Einzelbild herunterladen
 

n

o Morgen-Veilage der Wiesbadener Tagblattr. e

Nr. 198.

Freitag, 25. klugust.

1916.

(18. Fortsetzung.)

Krau Minchen» Narretei.

Humoristischer Roman von K8te van Beeker,

(Nachdruck verboten.)

IV.

Leicht war dieser Kampf nicht, wenngleich der Geg- ner schon mit geschwächten Kräften dasaß. Sein Wider­stand war doch noch wild genug.

Aber Frau Minchen schreckte vor nichts zurück. Erst ließ sie den ganzen Schwall seines Zornes sich ergießen, tzann begann sie ihn zu widerlegen und die Sache von -ihrem Gesichtspunkt aus zu beleuchten.

Gegen die einmal gelöste Verlobung konnten sie nichts mehr tun, geschehen war geschehen. Damals er­starb jeder Widerstand daran, daß sie fchon perfekt, letzt daran, daß sie schon gelöst war. Frau Minchen tauchte ihre Waffen in das Gift heimlichen Hohnes, den ihr Mann pustend und fauchend verstand und schweigend einsteckte.

Gut, aber das Frauenzimmer mußte aus dem Hause, und der Lümmel —

Eugen sei ein Mann, der sich nicht mehr am Gängel­bands führen ließe, ihr Sohn, mit dem Erbteil ihres Izielbewußten Willens, außerdem ihr Sohn mit dem Erbteil ihres Vermögens, das ihn in die Lage setze, ein armes Mädchen zu heiraten, genau so, wie sie einst einen armen Mann geheiratet habe.

Alles Reminiszenzen an die erste Verlobungsdebatte, die Vater Fritz zähneknirschend gleichfalls einstecken mutzte.

Aber das Frauenzimnier müsse fort —!

Frau Minchen schüttelte den Kopf. Das unschuldige -Kind! Und ob ihr Fritz nicht wisse, daß Widerstand stas beste Mittel sei, ein Verlangen zu stärken und zu vertiefen, und daß jede Ungerechtigkeit, die er an Ludo- stika ausübe, ihm nicht nur das Herz des Sohnes ent­fremde, sondern diesen zwinge, nur desto fester zu der -unschuldig Angegriffenen zu halten. Ganz diploma­tisch, ganz ruhig, sanft und klug redete sie ihrem Fritz kn, nebenbei einfließen lassend, daß sie doch auch ein Wort Mitzureden habe, und daß sie wünsche, Ludovika bei sich zu behalten.

Ob ihr Fritz sich das Geschehene nicht mal erst rich­tig überlegen wolle? Vielleicht, daß, man den jungen 'Leuten eine Prüfungszeit auferlege, in der Eugen sich stoch etwas draußen in der Welt umsähe und Ludovika 'für den Beruf einer Gutsfrau erzogen würde?

Darüber lachte Fritz Riedel grimmig auf. „Von Der Lumpenbajage eine zur tücht'gen Frau erzieh'»? Haha? Unkraut im Weizen, Unkraut, — weiter nichts!"

Aber Frau Minchen ließ nicht nach und allmählich polterte der Zorn ihres Fritzens weniger laut. Ein ge­wisses Ermüden und Nachgeben kam, und als die teure Gattin endlich das Zimmer verließ, nahm sie sein Der- sprechen mit, sich die Sache zu überlegen und vorläufig Lernen ungerechten Eingriff in sie zu tun.

Schwüle lag über dein Gutshause, aber nach zwei sehr bedrückten und unbehaglichen Tagen war alles nach Frau Minchens Wunsch und Vorschlag geordnet.

Fritz Riedel hatte in diesen Tagen an seinem bis­her so fügsamen und blind mit seinem Willen und

seinen Bestimmungen gehenden Minchen sehr unlieb­same Erfahrungen gemacht. Überall hatte sie durch­schimmern lassen und betonst daß sie des reichen Amt- mann Rothahns Tochter gewesen, die den armen In­spektor geheiratet, und daß sie infolgedessen Rechte und Macht habe.

Nie vorher war das geschehen und Fritz Riedel stand direkt verwirrt und verdutzt vor diesen Anmer­kungen. Sie wurmten ihn und lähmten seinen sonst so festen, energischen Willen. Es lag nicht in seiner Natur, sich brutal dagegen aufzulehnen und seine Ar­beit in all diesen Ehejahren als Gegengewicht aufzu- sühren. Zum ersten Male in seiner Ehe fühlte er sich unfrei, fühlte er über sich eine Macht, deren Berechti­gung er nicht ganz leugnen konnte und die ihn schließ­lich eben auch dazu zwang, den augenblicklich vorliegen­den Verhältnissen nachzugeben.

Aber nicht vollkommen, schließlich blieb er doch der Mann im Hause und fügte sich nur in bestimmten Gren­zen. Er stellte seine Bedingungen. Eugen sollte zu einem alten Freunde des Vaters auf dessen Gut nach Pommern gehen und Ludovika durfte in Molitten blei- bei. Von Brautschaft konnte vorläufig natürlich nicht die Rede sein, denn erstens mußte die Entlobung erst etwas verwunden werden und zweitens verlangte der Vater unter allen Umständen eine von allen Ver­sprechungen und Bündnissen srgie Prllfungszeit der beiden jungen Leute.

Davon ging er nicht ab und er wußte wohl, warum er das verlangte. In dieser Prüfungszeit würde er all seine Kräfte anstrengen und kein Opfer scheuen, um das Frauenzimmer, seine Nichte, an irgendeinen anderen Schafskopf unterzubringen. Das mußte doch möglich sein. Schön war sie und schlau war sie, aus seinem Eugen machte sie sich nur so viel, wie er als Heirats­objekt und gute Partie galt, aber wenn ein anderer kam, der mehr bot oder ihr besser gefiel, würde sie nicht zögern zuzugreifen, darauf wollte er, der Onkel, der seine Familie kannte, Gift nehmen. Also mit der Hoff­nung mußte er arbeiten und nur in ihr ließ er sich zu der halben Anerkennung und Annahme der Vorschläge seiner Frau herbei.

Eugen war glücklich, total berauscht von einem un­faßbaren Gefühl der Seligkeit. Er empfand zum ersten Male in seinem Leben wirklich dieses Leben als Lust und Himmelsgeschenk. Jeder Händedruck, den Ludo­vika ihm gestattete, war eine Gnade ohnegleichen, jeder Blick in ihr schönes Gesicht ein Glück, von dem er nie geträumt hatte. Diese wenigen, von Vaters grollen­dem Zorn arg beschnitten und getrübten Tage galten ihm als ausreichende Wegkost für die lange, ferne Prü­fungszeit, der er sich ohne Zögern und Widerspruch unterwarf. Dahinter lag ein so blühendes, herrliches Land, eine so himmelhohe, grenzenlose Seligkeit, daß ihm die Opfer, die er dasür bringen sollte, im Hinblick auf den Gewinst ganz unwichtig und klein vorkamen.

Und Ludovika war auch mit Onkels Verlangen ein-