Verlag Langgaffe 21
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„Tagblatthaus" Nr. 66S0-S3.
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Mittwoch, 23 August 1916.
Kbend-Rusgabe.
Nr. 400. . 64. Jahrgang.
Die bevorstehende Antunst der Deutschland".
Br. Berlin, 23. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Die
Ankunft der „Deutschland", die als bevorstehend betrachtet werden kann, wenn auch Tug und Stnnde noch nicht bekannt sind, wird sich in folgender Weise abspielen: Die in erheblicher Anzahl angemeldeten Vertreter der Presse werden von Bremen ans mit dem Dampfer „Gazelle" auf der Weser der „Deutschland entgegenfahren und wenn sie daS Unterseeschiff nicht schon früher treffen, seine Ankunft in einem Orte an der Weser, wahrscheinlich in Blumcnthal bei Vegesack, erwarten. Sobald die „Deutschland" naht, schließt sich das P r e s s e s ch i f f dem U-Voot an und begleitet es bis zum Freihafen. Für viele weitere Reifender „Deutschland" und ihrer Schwesterschiffe sind bereits Frachten von Amerika gesichert.
Eine Schlappe der Entente an der Struma.
Fortsetzung der Operationen auf dem rechten Flügel.
Der amtliche bulgarische Bericht.
W. T.-B. Sofia, 23. Aug. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Bericht des Hauptquartiers: An der Struma brachten wir dem Gegner am 21. August eine Niederlage bei. Dieser rettete sich durch die Flucht auf das rechte Ufer. Das ganze Gelände in der Umgebung der Dörfer Enikeuy, Hevolen und Topalovo ist mit feindlichen Leichen bedeckt. Wir zählten bisher mehr als 400 Leichen, darunter mehrere Offiziere. Wir erbeuteten 8 Maschinengewehre, eine Menge Gewehre, Granaten, Artilleriematerial, Wagen usw. 190 unverwundete Gefangene, darunter 4 Offiziere, und 60 verwundete Gefangene blieben in unserer Hand. Die große Menge von Ausrüstungsgegenstän- d e n, die das Schlachtfeld bedecken, bezeugt die v o l l- ständige Niederlage des Feindes. Ein Zug feindlicher Kavallerie, der durch ein geschicktes Manöver unserer Kavallerie in das Feuer unserer Infanterie gelockt worden war, wurde buchstäblich vernichtet. Aussagen von Gefangenen bestätigen, daß außer der Brigade Brotier ein englisches Regiment in diesen Gegenden operierte. Tie Angriffe, die die Franzosen seit 10 Tagen gegen unsere Stellungen bei und westlich des Doiransces durchgrführt haben, scheiterten v o l l st ä n d i g. Dieser Umstand ließ vermutlich den Generalstab des Generals Sarrail die Einnahme von Punkten melden, die immer in der G e- w a l t der Franzosen waren, wie dies der Fall ist mit dem Bahnhof von Doiran und dem Dorfe Doloudjeli, das der Feind verlassen hatte. Unsere Truppen haben 50 tote Franzosen auf dem rechten Wardar-Ufer begraben. Im Laufe des Angriffes in der Umgegend von Mahdag nahmen wir eine feindliche Abteilung gefangen und erbeuteten 1 Maschinengewehr. Die Franzosen ließen 70 Tote auf dem Gelände. Der rechte Flügel setzt seine Operationen fort.
Ravalla von den Vulgaren bereits besetzt?
Berlin, 23. Aug. Die über den Nestiv vordringende bulgarische Abteilung soll, nach der „Boffischen Zeitung", Kavalla besetzt haben.
Das schnelle bulgarische Vordringen gegen Serres.
Sr. Lugano, 23. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Der „Ccrriere della Sera" meldet aus Saloniki unter dem 20. abends: Die Bulgaren dringen rapid gegen
Serres vor und haben Lissa und die wichtigsten Höhen um Serres beseht, ohne von den griechischen Truppen behindert zu werden. Besonders bemerkt wird das schnelle Vorgehen der bulgarischen Kavallerie.
