Verlag Lauggasse 21
„Tagtlatthans".
Srdalter-Hall« geöffnet von 8 Uhr morgens Mi 7 Uhr abends.
wöchentlich
Langg-sse
Beftmgeld. — Bezugs - Befteunnge« nehmen außerdem entgegen: in Wiesbaden die Zwei,stelle W an-icknng IS sowie die Ausgabestellen in allen Teilen der Stadt: in Biebrich: diedortigen Ans- gaoeftellen und IN den benachbarten Landortcn und im Rheingau die betreffenden Tagblatt-Träger.
Anzeigen-Annahme: Für dieAbend-Ansg. bistSllhr m t _
mittags: für die Morgen-Ansg bis 3 Ubr nachmittags. Berlmer Abtktlung des Wiesbadener Tagblatts:
13 Ausgaben.
Fernruf:
„Ta,blatthaus" Rr. 6850-53.
Bon 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonntags.
ReNamen. Ganze, halbe, drittel und viettel Seiten, durchlansend, nach besonderer Berechnung. — Bei wiederholter Ausnahme unverändetter Anzeigen in kurzen Zwischenräumen entsprechender Nachlaß.
BerlinW., PotsdamerStr.121 K. Fernspr.:AmtLützow6202«.6203. ggj “w«bSfi?^!!^!^Sa
Mittwoch, 16. August 1916.
Kbend-Ausgabe.
Nr. 387. ♦ 64. Jahrgang.
weitere fruchtlose Angriffe der Engländer.
Fortgesetzte lebhafte Gefechtstäligkeit bei Armentieres.
Ein Erfolg in den Narpathen. Vorftößeb ei Hulewiecze und Kisielin. Der Tagesbericht vom 16. August.
W. T.- B. Großes Hanvtquartier, 16. August. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Auch gestern war die Gefechtstätigkeit an der Front südöstlich von Armentieres und im Artois lebhaft.
In der Gegend von Pozieres setzten die Engländer ihre erfolg-losen Angriffe bis zum gestrigen Morgen fort. Tagsüber unternahm ihre Infanterie nichts. Ein nächtlicher Angriff ist nördlich von Ovillers gescheitert.
Bei Moulin-sous-Touvent (Aisne-Gebiet) lebte das beiderseitige Feuer im Zusammenhang mit einem erfolglosen französischen Gasangriff vorübergehend auf. Östlich von Reims wurden starke feindliche Erknndungsabteilun- gen abgewiesen.
Lstlicher Kriegsschauplatz.
Auf der Front vom Meere bis in die Gegend nördlich des Dnjestr keine besonderen Ereignisse.
Abteilungen derpolnischen Legion machten in der Gegend von Hulewiecze einen kurzen erfolgreichen Borstoß. «
Deutsche Kommandos hoben östlich von Kisielin russische Borposten auf und brachten einen Offizier, 163 Mann gefangen ein.
Nördlich des Dnjestr haben die Russen nach den blutigen Schlappen vom 14. August gestern nur vereinzelt und mit schwachen Kräften ohne jedes Ergebnis angegriffen.
In den Karpathen setzten sich unsere Truppen in Besitz der Höhe Stara-Wipezina nördlich von Capul.
Balkankriegsschauplatz.
Südlich des Doiransees wurde ein Angriffsversuch einiger französischer Bataillone leicht durch Feuer a b gewehrt.
Oberste Heeresleitung.
Nie bisherigen Ergebnisse der rnsfischen Sommeroffenfive.
Von General d. Inf. z. D. v. Blume.
I.
