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Dienstag, 13. Nugust 1916.

Morgen-ktusgabe.

Nr. 384. . 64° Jahrgang.

äusslsche vorftöhe wieder verlustreich gescheitert.

Eine russische Kavalleriebrigade gesprengt. Bei Stobychowa ein feindlicher Sandhügel genommen.

Starke italienische Angriffe zusammen­gebrochen.

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W.T.-B. Wien, 14. Aug. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 14. August, mittags:

Russischer Kriegsschauplatz.

Heeresfront des

Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.

Südlich des Dnjestr keine desondcren Ereignisse. Auf den Höhen nördlich von Mariampol wurde gestern durch unser Feuer eine attackierende russische Kavalleriebrigade Zersprengt. Heute in den Morgenstunden trat der Fernd an der ganzen Front zwischen dem Dnjestr und der Gegend sndwcstltch von Zalocze mit den verbündete» Streitkrästen wieder in engere Gefechtsfühlung. Südlich von Horozauka scheiterte ein russischer Vor- st o ß. Westlich von Xozowa verjagten unsere Trup­pen brandschatzende Abteilungen, bei Augustowka und im Raume von Zborow wehrten itnsere Bataillone zahl­reiche russische Angriffe ad. Es wurden über 300 Ge­fangene eingebracht.

Heeresfront des

Generalfeldmarschalls v. Hindenburg.

Die Armee des Generalobersten v. Boehm- E r m o l l i schlug südwestlich von P o d k a m i e u einen durch mehrstündiges Trommelfeuer eingeleiteten und durch Gebrauch von Gasbomben unterstützten Massen- «x n 8 r t f f zur ü ck Das Vorfeld unserer Stellungen ist von toten und schwerverwnndctcn Russen bedeckt. Neue Kämpfe sind im Gange. Bei Rulcwicze am Stochod scheiterte ein schwacher russischer Vorstoß. Südlich vom Stobvchwa wikrde ein vom Feinde be­setzter Sand Hügel genommen und die B e - s a tz u n g des Stützpunktes gefangen.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Starke feindliche Kräfte griffen unsere Stellungen östlich des B a l o n e t a l e s zwischen Lokvica und der Wippach siebenmal an, wurden aber von unseren Truppen immer wreder vollständig zurückgeschlagcn. Tie Jnfanterieregimenter Nr. 43 und 43 haben sich wie­der glänzend bewährt.

Die Höhen östlich von G ö r z, der Monte San Gabriele und der Monte Santo standen unter heftigstem Geschützfeuer.

Im Suganer -Abschnitt brachen zwei srindlicheÄngriffc aus dem Civaron in unserem Feuer zusammen.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Nichts von Belang.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höfer, Feldmarschalleutnant.

Ereignisse zur See.

In der Nacht vom 13. aus den 14. August hat ein Seeflngzeugqeschwadcr den Bahnhof Ronckii, militärische Objekte und Stellungen in Picris, Fermegliano, Selz irnd San Canziano, sowie eine feindliche Batterie an der Jsonzomünvung sehr c r- f o l g r e i ch mit Bomben belegt und viele Voll­treffer erzielt. Alle Flugzeuge sind trotz heftigster Beschießung unversehrt cingerückt.

Flottenkommando.

Die militärische Lage.

(Von unserer Berliner Abteilung.)

I-. Berlin, 14. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Die schweren englischen A n g riff e vom 12. und 13. August sind vollständig ergebnislos für den Feind verlaufen. Den einzigen Geländegewinn, etwa 700 Meter Grabenlänge in vorderster Linie auf der Straße Thiepval- Pozieres, nahmen unsere Truppen im Gegenangriff in ver­gangener Nacht wieder vollständig zurück. Auch ein englischer Angriff bei Jllemont ist unter schwersten Verlusten zu­sammengebrochen. Ein starker französischer Angriff im Gebiet von Mariecourt-Clery hatte zwar einen kleine Erfolg, wurde aber nach zuverlässigen Feststellungen mit starken feindlichen Manuschaftsverlusten bezahlt. Südlich der Somme fanden keine besonderen Ereignisse statt. Auch bei Verdun ist die Lage unverändert. Alle französischen Bemühungen, uns er­neut die Höhenstellungen von Flcury-Thiaumont streitig zu machen, waren umsonst. Bor allem von Chapitre-Wald bis