Tie gehemmte Offensive Sarrails.
Sr. Genf, 23. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Aus Saloniker Depeschen geht hervor, daß Sarrails wichtigste Truppenbewegungen gehemmt seien, da die geängstigte fluchtige Dörferbevölkerung allenthalben die Wege versperre. Diese und andere Beschwerden bringen heute die Gesandten im Athen vor, während die Pariser Blätter den griechischen Behörden wiederum m i tz g ü n st i g e s Verhalten gegen Sarrails Hauptmacht und Hilfstruppen vorwerfen und versichern, daß die ganze Offensive der Ententemächte darunter empfindlich leide.
Sarrail hat feine erste Verteidigungslinie preisgegeben!
Sr. Karlsruhe, 23. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Schweizer Blätter melden: ..Petit Journal" berichtet aus
Saloniki die Zurücknahme der ersten Verteidigungslinie.
Schwere Beunruhigung in Frankreich.
(Von unserem Xr.-Sonderberichterstatter.)
Sr. Genf, 23. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Die Pariser Presse kommentiert die Ereignisse an der Sarrailfront mit vollkommenem Pessimismus. General Verraux sagt in der Zeitung „L'Oeuvre": Sarrail werde entweder freiwillig oder gezwungen in der defensiven Haltung verharren müssen, in welcher Voraussicht er die Höhen rings um Saloniki befestige. Die jetzige Lage sei unklar. Im Zentrum scheine Sarrail Vordringen zu wollen. Daß die Feinde auf beiden Flügeln vorrücken, erscheine gefährlich. Das Vordringen der Deutschen und Bulgaren über Florina und der Richtung auf Larissa, bezwecke offenbar die Umzingelung der südlichen Befestigungen Salonikis. Der „Temps" sagt: Niemals dachte Sarrail ernstlich an die Offensive, weil sie wegen der Verproviantierung auf dem Meerwege und in einem, vom Kriege schon verwüsteten Gebiete für eine größere Armee unmöglich erscheine. Jetzt müsse er jedoch den hingeworfenen Handschuh schon aufnehmen. Die Ententetruppen würden hoffentlich die ersten Schlappen wieder weitmachen. Der „Temps" bemüht sich, den Gedanken nicht auszusprechen, daß der Vierverband in Saloniki eine Niederlage befürchtet. Das Publikum möge Vertrauen in die Führung auf dem Balkan bewahren. Die Äußerungen sind um so erstaunlicher, als der „Temps" an der Spitze der Kriegspresse seit Wochen gegen Sarrail Vorwürfe erhebt, weil er mit der unbedingt notwendigen Offensive zögere. Das Blatt hatte gerade wegen dieses Standpunktes mit der Zensur heftige Fehde.
Eine italienifche Darstellung des bulgarischen Angriffs.
Lugano, 22. Aug. (Zenst Bln.) Enrico Lelli berichtet im „Secolo" vom 19. August aus Saloniki, der bulgarische Angriff nehme eine immer größere Ausdehnung an, und die Bulgaren setzten ihre Tätigkeit in der Besetzung griechischen Gebiets in Ost-Mazedonien fort. Gleichzeitig werde ein Vordringen auch in -der Gegend nördlich von Seres gemeldet, wo ( bte Bulgaren sich ebenfalls mehrerer griechischer Forts bemächtigt hätten. Wie Lelli berichtet, soll in Ost-Mazedonien die 4. griechische Armee gestanden haben, und zwar je eine Division in Kawalla, Drama und Seres, im ganzen etwa 18 000 Mann. In diesem Teil des Landes sei der Gegner auf der ganzen Fron tim Vorrücken begriffen und befinde sich gegenwärtig in der Gegend von Ärumnli, während er bei Seres die die Stadt beherrschenden Anhöhen und das Fort Lisa besetzt habe. Patrouillen seien bis 10 Kilometer'gegen Kawalla vorgetrieben woroen. (Das nach einer Meldung eben inzwischen ja schon genommen sein soll. Schrift!.) Der Berichterstatter des „Secolo" sucht den Erfolg der Bulgaren möglichst zu mindern und schreibt, die Besatzung von Florina habe nur aus einigen Komitadschis und 26 Zuaven bestanden, andererseits sei der Angriff in der Gegend des Doiransees von den Verbündeten eingeleitet worden, und endlich habe sich ihre Front niemals bis nach Ost-Mazedonien, wo die Bulgaren am kräftigsten Vordringen, ausgedehnt, vielmehr habe man es der griechischen Armee üherlassen, für die Unverletzlichkeit dieses Landesteiles Sorge zu tragen,
Radoslawow über das „ruhige und sichere" Verhältnis zu Rumänien.