Die Offensive, die die Russen unter Oberbesehl des Generals Brussilow anfangs Juni d. I. gegen die südliche Hälfte der deutsch-österreichischen Ostfront in einer Breite von 350 Kilometer eröffnet haben, ist nunmehr seit zehn Wochen im Gange. Sie begann nach mehrtägiger gewaltiger Kanonade mit gleichzeitigem Angriff an zahlreichen Stellen unserer langen Front südlich des Prrpjet. Seine Hauptträfte setzte Brussilow an zwei Stellen ein: gegen die im Raume von L u ck stehende Armee Puhallo und geqen die Verteidi- ger der Bukowina. An beiden Stellen hatten die Russen Erfolg, wenn auch bei weitem nicht so großen, wie sie die Welt glauben machen wollen. »
Sm Raume von Luck gelang es ihrer Übermacht, in den ersten acht Tagen unsere Verbündeten m westlicher Richtung etwa 40 Kilometer weit über denStyrzurückzudrängen. Hier wurde ihnen Halt geboten, und ein Gegenangriff trieb sie alsbald einen starken Tagemarsch weit wieder zurück. Dieses Hinundher hat sich in der nachfolgenden Zeit unter zum Teil heftrgen Kämpfen mehrfach wiederholt. So scherterte namentlich noch am 8. d. M. ein in den vorhergehenden Tagen erfolgreich gewesener russischer Vorstoß abermals an der Westgrenze des gekennzeichneten Kampfgebretes. — Nur geringen Erfolg haben bisher auch die Bestrebungen der Russen gehabt, durch Übergang über den Styr u n t e r h a I b L u ck das Vorwartskommen in westlicher Richtuna zu erleichtern. Die dresem Zweck dienenden Unternehmungen begannen bald nach Mitte Juni. Nacheinander wurden eine Reihe von Ü b e r g a n g s v e r s u ch e n mit Kräften von zunehmender Stärke an verschiedenen Stellen des Styr, namentlich bei S o k u l, K o lk i, E h a r t o r y s k und selbst noch weiter unterhalb, gemocht. Bei Sokul gelang den Russen anfänglich der Übergang, doch wur- den sie dort alsbald wieder über den Fluß zurückgewor- f 1 " 1 An allen anderen Stellen scheiterteil bis zum
6. Juli ihre Versuche. An diesem Tage haben sich jedoch die Verteidiger infolge der Nachricht, daß starke, weit unterhalb über den Srtyr übergegangene feindliche Kräfte sie in der linken Flanke bedrohten, zum Rückzug hinter den von Natur starken Stochod-Ab- schnitt veranlaßt gesehen. Die Russen folgten langsam. Seit Mitte vorigen Monats aber bemühen sie sich vergebens, die Verteidigung des letztgenannten Abschnitts zu brechen. Alle ihre an verschiedenen Stellen mit »sehr starken Kräften ausgeführten Angriffe sind bisher gescheitert, die Stochodlinie befindet sich mit Ausnahme des vorspringenden Bogens östlich von Kowel, wo wir die Verteidigung aus freiem Entschluß in die kürzere Sehne verlegt haben, fest in unserer Hand.
Wenn wir uns nunmehr, die Besprechung der Ereignisse in der Mitte unserer Front vorbehaltend, den Vorgängen auf unserem rechten FlügeI zuwenden, so müssen wir mit der Tatsache rechnen, daß cs den Russen durch die gewaltige Übermacht, mit der sie dort zum Angriff geschritten sind, gelungen ist, sich nochmals des ganzen Gebietes der Bukowina zu bemächtigen. Auf dem äußersten südlichen Flügel sind die Verteidiger genötigt gewesen, bis auf den Kamm der Karpathen zurückzuweichen, von wo sie' jedoch unter Beteiligung deutscher Truppen seit einigen Tagen bereits mit Erfolg zum Gegenangriff geschritten sind. Nördlich davon haben im Raume von Delatyn Truppen der neuerdings dort eingetroffenen Armee Koeveß am 6. und 7. d. M. feindliche Angriffe abgeschlagen. In dem Gebiete zwischen dem Pruth und dem Dnjestr sowie auch südlich des Pruth überKuty vordringend, hatte inzwischen die Hauptmacht der in die Bukowina eingefallenen Russen Ende Juni die Gegend von K o I o m e a erreicht. Dort kam es in den ersten Tagen des Juli zu heißer Schlacht. Deren Ergebnis war, daß unsere Verbündeten zwar die Stadt den Russen überließen, aber nahe hinter ihr Stellun- gen bezogen, die die letzteren zunächst nicht anzugreifen wagten. Infolgedessen trat hier ein bis zum 28. Juli reichender Stillstand der Operationen ein. Dann aber sind die Russen in breiter Front aufs neue zum Angriff in nordwestlicher Richtung auf T y s- mienica und Stanislau geschritten^ Die da- durch hervorgerufenen Kämpfe sind noch nicht abgeschlossen, doch haben die tapferen Verteidiger der Über- legenheit des Gegners an einzelnen Stellen nachgeben müssen. Gegenangriffe singen den feindlichen Ansturm wieder auf und brachten ihn zum Stehen. An diese Nachricht unserer obersten Heersleitung wurde am tl. August die weitere Mitteilung geknüpft, daß sich die Umgruppierung der verbündeten Truppen, die angeordnet wurde, um den russischen Kräfteverschiebungen Rechnung zu tragen, in weiterer Durchführung befindet.