Fleury waren die feindlichen Einbußen beträcht­lich. In Flandern warfen feindliche Flieger Brand­bomben, um bie Stute zu zerstören. Diese Versuche blieben vergeblich, abgesehen davon, daß außer deutschen Mi- litärpersonen einheimische Zivilisten und deren Gespanne ge­rötet wurden.

Im Osten hatte bei der Heeresgruppe des Prinzen Leopold von Bapern ein Patrouillenvorstoß von zwei­einhalb pommerischen Kompagnien guten Erfolg. Es wurden mehrere russische Kompagnien völlig zer - sp r e n g t. Mit nur vier Verwundeten kamen die Unseren planmäßig wieder zum Ausgangspunkt zurück. Die wichtigen Bahnstationen hinter der ruffischen Front Paniewetsche und Siniowka wurden von deutschen Fliegern mit Bomben be­legt. Russische Angriffe nördlich der Bahn Kowel - Sarny wurden abgeschlagen. In der Gegend von Z a r e c z e am Stochod wurde ein vorgeschobener Teil der russische» Stellung eingedrückt. Westlich von L u ck gelang die völlige Zurückweisung starker russischer Vorstöße. Die plan­mäßige Umgruppierung nördlich vom Dnjestr wurde fort­gesetzt. Russische Angriffe bei Zarkow und Konjnchp, die mit großer Kraft vorgetragen wurden, sind nicht nur zum Schei­tern gebracht, sondern dabei auch 300 Gefangene dem Feinde weggenommen worden. Östlich von Hallisch brach ein wei­terer russischer Angriff mit härtesten Ver­lusten zu s a m m e n. Auch südlich des Dnjestr fand die Um­gruppierung ihre planmäßige Fortsetzung. In den Kar­pathen war das Wetter recht unsichtig, was die Operationen l-ehemmte.

Vom Balkan wird gemeldet, daß der Feind gegen unsere Stellungen südlich des Doiransees starkes Feuer richtete, was ebenso erwidert wurde.

Auf dem italienischen Kriegsschauplatz galten die feindlichen Anstrengungen weiter dem Ausbau ihres Raumgewinnes bei Gör z. Trotz siebenmaliger, mit über­legenen Kräften angesetzter Vorstöße erreichte der Gegner nichts, was für die Zähigkeit der österreichischen Verteidiger spricht. Der feindliche Hauptdruck lag auf dem Plateau von T o b e r d o, bei der Stellung von Lokvica.

Italiens Torheit.

O Berlin, 12. Aug.

