Morgen.Vellage der Wiesbadener Tagblatts.
klr. 189. Dienstag, 15. klugust. 1916.
(S. Fortsetzung.)
Zrau Minchenr Narretei.
Humoristischer Roman von Küte van Beeker, (Nachdruck verboten.)
' Sie Waren jetzt fast nebeneinander, und Fee wollte zu dem Sprecher aufsehen. Nicht gerade freundlich, denn der Ton seiner Frage war hochmütig und befehlend gewesen und seine Gerte berührte jetzt Alman- sors Kopf.
Almansor machte einen Seitensprung, schnaubte und schüttelte sich vor Entrüstung, und Fee, die ganz nachlässig im Sattel gehangen und die Zügel lose gehalten hatte, kam sogar einen Augenblick ins Wanken.
„Mrt dem Reiten scheint es nicht weit her zu sein, mein Junge", lachte der Offizier spöttisch auf. „Sonntagsreiter, — was?"
Kun blickte Fee, die ihr Pferd schon wieder vollkommen in der Gewalt hatte, wirklich zu ihm auf und vergaß darüber das zornige Wort, das ihr auf den Lippen geschwebt.
Aus einem schmalen, braungebrannten Gesicht blitzten ein Paar stahlblaue Augen so spöttisch und hochmütig auf sie herab, daß sie ganz verwirrt wurde.
„Na, es geht. Das Bürschchen sitzt leidlich stramm", nickte er jetzt herablassend herüber. „Pardon, junger Herr, für den bösen Verdacht." Er legte nachlässig die Finger an die Mütze. „Ader nun, bitte, etwas flink, — ich möchte wissen, welcher dieser beiden Wege nach der Stadt führt."
Fee fühlte einen direkt zornigen Widerwillen in sich aufsteigen unter den Worten und Blicken des Offiziers. Wie er sie musterte, spöttisch, verächtlich und überlegen, haßte sie ihn in momentaner Aufwallung. Jetzt blitzten auch ihre Augen, trotzig warf sie den Kopf in den Stacken.
„Ich bin kein Wegweiser! Suchen Sie sich Ihren Weg selbst!" stieß sie kurz hervor, und schon sauste Al- mansor in gestrecktem Galopp mit ihr weiter.
„Oh, solch ein Grobian! Den will ich doch Mores lehren!"
Der Offizier hatte sein Pferd gewandt und jagte hinter Fee her. Sie hatte nicht umsonst seinen Renner bewundert. So flink ihr Alniasor auch war, der anders holte ihn im Nu ein. Eben nach schnaubte er hinter, dann neben ihr, und nun griff eine feste Hand in ihre Zügel. Mit eineur Ruck standen beide Tiere und das schmale, brarrne Gesicht mit den hochmütigen, stahlfunkelnden Augen bog sich zu ihr herüber.
„Bürschchen, die noch in den Flegeljahren stecken, muß man gute Umgangsformen beibringen", sagte seine spöttische Stimme. „Mütze ab und Rede gestanden!"
Mit kecken: Schwung hob seine Reitgerte ihr die Mütze vom Kopf. Die halbgelösten Flechten fielen lang und schimmernd über den Rücken, ihre Besitzerin, alles andere vergessend, griff in heftigein Schreck nach ihnen und der Offizier prallte mit einem Ausruf der Überraschung zurück.
„Potz Blitz, ein Mädel! Ta Hab' ich etwas Gutes angerichtet! Um Himmels willen, mein Fräulein, verzeihen Sie mir! Wer ist denn aber auch auf so etwas
gefaßt! — Erlauben Sie wenigstens, daß ich Ihnen helfe!"
Er griff nach der rotblonden, in flimmernden Wellen ausspringenden Haarflut.
Ungestüm bog Fee sich zurück. Almansor, der all das nicht überblicken und verstehen konnte, machte wieder einen Satz, und hätte dabei seine vollkommen mit ihrem Haar beschäftigte und verwirrte Herrin unbedingt in das benachbarte grüne Kleefeld gebettet, wenn der junge Offizier ihm nicht schnell in die Zügel ge- fallen und mit dem Arni Fees Schulter umfaßt hätte. Er zog sie dabei ganz fest an sich und sah ihr lächelnd in das vor Aufregung erblaßte Gesicht.
„Rasse, wahrhaftig Rasse! Wenn Sie erst etwas älter sind und Ihr Haar kleidsanrer frisieren, werden Sie entzückend und apart wirken, liebe Kleine."
Fee war wie erstarrt gewesen, jetzt schlug ihr das Blut in heißen Wellen in das blasse Gesicht. Sie stieß seinen haltenden Arm ungestüm zurück, riß die Zügel ihres Pferdes aus seiner Hand und jagte vorwärts.
„Halt, halt, Ihre Mühe!" tönte es hinter ihr.
Sie achtete nicht darauf, nur vorwärts, nur aus der Nähe dieses verhaßten, irnverschämten Menschen.
Aber da klang schon wieder der Hufschlag des fremden Pferdes hinter ihr und in der nächsten Sekunde war seine Gestalt an ihrer Seite.
„So schnell entfliehen Sie mir nicht. Ich habe viel zu viel Schuld gegen Sie auf dem Gewissen; dafür muß ich erst Abbitte tun und Verzeihung erhalten", sagte die spöttische Stimme. ..Halten Sie doch Ihr Pferd einen Moment an, damit wir ruhig und sittsam miteinander verkehren können. Es sieht wirklich aus, als wenn Sie Furcht vor mir hätten, und Furcht sollte eine junge Dame, die in Jungenskleidern spazieren reitet, eigentlich doch nicht kennen."
„Ich fürchte mich auch nicht", stieß Fee entrüstet her- vor und sah ihm trotzig in das Gesicht.
„Eben, das denke ich doch auch. Warum also jagen Sie so blind und toll fort und nehmen mir jede Gelegenheit, mein' Unrecht wieder gut zu machen?"
„Ich will mit eineni so ungezogenen Menschen nichts zu tun haben", war ihre grollende Antwort.
„Gut, das finde ich richtig, — sollen Sie auch nicht, nur Ordnung muß sein, Ihre Mütze müssen Sie ans meinen Händen empfangen."
Sie streckte hastig ihre Hand nach der hingehaltenen Mütze aus, aber geschickt zog er sie gleich wieder zurück.
„Halt! Nein, nein, nicht so banal und alltäglich, sondern in geziemender Weise. Gerade da ich mich wie ein Räuber und Flegel benonunen habe, verlange ich jetzt zu meiner Rechtfertigung die Erlaubnis, mich als edler Ritter und Mann von guten Formen zn beweisen. Bitte, halten Sie doch Ihr Pferd an!"
„Aber tvas wollen Sie denn?" fragte Fee, verwirrt Von dem Blick dieser sonderbaren, blaugrauschimmernden Augen, die jetzt mit einein ganz anderen Ausdruck auf ihr ruhten als vorher. „Ich mag nicht —"
