllt würde? Allerdings wäre es wahrlich kein Schade, wenn es geschehen könnte, aber allzuviel käme zu dem, was Gemeingut des ganzen Volkes an Wünschen und Forderungen ist, auch dann schwerlich hinzu. Wir würden zahlreiche Vorschläge hören, wie die belgische Frage am zweckmäßigsten zu lösen wäre, wir würden in bezug auf den Osten noch­mals und mit genaueren Begriffsbestimmungen er­fahren, welche Vorstellungen sich Kenner und Nicht­kenner von der Zukunft Polens, Litauens und Kur­lands machen. Schließlich käme die Unterhaltung doch nur darauf hinaus, daß das Maß unserer Ansprüche von den Ergebnissen der K r i s g f ü h r u n g an dem Tage abhängen wird, an dem die Rissenaufgabe des Friedensschlusses wird gelöst werden müssen. In­zwischen kann sich der wiederholt hier wiedergegebene Eindruck nur befestigen, daß der Un t e r s ch i e d zwi- schen den verschiedenen Kriegszielforderungen, die sich mit geradezu rätselhafter Leidenschaftlichkeit bekämp­fen, so groß nicht ist, wie es scheint, wenn man nur auf diese gelegentlichen Ausbrüche der Leidenschaft und nicht auf den am Ende doch gemeinsamen Inhalt achtet. Wir geben den Beurteilern recht, die angesichts des von uns in der gestrigen Abendausgabe veröffent­lichten Aufrufs der Dieterich «schäferschen Gruppe fin­den, daß der so oft und so stark betonte Gegensatz zwi­schen demNationalen Ausschuß" unter Harnacks Führung und diesemUnabhängigen Ausschuß" nur geringfügig ist. Der Ton zwar in dem Schäfer- scheu Aufruf ist schärfer, aber wo find die sachlichen Gegensätze? Hier wie dort und dort wie hier wird, und zwar durchaus im Einklang nnt dem Erklärun­gen des Reichskanzlers, verlangt, daß wir die Länder zwischen der Ost' ee und den wolhyni scheu Sümpfen dem russischen Herrschaftsgebiet für immer entreißen; gemeinsam wird, wiederuni im Einklang mit denrealen .Garantien" des Reichskanzlers, gefor­dert, daß Belgien kein englisches Bollwerk sein darf, und wenn sich derUnabhängige Ausschuß" auf den Satz des Abgeordneten Spahn oeruff, daß Belgien militärisch, wirtschaftlich und volitisch in deutsche Hand zu liegen kommen muß", so darf daran erinnert wer­den, daß der Re i ch s k a n z l e r dieser Ausdeutung seines Wortes von denrealen Garantien" nicht widersprochen, ihr also zugestimmt hat. Er- klärt derUnabhängige Ausschuß" aber, daß Eng­land unser Hauptfeind ist, den wir mit allen Macht- und Kampfmitteln rücksichtslos niederzwiugen müssen, so gibt es auch darüber, daß dies eherne Wahr­heit ist, daß diese Wahrheit der L e i t st e r n unseres Handelns sein und bleiben muß. nirgends einen Zwiespalt. Wir sind der. festen Überzeugung, daß wir deutsches Volk, immer die kleine Gruppe der sozial­demokratischen Minderheit abgerechnet, vollkom­men einig über die Kricgsziele sind. Ist das durch den Aufruf der Schäferschen Gruppe vollends klargeworden, so wissen wir allerdings nicht, weshalb die Erörterung der Kriegsziele immer noch untersagt Bleiben soll; andererseits indessen sehen wir auch keinen Anlaß, uns über die einstweilen noch wirk­samen Hemmungen sonderlich aufzuregen.

Der Krieg gegen England.

Die alberne Sprache des Lord Northcliff.

Abweisende Äußerungen der italienischen Presse.

Ui-. Lugano, 26. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Die italienischen Zeitungen beschäitigen sich da­mit, daß Lord Northcliff, der Herausgeber derTimes", bei seinem Besuch in Rom auf die Frage, ob der Krieg noch lange duern werde, geantwortet habe: Sehr

lange, denn England werde nicht eher Frieden schlie­ßen, bis Kaiser Wilhelm gefangen genommen und wie Napoleon aus Europa entfernt werde, oder auch sehr kurz, denn Deutschland erschöpfe sich bereits in Frie- densangeboten an England in der Überzeugung, daß es dieses nicht besiegen könne. Verschiedene Blätter, wie Citta Dino" von Genua undJtalia" von Mailand, haben im allgemeinen Taumel noch so viel Verstand bewahrt, die Sprache Northcliffs für absurd und eines ernsten Mannes für unwürdig zu erklären, durch welche die Sache der Verbündeten nur ge­schädigt werden könne.