Seit dem angedrohten Wirtschaftskrieg nach dem Kriege steht es so: Die Engländer wol­len ihn als Mittel zur Schaffung einesGrötzer-Bri- tannten" benutzen, und ihre Verbündeten sollen zu Werkzeugen dieser selbstsüchtigen Bestrebungen gepreßt werden. Die Franzosen, soweit sie in der Hysterie ihrer Verzweiflung das Augenmaß für Nutzen und Schaden verloren haben, sind bereit, sich zu sol­chen Werkzeugen herabwürdigen zu lassen, ein anderer Teil, der die Besonnenheit noch nicht verloren hat, ver­weigert die Gefolgschaft. Tie Russen sagen ent­schieden nein. Sie brauchen sich nicht als willenlose Sklaven englischer Herrschaftsgelüste mißbrauchen zti lassen, und sie tun es nicht. Sie wollen nach dem Kriege an uns verkaufen und von uns kaufen, und deshalb fin­den die britischen Werbungen um Hilfe im Wirtschafts­kriege in Petersburg und Moskau am wenigsten Gehör. Wie aber steht es mit Italien? Auch dies unglück- liche Land weigert sich, niöchte sich wenigstens weigern, jedoch wird es von England g i zwun g e n. Die Kün­digung des Handelsvertrages mit uns ist als Ausdruck tragikomischer Note noch nicht genügend gewürdigt worden. Niemals hätte die Regierung den Handels­krieg gegen uns eröffnet, wenn sie nicht gemutzt hätte. Sie hat sich um die Kriegserklärung ja nur mit deshalb herumgedrückt, weil sie sich nicht auch wirtschaft­lich aufs Trockene setzen lassen wollte. Wir und Öster­reich-Ungarn nahmen vor dem Kriege allein ein Viertel der gesamten italienischen Ausfuhr auf. Wohin will Italien seinen Wein, seine Früchte, seine Eier, seine Rohseide verkaufen, wemr nicht an uns? Woher will es sein Eisen, seine Eisenwaren, seine Farbstoffe und Chemikalien, alle sonstigen unentbehrlichen Jndustrie- erzeugnisse beziehen, wenn, nicht aus Derrtschland? Kann ihm Frankreich, dessen Bergwerksindustrie durch den Krieg zerstört ist, liefern, was es braucht? Das alles weiß man in Italien, nian hat sich mit Händen und Fützen gesträubt, uns den Wirtschaftskrieg zu erklären, aber man wurde von dem englischen Zwingherrn i n dies Unglück hineingepertscht. Und hierin hauptsächlich, in dieser teuflischen Gewalt, die England über das mitzleitete Königreich gewonnen hat, liegt die Bedeutung des Ereignisses, das auf uns keinen so großen Eindruck machen konnte. Denn nicht wir werden die Kosten des verhängnisvollen Entschlusses zu tragen haben. Es steht io schlimm mit Italien, daß es uns dankbar sein wird, loenn wir nach dem Kriege Großmut üben und die zwangsweise zerrissenen Fäden wieder anzuknüpsen helfen werden. Ohne uns würde Italien sonst ein zweites Portugal werden müssen, ein britischen Vasallenstaat, ein Zerrbild der früheren Selbständigkeit, eine englische Kolonie aus europäischem Boden. Zuletzt freilich hängen alle eng­lischen Vergewaltigungen, mögen sie in den Formen

des gemeinsamen Wirtschaftskrieges oder in der Son­derform rücksichtsloser Ausbeutung des schwächsten der Verbündeten, Italiens, erfolgen, vom Inhalt des künf­tigen Friedensvertrages ab. Daraus muß immer wie­der das entscheidende Gewicht gelegt werden. Der Wille, uns wirtschaftlich e i n z u s ch n ü r e n und zur völligen Ohnmacht herabzudrücken, ist nur ge­rade soviel und soweit zu fürchten wie der Wille, unser Gebiet zu zerstückeln und uns aus der Reihe der lebens­fähigen Nationalstaaten zu streichen. Das will sagen, er ist überhaupt nicht zu fürchten. Deutschland kann nicht bezwungen werden. Es ist schon heute der Sieger und wird alle Zertrümmerungspläne der Feinde zuschanden machen. Gilt das von den Erobe­rungsabsichten des Vierverbandes, so gilt es auch von dem gemeinsam zu führenden Wirtschaftskriege. Darum können wir die .Torheit der Italiener, die sie allerdings nicht freiwillig begangen haben, mit mehr Bedauern als Besorgnis betrachten. Es ist bezeichnend, daß bei uns dies Urteil auch von jener, außerhalb des natio­nalen Gesamtwillens stehenden Gruppe der Sozial- demokratie geteilt wird, von der wir sonst gewohnt sind, sie kritisch abseits heruniirren zu sehen. Sogar die sozialdemokratische Arbeitsgemeinschaft bequemt sich dazu, die L aug mu t unserer Regierung gegenüber Italien a n z wer kenn e n und den Entschluß der römischenStaatsmänner" nach Verdienst zu tadeln. Das geschah vor einigen Tagen in einem auffallend verständigen Leitartikel desVorwärts". Gewiß brauchen Hnr diese Unterstützung nicht, aber zur Beur> teilung des Verhaltens Italiens gehört es immerhin, zu erfahren, wie einmütig bei uns die Verrrrteilung ist.