Die Vertreibung der Entente vom Balkan als Ziel der mazedonischen Operationen.
W. T.-B. Sofia, 22. Aug. (Nichtamtlich.) Ministerpräsident Radoslawow erklärte einem Mitarbeiter des „Az Est" gegenüber: Unser Verhältnis zu Rumänien ist nicht bloß korrekt, loyal und gut, sondern vielmehr ruhig und sicher. Wir sind unserer Sache ganz sicher, denn wir wünschen entschieden, daß Rumänien unsererseits nie herausgefordert oder gereizt werde. Es braucht kaum besonders bewiesen zu werden, daß wir mit Rumänien in Freundschaft leben wollen und werden, da Rumänien es auch in seinem eigenen Interesse gewiß nicht anders tun wird. Wir haben wohl alle erdenklichen Vorkehrungen getroffen, um uns gegen jedwede Überraschung von Norden her zu sichern. Ich betone: von Norden, nicht von Rumänien aus, denn wir können nicht wissen, ob es der russischen Diplomatie gelingt oder nicht, russische Truppen durch Rumänien gegen uns zu senden. Als wir diese Verteidigungsmaßnahmen trafen, stand Rumänien, aus damaligen rumänischen Meldungen zu schließen, vor der Entscheidung, und es konnte von einer endgültigen Vereitlung der Versuche der russischen Diplomatie noch kaum gesprochen werden. Dort über Rumänien steht die russische Armee,- die ganz offen die Absicht bekundet, gegen uns vorzumarschieren. Wir müssen uns darüber im klaren sein, wann und auf welche Weise dies geschehen kann, und müssen diesen Vormarsch vereiteln. Mit Rumänien wollen und werden wir aber in Freundschaft bleiben. Und ich glaube, Rumänien wird mit den im Norden erfolgten Maßnahmen zufrieden sein, da, sich dieselben keineswegs gegen Rumänien richten. An der mazedonischen Front schreiten unsere Operationen im Süden, Westen und Osten mit vorzüg
licher Sicherheit vorwärts, ohne die Empfindlichkeit der Griechen und des griechischen Heeres in irgend welcher Richtung anzutasten. Die Verwaltung der von uns besetzten griechisch-mazedonischen Orte bleibt nach wie vor ausschließlich griechisch, denn wir wollen keine griechisch-mazedonischen Ortschaften besetzen, sondern bloß uns einen Weg zu den in Griechenland eingedrunge- n e n Ententetruppen eröffnen und letztere vom Balkan gänzlich hinaustreiben. Wir sind von zuversichtlichsten Hoffnungen erfüllt. Höchstwahrscheinlich wird die mazedonische Niederlage der Entente einen noch weit größeren Einfluß auf den Gang des Weltkrieges haben als die Vereitelung der Dardanellenaktion.
Der englische Bericht von der mazedonischen Front.
W. T.-B. Saloniki, 23. Aug. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Reuter meldet amtlich: Keine Veränderung an der Doiran- front. Wir zerstörten eine Eisenbahnbrücke. An der Strumafront hemmte unsere Artillerie das Vorrücken des Feindes. Scharmützel bei de; Brücke von Kopriva. Auch feindliche Arbeitergruppen wurden zerstreut.
20 000 Italiener bisher in Saloniki ausgeschifft.