Die Unterdrückung ungeschminkter Berichte der amerikanischen Korrespondenten.

England betrügt sein eigenes Volk."

W. T.-B. New Nork, 26. Aug. (Nichtamtlich. Draht­bericht.) Funkspruch von dem Vertreter des W. T.-B.: In einer Besprechung der Unterdrückung von Berichten amerikanischer Korrespondenten aus Deutschland durch die englische Zensur sagt dieNew Aork American" in einem Leitartikel: Die natürliche Antwort auf die

Frage, warum die Berichte unterdrückt werden, ist, daß sie sich sehr unterscheiden von den Berichten von Siegen über sie, welche die englischen Pressebureaus nach Amerika schicken. . In dücren Worten: England be­trügt sein eigenes Volk hinsichtlich der Lage an der französischen Front. Es kann nicht dazu bei- tragen, daß die Wahrheit in Amerika bekannt werde, da das englische Volk bald die Wahrheit aus den ame- > ikanischen Zeitung erfahren würde. Tatsache ist und jedem geübten Zeitungsmann in Amerika bekannt, daß die Spalten und seitenlangen herüberkommenden Be­richte, seitdem die Alliierten ihre kombinierte Offensive begonnen haben, stark nach englischem Geschmack ge­färbt sind. Die höchst erbärmlichen Erfolge der Alliierten sind zu i nem großen Siege aus­posaunt worden, während die sehr wichtigen Gegen­angriffe und Gewinne der Deutschen mit ein oder zwei Zeilen langen, allgemein gehaltenen Meldungen über­gangen werden.

Die Offizicrsverluste der britischen Sec- streitkräfte.

Br. Haag, 20. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bin.) Die offizielle Verlustliste der englischen Marine teilt mit, daß bis zum 18. Juli 818 Offiziere der britischen Flotte im Dienst umgekommeu sind, davon gehörten drei der kanadischen. 8 der australischen und 53 dem Seefliegerdienst an. Die Marinereserve verlor 2 7 3 O f f i z i e r e, ferner die freiwillige Marinereserve 111, das Korps der Marinesoldaten 8 4 Offi­ziere. Im ganzen hat England augenblicklich 211 Offiziere, die als Kommandanten von Tauchbooten geprüft sind.

Die Abneigung gegen die Wehrpflicht in England.

Nr. Haag, 26. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Die Times" teilt mit, daß die Regierung Maßnahmen überlegt, um den Verkauf von v h a r m a z e u t i s ch e n Mitteln an Soldaten, welche sich dadurch für den Felddienst un­tauglich zu machen versuchen, zu unterdrücken. Die Apo­theker, die solche Mittel verabfolgen, sollen streng beftraft. werden.

Arbeitseinstellung in einem Shcffielder Munitions­werk.

W. T.-B. London, 25. Aug. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) In dem Munitionswerk von Sheffield weigerten sich, der , Daily Mail" zufolge, ungelernte englische Arbeiter, mit irischen Arbeitern zusammen zu arbeiten. In der Fabrik kam es deswegen Montag zu einer Arbeitseinstellung.

Eine englische Unterrichtsreform?

W. T.-B'. London» 25. Aug. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Die Regierung hat zwei mit diesen Vollmachten ausgestattete Ausschüsse eingesetzt, die die Stellung der Naturwissen­schaften, der modernen Sprachen in dem englischen Unterrichtssystem untersuchen sollen.

Der Postraub gegenüber den Neutralen.

W. T.-B. Kopenhagen, 25. Aug. (Nichtamtlich.) Einer Mitteilung der dänischen Generalpostdirektion zufolge ist die gesamte Brief- und Paketpost des dänischen Amerikadampfers Frederik VIII." auf der Reise von Kopenhagen nach New Aork bei der Durchsuchung des Schiffes in Kirkwall be­schlagnahmt worden. Ebenso sind von dem norwegi­schen AmerikadampferBergensfjord" auf der Reise von New Dork nach Bergen in Kirkwall 28 für Dänemark bestimmte Postsäcke beschlagnahmt worden.

W. T.-B. Amsterdam, 25. Aug. (Nichtamtlich. Drahtbe­richt.) Der DampferP r i n s der Neederlnnden", von Amsterdam nach Westindien unterwegs, mußte seine Post in England zurücklassen.

Notlandung eines angcschossencn englischen Flugzeugs in Holland.

ZV. T.-B. Amsterdam, 25. Aug. (Nichtamtlich.) Bei Schoendijk (Zeelandl ist ein englisches Flugzeug, das von den Deutschen angeschossen worden war, gelandet. Der Flie­ger, ein Leutnant, versuchte vergebens, seine Maschine in Brand zu stecken. Er wurde nach dem Internierungslager in Groonrngen gebracht.

Oie Lage im westen.

Die ungeheueren Verwüstungen des französischen Erdreichs.