Oie Lage im westen.

Bemerkenswerte Urteile französischer Militärkritiker.

Die Stockung der Offensive an der Westfront. Langwieriger Belagerungskrieg für die Italiener. Eine Offensive Sarrails vorläufig nicht möglich.

(Von unserem Xr.-Sonderberichterstatter.i

Xr. Genf, 14. Aug. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) O b e rft R o u s s e t begründet die Stockung in der Offensive an der Westfront. Er sagt imPetit Parisien" wörtlich: In­mitten der allgemeinen Offensive erhielten Frankreich und England nur die Aufgabe, den größten Teil der deutschen Kräfte nur zu binden, den wirklichen Sieg bei dieser gemein­samen Offensive müssen die Russen und die Italiener errin­gen. Somit ist unser Anteil wenig glänzend, aber opfervoller und mühsamer. Wie sich diese Äußerungen Roussets mit denen Joffres, der jüngst den amerikanischen Pressevertretern erklärte, der Durchbruch der deutschen Front würde bestimmt erfolgen, zusammenreimen lassen, steht dahin. Es wird den Russen und Italienern vielleicht keine Freude bereiten, daß sie denwirklichen Sieg" dabontragen sollen, was jeden­falls noch größere Opfer verlangen würde, wie sie die Eng­länder und Franzosen im Westen zu bringen entschlossen wären. ImEcho de Paris" bezeigt sich auch General Cherfits hinsichtlich der Italiener recht pessi- mistisch. Er sagt: Die Österreicher halten jetzt neue starke Bastionen, San Gabriele und San Marco. Die Periode der Überraschungen ist für die Italiener vorbei. Sie werden schrittweise einen langwierigen Belagerungskrieg fort­führen müssen. Nur ein vollkommen glänzender Sieg der Russen könnte Cadorna wiederum etwas vorwärts helfen. Auch die angeblich dicht bevorstehende Offensive des Generals Sarrail haltenL'Oeuvre" undPetit Parisien" vorderhand für unmöglich. Der Vsrswß am Doiransee hätte lediglich Aufklärungszwecken gedient. Man habe die Defensivstärke und die Moral der bulgarischen Truppen erproben wollen. Darüber wäre Sarrail jetzt unterrichtet. DerPetit Parisien" erhält aus Saloniki, und zwar aus militärischen Kreisen, eine Mitteilung, worin es ge­tadelt wird, daß man in Frankreich vorzeitige Schlüsse gezogen bat, die Offensive müsse bald einsetzen. Sie wäre jetzt unmög­lich. Was aber doch wohl möglich ist, ist der Versuch solcher militärischer Kreise mit der Ableugnung, daß die Offensive geplant war oder vielleicht bald geplant wird, den Feind, dessen Abwehrbereitschaft inzwischen schon erwiesen' wurde, zu täuschen.

Amtliche Stimmungsmache in Frankreich.

Br. Genf, 14. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Zu den während Lloyd Georges Pariser Anwesenheit erörterten militärischen Aufgaben bemerkt eine Havas- Note, das augenblickliche Hauptziel sei, daß von den 20 deutschen Divisionen vor Verdun und über 100 anderen an der übrigen Westfront aufgebotsnen deut­schen Divisionen keine einzige ostwärts gesandt werde. Das französisch-britische Zusammenwirken ir Maze­donien,^ das bisher auf die Beherrschung dee: Linie Sälomki-Kawalla abzielt, verspreche weiteren Erfolg. Diese optimistische Dm r st e l l u n g der Kriegs­lage ist dazu bestimmt, das Publikum auf gewisse, gleichfalls mit Lloyd Georges besprochene Ribotßche Finanzoperationen vorzubereiten.