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Morgen.vellage des Wiesbadener Tagblatts. > -

Nr. 192.

Zreitag, 18. Kugust.

1916.

(12. Fortsetzung.)

Zrau Minchenr Narretei.

Humoristischer Roman von Küte van Beeker.

(Nachdruck verboten.)

Ja Wall, wenn sie einen anpumpen will!"

Aber, Fritzchen, unterbrich nnch doch nicht rmmer. Also weiter:Dein hartes Gebot, das Du mir vor lan- gen Jahren auferlegtest, als Du mir eine kleine Unter- stützung zuteil werden ließest" . . .

Kleine Unterstützung! Mineken, det rs iutl Wo ifte mir beinah' ausgepowert hat!"

Fritzchen, jetzt les' ich allein für mich, wenn du nicht ruhig zuhören kannst."

Nee, lies man laut: Ich trink' meinen Kaffee!'

Frau Minchen fuhr fort:Hat schwer auf meinem Herzen geruht und mich so bitter gekränkt, daß ich nie mehr an Dich schreiben wollte. Aber die Jahre mildern olles, lassen alles ersterben, nur nicht die Gefühle einer treuen Schwesterseele"

Schwesterseele, Pump je nie stimmt besser. Nee, nee, Mineken, ich bin schon still, lies man weiter^' Und so komme ich heute zu Dir, um Dir wieder die Hand zu bieten und eine neue Verbindungsbrücke zwi­schen unseren Hetzen zu schlagen. Laß Dir erzählen, wie das Leben über mich hingegangen ist, seitdem mein teurer, edler Georg mich damals für ewig verließ."

Fritz Riedel prustete in. leine Tasse bei Erwähnung des teuren, edlen Georgs, aber seine Frau ließ sich nicht unterbrechen. Ihr gefiel der Brief. Das über­schwängliche Pathos, die, übertriebene, schwülstige Aus- drucksweise imponierte ihr. Das klang alles anders, wie sie und ihre Umgebung sprach, es las sich wie ein Roman und damit war ihr Interesse geweckt.

Es war schwer für mich arme, alleinstehende und damals noch junge und schöne Witwe, meinen Weg vor­wärts zu gehen. Aber trotz aller Anfechtungen bin ich ihn gegangen, meiner Kinder halher. Und ttolz blicke ich heute, da sie blühend, schön und tüchtig ausgewachsen sind, auf seine Schwierigkeiten zurück.. Ach, geliebter Bruder, mir sind von der reichen Schar nur drei ge­blieben. aber was für Kinder sind das auch! Zuerst meine Julia. Sie ist versorgt, da sie bei einem edlen und gütigen alten Herrn eine geachtete und angenehme Stellung als dame dhonneui' hat"

Hm. hm, das is so was wie 'ne Ehrendam'! Na, junge Mädchens bei jütigen, alten Herren da is es mit die Ehre nich immer weit her!"

Aber, Fritzchen, wie kann man so etwas sagen! Denk doch man bloß, daß es das Kind deiner eignen Schwester ist!"

..Eben darum, Mineken. Na. ich tvill aber nichs je- sagt haben. Lies man weiter."

Dann kommt mein Alfons, mein Stolz, mein statt­licher braver, schöner Sohn, der geboren ist, um oom Glück umspielt auf goldgepflasterten Pfaden zu wan­deln und der sich mühsani durchschlagen inuß in einem gewöhnlichen Infanterieregiment, er, ein Freiherr von Biebermann der die Zierde eines Gardekavallerie- regiments st-in würde Ja, das Schicksal teilt seine Lose nicht gerecht aus! Mein Alfons ist im Kadettenkorps erzogen, natürlich, wie sollte ich arme, hungernde Witwe

ihn sonst erziehen? Er hat den Charakter eines Hel­den und trägt seine schlichte Jnfanterieuniform wie einen Königspurpur, hungert sich durch, wie seine Mutter es einst tat und geht seinen schweren Weg ein Spartaner!"

Jotteken, was tut der edle Jüngling noch mehr? Könijspurpur un Spartaner! Det muß 'n wahres Monstrum sein, Mineken!"

Spotte nicht, Fritzchen! Mich hat das orndt'lich ergriffen. Du mußt man das Mutterherz drin schlagen hören. Wenn man so 'nen Sohn hat und der ist bloß Infanterist und hungert"

Frau Minchen war wirklich bewegt. Die Schwägerin Freifrau traf den Ton, auf den ihre Seele gestimmt war. Geblendet sah sie auf das Romanschicksal dieser edlen, vornehmen Familie und vergessen war alles, was ihr Fritzchen in früheren Jahren weniger Edles und Vornehmes von ihr erzählt hatte.

Na, Mineken, Jnfant'rielentnant is nich jerade so was wie Stallknecht oder Straßenkehrer. is noch janz anständig. Und was das Hungern anbetrifft, na. na"

Red' nicht immer dazwischen, Fritzchen! Wo bin ich denn steh'n geblieben?"

Beim purpurnen, hungernden Spartaner."

Richtig.Und dann kommt meine Jüngste, mein Märchenkind, meine Ludovika, und um derentwillen, geliebter Bruder, ist es, daß ich die Feder in die Hand genommen habe und mich an Dich wende."

Nu kommt's, Mineken, de Bombe platzt jleich. Det Märchenkind will se uns anschummeln, verstehst'e mi?"

Frau Minchen hörte nichts mehr. Märchenkiud, das Wort saß. Weiter, nur weiter lesen, ihr Interesse brannte.

Ludovika ist schön lute ein Traum, zu schön für ein armes Mädchen. Ich kann sie in diesem Sünden- babcl, in der Großstadt Berlin, nicht allein über die Straße gehen lassen, ohne sie Anfechtungen auszusetzen. Mein Kind wird von den Männern umschwärmt wie die Rose von den Schinetterlingen. Aber sie ist arm, ebenso arm wie schön und davor.erlahmen die soliden Absichten, man naht ihrer blütenweißen Unschuld mit den verwerflichsten Gedanken. Meine Ludovika ist wie eine Blume, ihr Kindersinn versteht nicht das Gift, das man über ihre Unschuld gießen will. Aber ich, ihre Mutter, ich sehe und höre. Bis jetzt konnte ich sie auch be­schützen. Aber nun stehe ich zitternd fast am Ende meiner Macht. Ein junger Prinz verfolgt Ludovika mit seiner Leidenschaft. Er hat mir hohe Summe, ge­boten für ihren Besitz" _

Das ist ja 'ne saubre Jeschichte. Man jut, daß ich ihr nich jlaube. Wenn es wirklich hohe Summen wären"

Erschreckt besann sich der Bruder der hochmoralischen Freifrau. Beinahe hätte er gesagt, daß, wenn seiner lieben Schwester wirklich hohe Summen geboten wären,