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Morgen.Veilage der Wiesbadener Tagblatts.

Nr. 191. Donnerstag» 17. klugust. 19)6.

dl. Fortsetzung.)

§rau Minchens Narretei.

Humoristischer Roman von Küte van Beeker. (Nachdruck verboten.)

„Mit dem unscheinbaren, pumplichen Frauen­zimmer? Du machst wohl Spaß? Ich hör' Wohl nicht recht? Mein Sohn will mir solch erne Schwiegertochter bringen?"

„Aber, Mutter —I" „Aber, Minchen!" riefen beide Männer erstaunt. Vater Riedel nicht ganz ehrlich er­staunt, mehr geängstigt, Zugen aber nur erstaunt. Er verstand Mutters Aufregung gar nicht, trotz ihrer nicht zu verkennenden Deutlichkeit.

„Aber, aber — was habt ihr zu abern? Das ist Wohl ein abgekartetes Spiel zwischen euch? Dazu hat dich Wohl dein Vater beredet?"

Mit drohendem Blick stand sie vor Eugen. Der wußte wirklich nicht, wie ihm geschah.

„Ja, Vater hat mich freilich auf den Gedanken ge­bracht", sagte er verwirrt, weil er nichts anderes zu sagen wußte.

„Ah, — das hast du mir antun können? Zu so etwas den Jungen bereden? Und der dumme Junge läßt sich auch schieben, wohin nran will —"

„Bitte, Mutter, es stimmt ganz mit meinen Wün­schen zusammen", richtete Eugen sich unwillig auf. Ge­rade, wo er endlich einmal in seinem Leben in die Stimmung gekommen war, etwas aus eigenem Willen getan und sich für die Zukunft auch einen eigenen Willen gesichert zu haben, da beschuldigte ihn seine Mutter, eine Marionette zu sein, die jeder nach Belieben drehen und wenden könnte. Sie hatte sich doch sonst nicht um ihn gekümmert, nie seinen Willen und seine Widerstands­kraft gestärkt und nicht an seiner Seite gestanden, wo er sie brauchte, damals, als es ihm ernster um seine Zu­kunft zu tun war wie diesmal. Jetzt war er durchaus nicht gewillt, ihre Auflehnung gegen seinen Entschluß anzuerkennen, — besonders, da er den Vater auf seiner Seite wußte.

Der trat auch gleich für ihn ein. „Aber, Minchen, wie kannst du so was sagen! Eugen tut das Klügste, was er tun kann —"

„Das Düinmste, das Allerdünnnste! Läßt sich eine ,Frau ausschwatzen, an der er nie im Leben Spaß haben wird, aus der er sich nichts macht —"

„Aber, Mutter —I"

„Widersprich nicht! Oder liebst du etwa dieses Paulinchen mit dem Semmelgesicht und der Pumpel- figur?"

„Paulinchen wird mir eine sehr gute Frau werden", umging Eugen die gefährliche Frage, die er außerdem ganz nebensächlich fand, da Liebe und Frauen Dinge waren, an die er noch nicht viel Gedanken verschwendet hatte.

Aber seine Mutter war anderer Ansicht. „Gute Frau? Das ist so 'ne Redensart! Das kann kein Mensch wissen. Ich will wissen, ob du sie liebst?"

„Ich weiß nicht, was du damit meinst — ?"

„Siehst du. — er weiß nicht mal, was ich mit Liebe meine!"

. Frau Minchen rang entsetzt die Hände. „Und daS rst mein Kind, mein Liebeskind!" Erschreckt hielt sie rnne und fuhr dann desto schneller und heftiger fort' „Warum nimmst du sie denn? Des Geldes wegen? Unser Sohn braucht nicht nach Geld zu gehen, unser Sohn, kann ein armes Mädchen heiraten,' eben so gut wre einstmals seine Mutter einen armen Mann hei­ratete. Aber den liebte sie! Das war ein Mann, mit dem sich eine Familie gründen ließ!"

„Hat auch nich viel jeholfen, Mineken", fiel der Mann, der die Familie gegründet hatte, mit malitiöscm Lächeln ein. Er mußte feiner Alten wirklich mal ein Licht aufstecken, sie benahm sich gar zu albern.

Aber nun war es mit Frau Minchens Geduld und Fassung zu Ende, nun fing sie an jämmerlich zu weinen.

„Ach, ich arme, betrogene Frau, ach, ich arme, be­trogene Mutter! Mein einziger Wunsch, meine letzte Hoffnung auch noch vernichtet! Sticht mal schöne Groß­kinder werd' ich haben! Nimmt der Jung' solch eine häßliche, unscheinbare Frau, wo er doch weiß, daß er mir nichts Schlimm'res antun kann, als mir solch eine Schwiegertochter zu bringen! Und mein Mann, mein Fritz, hat ihn dazu angestiftet! Aber ich geb' nicht meine Einwilligung! Nie im Leben geb' ich sie!"

Ganz ratlos standen die beiden Männer da. Eugen wurde nun doch unruhig. Lieber Himmel, an dem Paulinchen lag ihm eigentlich gar nichts, er wollte nur einmal, sein eigener Herr werden. Er fand Paulinchen auch nicht schön. Brs jetzt hatte er zwar darüber noch gar nicht nachgedacht, aber nun siel es ihm peinlich auf. Mutter sah die Sache von einem ganz anderen Stand­punkt an als Vater, — aber nun war er doch mal ver­lobt.

Fritz Riedel fand zum ersten Male im Leben sein gutes, altes Minchen unausstehlich und überspannt. Das kam alles von der verdammten Romanlcserei. Ver­brennen müßte man all die alten Schmöker, die einer s<)nst so vernünftigen Frau allmählich den Kopf ver­drehten. Er kannte trotz der stebenundzwanzigjährigen Ehe noch immer nicht den tiefsten Grund von Frau Minchens Seele, er schob auf die Romanleserei was doch wieder und inimer wieder nur ihre Schönheits­liebs, ihr heißer Durst nach Schönheit war. Und da sah sie ihre letzte Hoffnung sinken und enrpörte sich dagegen, sie endgültig aufzugeben.

„Eine schöne Schwiegertochter habe ich mir ge­wünscht!" jammerte sie immerzu. „Nach der Mutter geraien die Kinder äußerlich, das Hab' ich selbst erfahren, nach der Mutter, darum muß die schön sein. Und wenn er mir das ärmste Mädchen gebracht hätte und sie war' schön gewesen, tausendmal lieber hätte ich sie gehabt als diesen dicken, kleinen. Froichl Nein, ich geb' meine Ein­willigung nicht, — ich geb' sie nicht!"

Ihr Mann knirschte mit den Zähnen. Himmelkreuz- donnerwetterl Die Frau geriet schon wieder in die Kindheit! Es war gar nicht zu glauben, daß jemand so albern und kindisch sein konnte! Und der Junge