Die letztgedachte Mitteilung unserer obersten Heeresleitung dürfte auf die Gesamtlage im Osten zu beziehen sein, zu deren Klarstellung es nunmehr noch einer Schilderung der Ereignisse bedarf, die sich in der M i t t e unserer angegriffenen Front zugetragen haben.
. (Schluß folgt.)
General Ewerth über Hindendnrg.
Lugano, 14. Aug. Der „Eorriere della Sera" meldet aus dem russischen Hauptquartier: General Ewerth äußerte gegen die ausländischen Pressevertreter, daß von einer Beendigung des Krieges solange keine Rede sein könne, als noch ein einziger deutscher oder österreichischer Soldat auf russischem Boden stehe. Ewerth stellte die zunehmende zähe Verteidigung wichtiger feindlicher Zentren, wie Baranowitschi und Kowel fest, wobei sich auf der ganzen Front das Pulsieren eines entschiedenen Willens und autoritativen Druckes fühlbar mache, den er auf, die Ernennung Hindenburgs zurückführt, dessen Anwesenheit auf dem Kriegsschauplatz verdoppele den Wert des zu erringenden Preises, da die Russen die höchste Achtung für den feindlichen Höchstkommcmdierenden hegen.
Die Sorgen des russischen Landwirtschaftsministers.
W.T.-B. Kopenhagen, 16. Aug. (Nichtamtlich. Drahtbe- richt.) Die „Rowoje Wremja" vom 9. August berichtet: Anscheinend hat Graf Bobrinskh vor der Übernahme des Landwirtschaftsministeriums die Bedingungen gestellt, daß ihm die Machtbefugnisse der früheren Landwirtschatsminister in Lebensmittelangelegenheiten zuerkannt werden. So hat Bobrinsky den neuen Vorsitzenden des Kiewer Zuckerzenlral- bureaus T s ch e r n i k empfangen und ihm neue Instruktionen über die Z u ck e r b c r t e i l u n g in ganz Rußland erteilt. Bobrinsky empfing den Chef des Spezialamtes zum Kampfe gegen die Teuerung, O b o l c n s k y, und besprach mit ihm die laufenden Angelegenheiten. Zum Schluß der Unterredung äußerte Bobrinsky die Hoffnung, daß, obwohl das Amt Obolenskys selbständig sei, dieser sich in Lebens
mittelangelegenheiten nach den Wünschen und Anweisungen des Landwirtschaftsministeriums richten werde.
Rußland wacht über der „Autonomie" der Mongolei.
W. T.-B. Bern, 16. Aug. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Der „Temps" meldet aus Peking: Die russische Gesandtschaft protestierte am letzten Freitag bei der chinesischen Regierung gegen die Aufnahme mongolischer Abgeordneter in das Parlament. Sie sollten vom Parlament ausgeschlossen bleiben, da die Mongolei durch den Vertrag von 1913 ein Autonomie st aat sei. Die Pekinger Regierung hat auf den russischen Einspruch noch nicht geantwortet.
Amerikas wirtschaftliche Bemühungen um Rußland.
W. T.-B. Kopenhagen, 16. Aug. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) „Berlingske Tidende" meldet aus Petersburg: Die National-City-Bank in New Dork wird in Petersburg eine Zweigbank errichten, um die Handelsbeziehungen zwischen Rußland und Amerika zu fördern. Ferner wird eine große amerikanische Gesellschaft gegründet, die für den Ausbau des russischen Eisenbahnnetzes und die Entwicklung des Verkehrs auf den russischen Flüssen und Kanälen arbeiten soll.