Der amerikanische Journalist Karl v. Wiegand entwirft in einem Bericht, den derBerl. Lok.-Anz." veröffentlicht, folgende Schilderung von dem Pfad der Zerstörung hinter der Somme-Ancre-Schlachtlinie: Ich ging heute durch Meilen von Gräben um Heb u- t e r n e und G o m m e c v u r t. Sie waren 6 bis 8 Fuß tief und 4 bis 6 Fuß weit am oberen Rande. In dem Bereich eines einzigen Regiments maßen die Zickzack­gräben 25 Kilometer. Generalleutnant T. sagte mir, daß die Gräben in seinem Befehlsbereich allein eine Gesamtlänge von annähernd 50 0 Kilometer hätten, und dieser Bereich ist nur ein enger Sektor in der augenblicklichen Kampffront. Wenn man bedenkt, sagte ein Stabsoffizier, daß mehr als zwei Millionen Menschen auf beiden Seiten während eines Zeitraumes von zwei Jahren oft Tag und Nacht hindurch Gräben aus gehoben und bombensichere Unterstände gebaut haben, die manchmal 30 Fuß tief unter der Erde liegen, und wenn man bedenkt, daß diese durch Balken und konkret verstärkt wurden,. dann fragt man sich, wie lange es dauern wird, das alles wieder einzuebnen. Millionen Quadratfuß Holz stecken in den Gräben. Tausende von Morgen guten Bodens sind Vernichter worden. Eine Be­bauung ist unmöglich, weil dort nichts wachsen wird, denn das Ausheben der Gräben und Millionen von Granattrichtern haben den reichen Mutterboden der Oberfläche oft 7 Fuß mit unfruchtbarer Erde bedeckt. Millionen von Granattrichtern sind auszufüllcn. HunderttausendeTonuen von Stachel­draht, von zweiseitigen Hindernissen non 50 bis 100 Meter Tiefe, sind von der Nordsee bis zur Schweiz ge­zogen worden. Tausende von Tonnen sind durch Granaten in den Boden geschlagen worden. Ferner sind T a u s e n d e v o nBlindgängern", Grana­ten, die nicht krepierten, in den Boden cingcdrnngen. Dadurch wird das Pflügen oder überhaupt das Be­bauen des Landes außerordentlich gefährlich und wird in Zukunft viele tödliche Unfälle zur Folge haben. Von Poziöres aus schlagen innerhalb zehn Minuten nicht weniger als 14 solcher-Blindgänger" in unserer Nähe ein. Regengüsse werden Hunderte von Leichen bloß- legen, die durch eine dünne Schicht Erde kaum verdeckt sind. Was wird es kosten, alle Ruinen zu beseitigen, das Zerstörte wieder aufzubauen? Wie lange Zeit wird es in Anspruch nehmen?!

Die französischen Aushebungssorgen.

Die Kasernen alsUntcrkunftshäuser" für Lahme.

ZV. T.-B. Bern, 26. Aug. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Journal" undPetit Journal" weisen bei Besprechung der vom Kriegsministerium geplanten Anordnung einer neuer­lichen Untersuchung der Zurückgestellten darauf bin, daß da- durch binnen kurzem die Kasernen in Unterkunfts­häuser für Lahme verwandelt und die Krankenhäuser mit Männern überfüllt würden, die den Strapazen des Krie­ges nicht gewachsen wären. Man würde die Mannschafts­depots mit gebrechlichen Soldaten überschwemmen, die niemals oder doch nur für kurze Zeit die Front sehen würden. Die Gefechtstruppe» selbst würden nur schwerfälliger werden durch Elemente, die infolge ihrer geringen Widerstandskraft die Stimmung der Kampfgenossen herabminderten. Auch würde eine weitere Aushebung das Wirtschaftsleben Frankreichs ernstlich treffen. Man müsse daher verlangen, daß keine neuen Aushebungen vorgenommen würden, viel­mehr seien alle Leute zu entlassen, bei denen dies nötig sei.

Dir amtlichen französischen Berichte.

Bericht vom 25. August, nachmittags.

Nördlich der S o m m e setzten sich im Lauf der Nacht die ffanzösischen Truppen nördlich und nordöstlich von Maure- Pas fest. Die Deutschen richteten gegen das Dorf einen hef­tigen Gegenangriff. Bei der Höhe 121 durch Artillerie- und Maschinengewehrfeuer niedergemäht, konnten sie an keiner Stelle an die französischen Linien herankommen, sondern er­litten schwere Verluste. 60 Gefangene, darunter 2 Offiziere, wurden gemacht. Die Gesamtzahl der von den Franzosen seit gestern in diesem Abschnitt gemachten uiwerwnndeten Ge­fangenen übersteigt 350. Zwischen Avre und Aisne