W. T.-B. Bern, 23. Aug. (Nichtamtlich. Drahtbericht) Der „Matin" meldet aus Saloniki: Bisher sind hier 20 000 Italiener ausgeschifft worden.
General Pettiti italienischer Oberbefehlshaber.
W. T.-B. Bern, 23. Aug (Nichtamtlich. Drahtbericht.) „Petit Prrisien" meldet aus Rom: Am 4. August hat die erste italienische, nach Saloniki bestimmte Brigade Rom unter General Pettiti verlassen, der den Oberbefehl über die italienischen Truppen in Saloniki übernimmt. Dasselbe Blatt erfährt aus Saloniki: Das 4. griechische Armeekorps mit je einer Division in Serres, Dramt und Kavalla, hat das seither besetzte Gebiet vollständig geräumt. Die Bulgaren stehen zur Zeit in Hermanli.
Die Gründe der italienischen Expedition nach Saloniki.
Sr. Lugano. 23. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln ) Nach dem „Coriere della Sera" war die Beteiligung Italiens an der Unternehmung von Saloniki eine Notwendigkeit gegenüber seinen Aspirationen im Orient und gegenüber den Ansprüchen Serbiens in der Adria. Daher sei in Italien auch stets eine gewisse Strömung für die Expedition nach dem Balkan vorhanden gewesen. Der unmittelbare Zweck der Aktion sei die Niederwerfung der Bulgaren und die Unterbrechung der Verbindung Deutschlands mit der Türkei.
Die heikle Lage Griechenlands.
Permanente Ministerrats-Sitzungen in Athen.
Sr. Luga.ro, 23. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Nach dem Berichterstatter des „Corriere della Sera" ist die Lage in Athen sehr beunruhigend. Der Ministerrat sitzt fast in Permanenz. Der Ministerpräsident Zaimis hatte mit dem Chef des Generalstabs Susmanis und dem Unterchef Metaxa eine lange Konferenz. Während derselben wartete der englische Gesandte Elliot im Vorzimmer, um vor- gelassen zu werden. Von der deutschen Gesandtschaft wurde eine Mitteilung verbreitet, derzufolge die Hoheitsrechtc Griechenlands über Ostmazedonien ungeachtet der Invasion unangetastet bleiben werde. Die Mitteilung erregt nach dem Berichterstatter Aufsehen.
Auf Befehl des Vierverbands!
Sr. Athen, 23. Aug. (Eig. Drcchtbericht. Zens. Bln.) General Sozilis, der Kommandant des 6. Armeekorps, ist auf Grund der neuen Forderungen des Vierverbandes seines Postens enthoben worden und zum Befehlshaber des zweiten griechischen Armeekorps ernannt worden.
Die Stellung der Venizelisten.
Sr. Genf, 23. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Die Venizelistischen Athener Blätter bezeichnen die bulgarische Offensive als belanglos, greifen aber gleichzeitig die griechische Regierung heftig an, weil sie das Vordringen der Bulgaren auf griechisches Gebiet geschehen lasse.
Die Abkühlung in Rumänien.
Ein Ministerrat.
Berlin, 23. Aug. In Bukarest findet heute, wie verschiedene Morgenblätter melden, ein Ministerrat zur Prüfung der auswärtigen Lage statt. — Dem „L.-A." zufolge hätte die Beunruhigung der öffentlichen Meinung in Bukarest sichtlich nachgelassen und die durch die Verhältnisse gebotenen Maßnahmen und diplomatischen Besprechungen würden mit größerer Kaltblütigkeit beurteilt.
Die krampfhaften Bemühungen der Entente um Rumänien.
Br. Wien, 22. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Im Urteil der hiesigen politischen Kreise über die Lage in Rumänien ist keine Änderung eingetreten. Nach wie vor wartet man in voller Ruhe ab, wofür sich Rumänien entscheiden werde. Werdings ist man der Meinung, daß gerade die unglaublichen Lügen, die von der Entente in diesem Augenblick in die Welt gesetzt werden, um die Entscheidung Rumäniens