Die Lage im Westen«
Die ermattete französisch-englische Offensive.
W. T.-B. Bern, 16. Aug. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Oberst R o u s s e t führt im „Petit Parisien" aus: Wenn man in den letzten acht Tagen Gelänhe von kaum 1 Kilometer Tiefe und 7 und 8 Kilometer Breite gewann, so könne man von gewissen Leuten hören, das sei herzlich wenig, was ja auch richtig sei. Es handle sich aber doch auch gar nicht darum, den Deutschen den französischen Boden Schritt für Schritt wieder abzunehmen, was eine endlose Arbeit wäre. Man wolle doch nur den Feind mit allen Mitteln schwächen, moralisch bedrücken und materiell lähmen, um ihn, wenn der Tag dazu gekommen sei, aufzureiben. Man müsse allerdings zugeben, daß die anhaltende Abwicklung der Kriegsereigniffe im gegenwärtigen Tempo in Frankreich ungeduldig mache und sogar entmutigend wirke.
Zur Kriegslage.
Br. Bern, 16. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) über die Kriegslage schreibt Stegemann im Berner „Bund": Die Bemühungen der Franzosen gehen offenkundig dahin, ihren im Sommebogen verstrickten rechten Flügel zu entlasten und den Engländern beim Angriff als Schulterstütze zu dienen. Aber jeder örtliche Teilerfolg ist z u teuer e r k a u s t und entbehrt jeder strategischen Auswirkung. Vor allem ist festzustellen, daß taktische Erfolge an der Schneide des vorgetriebenen Teiles die offensive Lage der Angreifer eher verschlechtern als verbessern, wenn die Flügel nach hinten hängen bleiben. Es muß daher das Urteil dahin zusammengefaßt werden, daß die englisch-französische Offensive nur als Druck und Abnützung wirkt, daß sie aber dadurch die eigenen Kräfte stärker belastet als den Gegner, der als Verteidiger den taktischen Wert des Geländes mit den Verlusten besser in Einklang bringen kann. Daß die stark gespannte Lage für die Deutschen wesentlich erleichtert würde, wenn die Offensive im Westen ausgeblieben wäre, ist selbstverständlich, aber darauf wird doch wohl der deutsche Generalstab nicht gerechnet haben. Auch Friedrich der Große wußte nach zwei und drei Fronten zu schlagen. Die italienische Jsonzooffensive scheint mit ihrem Nordflügel am Monte Gabriele angelangt zu sein und hat das übereilte Vordringen nach österreichischer Meldung mit schweren blutigen Verlusten und 6000 "Mann bezahlt.
Richtige Einschätzung des deutschen Generälftabs.
Ein Stimmungsbild aus dem englischen Hauptquartier.
W. T.-B. London, 14. Aug. (Nichtamtlich.) Der Kriegsberichterstatter Gipps telegraphiert vom britischen Hauptquartier, man dürfe in ' England nicht auf fortwährende Siege rechnen oder sich dem Glauben hingeben, daß die jüngsten Kämpfe den Feind aus dem Felde schlagen und den Krieg zu einem raschen Ende bringen würden. Der deutsche General st ab sei zweifellos noch ebenso kaltblütig und entschlossen wie je, denn er bestehe aus geübten Fachleuten. Es sei deshalb ungereimt, den plötzlichen Zusammenbruch der deutschen Kriegsmaschine zu erwarten oder aus örtlichen Schwächen, die der Feind aufweise, den Schluß zu ziehen, daß bei ihm eine all- gemeine Schwächung eingetreten sei.
Der König von England in Frankreich.
W. T.-B. London, 16. Aug. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Nach einer Meldung des Reuterschen Bureaus weilte der König in der letzten Woche in Frankreich. Er besuchte die Schützengräben und das Schlachtfeld. Der König sei mit dem König der Belgier, ferner mit P o i n c a r e und mit I o f s r e zusammengetroffen.
